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27.08.2021 07:16 - Gestartet von Testperson
Was für ein unfassbarer Artikel. An Naivität und mangelnder Distanz zu dem, was BILD da teilweise veranstaltet, nicht zu überbieten. Mit haarsträubenden "Vergleichen" zugunsten von Springer.
Was soll das Teltarif?
Der gleiche Autor, der unlängst die Öffentlich Rechtlichen in AfD - Manier angriff und sich zu Recht massive Kritik einging, sodass sich der Chefredakteur entschuldigen musste, macht sich erneut an sein missionarisches Handwerk.
Man fasst es nicht.
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[1] mankmill antwortet auf Testperson
27.08.2021 09:20
Was gefällt denn nicht? Schmerzen die Wahrheiten etwa oder das fehlende ständig weichgespüle des rot-grün lastigen #DefundOERR?

der Benutzer Testperson schrieb:
Was für ein unfassbarer Artikel. An Naivität und mangelnder Distanz zu dem, was BILD da teilweise veranstaltet, nicht zu überbieten. Mit haarsträubenden "Vergleichen" zugunsten von Springer.
Was soll das Teltarif?
Der gleiche Autor, der unlängst die Öffentlich Rechtlichen in AfD - Manier angriff und sich zu Recht massive Kritik einging, sodass sich der Chefredakteur entschuldigen musste, macht sich erneut an sein missionarisches Handwerk.
Man fasst es nicht.
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[1.1] wolfbln antwortet auf mankmill
27.08.2021 10:03

3x geändert, zuletzt am 27.08.2021 10:37
Benutzer mankmill schrieb:
Was gefällt denn nicht? Schmerzen die Wahrheiten etwa oder das fehlende ständig weichgespüle des rot-grün lastigen #DefundOERR?

der Benutzer Testperson schrieb:
Was für ein unfassbarer Artikel. An Naivität und mangelnder Distanz zu dem, was BILD da teilweise veranstaltet, nicht zu überbieten. Mit haarsträubenden "Vergleichen" zugunsten von Springer.
Was soll das Teltarif?
Der gleiche Autor, der unlängst die Öffentlich Rechtlichen in AfD - Manier angriff und sich zu Recht massive Kritik einging, sodass sich der Chefredakteur entschuldigen musste, macht sich erneut an sein missionarisches Handwerk.
Man fasst es nicht.

Das ist halt genau die Crux mit dem Meinungsjournalismus, die Teltarif in Form des Autors betreibt oder die BILD-Zeitung mit dem neuen TV-Kanal: Es wird eine Nachricht "gemeldet", aber nicht als Nachricht, sondern gleich meinungsmäßig eingeordnet, d.h. kommentiert. Das ist dann aber weder bei Teltarif, noch bei Bild gekennzeichnet als persönliche Meinung des Autors.

Der Autor schmeißt hier auch Fakten und seine Ansicht darüber durcheinander. Richtig ist, dass es diesen Meinungsjournalismus noch nicht auf einen eigenen Kanal gibt, sondern bisher nur üblichen "Boulevardjournalismus" bei ARD (brisant), ZDF oder RTL (explosiv) oder Sat.1. Da kann man sich auch fragen, was das soll, aber das Baby von einer Royal oder der Kleinkrieg zwischen B-Promis tut auch niemanden weh und schafft offenbar Quote.

Der Meinungsjournalismus geht einen Schritt weiter und hat nichts mit den "soften Themen" des Boulevards zu tun. Gemeinsam den Meinungsjournalisten ist es, immer die Meinung des Journalisten als die maßgebliche Meinung hervorzuheben, Meldung und Meinung nicht zu trennen und das ganze noch stark zu emotionalisieren. Man kann an den ÖR oder RTL/Sat.1 auch viel kritisieren. Dennoch versuchen sie zumindest seriösen Journalismus zu machen, indem sie das Spektrum abbilden. Ob ihnen das immer gelingt, kann man in Frage stellen. Die Antwort darauf ist aber ganz sicher nicht, nur noch Meinung zu machen und die Meldung dahinter verschwinden zu lassen.

