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Discounter hat Gewährleistungspflicht


28.08.2009 11:08 - Gestartet von hering
Im Artikel steht: "Beim Discounter muss alles selbst erledigt werden. Das ist nicht nur zeit-, sondern auch kostenintensiv, denn das Porto muss aus eigener Tasche gezahlt werden."

Innerhalb der Gewährleistungszeit von zwei Jahren muss nach meinem Kenntnisstand der Händler das Gerät zurücknehmen. Das gilt auch für Discounter. Dass dieser versucht die Kunden abzuwimmeln, steht auf einem anderen Blatt.

Lediglich für die Inanspruchnahme von Garanitieansprüchen (die über die gesetzliche Gewährleistungspflicht hinausgehen), muss sich der Kunde direkt an den Hersteller wenden.

Wer bei einem Versandhändler kauft und deshalb defekte Ware auf dem Postweg zurückgeben muss, kann meines Wissens auch eine Erstattung des Portos verlangen. Seriöse Händler bieten die Portoerstattung freiwillig an.
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[1] Beschder antwortet auf hering
28.08.2009 11:40
habe vor 1,5 jahren ein targa bei lidl gekauft. nachdem ich von dem navi 3 mal zum falschen ziel navigiert wurde und es auch sonst so seine schwächen entblösste habe ich es zurückgebracht und das geld in ein medion investiert. damit bin ich heute noch glücklich und wundere mich nur ab und an wenn es mich bei der einstellung "kürzeste strecke" durch den wald schicken will wenn ich mich gerade im ausland befinde. so geschehen in tschechien und in den vogesen, kann sein das dies an der einstellung "motorrad" gelegen hat.

die aussage im artikel bezüglich der rückgabe/reparatur kann ich nicht nachvollziehen und sollte nochmals geprüft werden.

gruss
beschder
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[1.1] Marc Thorwartl antwortet auf Beschder
28.08.2009 15:35
Hallo Hering, hallo Beschder,
zuerst einmal danke, für die Rückmeldung und Ihre eigenen Erfahrungen.
Zu den Garantie- oder Gewährleistungsfällen musste ich auf eigene, leidvolle Erfahrungen zurückgreifen. Wie Hering richtig beschrieben hat, sollte der Discounter eigentlich dazu verpflichtet sein, die Ware zurückzunehmen. Mein Gerät ist aber erst ca. 6 Monate nach dem Kauf mit einem Defekt ausgestiegen. Der Akku war hinüber. Die heimische Aldi-Filiale sagte mir, dass ich mich direkt an den Hersteller wenden sollte. Die Servicenummer und Adresse sei im Begleitheft angegeben.
Da ich das Navi schnell zurückhaben wollte und mich nicht auf endlose Diskussionen bezüglich der Gewährleistung einlassen wollte, habe ich bei Medion angerufen, der Vorfall wurde aufgenommen, ich habe das Navi verpackt, dorthin geschickt - auf eigene Kosten - und erhielt es 27 Tage später, mit einem neune Akku versehen, zurück.

Eine Rückerstattung der Portogebühren erfolgte nicht. Allerdings habe ich die auch nicht explizit angefordert. Wäre interessant zu erfahren, ob darauf ein Anspruch besteht. Vielleicht hat hier ja jemand ähnliche Erfahrungen gesammelt und kann darüber berichten?
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[1.1.1] stefeise antwortet auf Marc Thorwartl
30.08.2009 01:18
Benutzer Marc Thorwartl schrieb:
Hallo Hering, hallo Beschder, zuerst einmal danke, für die Rückmeldung und Ihre eigenen Erfahrungen.
Zu den Garantie- oder Gewährleistungsfällen musste ich auf eigene, leidvolle Erfahrungen zurückgreifen. Wie Hering richtig beschrieben hat, sollte der Discounter eigentlich dazu verpflichtet sein, die Ware zurückzunehmen. Mein Gerät ist aber erst ca. 6 Monate nach dem Kauf mit einem Defekt ausgestiegen. Der Akku war hinüber. Die heimische Aldi-Filiale sagte mir, dass ich mich direkt an den Hersteller wenden sollte. Die Servicenummer und Adresse sei im Begleitheft angegeben. Da ich das Navi schnell zurückhaben wollte und mich nicht auf endlose Diskussionen bezüglich der Gewährleistung einlassen wollte, habe ich bei Medion angerufen, der Vorfall wurde aufgenommen, ich habe das Navi verpackt, dorthin geschickt - auf eigene Kosten - und erhielt es 27 Tage später, mit einem neune Akku versehen, zurück.

