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Flächendeckung/meine Liste an Löchern


26.01.2022 15:38 - Gestartet von unixasket
Zunächst mal: Mich persönlich stören auch immer die Zahlen mit Bevölkerungsabdeckung, da dies etwas sugeriert was so eben nicht vorhanden ist: Nämlich das Funklöcher absolute Ausnahmen seien. Flächendeckung ist entscheidend, nicht Bevölkerungsabdeckung!

Dazu 2 Dinge:

1. Persönlich für einen relevant ist doch immer wie lange seiner Zeit man in einem wie versorgten oder nicht versorgten Gebiet man sich aufhält. Wenn ich ständig nur in der Großstadt oder auf der Autobahn bin, denke ich natürlich wirklich, in D gäbe es Vollversorgung. Wer auf dem Lande wohnt, sich sowohl zum arbeiten, als auch in der Freizeit eher abgelegen aufhält und z. B. Regionalzugverbindungen nutzt, bekommt eher den Eindruck das D völliges Mobilfunkentwicklungsland ist (mit nur punktueller Versorgung).
2. Abgestufte Vorgehensweise: Natürlich wird nicht überall 5G Speed benötigt. Wenn z. B. gefordert wird das eine einsame Landstraße auch versorgt werden soll, dann reicht ein LTE900 Signal mit 5 MHz wahrscheinlich aus. Und wenn echte Flächenversorgung gefordert wird für unbewohnte Bereiche (auf dem Berg, im Wald) ist womöglich sogar eine einfache 2G Versorgung ausreichend. Zumindest 2G sollte aber tatsächlich "in der Fläche" zur Verfügung stehen. Meines Wissens nach wird aber 2G gar nicht mehr ausgebaut.

Jetzt zu den mir bekannten Funklöchern (nur exemplarisch, ich kenne viele und ich nenne hier keine die so abgelegen sind, das manch einer streiten würde ob man das dort wirklich braucht):

1. 4G Funklöcher mit 2G Versorgung:
Telekom: Diese Kategorie ist bei der Telekom tatsächlich selten geworden. Die Telekom scheint sich zu bemühen an Standorten an denen es 2G gibt, immer auch 4G anzubieten. Natürlich hat ein GSM900 Signal ohnehin nochmal etwas mehr Reichweite als ein LTE Signal, aber ich rede hier nicht von Randbereichen der Versorgung die von Standorten ausgeht, wo es prinzipiell LTE gibt, aber das GSM Signal einfach nur etwas weiter reicht. Einen reinen GSM Standort der Telekom kenne ich aber noch: In der Jachenau (Tal südwestlich von Lenggries). Durchaus eine bewohnte Gegend (Jachenau ist eine eigene Gemeinde und gehört *nicht* zu Lenggries). Vodafone und O2 haben dort einen gemeinsamen Standort mit jeweils (bei beiden) GSM900/LTE800. Die Telekom hat an einen anderen Platz einen reinen GSM900 Standort. Keiner dieser Standorte kann allerdings die gesamte Jachenau versorgen, da das Tal dafür wohl etwas zu groß ist (Daher auch einige totale Funklücken).

Vodafone: Am Sylvensteinsee in Fall existiert ein reiner GSM900 Standort von Vodafone. LTE Versorgung von Vodafone gibt es dort weit und breit nicht. Telekom und O2 versorgen im Bereich der Staumauer mit GSM und LTE. Nur O2 hat auch nochmal einen weiteren GSM/LTE Standort in der Nähe von Vorderriß (sowohl von Telekom, als auch Vodafone ansonsten dort gar kein Empfang.
In dem Tal zwischen Wildbad Kreuth und Achenpass, gibt es einen reinen GSM Vodafone Standort ohne LTE. Dieser kann außerdem auch nicht das gesamte Tal versorgen, so dass es teilweise auch völlige Funklücken hat. Die Telekom hat dort einen GSM/LTE Standort in Bayerwald, welcher aber natürlich alleine auch nicht das gesamte Tal versorgen kann, O2 hat dort hingegen 2 Standorte jeweils an den Enden: Einmal in Wildbad Kreuth mit GSM und LTE und einmal am Achenpass mit LTE und GSM, der Mittelteil des Tales wird trotzdem nicht von O2 versorgt (das macht die Telekom von Bayerwald aus). Für Versorgung in diesem Tal benötigt man also Dual SIM mit Telekom und O2.