Da wird dann wieder behauptet, sie seien zu "links" oder sonst etwas, aber eine Meinung als die "richtige" oder maßgebliche hervorzuheben, ist jetzt nicht besser. Auch der Springer-Konzern hat klare verbindliche interne Abmachungen mit seinen Redakteuren, was nicht gesagt werden darf und wo die Grenzen liegen (so viel zu der größeren "Freiheit").

Sie unterminieren aber noch in anderer Weise die Demokratie, indem sie behaupten "Stimme des kleinen Mannes" (vielleicht auch gendergerecht .... der kleinen Frau?) zu sein. Das impliziert, dass die da oben völlig die Bodenhaftung verloren haben und die Bundesrepublik ein Elitenprojekt wäre. Dabei versucht der Springer-Konzern mit dem TV-Kanal nach der schwindenden Auflage der Print-Medien einfach ein weiteres Standbein zu finden. Es geht um Einnahmen, Werbung usw. wie bei anderen privat finanzierten Medienhäusern auch.

Wozu dieser Meinungsjournalismus führen kann, zeigt die USA. Dort haben die Medien zu einer Spaltung der Gesellschaft geführt. Es gibt nur den Demokraten nahe stehende Sender (CNN, MS-NBC, CBS) und welche die den Republikanern und Trump nahe stehen (Fox, Newsmax). Es gibt effektiv 2 Wahrheiten in den USA, moderiert von sogenannten "Opinion Hosts", während die Nachricht auf der Strecke bleibt und es nur noch um Meinung geht. Hat uns das in Deutschland wirklich gefehlt?

Sicher ist es nicht immer einfach, Meldung und Meinung zu trennen. Schon alleine durch die Auswahl der Meldung wird gefiltert. Aber man kann es wenigstens versuchen, wie Henning Gajek hier, der in seinen Artikeln eine klare Zäsur macht. Die Meldung mit der dazu passenden Meinung gleich herauszuschreien, wie es Bild-TV macht, entmündigt den Leser/Zuschauer eigentlich, denn sie verhindern es bewusst, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Guter Journalismus ist es, alle Fakten auf den Tisch zu legen, möglicherweise die Widersprüche oder Bruchlinien darzustellen oder kontrovers zu diskutieren und dem Leser oder Zuschauer sich sein eigenes "Bild" machen zu lassen.

Die Welt heute ist komplex und schwer zu durchschauen. Es gibt nicht die richtige und falsche Antwort. Eine vernünftige Antwort kann man aber nur bekommen, wenn man alle Fakten kennt und sich danach zu einer Haltung oder Meinung durchringt. Eine fertig verpackte Meinung zu übernehmen ist einfacher, aber eigentlich unmündig.

Ein aktuelles Beispiel: Sicher ist es gerade nicht einfach zu entscheiden, ob man sein Kind impfen lassen soll. Aber jetzt den Corona-Leugnern nachzulaufen, die ein fertiges Konzept haben, wonach das alles Schwindel ist, bedeutet sich aus dieser Entscheidung gestohlen zu haben. Bildet Euch Eure eigene Meinung, auch mit der Gefahr, dass man irgendwann sich eingestehen muss, dass sie vielleicht falsch war (siehe Afghanistan), was Bild auch inzwischen natürlich besser weiß. Ihre Schlagzeilen von 2001, als sie massiv für die Beteiligung der Bundeswehr waren, zeigen sich natürlich nicht mehr oder kritisieren sich.
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[1.1.1] Kuch antwortet auf wolfbln
27.08.2021 10:47
Hallo Wolf,

Benutzer wolfbln schrieb:
Das ist dann aber weder bei Teltarif, noch bei Bild gekennzeichnet als persönliche Meinung des Autors.

vielen Dank für den Hinweis, wir haben nun noch eine Kennzeichnung in den Artikel eingefügt, dass es sich um einen Kommentar mit persönlicher Meinung handelt.

