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Habt Ihr solche reißerischen SEO-Headlines wirklich nötig? Deutsche Glasfaser


19.05.2022 08:16 - Gestartet von DL7FOS
Seit 2020 erleben wir in unserer Region eine aggressive Marketingstrategie der Deutschen Glasfaser mit Druckaufbau durch Bürgermeisterin, ständig nach Oben und Unten korrigierten Zahlen zur Vorvermakrtung, dass nur Ortsteile versorgt würden, die 40 % erreichen. Glatt gelogen, das wusste ich schon vorher, weil erstens die Ortsteile in gar nicht sinnvollem örtlichen Bezug stehen und zweitens man später logische Bereiche zusammengefasst hat. Im Ergebnis war klar, die hätten eh gebaut, ob 40 % erreicht worden wären oder nicht. Am Ende hat man innerhalb eines Tages die 25 % zweier Ortsteile auf 40 korrigiert und in einem anderen Ortsteil sogar von 41 auf 40 % runtergekürzt, selbes Spiel in anderen Gemeinden.

Die Vermarktung hätte arglistiger nicht sein können: Ortsvorsteher berichteten, sie wären mehrfach bedrängt worden, dass sie doch mit gutem Beispiel voran gehen müssten und deshalb Glasfaser nehmen sollten, eine 86jährige Frau wurde ein Vertrag aufgedrückt. Man hatte ihr ins Gewissen geredet, dass sie doch was für die Zukunft tun würde, auch wenn sie kein Smartphone oder Computer besitzt. So wurden auch allen ein Gigabit-Vertrag verkauft, weil sei ja im ersten Jahr kostenfrei und man könne nachher umstellen. Den Trick kennen wir ja: Wer das vergisst, zahlt im zweiten Jahr dann kräftig, konkret 89 Euro Grundpreis. Gott sei Dank konnte in diesem Fall die Tochter der älteren Dame schlimmeres abwenden.abwenden.

Weiteres Problem für Freiberufler und Homeoffice, in den AGBs wurde die gewerbsmäßige Nutzung ausdrücklich ausgeschlossen. Rückfrage bei der Telekom ergab, dass dies für die Magenta-Tarife nicht gilt und wie von Geisterhand hat die DG ihre AGBs dann auch angepasst und diesen Passus verschwinden lassen. Mich wollten die Anfangs als Influencer, ich habe dankend abgelehnt und später auf YouTube jedoch ein Interview mit Lennart Götte von der DG veröffentlicht, den Kasten Bier, wenn der Ausbau klappt, schuldet er mir immer noch. ;) Durch Thorsten Dirks (e-plus) als neuen Geschäftsführer sollte sich vieles verändern, vor Allem die baulichen Fehlgriffe, wurde versprochen. Klar, Vermarktung in Pandemiezeiten ist schwierig, aber das Netz, das Ende 2021 in Betrieb gehen sollte, läuft immer noch nicht. Spannend finde ich, dass meine ganzen Prognosen so eingetreten sind, auch die Position des Hauptverteilers und wie man den Ausbau staffeln würde. Dabei reißt man auch Straßen komplett auf, wo niemand einen Anschluss ggebucht hat.

Dann ging es los, das dorf wurde mehrfach aufgerissen, weil man irgendwas vergessen hat zu verlegen, die ohnehin schon maroden Bürgersteige sahen in Teilen hinterher schlimmer aus als vorher, so in unserer Straße. Bei mir wurde dann zweimal die Telekom-Leitung angegraben. Letzten Herbst gab es zunächst ständige Abbrüche, wobei vorher alles mit 200 MBit/s funktionierte, die Techniker wussten erst gar nicht, wo der Fehler zu suchen war und als dann beim zweiten Mal Anfang diesen Jahres die Leitung komplett ausfiel, standen am Ende des Tages drei Telekom-Fahrzeuge vor meinem Grundstück, welche die DG vor sich her trieben und alle Verteilpunkte öffnen ließen. Es stellte sich heraus, dass die DG unrechtmäßig das zerstörte Telekom-Kabel selbst geflickt hat, anstatt das zu melden. Der Einsatz wird für die somit richtig teuer geworden sein. In anderen Ortsteilen hat ein Nachbar selbes Szenario beobachtet und ist direkt raus, um Schlimmeres zu verhindern. Immerhin werden die verdrillten Kabel ja wieder asphaltiert.

Was mir Herr Götte alles versprach, ist am Ende nicht eingetreten. Gott sei Dank habe ich auf mein Bauchgefühl gehört und bin direkt aus dem Vorvertrag raus. Ich bin mir sicher, dass ich das definitiv nicht bereuen werde, selbst wenn ich am Ende vielleicht irgendwann dafür etwas mehr bezahle. Am Ende hätte mich der Anschluss so um 800 bis 900 Euro gekostet, deutlich mehr bei gleicher Leistung, wenn ich die Flatrates ins Mobilnetz und MagentaEINS in den Vergleich mit einbeziehe. Was die Beratung angeht, hat man den Bürgern nicht alles offen erzählt, vor Allem genau das nicht, dass Mobilfunkverträge im schlimmsten Fall dann 10 Euro teurer würden. Was mir von Einwohnern so alles erzählt wurde, wie die Verkaufsgespräche verliefen, geht Seriosität jedenfalls anders. NDR hatte in Markt jüngst berichtet, wie Vodafone einer 92jährigen arglosen Frau einen kompletten Kabelvertrag unterschob und diesen Gott sei Dank durch Unterstützung von Markt selbst nach Wochen storniert hat. Der Vermarkter würde jetzt auch nicht mehr für Vodafone arbeiten. Für mich gehört eine Kundenakquise in dieser Form verboten oder wenn schon, dann bitte nicht mit 14, sondern 180 Tagen Widerrufsfrist.

Negativ anzumerken ist auch das Spiel der Regionalpolitiker, die den Boden der Neutralität deutlich verlassen und auf Gemeindekosten dann selbst Werbung im jeweiligen Blättchen schalten. So bei uns passiert und zwar nahezu wöchentlich, inklusive Beispielrechnungen und was so zur Werbung dazu gehört, die Einwohner wurden regelrecht zum Abschluss gedrängt. Hier werden meines Erachtens weitere Grenzen deutlich überschritten. Klar mag es sein, dass es Dörfer gibt, in denen die DG und andere gute Arbeit geleistet haben, das ist ebenso unbestreitbar wie die physikalischen und technischen Vorteile von Glasfaser. Aber was momentan in Deutschland nach einem viertel Jahrhundert Dornröschenschlaf gerade abgeht, kann keinesfalls die Lösung sein. Ich entscheide selbst, welchen ISPs ich mein Vertrauen ausspreche und nach meinen Erfahrungen gehört die Deutsche Glasfaser jedenfalls definitiv nicht dazu.