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Die Politik macht alles - falsch


22.10.2021 10:20 - Gestartet von wolfbln
2x geändert, zuletzt am 22.10.2021 10:35
Es besteht sicher kein Zweifel, dass die BNetzA als Regulierer und Ausrichter unter dem Einfluss der Politik stand.

Das alles auf die (inzwischen) Witzfigur Scheuer zu konzentrieren, macht es sich zu einfach.

Zum Ersten gehört der größte Telekommunikationsanbieter des Landes immer noch zur Hälfte des Staates. Schon alleine dadurch ist ein grundlegender Interessenkonflikt vorprogrammiert.

Die Politik will mehr Digitalisierung und bessere Netze, aber auch als Hauptaktionär einen satten Gewinn aus dem Unternehmen. Dieser Grundkonflikt ließe sich nur durch den Verkauf der Telekom lösen.

Dann nehmen natürlich die Telkos massiv Einfluss auf die Politik und dabei sind eben die Netzbetreiber stärker als Diensteanbieter oder Reseller.

Das hat sich deutlich auch 2019 gezeigt. Die Politik diktierte der BNetzA die Ausbauverpflichtungen. Die waren nur darauf getrimmt, gut auf dem Papier auszusehen. Wer denkt sich denn eine Abdeckungspflicht von Landstraßen von jeweils nur einen Betreiber aus, der kein Roaming für die anderen anbieten muss? Ein Techniker bestimmt nicht, sondern das können nur realitätsferne Politiker und die Kunden baden es aus.

Als zusätzliches Faustpfand die absolute Zahl der Abdeckung auf möglichst nahe 100% hochzuschrauben, wie von der Bevölkerung und Politik gefordert, war die Politik oder BNetzA bereit, alles andere über Bord gehen zu lassen: also keine Roamingverpflichtung, keine Dienstanbieterverpflichtung, keine Konkurrenz, allenfalls darf sich 1&1 als neuer Player versuchen.

Motto: ihr dürft euer Netz für Euch behalten, wenn ihr bitte besser und mehr baut. Mit diesem "Rahmen" ist die Digitalisierung in Deutschland bisher eben voll gescheitert. Das liegt nicht nur an Scheuer, sondern geht bis auf Kohl zurück. Resultat: kein Wettbewerb und vage Auflagen, die nicht sanktioniert oder genügend überprüft werden.

Resultat dieses Versagens, ist da, wo wir gerade stehen: Hohe Preise, schlechte Netze, kaum Wettbewerb und Digitalisierung auf dem Stand von 2000.

Beispiel: seit Monaten prüft die BNetzA die Funklöcher auf der Autobahn aus einer Versteigerung die 2019 (!) abgedeckt werden sollten. Bei manchen Standorten gibt es die vielleicht, aber nicht in der Uckermark an der A11, wo ringsherum nur Acker ist und ein Betreiber nicht ausbaut, der dort zufällig kaum Kunden hat. Bisher ohne Sanktionen.

Momentan läuft das gleiche Spiel beim Roaming. Die Telkos wollen eine Obergrenze von 2,00€/GB um weiter gut mit dem EU-Roaming zu verdienen. Über die nationalen Regierungen mit denen sie verbandelt sind (siehe Telekom) nehmen sie Einfluß auf die Europäische Kommission, die das auch fordert. Das europäische Parlament aus Seiten der Verbraucher fordert aber nur 0,60€/GB ab 2025 als durchschnittlicher Preis der nationalen Tarife. Wir können leider schon vorhersagen, wer gewinnt.
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[1] RobbieG antwortet auf wolfbln
22.10.2021 10:44
Tach,

Benutzer wolfbln schrieb:
Es besteht sicher kein Zweifel, dass die BNetzA als Regulierer und Ausrichter unter dem Einfluss der Politik stand.

Was wolle mer denn?

Vollausbau, flächendeckend.
Kosten solls bitte fast nix.

Diensteanbieter wollens billicher - selber baun tun se nix.

Flächdeckung im Wettbewerb - funktioniert nich.

Will ja keiner was für zahlen. Also wird gspart, gspart, und das hammer jetz davon.

Habe fertich.
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[1.1] wolfbln antwortet auf RobbieG
22.10.2021 11:40

3x geändert, zuletzt am 22.10.2021 11:47
Benutzer RobbieG schrieb:
Tach,

Benutzer wolfbln schrieb:
Es besteht sicher kein Zweifel, dass die BNetzA als Regulierer und Ausrichter unter dem Einfluss der Politik stand.

Was wolle mer denn?

Vollausbau, flächendeckend.
Kosten solls bitte fast nix.

Diensteanbieter wollens billicher - selber baun tun se nix.

Flächdeckung im Wettbewerb - funktioniert nich.

Will ja keiner was für zahlen. Also wird gspart, gspart, und das hammer jetz davon.

Habe fertich.

Na ja, das ist die Argumentation der Netzbetreiber insbesondere der Telekom auf hessisch.

Wettbewerb ist schlecht, die Diensteanbieter machen nix und wollen nur Zugang und weil keiner mehr zahlen will, ist unser Netz so mies.

Da könnte man viel dagegen setzen:

- warum haben dann die MNOs in Deutschland in den letzten Jahre trotzdem so gut verdient und sind unsere Netze doch noch immer so schlecht?

- warum will ein Diensteanbieter (1&1) jetzt Netzbetreiber werden, wenn es in seiner Nische doch so schön sein soll?

- warum kommen andere Länder mit mehr Wettbewerb zu besseren Netzen bei günstigeren Preisen und oft den genau gleichen Akteuren?

=> darauf antwortet die hiesige Industrie mit Hinweis auf die angeblich hohen Auflagen, Kosten, Lizenzgebühren usw. in Deutschland

==> nur wenn man sich die anderen Länder anschaut, sind die bei uns gar nicht so viel höher als dort, absolut in Zahlen schon, aber pro eben Einwohner/Nutzer nicht.

===> was bei uns höher sind, sind die Gewinne der MNOs, auch pro Nutzer. Telekom hat viel mehr verdient als Orange oder TIM, Vodafone hat in Deutschland seinen lukrativsten Markt in ein Dutzend Ländern in Europa und Telefonica läuft auch besser bei uns als etwa in Spanien, England oder Brasilien.

=====> Es bleibt dann die Frage offen: Warum sind die Netze dann bei uns nicht besser und/oder die Preise niedriger?