Dreist

freenet TV "verkauft" Receiver-Feature als eigene Leistung

freenet TV wirbt damit, dass Kunden eine Sendung live empfangen und gleichzeitig ein zweites Programm aufzeichnen können. Die Aufzeichnung sei aber nur in SD-Qualität möglich.
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freenet TV hat zu Wochenbeginn gegenüber den Medien mitgeteilt, dass Zuschauer ab sofort die Möglichkeit haben, ein Fernsehprogramm live zu sehen, während eine zweite Sendung im Hintergrund aufgezeichnet wird. Dies ermögliche das CI+-Modul des Veranstalters, wie die PR-Agentur auf Anfrage von teltarif.de erklärte. Doch bei genauer Betrachtung hat freenet TV mit der jetzt als Neuheit angepriesenen Funktion überhaupt nichts zu tun, sieht man einmal davon ab, dass ein verschlüsseltes privates Fernsehprogramm in HD-Qualität empfangen werden kann. Das wiederum steht in keinem Zusammenhang mit der jetzt als Eigenleistung beworbenen Aufnahmefunktion.

Wie der Anbieter selbst mitteilte, ist ein Fernseher mit integriertem Triple-Twin-Tuner Voraussetzung für den Parallelempfang zweier Programme, um einen Kanal live zu sehen und eine zweite Sendung gleichzeitig aufzuzeichnen. Der Kunde könne einen der beiden gewünschten TV-Kanäle über Satellit empfangen, während das zweite Programm über DVB-T2 empfangen wird - etwa über eine Zimmerantenne, die zusätzlich zur Satellitenempfangsanlage auf dem Dach über Balkon zum Einsatz kommt. Das aber ist natürlich keine Leistung, die der TV-Paket-Anbieter erbringt, sondern ein Feature des vom Kunden verwendeten Empfangsgeräts in Verbindung mit den zum Einsatz kommenden Antennen.

Aufzuzeichnendes Programm nur in SD-Qualität empfangbar

freenet TV informiert über Aufnahme-Funktionfreenet TV informiert über Aufnahme-Funktion Das Liveprogramm werde in HD-Qualität empfangen, während beim aufzuzeichnenden Sender auf das Signal in Standardqualität zurückgegriffen werde. Sprich: Die Sendung, die live in HD gesehen wird, kommt über das terrestrische Digitalfernsehen ins Wohnzimmer, während der zweite, zur Aufzeichnung bestimmte Kanal in Standardqualität über Satellit empfangen wird. Mit diesem Empfangsweg hat freenet TV allerdings gar nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich um das ohnehin vorhandene unverschlüsselte Signal des jeweiligen Programms auf Astra 19,2° Ost. freenet TV bewirbt die SD-Aufzeichnung ziemlich dreist sogar als Vorteil: "Während es bei der Aufnahme von HD-Sendern einige Beschränkungen durch die Programmveranstalter hinsichtlich Timeshift oder Vorspulen gibt, funktioniert die Aufnahme über SD völlig barrierefrei." Zur deutlich schlechteren Bildqualität verliert der Veranstalter kein Wort.

Sofern der Kunde zwei Satelliten-TV-Anschlüsse zur Verfügung hat, können auch beide Sendungen über Astra empfangen werden, anstatt auf das terrestrische Digitalfernsehen zurückzugreifen. Ein Parallelempfang zweier DVB-T2-Signale hilft allerdings nur dann weiter, wenn neben einem zu freenet TV gehörenden Sender ein unverschlüsselt verbreitetes öffentlich-rechtliches Programm empfangen werden soll, da es ein Free-to-Air-Signal der privaten Anbieter in SD-Qualität in den DVB-T2-Empfangsregionen nicht gibt.

freenet TV hofft auf weitere Satellitenkunden

freenet TV hat derzeit mehr als eine Million Zuschauer. Dazu hofft der Anbieter, Satellitenzuschauer für sein Programmpaket gewinnen zu können, die die Programme der privaten Programmveranstalter derzeit noch unverschlüsselt in SD-Qualität empfangen. Ob diese Rechnung aufgeht, bleibt abzuwarten, zumal mit HD+ bereits seit mehreren Jahren ein vergleichbares Angebot über Astra bereitsteht.

Anders als HD+ bietet freenet TV Interessenten die Möglichkeit, als Alternative zum Satellitenempfang auch DVB-T2 zu nutzen. Dafür ist bei HD+ beispielsweise Eurosport 2 HD Xtra zubuchbar. Dabei handelt es sich um den ansonsten nur via Internet verbreiteten Kanal des Sportsenders, der auch die Übertragungen der Fußball-Bundesligaspiele bietet, für die Eurosport die Senderechte besitzt.

In einer weiteren Meldung haben wir die Pay-Pakete für Free-TV bereits miteinander verglichen.

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