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Krisenkommunikation bei Katastrophen


15.07.2021 20:17 - Gestartet von wolfbln
3x geändert, zuletzt am 15.07.2021 20:34
Ich denke, diese Katastrophe sollte nochmal Anlass sein, in Deutschland die Krisenkommunikation bei Großlagen zu überdenken. Zwar deutet Henning mit CB-Funk eine Option an, die aber nur für ganz wenige möglich ist.

Wie soll der Einzelne oder ein Dorf in einer solchen Situation erreicht werden? Mobilfunk kann in vielen Situationen Leben retten, hier wird aber das Durcheinander eher noch verstärkt. Viele Angehörige können jetzt Menschen im Katastrophengebiet nicht mehr erreichen und machen sich Sorgen und melden sie bei den Behörden als vermisst.

Ich selbst stehe ja auch DAB+ kritisch gegenüber, aber als Nachfolgestandard für UKW ist es offenbar krisensicherer als 5G Broadcast und andere digitale Formen. Der WDR wird gerade sehr kritisiert, dass er gestern Nacht, als sich die Katastrophe anbahnte nur die Popnacht sendete und wenig konkrete Infos.

Selbst wenn die öffentlich-rechtlichen Anstalten funktioniert hätten und ihren Auftrag gerecht geworden wären: wie soll denn eine funktionierende Kommunikation aussehen, wenn bald alles digital geworden ist und z.B. der Rundfunk komplett in 5G Broadcast oder andere digitale, zumeist netzgebundene Plattformen abwandert.

Der Mobilfunk hat sich einfach als nicht so krisenfest gezeigt, was Stromausfälle angeht. Die Anlagen haben heute kaum mehr Back-ups bei Black-outs. Und der Stromausfall auf der Senderseite ist ja nur die eine Hälfte des Problems. Auf der Empfängerseite haben wir zwar Smart Home und viele anderen Nettigkeiten, aber kaum batteriegepufferte Systeme zur Echtzeitkommunikation. Eigentlich wäre für ein paar Stunden das Handy ideal, was aber auch nach 1-2 Tagen geladen werden muss. Ein altes batteriegetriebenes Transistorradio haben nicht mehr viele zu Hause und nach UKW-Abschaltung ist das dann auch ziemlich wertlos.

Ich hoffe, dass die Verantwortlichen nochmal das zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, wie in derartigen Krisenfällen eine Kommunikation möglich wäre und welche Systeme man dafür bereit halten/stellen müsste. Wir erleben in letzter Zeit immer mehr Krisen, die wir vorher nicht für möglich gehalten hätten. Die Pandemie hinterfragt generell den genügenden Fortschritt unserer Digitalisierung und diese Flutkatastrophe dagegen die Resilienz unserer Kommunikationswege im Katastrophenfall. Einer unserer großen Vorteile zu "früher" wird dadurch verspielt, als solche Katastrophen einfach unvermeidlich ohne Vorwarnung über den Menschen hereinbrachen. Heute haben wir in vielen Bereichen Vorwarnsysteme (z.B. bei Erdbeben, Sturmfluten etc.). Sie müssen die Betroffenen nur rechtzeitig erreichen.
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[1] kommodore antwortet auf wolfbln
15.07.2021 22:17
Benutzer wolfbln schrieb:
Ich denke, diese Katastrophe sollte nochmal Anlass sein, in Deutschland die Krisenkommunikation bei Großlagen zu überdenken.

Ja, das macht Sinn. Das wird auch passieren, denn die Behörden sind lernfähig, blockiert wird eher in Einzelfällen von Politikern oder Berufsgruppen, die an Ihren Pfründen festhalten wollen (ja, der WDR wurde oft genannt).

Wie soll der Einzelne oder ein Dorf in einer solchen Situation erreicht werden? Mobilfunk kann in vielen Situationen Leben retten, hier wird aber das Durcheinander eher noch verstärkt. Viele Angehörige können jetzt Menschen im Katastrophengebiet nicht mehr erreichen und machen sich Sorgen und melden sie bei den Behörden als vermisst.

Absolut! Die Bevölkerung muss vor absehbaren Katastrophen (Dammbruch ö.ä.) per Sirene / Rundfunk gewarnt werden.

Richtig ist aber auch daß Rettungskräfte nicht jedem helfen können, der 50cm Wasser im Erdgeschoß stehen hat und sich in höhere Stockwerke retten kann.
Solange ein Gebäude den Wassermassen augenscheinlich standhält, sollte sich jeder darauf einstellen selber einige Stunden oder gar 1-2 Tage als Selbstversorger auszuharren indem Vorräte vorhanden sind.

Helfer von THW / Feuerwehr / DLRG und Bundeswehr müssen sich zuerst auf die Rettung von Menschenleben oder dringender Infrastruktur konzentrieren und müssen nicht jeden mit Booten abholen, bei dem der Strom ausgefallen und die Klospühlung nicht mehr geht.

Kurzum: Nicht jeder der ein Handy hat muss es in solchen Fällen auch nutzen können um irgendwo anzurufen. Es wäre schön, ist aber nicht die oberste Priorität, denn Notrufe müssen ja auch von irgendjemandem entgegen genommen werden müssen, und die Kapazitäten sind begrenzt.

Wir sollten die traurigen Ereignisse in NRW und RP zum Anlass nehmen mal darüber nachzudenken ob man noch ein Radio mit Batterien, ein paar Packungen Knäckebrot und ein paar Liter Getränke in Flaschen für Notfälle bereit hat, dann kann man beim nächsten Hochwasser auch ohne das Handy überleben.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hält hierzu viele Tipps bereit: https://www.bbk.bund.de/DE/Warnung-Vorsorge/Vorsorge/vorsorge_node.html
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[2] industrieclub antwortet auf wolfbln
15.07.2021 23:17
Benutzer wolfbln schrieb: Eigentlich wäre für ein paar Stunden das
Handy ideal, was aber auch nach 1-2 Tagen geladen werden muss. Ein altes batteriegetriebenes Transistorradio haben nicht mehr viele zu Hause und nach UKW-Abschaltung ist das dann auch ziemlich wertlos.

Naja, hier wieder mal mein Plädoyer für sog. "Einfach-Handys" (z.B. in der geradezu idelalen Klappenform). Doch, doch, die gibt es nach wie vor. Samsung hat gerade eines (GT-E 1272) sogar neu aufgelegt. Die halten ein bis zwei Wochen durch !
Batteriebetriebene (Mini-, Taschen-, Koffer-, Badezimmer-, Garagen- etc.-) Radios
gibt es aber nach meiner Beobachtung in (fast) jedem Haushalt.
Und die UKW-Abschaltung ist ja auch noch nicht ausgemachte Sache, außerdem wäre ja auch DAB+ Katastrophen-Meldungs-geeignet (tatsächlich sogar noch viel geeigneter als UKW aufgrund der spezifischen Kanäle und Schaltungsmöglichkeiten). CB-Funkgeräte haben auch noch viel mehr Leute als man landläufig denkt, im Übrigen kriegt man ein gutes schon für gut 50 €....
Kurzum: Ich sehe nicht so schwarz wie du. (Mitdenken allerdings muss ein jeder schon ein bisschen und sich NICHT nur an den gerade aktuellen Modetrends orientieren. Denn man stellt doch immer wieder fest, dass die "klassischen Sachen" meist die nützlichsten (und oft sogar die preiswertesten sind...))