Eine Rückerstattung der Portogebühren erfolgte nicht. Allerdings habe ich die auch nicht explizit angefordert. Wäre interessant zu erfahren, ob darauf ein Anspruch besteht. Vielleicht hat hier ja jemand ähnliche Erfahrungen gesammelt und kann darüber berichten?

Dann fange ich doch gleich damit an...
Meine Erfahrungen mit Aldi resp. Medion Navi,

vom 27.02.09 bis 02.03.09 hatte ich mit Medion per email kommuniziert, da ein Medion PNA E4430 (MD97060) defekt war

Fehler: Gerät fordert nach Einschalten Passwort an (obwohl kein PW vergeben)!

(Ich bevorzuge kostenlose e-mail und keinen 14-cent/min Support)

Zuvor hatte ich mich natürlich im Netz u. a. auch bei
http://forum.poc­ketnavigation.de erstmal informiert, um einen Fehler meinerseits auszuschliessen.

Am 03.03. wurde mir, nach mehreren mails hin-und her mitgeteilt, dass ein Retourenschein für die kostenlose Einsendung des Gerätes an mich per Post gesendet werden würde.

10.03.09 per mail informiert, dass Gerät bei Medion angekommen.

13.03.09 Info per mail, dass Gerät mit Tracking-Nummer an mich, beim Logistik Dienstleister übergeben wurde.

14.03.09 Ankunft des E4430 bei mir - Ohne einen Cent zu bezahlen! (ausser die Fahrt zur Postfiliale)

Da ich schriftlich kommuniziere, kann ich auch die eventuellen Lösungsvorschläge von Medion nutzen und einen Fehler meinerseits ausschliessen, ebenfalls erhält Medion so auch die Möglichkeit, meine Fehlerbeschreibungen an funtionstüchtigen Geräten auszutesten, damit es ggf. gar nicht zur Einsendung kommt.

Sollte der Fehler nämlich beim Kunden liegen, werden Kosten nicht übernommen, bzw. dann in Rechnung gestellt! (darauf wurde ich auch hingewiesen)

Ebenfalls sollte der Kassenbeleg noch vorhanden sein, wobei Medion auch eine Kopie davon akzeptiert!


Gruss Stefan
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[1.1.2] Micky34 antwortet auf Marc Thorwartl
31.08.2009 09:45
Benutzer Marc Thorwartl schrieb:

Der Akku war hinüber.


Ich weiß jetzt nicht wie das bei Medion ist, aber meistens wird die Garantie für Akkus auf 3 oder 6 Monate beschränkt.
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[2] Seitenruder antwortet auf hering
28.08.2009 19:49
Hallo Hering, hallo Autor

da hier zum Thema Gewährleistung vs. Garantie wie üblich bei diesem Thema größere Verwirrung herrscht...

Benutzer hering schrieb:
Im Artikel steht: "Beim Discounter muss alles selbst erledigt werden. Das ist nicht nur zeit-, sondern auch kostenintensiv, denn das Porto muss aus eigener Tasche gezahlt werden."

Diese Aussage ist falsch.
Discounter = Händler, und für diesen gilt die gesetzliche Gewährleistung gemäß Schuldrecht BGB.
Innerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsfrist von 24 Monaten hat eine notwendige Nachbesserung für den Kunden kostenfrei zu verlaufen. Wie das nun im Detail abläuft, sollte man mit dem Händler vorher vereinbaren. Meist gibt es Retourenaufkleber oder ähnliches.


Innerhalb der Gewährleistungszeit von zwei Jahren muss nach meinem Kenntnisstand der Händler das Gerät zurücknehmen. Das gilt auch für Discounter. Dass dieser versucht die Kunden abzuwimmeln, steht auf einem anderen Blatt.

Der Händler muss das Gerät prinzipiell nur nachbessern. Erst nach der 2. erfolglosen Nachbesserung kann der Kunde ein anderes Gerät oder eine Rücknahme fordern. Welche Option gewählt wird, kann der Händler entscheiden. Triffst du auf einen gerissenen Händler und ist das Gerät älter als 6 Monate, so kann sich der Händler auf die Beweislastumkehr berufen. Du müsstest dann im Härtefall nachweisen, daß der Fehler bereits bei Gefahrenübergang (Kaufdatum) latent vorgelegen hat. In den ersten 6 Monaten hat der Händler diesen schwarzen Peter...

Lediglich für die Inanspruchnahme von Garanitieansprüchen (die über die gesetzliche Gewährleistungspflicht hinausgehen), muss sich der Kunde direkt an den Hersteller wenden.

