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21.10.2021 14:52 - Gestartet von br403
Wer jetzt meint, dass Telekom und VF billigere unlimited Tarife mit Bandbreitendrosselung anbietet, der wird sich wundern. Ich denke sowas passiert nicht so schnell. Es wird eher StreamOn verschwinden, und am Ende hat der Verbraucher nichts gewonnen. So sehr ich die VZ verstehe, aber es ist eher Verbraucherunfreundlich.
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[1] gs33Z5JOQRCtwMfPGcp2 antwortet auf br403
22.10.2021 03:26
Das glaubst Du ernsthaft?

Also, nur, um mal zu illustrieren, was das bedeutet (die konkreten Zahlen sind frei erfunden, da sie nichts zur Sache tun, das Entscheidende ist das Prinzip):

Eine große Zahl von Kunden zahlt bisher 50 EUR pro Monat, um 200 GB Traffic mit "StreamOn"-Diensten und 10 GB mit anderen Diensten zu nutzen.

Jetzt stellt die Telekom aufgrund von Regulierung StreamOn ein.

Und dann?

Der Preis bleibt gleich, aber es gibt nur noch 10 GB Traffic im Monat dafür? D.h., der Kunde bezahlt genausoviel, kann aber das Gewünschte mit dem Tarif überhaupt nicht mehr machen? Und da gaubst Du, dass die Kunden dableiben würden?

Alternativ: Es gibt weiter 210 GB im Monat, aber der Tarif kostet ab jetzt 1050 EUR im Monat? Und da glaubst Du, dass das irgendjemand kaufen würde?

Das ist doch offensichtlich Quatsch. Der aktuelle Preispunkt spiegelt wieder, was Kunden für die Leistung zu zahlen bereit sind: 50 EUR pro Monat für n Stunden Video und Audio plus Kleinkram. Wenn man die Kunden halten will, wird man ihnen diese Nutzung zu diesem Preis ermöglichen müssen. Niemand wird den gleichen Preis zahlen, das Smartphone aber nur noch zwei Tage im Monat nutzen, und niemand wird 1050 EUR im Monat zahlen, um das Nutzungsverhalten beizubehalten.

Und nicht nur würden Kunden solch eine Preiserhöhung nicht mitmachen, sondern alleine der Wettbewerb würde das schon richten:

Das Teuere am Mobilfunktraffic für die Netzbetreiber ist die Bandbreite auf den Mobilfunkfrequenzen, also Frequenzen und die ganzen Sendemasten mit derTechnik dahinter im Land. Woher der Datenverkehr stammt, ist für die Kostenrechnung des Providers vollkommen irrelevant. Nur so zur Einordnung: Datenverkehr im Backbone, also zwischen Rechenzentren und so, kostet ~ nen Euro pro Terabyte. Das ist für Mobilfunkprovider komplett zu vernachlässigen.

Nun ist es aber ja offensichtlich, dass es für die Kosten des Datenverkehrs auf der Funkschnittstelle mal wirklich überhaupt keinen Unterschied macht, wo der Datenverkehr herkommt. Und wenn der Kunde heute für 50 EUR 200 GB an StreamOn-Traffic über die Funkschnittstelle jagen kann und dabei noch Gewinn übrig bleibt - dann bliebe offensichtlich der gleiche Gewinn übrig, wenn der Kunde 200 GB Traffic aus beliebigen anderen Quellen über die Verbindung jagen würde.

Es wäre also mal mindestens zu erwarten, dass es in Zukunft dann halt Tarife mit 210 GB Inklusivtraffic für 50 EUR geben würde - anderes bräuchte ein illegales Kartell, um es durchzusetzen, und selbst dann würde es vermutlich schlicht im Markt scheitern.