Alexander Kuch
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[1.1.1.1] Testperson antwortet auf Kuch
27.08.2021 14:06
Benutzer Kuch schrieb:
Hallo Wolf,

Benutzer wolfbln schrieb:
Das ist dann aber weder bei Teltarif, noch bei Bild gekennzeichnet als persönliche Meinung des Autors.

vielen Dank für den Hinweis, wir haben nun noch eine Kennzeichnung in den Artikel eingefügt, dass es sich um einen Kommentar mit persönlicher Meinung handelt.

Alexander Kuch

Dass ihr das nachträglich tun müsst, sagt alles über dieses BILD-Fanboy-Geschreibsel
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[1.1.1.1.1] marsimoto antwortet auf Testperson
27.08.2021 14:14
Eigentlich ist es eher traurig, dass man das nachträglich tun muss und vor allem eine Bestätigung, dass einige Leser hier im Forum offenkundig von Geburt mit einer leider sehr dürftigen Auffassungsgabe beschenkt wurden.

Benutzer Testperson schrieb:
Dass ihr das nachträglich tun müsst, sagt alles über dieses
BILD-Fanboy-Geschreibsel
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[1.1.2] mankmill antwortet auf wolfbln
27.08.2021 11:49
Benutzer wolfbln schrieb:
Guter Journalismus ist es, alle Fakten auf den Tisch zu legen, möglicherweise die Widersprüche oder Bruchlinien darzustellen oder kontrovers zu diskutieren und dem Leser oder Zuschauer sich sein eigenes "Bild" machen zu lassen.

Ja und genau darin fehlt es der deutschen Medienlandschaft. Aufgabe eines Journalisten ist es auch kritisch eine Regierung und deren Politik zu hinterfragen. Wer macht das in Deutschland? Ich kenne jetzt neben Reitschuster, Tichy, Wegner und die NZZ so gut wie niemanden, der das macht.

Dafür gibt es nur noch diese sogenannte "Gleichschaltung" der Medien in Funk und Presse. Alles wird nur noch nachgeredet, so wie es um 20.00 auf der ARD verkündet wird. In diesen Nachrichten wird hundertfach Gesagtes noch mal wiederholt bis es jeder glaubt, denn es wird ja täglich so vermeldet. Es wird dem Zuschauer auch nur ein fertige Meinung präsentiert und manifestiert

Bild ist nicht der Nabel der Welt und keiner wird gezwungen das Programm zu sehen oder ihr Blatt zu lesen. Die, die vorher das Blatt schon nicht gelesen haben, werden erst recht nicht den TV anschalten. BildTV schadet also niemanden.

Bisher konnte ich keine so harte Kritik gegenüber linken Meinungsmedien vernehmen, wie immerzu bei der Bild. Oder haben Sie zu TAZ und ND was ähnliches mal wie #HaltdieFresseTAZ oder #HaltdieFresseND gesehen, obwohl sie auch nur eigene Meinungen verbreiten.
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[1.1.2.1] abrazzo antwortet auf mankmill
27.08.2021 12:06
Benutzer mankmill schrieb:
Benutzer wolfbln schrieb:
Guter Journalismus ist es, alle Fakten auf den Tisch zu legen, möglicherweise die Widersprüche oder Bruchlinien darzustellen oder kontrovers zu diskutieren und dem Leser oder Zuschauer sich sein eigenes "Bild" machen zu lassen.

Ja und genau darin fehlt es der deutschen Medienlandschaft. Aufgabe eines Journalisten ist es auch kritisch eine Regierung und deren Politik zu hinterfragen. Wer macht das in Deutschland? Ich kenne jetzt neben Reitschuster, Tichy, Wegner und die NZZ so gut wie niemanden, der das macht.

