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Schwere Mängel in der Studie


22.07.2021 12:22 - Gestartet von wolfbln
4x geändert, zuletzt am 22.07.2021 12:52
Gleich vorneweg: ich stimme bekanntlich mit der Message der Studie überein: die Preise im Mobilfunk insbesondere beim mobilen Internet in Deutschland sind zu teuer. Da hilft es auch nicht, dass es mal zwischendurch gute Angebote gibt, das Telefónica-Netz etwas billiger verkauft wird und Gespräche und SMS fast nichts mehr kosten.

Die hohen Preise wirken sich auch auf den Datenverbrauch aus. Während der billigste Anbieter 50% Zuwachs im 1.HJ 2021 meldet, liegt er beim teureren eher bei 30%. Der Markt ist also schon "preissensibel".

Aber die Studie schadet der Argumentation eher, denn sie geht so gar nicht. Sie hat große methodische Mängel schon in der Anlage:

(1) Da wird der 1 GB Paketpreis genommen, aber es werden im Durchschnitt bei uns schon 6 GB verbraucht. Man muss schon eine Paketgröße nehmen, über die der Wettbewerb läuft.

(2) Es ist die Länderauswahl sehr tendenziös. Es sind alles "Billigländer". Wenn ich nur billige Länder heraussuche zum Vergleich, erscheint Deutschland eher teurer.

Die Macher der Studie begründen die Auswahl so: Es wurden die 3 Länder mit dem höchsten BIP in Europa ausgesucht und die 3 Länder mit den günstigsten Preisen. Höchster BIP in Europa? Warum ist die Schweiz nicht dabei? Warum die günstigsten Länder und nicht die teuersten?

Wenn ich nur günstige oder bestimmte im Preis vordefinierte Länder bewusst vorauswähle, bekomme ich ein gewünschtes Ergebnis. Das ist wissenschaftlich und statistisch wirklich nicht seriös. So eine Studie muss in der Anlage zumindest ergebnisoffen sein. Diese Studie scheint für ein Ergebnis zurechtgezimmert worden zu sein. Damit schaden die Verbraucherzentralen ihrer im Grunde schon richtigen Botschaft. Ich kann nicht eine Wahrheit mit einer Lüge begründen.

Wären die Niederlande, Luxembourg, die Tschechische Republik, Griechenland oder Zypern in der EU dabei gewesen oder die USA und Kanada in Übersee, sähe das Ergebnis ganz anders aus.

Jeder Markt ist anders und man kann immer darüber streiten, mit welchen Land man Deutschland in welcher Hinsicht konkret vergleichen kann oder darf. Aber wenn man einen OECD-Querschnitt beispielsweise nimmt gleichen sich die Fehler durch die Unterschiede zu Deutschland aus, das ja nicht komplett unvergleichbar auf der Welt ist.

Warum macht der Bundesverband der Verbraucherzentralen so einen Unsinn? Das Ergebnis wäre fair verglichen, immer noch sehr ähnlich gewesen. Allerdings mit Deutschland nicht in der Spitze, sondern im oberen Mittelfeld, je nachdem wie man mobiles Internet zu Gesprächsminuten und SMS gewichtet.

Es gibt viele Erklärungen für die relativ hohen Preise bei uns:
- hohe Lizenzgebühren
- hohe Ausbaukosten, Auflagen etc.
- höheres Lohnniveau oder auch Lebenshaltungskosten

Das sind die Argumente, die von den Anbietern immer kommen. Sie halten aber einer Überprüfung nicht so recht stand. Das hätten die Verbraucherzentralen zeigen können. Was kosteten die Auktionen der letzten 20 Jahre und wie sind die Preise? Wie verhalten sich Preise ggü. Pro-Kopf-Einkommen oder einen Warenkorb aus Dienstleistungen und Waren?

Dann würden die Argumente der Telkos zusammenbrechen. Momentan haben wir die höchsten Preise in der EU in Griechenland und Zypern. Dort ist weder der Ausbau sehr schwierig und teuer, verdienen die Leute viel, noch waren die Lizenzen sehr kostspielig.

Es bleibt nur eine plausibler und dominierender Grund für die Preise:
- die Wettbewerbssituation im jeweiligen Markt/Land

Alle die Länder in der Studie (außer Estland) sind 4-MNO-Länder. Wir haben bisher hier ein 3-MNO-Land. Es wurde schon häufiger gezeigt, dass der wichtigste Grund zur Preis"findung" der Wettbewerb vor Ort ist und damit hapert es bei uns.