2. Totale Funklücken: Damit meine ich Bereiche in denen keiner der 3 Netze auch nicht mal 2G hat: Dazu gehören alle Regionen in den Bayerischen Alpen, in denen nicht irgendwie etwas aus einem Tal herein gestrahlt wird. Nicht falsch verstehen: Ich fordere bestimmt nicht einsame Bergregionen mit 5G Speed zu versorgen. Allerdings sollten dort zumindest Notrufe möglich sein. Ich kenne an mehreren solchen Flächen Funkmasten die vermutlich für den BOS Funk sind (vielleicht für die Bergwacht?). Dort könnte man sich beispielsweise an solche Masten mit dranhängen, eine Stromversorgung wäre dann ja gegeben. Ein gutes Beispiel ist die Gegend südlich der Benediktenwand, Richtung Jachenau: Dort gibt es einen solchen Masten und es gibt einige Almen (sommerbewirtschaftet) die in totalen Funklöchern liegen. Die Gegend wird übrigens häufig von Wanderern besucht und ist insofern gar nicht so abgelegen.

3. Als versorgt geltende Randbereiche der 4G Versorgung, die kein nutzbares 4G Signal haben: Leider sind die Netzbetreiber manchmal ziemlich optimistisch was deren Netzabdeckungskarten angeht. Wobei ich die Erfahrung gemacht habe, das dabei O2 besonders großzügig mit den Angaben ist, während die Telekom schon eher bei der Wahrheit bleibt. Bei mir zuhause beispielsweise (zu einer Kleinstadt gehöriger Weiler, der etwa 1 km außerhalb der Kleinstadt liegt) soll es laut Netzabdeckungskarten von allen 3 Betreibern LTE Netz geben (korrekterweise von keinem 5G). Tatsächlich stimmt das nur bei Vodafone.

Bei Vodafone ist der LTE Zugang sogar so gut (kombiniert LTE800/2100), daß ich ihn als Festnetzersatz verwende, da hier die Internetgeschwindigkeit im Festnetz so langsam ist.

O2 hat hier einen Masten der bis Dezember ein reiner 2G/3G Mast war und dessen Signal brauchbar hier ankommt. Der 3G Teil wurde am 31.12. abgeschaltet, 4G gibt es da bis heute nicht. Die nächsten 4G Masten sind etwas weiter entfernt. O2 meint diese würden auch noch bis hierher versorgen. Tatsächlich bekomme ich manchmal (!) ein LTE700 Signal eines etwas weiter entfernten Mastes, manchmal auch ein LTE800 Signal eines anderen weiter entfernten Mastes. Wirklich nutzbar ist das Signal nicht. Ich habe mal versucht darüber zu telefonieren: Das Gespräch war gestört und abgehackt. Meistens wechselt das Telefon dann nach kurzem auf das GSM Signal von den näheren Masten der auch mal 3G hatte. Die meiste Zeit über ist das Telefon ohnehin bei diesem mit reinem 2G (früher 3G) eingebucht.

Die Telekom wiederrum hat hier seit der nächste Mast nicht nur LTE1800, sondern auch LTE800 anbietet, die Empfangssituation hier tatsächlich etwas verbessert. Allerdings reicht dies noch nicht. Die Telekom Netzabdeckungskarte listet seit dieser Veränderung meinen Wohnort als LTE versorgt auf (der gleiche Mast hat auch ein B1/n1 DSS Signal, das aber sowieso nicht hierher kommt). Tatsächlich ist es jetzt so das mein Telefon hier meist LTE anzeigt. Allerdings nicht stabil: Immer mal wieder wechselt das Telefon nach 2G, da das LTE Signal zu schwach ist. Außerdem habe ich Speedtests gemacht, während das Telefon in LTE eingebucht war. Die Ergebnisse haben stark variiert, aber im Download bin ich nie über 2 Mbit/s hinaus gekommen und meist war es weniger als 1 Mbit/s. Im Upload war es noch schlimmer: Zwischen 0,01 und 0,1 Mbit/s. Mitunter Signalabbruch, bzw. Timeout. Ob man das als LTE versorgt rechnen kann, darüber läßt sich wohl streiten. Vielleicht sollten solche Bereiche in der Abdeckungskarte schraffiert dargestellt werden. Jedenfalls bin ich mir sicher, dass mich die Telekom stolz zu den 99 % Bevölkerungsabdeckung dazuzählt.

Am Wohnort einer Freundin von mir ist die Situation übrigens ganz ähnlich, nur das dort der einzige gut funktionierende Netzbetreiber O2 ist und das andere gesagte auf Vodafone und Telekom zutreffen.

Letztendlich kommt man dann um Dual-Sim mit mehreren Netzbetreibern gar nicht herum. Bei Bergwanderungen setze ich sogar 2 Telefone mit 3 SIM Karten ein (in der Hoffnung auf zumindest einer SIM zumindest ein 2G Signal zu haben). Für Notrufe in den Bergen habe ich sogar einen Satelliten Messenger (Spot, reine Einwege-Kommunikation für Notfälle).