>BildTV schadet also niemanden.

Bisher konnte ich keine so harte Kritik gegenüber linken Meinungsmedien vernehmen, wie immerzu bei der Bild. Oder haben Sie zu TAZ und ND was ähnliches mal wie #HaltdieFresseTAZ oder #HaltdieFresseND gesehen, obwohl sie auch nur eigene Meinungen verbreiten.

Dein Kommentar - wie viele ähnliche Kommentare lassen einen ratlos zurück. Sie offenbaren einen Unverstand, der leider weit verbreitet ist. Nur weil "Bild" auf der einen Seite und "ND" und "taz" auf der anderen Seite alle auf Papier gedruckt werden, heißt das nicht, das sie direkt miteinander vergleichbar sind. Die harte Kritik, die du bei ND und der taz vermisst, fehlt u.a. deshalb, weil sie nicht journalistische Grundsätze missachten, sondern sich um guten Journalismus bemühen. BILD hat einen ganz anderen Anspruch, wie auch BILD TV. Lies doch den guten Beitrag von wolfbln nocheinmal, versuche zu verstehen und antworte dann doch mal inhaltlich zu dem was er gesagt hat. Vielleicht verstehst du dann auch, warum BILD und BILD TV sehr wohl schaden. Steht auch in dem Beitrag von wolfbln.
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[1.1.3] abrazzo antwortet auf wolfbln
27.08.2021 12:09
Benutzer wolfbln schrieb: [...]

Danke für den Beitrag.
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[1.1.4] marsimoto antwortet auf wolfbln
27.08.2021 13:44
Ich bin immer wieder überrascht, dass halbwegs intelligente Menschen Hilfestellung einer Redaktion brauchen, die ihnen erklärt was eine Meinung ist, weil sie anscheinend zu unfähig sind, sich selber eine zu bilden. Was in dem Artikel Meinung ist, kann man doch auf den ersten Blick direkt beim Lesen erkennen. Für die ganz cleveren Kerlchen schreibt Redakteur Kuch dann aber auch sicherheitshalber nachträglich nochmal Kommentar dran, damit es auch wirklich der letzte Blitzmerker hier im Forum kapiert.

Und was das Thema Meinungsjournalismus betrifft: Das macht der ÖRR ständig ohne jede Kennzeichnung. An Magazinen wie Monitor mit Restle müsste eigentlich "Dauerwerbesendung für die Linke" eingeblendet werden.


Benutzer wolfbln schrieb:
Das ist halt genau die Crux mit dem Meinungsjournalismus, die Teltarif in Form des Autors betreibt oder die BILD-Zeitung mit dem neuen TV-Kanal: Es wird eine Nachricht "gemeldet", aber nicht als Nachricht, sondern gleich meinungsmäßig eingeordnet, d.h. kommentiert. Das ist dann aber weder bei Teltarif, noch
bei Bild gekennzeichnet als persönliche Meinung des Autors.
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[1.1.5] basti99 antwortet auf wolfbln
27.08.2021 14:56
Benutzer wolfbln schrieb:

Ein aktuelles Beispiel: Sicher ist es gerade nicht einfach zu entscheiden, ob man sein Kind impfen lassen soll. Aber jetzt den Corona-Leugnern nachzulaufen, die ein fertiges Konzept haben, wonach das alles Schwindel ist, bedeutet sich aus dieser Entscheidung gestohlen zu haben.