Bleibt die Frage, ob es dann auch gleich ganz unlimitierte Tarif zu ähnlichen Preisen gäbe. Erstmal sehe ich jetzt keinen Grund, warum nicht. Also, wahrscheinlich limitiert in der Bandbreite, wie StreamOn das ja praktisch auch ist, aber ich sähe da durchaus zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten, wie man einen Tarif gestalten könnte, der kein hartes Trafficlimit hat, sondern eine Nutzung ähnlich wie StreamOn ermöglicht, nur halt ohne die Einschränkung auf bestimmte Dienste. Sei es ein Modell mit z.B. Limitierung auf 5 Mb/s, aber mit Bursting bis 200 Mb/s für bis zu 2 Minuten. Oder ein Modell, bei dem man manuell zwischen schnell und langsam umschalten kann, was dann unterschiedlich abgerechnet wird.

Aber schlussendlich denke ich auch, dass das überhaupt nicht wichtig ist, denn das eigentliche Problem, das wir haben, ist, dass Leute vollkommen verzerrte Vorstellungen von den Kosten von Mobilfunktraffic haben. Und diese verzerrte Vorstellung haben sie ausschließlich aufgrund vonZero-Rating-Tarifen. Leute glauben, dass wenn ein "10 GB-Tarif" 50 EUR kostet, dann wohl ein GB um die 5 EUR kosten müsste. Und wenn ein GB 5 EUR kostet, dann wäre es ja ein riesiges Problem, wenn man z.B. nach Volumen bezahlen müsste, wenn man den Inklusivtraffic überschreitet.

Aber das ist natürlich grandioser Schwachsinn. Wenn der durchschnittliche Kunde mit seinem 50 EUR-Tarif im Monat 210 GB Traffic macht, dann kostet ein GB ca. 24 ct. Die Unterteilung in "billigen StreamOn-Traffic" und "teueren sonstigen Traffic" ist ja rein künstlich und ist für die Abschätzung von Traffickosten vollkommen irrelevant. Und wenn das GB an Übertraffic 24 ct Kosten würde, dann wäre es halt möglicherweise auch vollkommen irrelevant, ob der Mobilfunktarif unlimitiert ist.

Der Wunsch nach unlimitierten Tarifen ergibt größtenteils überhaupt nur vor dem Hintergrund der Mondpreise Sinn, die die Telekom uns mit ihrem StreamOn-Hokuspokus vorgaukelt. Wenn diese Irreführung regulatorisch unterbunden würde, würde sich dieses Problem wahrscheinlich einfach in Luft auflösen.
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[1.1] br403 antwortet auf gs33Z5JOQRCtwMfPGcp2
22.10.2021 10:27
Was ist jetzt die Aussage aus deinem Text? Das die Telekom StreamOn abschaltet und neue Verträge anbietet? Ich denke nicht. Die schauen was VF macht, O2 ist für die Telekom nicht relevant. Das Gerichtsurteil bezieht sich auf die ältere Option, die jetzige kann und wird weiter angeboten.
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[1.1.1] gs33Z5JOQRCtwMfPGcp2 antwortet auf br403
22.10.2021 11:31
Was ist jetzt die Aussage aus deinem Text? Das die Telekom StreamOn abschaltet und neue Verträge anbietet?

Ja!?

Ich denke nicht.

Weil?

Die schauen was VF macht, O2 ist für die Telekom nicht relevant. Das Gerichtsurteil bezieht sich auf die ältere Option, die jetzige kann und wird weiter angeboten.

Zum einen geht es hier nicht um ein Gerichtsurteil, sondern um die Forderungen von Verbraucherschützern, regulatorisch Zero-Rating-Angebote komplett zu untersagen, um die Kunden vor dem derzeitigen Missbrauch zu schützen.

Zum anderen habe ich das Telekom-Angebot natürlich nur als Beispiel genommen, das gleiche gilt offensichtlich für alle anderen Netzbetreiber ebenso: Wenn Zero-Rating verboten wird, werden die anderen Netzbetreiber natürlich auch ihre Zero-Rating-Angebote einstellen müssen, und für alle würde das oben geschriebene gelten, dass sie in der Folge unvermeidlich Tarife anbieten würden, die die gleiche Nutzung wie bisher zum gleichen Preis ermöglichen, nur halt ohne Zero-Rating.