Jain...
Gesetzliche Gewährleistung *muss* der Händler gemäß BGB 24 Monate leisten. Dazu läuft parallel (!) die freiwillige (!) Herstellergarantie. Diese umfasst meist auch 24 Monate, kann aber durchaus nur 12 Monate (z.B. DELL) oder auch 36 Monate (Medion via Aldi) betragen. Zudem besteht nur eine Garantie auf das, was in den Garantiebedingungen des Herstellers drinsteht, und das ist meist nur eine Reparatur des Gerätes, und sei es 10x. Kaufst du also ein Navi-Gerät bei Aldi, leistet der Händler 24 Monate Gewährleistung, und die Garantie des Herstellers Medion läuft darüberhinaus noch weitere 12 Monate.

Wer bei einem Versandhändler kauft und deshalb defekte Ware auf dem Postweg zurückgeben muss, kann meines Wissens auch eine Erstattung des Portos verlangen. Seriöse Händler bieten die Portoerstattung freiwillig an.

Hier gilt das gleiche wie bei allen Händlern, siehe oben. Bei Fernabsatzgeschäften hat man allerdings zudem ein 14tägiges uneingeschränktes Rückgaberecht nach Erhalt der Ware.

Uff... ;-)

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[2.1] VariusC antwortet auf Seitenruder
30.08.2009 23:07
Benutzer Seitenruder schrieb:

Der Händler muss das Gerät prinzipiell nur nachbessern. Erst nach der 2. erfolglosen Nachbesserung kann der Kunde ein anderes Gerät oder eine Rücknahme fordern. Welche Option gewählt wird, kann der Händler entscheiden.

Das stimmt so nicht.

Nacherfüllung:
Die Folgen eines Sachmangels ergeben sich für das Kaufrecht aus § 437 BGB. Gesetzessystematisch ist die Nacherfüllung des § 439 BGB - die Beseitigung des Mangels - den anderen Gewährleistungsrechten vorrangig. Die Nacherfüllung ist auf zweierlei Art möglich. Zum einen durch die Lieferung einer neuen Sache (Austausch, oder technisch: Nachlieferung) oder durch die Beseitigung des Mangels (bspw. Reparatur, technisch: Nachbesserung).
Welche Art der Nacherfüllung zu erbringen ist, bestimmt grundsätzlich der Käufer und nicht der Verkäufer; eine vertragliche Verlagerung des Wahlrechts ist zwar prinzipiell, nicht aber beim Verbrauchsgüterkauf möglich.
Daher ist die Praxis des Einschickens an den Hersteller, welche gerade im Bereich Vertrieb von elektrischen Geräten sehr beliebt ist, an sich nicht statthaft, soweit der Käufer eine Ersatzlieferung verlangt. Solange der Verkäufer die Sache ohne Umstände austauschen kann, ist diesem Wunsch des Käufers zu entsprechen. Geht der Verkäufer hierauf nicht ein und beharrt auf der Einsendung, so verletzt er seine Pflicht zur Nacherfüllung und macht sich schadenersatzpflichtig (Schaden wären hier die Kosten eines Ersatzkaufs der Sache bei einem anderen Verkäufer). Etwas anderes kann sich lediglich ergeben, wenn der Austausch nicht möglich oder nur mit erheblichen Aufwand verbunden ist (§ 439 III 1 BGB). Der Anspruch auf Nacherfüllung kann aber auch ganz ausgeschlossen sein, etwa wenn die Reparatur nicht möglich ist und die Sache auch nicht ausgetauscht werden kann. Dann bleibt dem Käufer nur das Recht auf Rücktritt, Kaufpreisminderung oder Schadensersatz.

Gruß
Varius
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[2.1.1] Seitenruder antwortet auf VariusC
01.09.2009 11:55
Hallo Varius

Benutzer VariusC schrieb:
Benutzer Seitenruder schrieb:

Der Händler muss das Gerät prinzipiell nur nachbessern. Erst nach der 2. erfolglosen Nachbesserung kann der Kunde ein anderes Gerät oder eine Rücknahme fordern. Welche Option gewählt wird, kann der Händler entscheiden.

Das stimmt so nicht.

Prinzipiell hast du Recht, jedoch bedingen sich die meisten Händler ein zweimaliges Nachbesserungsrecht im Kaufvertrag aus.
Schlagen diese Nachbesserungen fehl, kann der Kunde einen Austausch oder eine Kaufpreisrückerstattung zu wählen... aber:

Der Händler ist berechtigt, die Art der gewählten Nacherfüllung zu verweigern, wenn sie nur mit unverhältnismäßigen Kosten möglich ist und die andere Art der Nacherfüllung ohne erhebliche Nachteile für den Verbraucher bleibt. Faktisch bestimmt also doch der Händler, welche Lösung zustande kommt.


Gruß,
Seitenruder