Lieber wolfbln,
deine Beiträge zu Telko - Themen schätze ich sehr.
Aber hier bist du - nach meinem Eindruck - selbst dem ÖR auf den Leim gegangen.
In meinem Umfeld gibt es ein paar (also mehr als zwei) Menschen, welche die Corona- Politik der Regierung und auch die Impfungen eher kritisch sehen. Aber niemand, den ich kenne, leugnet die Existenz des Virus und auch nicht, dass dieses für manche Bevölkerungsgruppen lebensbedrohlich sein kann.
Deshalb finde ich, der Begriff "Corona- Leugner", mit dem die ÖR permanent und systematisch alle Menschen diffamieren oder verächtlich machen, die mit der Corona - Politik der Bundesregierung nicht einverstanden sind, ist ein Paradebeispiel dafür, dass wir dringend mehr Alternativen bei der Fernseh- und Rundfunkberichterstattung benötigen.
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[1.1.5.1] wolfbln antwortet auf basti99
28.08.2021 20:40

2x geändert, zuletzt am 28.08.2021 21:01
Benutzer basti99 schrieb:
Benutzer wolfbln schrieb:

Ein aktuelles Beispiel: Sicher ist es gerade nicht einfach zu entscheiden, ob man sein Kind impfen lassen soll. Aber jetzt den Corona-Leugnern nachzulaufen, die ein fertiges Konzept haben, wonach das alles Schwindel ist, bedeutet sich aus dieser Entscheidung gestohlen zu haben.

Lieber wolfbln, deine Beiträge zu Telko - Themen schätze ich sehr. Aber hier bist du - nach meinem Eindruck - selbst dem ÖR auf
den Leim gegangen.
In meinem Umfeld gibt es ein paar (also mehr als zwei) Menschen, welche die Corona- Politik der Regierung und auch die Impfungen eher kritisch sehen. Aber niemand, den ich kenne, leugnet die Existenz des Virus und auch nicht, dass dieses für manche Bevölkerungsgruppen lebensbedrohlich sein kann. Deshalb finde ich, der Begriff "Corona- Leugner", mit dem die ÖR permanent und systematisch alle Menschen diffamieren oder verächtlich machen, die mit der Corona - Politik der Bundesregierung nicht einverstanden sind, ist ein Paradebeispiel dafür, dass wir dringend mehr Alternativen bei der Fernseh- und Rundfunkberichterstattung benötigen.

Ich habe lange überlegt, ob ich das Corona-Beispiel bringe, weil es themenfremd oder irreführend sein kann. Ich wollte damit nicht sagen, wie man sich in der Impffrage verhalten soll. Bezüglich Kindern weiß ich es wirklich nicht. Da muss man sehr viel abwägen und gewichten: Was ist wichtiger: das Kindeswohl (Kinder werden fast nie schwer krank), die Gesellschaft oder einfach unbeschwert mit den Kindern in den Urlaub zu fahren. Das muss jeder selbst wissen und es steht mir nicht an, das für andere zu übernehmen. Wenn ich aber eine komplette "Theorie" übernehme, dass das alles Schwindel oder eine Verschwörung ist, dann brauche ich mich nicht damit auseinandersetzen. Das ist zwar einfach, aber unmündig.

Darum war mein Plädoyer nicht, wie sich die Leute konkret zu verhalten haben, wie du witterst, sondern an die Medien möglichst breit den Sachverhalt in all seinen Widersprüchen darzustellen, damit sich jeder ein eigenes Bild machen kann. Das kann dann auch durchaus anders von meinen sein. Wenn jemand aber die Grundlagen (hier: das eine Pandemie existiert) nicht akzeptiert und sagt "alles Lüge", setzt er sich eben nicht auseinander, ist die Entscheidung ziemlich klar und er rennt irgendjemanden hinterher.

Was hat das jetzt mit Bild-TV zu tun? Der Kanal soll eine Verlängerung oder Übersetzung des Print-Mediums ins TV-Geschäft sein. Ich finde es durchaus interessant, ob das ihnen glückt oder sie nur Krawall-TV machen. Grundsätzlich habe ich auch nichts gegen eine weitere Stimme im Markt. Springer macht mit WELT ja schon einen Nachrichtensender. Ich habe nur das Format als Bereicherung der Medienlandschaft etwas in Frage gestellt. Es wird massiv auf die Emotionen gedrückt und eine Meinung vertreten, wo ich anderswo (selbst bei den gescholtenen Öffentlich-Rechtlichen, die angeblich laut Kommentaren hier gleichgeschaltet sind und "Staats-TV" machen) mehr Spektrum sehe.

