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Zusätzliche Gebühren der Netzanbieter bei eingehenden Anrufen


17.03.2014 13:27 - Gestartet von ost
Hallo,

eine Freundin war eine Woche in Tunesien mit einem T-Mobile-Vertragshandy. Sie bekam eine SMS bei Ankunft: 2,99 für ausgehende Gespräche; 1,79 für eingehende Gespräche; SMS 0,xx pro Stück.
Sie ließ sich täglich von ihren Kindern anrufen und rechnete mit gut über 100 Euro Kosten. Die Überraschung war groß, als es 450 Euro waren. Gut, sie hatte sich verrechnet, aber es gab einen Posten "Zuschlag des ausländischen Netzanbieters" über 115 Euro.

Die Nachfrage bei T-Mobile ergab, dass bei eingehenden Gesprächen der ausländische Netzanbieter Zuschläge erhebt, die weiter belastet werden.

Auf die Frage woher man das denn wissen soll und wie viel das denn sei, wurde es spannend:

"Das sieht man im Internet oder kann es bei der Hotline erfragen. Es sei eine Pauschale, die mit dem ersten eingehenden Anruf fällig wird." Aha, 115 Euro Pauschale! Nicht zu glauben.

Zweiter Anruf mit selber Frage ergab ein anderes Bild: Nach 10 Minuten Wartezeit kam der Hinweis auf eine Internetseite, dort - gemeinsam - nachgesehen, wurden zwar die Kosten für EU-Auslandsgespräche aufgelistet, die zusätzlichen Fremdländer sollten dann auf einer anderen Seite ersichtlich sein, der Link dorthin leitet einen aber in die Irre. Die Mitarbeiterin von T-Online kommt ins Schwitzen, fragt erneut die Kollegen. Dann die Antwort: 75 Cents pro Gespräch! Schön wär's, dann wären es ja nur 20 Euro. Ein Blick auf den Einzelverbindungsnachweis zeigt, dass die Antwort Quatsch ist.

Es hilft nichts. Taschenrechner raus, Zuschlag durch Minuten gerechnet und das Ergebnis heißt 1,19 pro Minute.

Das muss einem doch vorher bekannt sein. Wie soll ich wissen, welche Kosten ich produziere, wenn mir unvollständige Preise genannt werden (die Preis-info-SMS), wenn das Internet nichts zeigt, wenn die Hotline nach 30 Minuten keine Antwort findet und nur durch nachträgliche Mathematik (also erst nach Rückkehr) die Preisinfo errechnet werden kann? Ist eine solche Rechnung zu bezahlen?

Anruf bei meinem Anbieter (E-Plus) ergab: Die Preise können wir Ihnen nicht sagen, sie wechseln täglich. Hallo! Der hiesige Netzbetreiber hat einen Vertrag mit dem Roaming-Partner. Der muss doch wissen, was auf seine Kunden zu kommt. Das ist ja so als hätte ich ein Flugticket und es heißt, da kommen noch Landegebühren hinzu in unbekannter Höhe, die muss jeder beim Aussteigen bezahlen. Wie hoch? Keine Ahnung, das legt jemand anderes täglich neu fest... Da würde doch niemand mehr fliegen!

Kann man sich gegen die Rechnung wehren?

Erste Beschwerdemail hat die Antwort ergeben: Ja ist so, müssen sie zahlen. Auf die fehlenden Preisinfos wurde nicht eingegangen...
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[1] wolfbln antwortet auf ost
18.03.2014 11:39
Natürlich kann man sich dagegen wehren, braucht aber einen langen Atem, denn es könnte ein Rechtsstreit daraus werden bei dieser Summe.

Deine Freundin muss grundsätzlich nur das zahlen, was ihr als Gebühr - hier die 1,79 pro Min. - vom Ambieter "kommuniziert" worden ist.
Viele Anbieter verweisen darauf, dass in den SMS nur eine "verkürzte Preisliste" vermittelt wird und die Gesamtliste online einsehbar ist. Ob die tatsächlichen Preise dann erheblich abweichen dürfen, ist bisher umstritten, aber durchaus Praxis in bestimmten Fällen z.B. bei Premiumnummern.
Dennoch muss ihr Anbieter online oder gedruckt ein (damals) gültiges Preisverzeichnis nachweisen können, woraus die Berechnung der Gebühren für jedes einzelne Gespräch nachvollziehbar wird.
Wenn ich mir die eingehenden Gebühren für Tunesien bei der Telekom aktuell in den Optionen "Smart Traveller" oder "weltweit" mal anschaue, nehmen sie 1,79 EUR im Minutentakt. Von einer Zusatzgebühr ist nichts zu lesen. Ich sehe da keinen Hinweis in ihrem Gebührenverzeichnis dazu. Wenn es eine derartige "Zusatzgebühr" gibt, muss sie explizit genannt werden (möglw. nicht unbedingt in der SMS) und auch nachvollziehbar sein, wie sie sich zusammensetzt.
Wenn die Telekom so etwas nicht vorweisen kann, hat deine Freundin gute Chancen. "Findet" die Telekom die Seite dann doch, hängt es davon ab, ob man sie auch als Kunde "finden" kann.

