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Wir brauchen endlich unabhängige Tests


30.09.2021 10:59 - Gestartet von wolfbln
3x geändert, zuletzt am 30.09.2021 11:08
Der CEO von Umlaut sagt es so:

"Das hohe Leistungsniveau, das unser Test belegt, ist eine gute Nachricht vor allem für die Kunden: Auch wer weniger Budget für Mobilfunk hat, kann bei allen drei deutschen Mobilfunknetzen sehr gute Leistungen erwarten."

Zitiert im Connect-Artikel

Damit werden 2 Dinge suggeriert:
- sehr gute Netze in Deutschland
- billiges Angebot

Beides ist klar falsch:
Jeder der in letzter Zeit im benachbarten Ausland war, wird feststellen, dass die Netze in Deutschland zwar besser geworden sind, aber weiter ziemlich mittelmäßig sind. Gegenüber manchen Ländern wie NL, CH, AT oder CZ sogar schlechter, gegenüber anderen besser. Man kann aber hierzulande nicht von hervorragenden Netzen sprechen, weil es in anderen Ländern einfach besser funktioniert.

Und er sagt, es sei billig/günstig. Auch das ist mit Blick auf unsere Nachbarn nicht der Fall, wie die Verbraucherzentralen errechnet haben.

In Frankreich bekommt man 70GB für 13€, in Spanien 120GB für 20€, in Italien 200GB für 8€, in Irland unlimited für 15€, in England unlimited für £20, in der Schweiz unlimited für CHF 20, in Österreich die Datenflat für 20€.

Das beste, was hierzulande zu kriegen ist, sind Flats ab 30€ oder neuerdings Volumenpacks unter 1€/GB im Telefonica-Netz bei Resellern.

Dann kann man das "günstig" nur im Vergleich zum Netzbetreibertarif sehen, aber nicht im internationalen Vergleich. Das wird aber nicht klargestellt und damit bewusst verwirrt. Wenn der "MVNO" in der Regel vom Netzbetreiber kommt und der seinen eigenes Angebot abgespeckt spiegelt im "Billigtarif" ist es doch klar, dass der dann günstiger sein muss.

So ist der Test nichts anderes als versteckte Industriewerbung, die immer mehr von der empfundenen Wirklichkeit der Nutzer sich entfernt. Gerade macht Connect seinen Haupttest und wird wohl wieder 3 "sehr gute" Netze in Deutschland finden. Sehr gut, also irgendwie verbessert, zu 2015 glaube ich wohl, aber nicht "sehr gut" aktuell im internationalen Vergleich, sondern eher Mittelmaß (mal besser, mal schlechter). Nur dieses Urteil trauen sie sich nicht wegen der Werbekunden.
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[1] paul12345678 antwortet auf wolfbln
30.09.2021 12:59
Die ganzen Tests waren schon immer unter aller.... es gab vor vielen Jahren Apps fürs Handy (leider nur Android), womit Nutzer die echte Netzabdeckung und auch die Geschwindigkeit aufzeichnen und teilen konnten. Das war in freien Datenbanken in wenigen **Stunden** einsehbar. Dort schnitt jeder Netzanbieter katastrophal ab und hätte eingestellt werden müssen. Dadurch wollte das auch keiner sponsern und die privaten Projekte wurden aus Kostengründen eingestellt.

Nun gibt es nur noch kommerzielle Anbieter, die sammeln bis zum Umfallen und Daten werden nach Monaten (bereinigt?) veröffentlicht ohne zu viele Details zu nennen und so kann keiner mehr verifizieren, ob das wirklich alles so richtig ist....

Wäre die Bundesnetzagentur wirklich neutral und hätte Interesse, hätte sie damals solche Projekte gefördert.
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[1.1] wolfbln antwortet auf paul12345678
30.09.2021 13:10

2x geändert, zuletzt am 30.09.2021 13:16
Benutzer paul12345678 schrieb:
Die ganzen Tests waren schon immer unter aller.... es gab vor vielen Jahren Apps fürs Handy (leider nur Android), womit Nutzer die echte Netzabdeckung und auch die Geschwindigkeit aufzeichnen und teilen konnten. Das war in freien Datenbanken in wenigen **Stunden** einsehbar. Dort schnitt jeder Netzanbieter katastrophal ab und hätte eingestellt werden müssen. Dadurch wollte das auch keiner sponsern und die privaten Projekte wurden aus Kostengründen eingestellt.

Nun gibt es nur noch kommerzielle Anbieter, die sammeln bis zum Umfallen und Daten werden nach Monaten (bereinigt?) veröffentlicht ohne zu viele Details zu nennen und so kann keiner mehr verifizieren, ob das wirklich alles so richtig ist....

Wäre die Bundesnetzagentur wirklich neutral und hätte Interesse, hätte sie damals solche Projekte gefördert.

Nun diese Funklochkarte der BNetzA, die sie die letzten Jahre über ihre App gesammelt haben, kann man schon als neutraler ansehen. Aber das ist zu wenig. In Frankreich fährt die ARCEP (dortiger Regulierer) alle Strecken mehrmals im Jahr selbst ab und veröffentlicht das ortsgenau.

Bei uns sind das private Firmen, im Auftrag von Zeitschriften, die aber von den Anbietern als Werbekunden leben. Da würde ich Teltarif mit einschließen. Also kann das einfach nicht neutral sein.

Die BNetzA kann aber auch so lange nicht neutral agieren, so lange der Staat sowohl Wächter d.h. Regulierer ist und zugleich auch noch Teileigentümer des größten Players. Ich bin wirklich kein Fan der FDP und eines Verkaufs allen Staatsvermögens nach neoliberaler Schule. Aber ihr Vorschlag einer Vollprivatisierung der Telekom klingt für mich vernünftig, wenn zeitgleich eine staatliche Netzgesellschaft gegründet wird, z.B. für die staatlich geförderten Funkmasten (MIG) und die Regulierung (BNetzA). So lange der Staat selbst ein Eigeninteresse an einer möglichst hohen Rendite einer teil-privatisierten AG des größten Anbieters hat und gleichzeitig "neutral" die Spielregeln schaffen soll, ist dieser Konflikt schlicht nicht aufzulösen.