Um es mal am ersten großen Thema "Afghanistan" zu zeigen: Da werden schlimme Stories ausgegraben und emotional dargestellt. Das ist vielleicht nicht so schlecht, um der Öffentlichkeit das Dilemma darzustellen. Und es wird die Regierung kritisiert, dass sie die Machtübernahme verpennt hat oder zu spät evakuiert hat. Das kann man so sehen und kam auch in anderen Medien vor. Also nichts neues. Die Kritik kam auch im "Staats-TV".

Bild-TV ist aber im Inhalt kein Game-Changer, höchstens in der Form:
- der gesamte Einsatz wird nicht in Frage gestellt (Kritik an Bundeswehr kommt nicht vor)
- die Bündnistreue zu den USA wird nicht in Frage gestellt (Springer-Redakteure müssen das praktisch unterschreiben) obwohl die was Kriegsgrund oder Abzug doch Fragen aufwirft
- eine radikal pazifistische Haltung (wie etwa bei der Linkspartei) wird als Option auch nicht dargestellt (Springer-Redakteure dürfen z.B. das Wirtschaftssystem nicht in Frage stellen)
- und die Fragen: was soll man mit den Flüchtlingen/Ortskräften machen oder wie kann man den Menschen jetzt im Land helfen, werden auch nicht beantwortet.

Dagegen wird emotional aufgewühlt und die Regierung beschimpft. Hat Bild nicht nach 9/11 nicht auch den "Bündnisfall" ausgerufen und mit seinen Schlagzeilen mit dafür gesorgt, dass die "Bundesrepublik am Hindukusch" verteidigt wird (wie es Struck damals sagte)? Selbstkritik habe ich noch nie in der Bild-Zeitung gefunden, bei Bild-TV kommt sie auch nicht vor.

Hier im Forum wird von einigen Bild-TV als neue Stimme in der Medienlandschaft gefeiert. Das sehe ich so nicht. Sie singen nur etwas lauter als die anderen, aber nicht viel anders. Bild vertritt auch weitgehend keine AfD-Positionen, was gesellschaftliche Fragen angeht. Sie sind zwar konservativ, aber nicht rechts. Das ist schon gegen Springers Pressecodex. Wo es sich deckt wie in ihrer Kritik an den ÖR hat das eher mit einer Konkurrenzsituation zu tun. Springer kann sich nicht durch "Zwangsgebühren" finanzieren.

In einen hat Björn König recht: sie könnten wirklich das Nachrichtenfernsehen aktueller machen. Heute ist es nicht schwer, Ereignisse fast in Echtzeit zu berichten. Da sind die ÖR oder privaten Medien noch sehr schwerfällig, wenn ich das mit CNN vergleiche. Die technischen Möglichkeiten könnte Bild da ausspielen und dadurch Nachrichten-TV verändern, ähnlich wie es die Privaten nach 1990 gemacht haben. Fragt sich nur, ob ich alle zukünftigen Katastrophen wirklich in Echtzeit erleben muss.
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[1.1.5.1.1] marsimoto antwortet auf wolfbln
29.08.2021 14:33

2x geändert, zuletzt am 29.08.2021 14:49
Nur mal aus reinem Interesse: Woher wissen Sie, was Springer-Redakteure (nebenbei, das ist das Verlagshaus, die Redakteure selbst arbeiten bei WELT, BILD etc.) unterschreiben müssen? Sie müssen ja ein ziemlicher Insider sein, dass Sie irgendwelche Vertragsdetails von Redakteuren kennen bzw. wissen, was die Redakteure sagen oder schreiben dürfen. Das wäre eigentlich nur möglich, wenn Sie selbst dort mal in der Personalabteilung gearbeitet hätten, was ich doch sehr stark anzweifle.