Fürs nächste Mal gib deiner Freundin bzw. ihren Kindern ein paar Tipps für Tunesien. Sie kann vor Ort für 5 Dinar (= 2,30 EUR) mit Pass eine Prepaidkarte kaufen (z.B. bei orange), die Nummer per SMS nach Deutschland schicken und schon ist sie für 20-30 Cent/min über CbC der Telekom, Skype oder andere VoIP von Deutschland aus erreichbar.


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[1.1] ost antwortet auf wolfbln
18.03.2014 20:11

Danke für die Antwort.

Die Hotline der Telekom (T-Mobile) konnte selbst auf hartnäckiges Nachfragen nicht einmal intern die Information beschaffen. Damit ist eine Preisinformation oder gar -Transparenz in keinster Weise gegeben.

E-Plus behauptet gar, der Preis wechsele fast wie an der Tankstelle, nämlich täglich. Deshalb will man (offiziell: kann man) auch gar keinen Preis nennen!

Das Schlimme dabei ist auch noch, dass es vom jeweiligen Roamingpartner abhängen soll. Wer sucht sich - insbesondere, wenn man gerade angerufen wird (!) - dann schnell das günstigste Netz???
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[1.1.1] Christian_Wien antwortet auf ost
22.04.2014 19:43
Benutzer ost schrieb:

Danke für die Antwort.

Die Hotline der Telekom (T-Mobile) konnte selbst auf hartnäckiges Nachfragen nicht einmal intern die Information beschaffen. Damit ist eine Preisinformation oder gar -Transparenz in keinster Weise gegeben.

E-Plus behauptet gar, der Preis wechsele fast wie an der Tankstelle, nämlich täglich. Deshalb will man (offiziell: kann man) auch gar keinen Preis nennen!

Das Schlimme dabei ist auch noch, dass es vom jeweiligen Roamingpartner abhängen soll. Wer sucht sich - insbesondere, wenn man gerade angerufen wird (!) - dann schnell das günstigste Netz???

Ich weiß zwar nicht, ob es schon bei deiner Suche der Fall war oder es die Dt. Telekom erst nach deiner Beschwerde geändert hat:
Ich konnte die wuchermäßigen Roaminggebühren auf der Website ohne Probleme finden.
Auf der über das Menü erreichbaren Roaming-Seite http://www.t-mobile.de/tarifoptionen/0,20406,17775-_578,00.html findest du unter dem Link http://www.t-mobile.de/downloads/im-ausland/weltweit-laenderuebersicht.pdf heraus, daß Tunesien zur Ländergruppe 3 gehört und somit ankommende Anrufe € 1,79 und abgehende € 2,99 kosten.
Allerdings findest du unter den einzelnen Preisaufstellungen einen in Rot gehaltenen Punkt "Zusätzliche Preise für ankommende Roaming Gespräche bei Laufzeitverträgen", wo eine separate Abfragemöglichkeit nach Ländern und einzelnen Netzbetreibern möglich ist.
Diese Abfrage bringt bei allen tunesischen Netzbetreibern die idente Ausgabe, daß für ankommende Anrufe ein zusätzlicher Zuschlag von € 1,19 pro Minute verlangt wird.

Das Problem ist wohl hier nicht die fehlende Angabe dieser Preisbestandteile, sondern, daß auf die Möglichkeit, daß manche ausländische Netzbetreiber solche perversen Zuschläge verrechnen, nicht länderspezifisch (oder zumindest pauschal) und somit leicht für die Kunden wahrnehmbar in den Roaming-Ländergruppen hingewiesen wird.
Übrigens sind derartige Zuschläge auch bei den Roamingangaben österreichischer Netzbetreiber auch nur über eine detaillierte Länderabfrage zu finden, während der "normale" Roamingpreis gleich in der Tarifdetails steht.

Generell halte ich aber eine Trennung dieser zwei eigentlich zusammengehörenden Preisbestandteile für problematisch und rechtlich angreifbar.
Das gilt umso mehr, wenn **alle** ausländischen Netzbetreiber eines Landes einen derartigen Zuschlag berechnen.
Hier müßte eigentlich korrekterweise in den Roamingpreislisten bzw. den Welcome-SMS bei Grenzübertritt der maximale Gesamtpreis inkl. aller eventuellen Zuschläge angegeben werden, sodaß es für den Kunden dann eben nicht mehr teurer als angegeben, sondern höchstens billiger werden kann, falls er einen Netzbetreiber ohne Aufschlag nutzt.