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Bewertung: was ist gut, schlecht und was fehlt?


09.12.2021 14:24 - Gestartet von wolfbln
3x geändert, zuletzt am 09.12.2021 14:49
Dann schauen wir uns die Novellierung mal an:

Sie wird gleich um 10 Jahre verlängert (positiv, waren bisher 5 Jahre).

Die technische Gleichartigkeit wird festgeschrieben, d.h. ein Betreiber der 4G oder 5G zu Hause anbietet, muss dies auch im Ausland anbieten, soweit das technisch möglich ist (positiv, da einige "Ausländer" in Deutschland nur 3G anboten und nun sogar auf 2G gefallen sind. Auch müsste Telefonica/o2 jetzt endlich 5G Roaming starten).

Die Auslandsgespräche und -SMS sind wieder nicht dabei und da haben sich die Telkos durchgesetzt. Ein Gespräch von DE nach EU kostet weiter max. 23 ct/min, während es mit einer SIM aus anderen EU-Land nur den Inlands- = Roamingpreis kostet. Die EU hatte diese Irregularität, die wirklich keinem zu vermitteln ist, seit ein paar Jahren mit einer Obergrenze 19 ct/min + MwSt. versehen. Da hätte wirklich mehr kommen müssen als das Geschwurbel: "Außerdem sollte die Kommission die Vorschriften für Auslandsverbindungen innerhalb der EU (Anrufe und SMS aus dem Heimatland in einen anderen Mitgliedstaat) überprüfen, um abzuschätzen, inwieweit niedrigere Obergrenzen zum Schutz der Verbraucher notwendig wären."

Die bestehende Praxis ist mE hirnrissig (negativ). Die Preise müssen auf das Niveau von Roaminggesprächen, die so viel wie Inlandsgespräche kosten dürfen. Ein Gespräch mit einer deutschen SIM von DE>EU kostet 23 ct/min, mit einer SIM aus anderen EU-Land kostet das gleiche Gespräche DE>EU nur den Inlandstarif (also in Flat gar nichts).

Bleiben die neuen Obergrenzen für Daten. Hier wurde sehr um die Preise gerungen. Die Kommission und Anbieter wollten möglichst hohe Preise, das Parlament niedrige. Für 2025 hatte das Parlament 0,60€/GB gefordert, die Kommission wollte bei 2€ bleiben. Herausgekommen ist jetzt 1,30€ für 2025. Das nennt man wohl Kompromiss.

Momentan (2021) kostet das GB max. 3,00€ plus lokale Steuern, also in Deutschland 3,57€ (bei 19%). Das Absenkungsregime sieht in den folgenden Jahren wie folgt aus:
2022 1HJ: 2,50€
2022 2HJ: 2,00€
2023: 1,80€
2024: 1,55€
2025: 1,30€
2026: 1,10€
2027ff.: 1,00€
Warum ist das so wichtig, wenn die Anbieter längst niedrigere Preise untereinander verrechnen?
Sie dienen zum einen zu Berechnung der Fair Use Policy (FUP), also des Datenvolumens, das ein Tarif oder Paket mindestens aufpreisfrei im Roaming herausgeben muss und zum anderen für die Aufpreise bei Mehrnutzung darüberhinaus.

Was heißt das konkret dann z.B. im Jahr 2025? Bei 1,30€/GB Obergrenze kommt man auf 1,547€/GB brutto. Bei billigen Tarifen, die preislich im Inland darunter liegen, müssen nach einer komplizierten Formel mind. 12,9 GB z.B. für ein 10€ Paket im Roaming ohne Aufpreise rausgegeben werden. Bei 5€ Packs ist es die Hälfte, bei 20€ das Doppelte an GB. Bisher gibt es in DE noch wenig dieses Preisniveau unter 1€/GB, aber im Ausland. Es ist auch für die unbegrenzten Datenflats wichtig, die immer mehr kommen.

Wenn man mehr nutzt, sind die Aufpreise gedeckelt bei 1,547€ pro GB in MB-Schritten (zu 0,1547 ct/MB).

Das klingt schon ganz gut und wird die Preise in Deutschland weiter unter Druck setzen, denn hier werden bislang 1-3€ pro GB im Durchschnitt bezahlt. Ob wir in 2 Jahren unter 1€/GB bei der Telekom liegen?

Ich hätte mir noch ein ausdrückliches Verbot von Zero-Rating gewünscht. Das ergibt sich aber schon aus der Interpretation der Netzneutralität durch den EuGH. Dann hoffe ich, dass wir England nicht komplett verlieren und bald wirklich VoLTE im Roaming bei allen Anbietern kommt, weil man sonst ab 2022 in den USA nicht mehr erreichbar ist unter seiner Nummer.

Auf die nächsten 10 Jahre, vielleicht auch mit dem West Balkan, der ähnliche Regeln intern umgesetzt hat als "Anschluss".
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[1] Cartouche antwortet auf wolfbln
09.12.2021 20:38
Benutzer wolfbln schrieb:
Wolf: Du hast alle Informationen, die ich im Artikel gesucht habe nachgereicht.
Dankeschön!

Lass Dich mal von teltarif bezahlen....