Der einzige echte Unterschied für den Kunden wäre also, dass er nicht für Dienste, die nicht ins Zero-Rating fallen, Mondpreise bezahlen müsste, wie es derzeit, ausschließlich zum Nachteil der Kunden, der Fall ist.
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[1.1.1.1] br403 antwortet auf gs33Z5JOQRCtwMfPGcp2
22.10.2021 11:38
Benutzer gs33Z5JOQRCtwMfPGcp2 schrieb:
>dass sie in der Folge unvermeidlich
Tarife anbieten würden, die die gleiche Nutzung wie bisher zum gleichen Preis ermöglichen, nur halt ohne Zero-Rating.

Haha...das glaubst Du? Diese Option ist kostenlos, die fällt dann einfach weg. Ich würde mich ja freuen, aber mir fehlt der Glaube... Solange es keine regulatorische Entscheidung gibt die das verbietet, machen TK und VF nichts.
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[1.1.1.1.1] gs33Z5JOQRCtwMfPGcp2 antwortet auf br403
22.10.2021 12:20
Haha...das glaubst Du? Diese Option ist kostenlos, die fällt dann einfach weg. Ich würde mich ja freuen, aber mir fehlt der Glaube... Solange es keine regulatorische Entscheidung gibt die das verbietet, machen TK und VF nichts.

Ähm ... es geht hier um das Szenario, dass Zero-Rating wie von den Verbraucherschützern gefordert verboten wird!?

Außerdem bin ich gerade etwas verwirrt, was Du gerade für eine Situation vor Augen hast, wo die Option "einfach wegfällt", ohne, dass das regulatorisch vorgeschrieben wird?!

Aber selbst wenn wir das einmal annehmen: Nur die Telekom macht aus irgendwelchen Gründen kein Zero-Rating mehr.

Was wüderst Du Dir denn vorstellen, was dann passiert? Dass die Kunden, die das Angebot bisher genutzt haben, in Zukunft weiter den gleichen Preis für ein Zehntel der Leistung zahlen? Dass sie in Zukunft zehnmal soviel bezahlen, um ihre Smartphone wie bisher nutzen zu können? Dass diese Kunden alle zur Konkurrenz abwandern und die Telekom dabei tatenlos zusieht?

Bedenke dabei, dass die Telekom auch mit Zero-Rating an den Kunden Gewinn macht (sonst würde sie das Zero-Rating zu diesen Konditionen nicht anbieten), folglich auch Gewinn machen würde, wenn sie diesen Kunden das gleiche Volumen als universell nutzbares Inklusivvolumen anbieten würde ... sie könnte diesen Kunden also ein Angebot machen, das sie als Kunden hält und mit dem die Telekom Gewinn macht. Was wäre eine auch nur irgendwie vorstellbare Erklärung, warum sie auf diesen Gewinn verzichten würde?
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[1.1.1.1.2] 388 antwortet auf br403
24.10.2021 22:21

2x geändert, zuletzt am 24.10.2021 22:25
Benutzer br403 schrieb:
Haha...das glaubst Du? Diese Option ist kostenlos, die fällt dann einfach weg. Ich würde mich ja freuen, aber mir fehlt der Glaube... Solange es keine regulatorische Entscheidung gibt die das verbietet, machen TK und VF nichts.
Genau darum geht es: Marketing, Lektion 1! Die Telekom hat begriffen, dass die Marktpreise gesunken sind. Der Kunde will 200 GB im Monat und kann dafür bis zu 50 € ausgeben - um beim Beispiel zu bleiben. Um aber nicht den Preis glatt zu senken, baut die Telekom so viele Hürden ein wie möglich! Intern wird mit 200 GB kalkuliert, aber nach außen steht "10 GB + Stream on unlimitiert" drauf. Jetzt denkt der Kunde "mein Netz ist besonders gut, weil besonders teuer - und ich habe Privilegien, weil Stream on...". Gelungenes Marketing!
Das versucht übrigens jeder Verkäufer, das ist eine Grundregel! Deswegen gehen z.B. die Listenpreise bei Autos nie runter, aber beim Kauf gibt es immer fette Rabatte und günstige Finanzierungen.