Unabhängig davon würden solche Vertragsdetails auch gegen journalistische Grundsätze verstoßen und würden vermutlich vor keinem Gericht standhalten, denn die Meinungsfreiheit bzw. Pressefreiheit ist grundgesetzlich garantiert. Kein Chefredakteur, Verleger oder Herausgeber würde jemals auf die Idee kommen, einem Redakteur eine politische Haltung vorzugeben oder den Inhalt eines Beitrags zu diktieren.

Und vielleicht nochmal zur Erklärung: Sie haben keinen Rechtsanspruch, dass Ihre politischen Ansichten in einem Medium beleuchtet werden. Weder in der BILD noch in irgendeinem anderen Medium.

Benutzer wolfbln schrieb:
Bild-TV ist aber im Inhalt kein Game-Changer, höchstens in der Form:
- der gesamte Einsatz wird nicht in Frage gestellt (Kritik an Bundeswehr kommt nicht vor)
- die Bündnistreue zu den USA wird nicht in Frage gestellt (Springer-Redakteure müssen das praktisch unterschreiben) obwohl die was Kriegsgrund oder Abzug doch Fragen aufwirft
- eine radikal pazifistische Haltung (wie etwa bei der Linkspartei) wird als Option auch nicht dargestellt (Springer-Redakteure dürfen z.B. das Wirtschaftssystem nicht in
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[2] klaus1970 antwortet auf Testperson
27.08.2021 14:18

einmal geändert am 27.08.2021 14:19
Benutzer Testperson schrieb:
Was für ein unfassbarer Artikel. An Naivität und mangelnder Distanz zu dem, was BILD da teilweise veranstaltet, nicht zu überbieten. Mit haarsträubenden "Vergleichen" zugunsten von Springer.
Was soll das Teltarif?
Der gleiche Autor, der unlängst die Öffentlich Rechtlichen in AfD - Manier angriff und sich zu Recht massive Kritik einging, sodass sich der Chefredakteur entschuldigen musste, macht sich erneut an sein missionarisches Handwerk.
Man fasst es nicht.

Björn König ist mal ein Autor, der wunderbar polarisiert. Es gab schon Texte, die ich in den Himmel gelobt habe, dann gab es auch mal welche, wo ich mich tierisch aufgeregt habe. Da ist mal einer, der seine eigene Meinung mit großem Geschick und vor allem viel eigenem Profil in Texten vertritt, dabei ist freilich die Grenze von neutraler Berichterstattung und persönlichem Kommentar schnell überschritten.

In jedem Fall sind die Texte eine gute Ergänzung und Bereicherung zum ansonsten manchmal recht eintönigen "Nachrichtenjournalismus", den es zuhauf auch auf anderen Portalen gibt. Dass man damit freilich viel mehr aneckt als bei einer Meldung, die nur Wasserstände und Tauchtiefen beeinhaltet, ist klar. So wird einem aber wenigstens nicht langweilig ;)
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[3] Sagrido antwortet auf Testperson
09.09.2021 11:59
Benutzer Testperson schrieb:
Was für ein unfassbarer Artikel. An Naivität und mangelnder Distanz zu dem, was BILD da teilweise veranstaltet, nicht zu überbieten. Mit haarsträubenden "Vergleichen" zugunsten von Springer.
Was soll das Teltarif?
Der gleiche Autor, der unlängst die Öffentlich Rechtlichen in AfD - Manier angriff und sich zu Recht massive Kritik einging, sodass sich der Chefredakteur entschuldigen musste, macht sich erneut an sein missionarisches Handwerk.
Man fasst es nicht.

Ich bin froh, dass BILD jetzt einen Sender fährt.
Dass das nötig ist, sieht man ja an diesen unfassbar bornierten Kommentaren hier.