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Prognosen sind unsicher


15.02.2021 09:22 - Gestartet von voltaire
zumal wenn sie die Zukunft betreffen.
Mir scheint, der Beitrag ist aus Ärger über Preiserhöhungen eines Anbieters entstanden, vernachlässigt jedoch ein wenig folgende Aspekte

- die Frage nach nachhaltigem Erfolg wird nicht ausschließlich in einem Land (weder den USA noch Deutschland) entschieden, sondern mittlerweile global. In diesem Sinne ist die Bilanz der großen amerikanischen Konzerne (Disney, Paramount, Warner) trotz ihrer Blockbuster-Kataloge eher bescheiden, während andere Anbieter (hier v.a. Netflix) durchaus sehr erfolgreich mit Akteuren außerhalb der USA kooperieren (Narcos, Dark, Casa del Papel, Lupin, demnächst Borgen) und somit ein globales Publikum ansprechen. Den geringeren eigenen Produktionskapazitäten stehen Verträge mit weltweit agierenden Produzenten gegenüber. Dass man sich zudem höchst erfolgreiche kreative Serienschöpfer eingekauft hat (etwa Shonda Rhimes), weist in die gleiche Richtung.

- der Erfolg der verschiedenen Dienste hängt nicht nur an der Dicke des bestehenden Katalogs, sondern auch an der genauen Kenntnis der Sehgewohnheiten eines weltweiten Publikums. Ein Dienst mit 200 Millionen Abonnenten verfügt hier über bessere Datengrundlagen als die großen US-Studioplayer und kann mit zielgenauen Produktionen auf den Publikumsgeschmack reagieren. Und offensichtlich scheinen auch ärgerliche Preiserhöhungen nicht zu großen Kündigungswellen zu führen.. (und wenn die Leute bloß wissen wollen, wie es nach dem Cliffhanger ihrer Lieblingsserie in der nächsten Staffel weitergeht). Die Marktmacht wird auch von diesen Faktoren bestimmt. Das Geschäftsmodell von Amazon wiederum ist nicht unbedingt auf Gewinn durch den Videodienst angewiesen. Dieser Dienst generiert dann eher Hinweise darauf, wie sich Serienvorlieben mit anderweitigen Konsumgewohnheiten vertragen. Solange Herr Bezos reich bleibt, werden die sicher überleben.

- Die traditionelle Größe der US-Studios muss kein Vorteil sein. In Pandemiezeiten ist das klassische Kino in heftigste Turbulenzen geraten, und auch die berühmten Freizeiparks sind geschlossen. Neue Streamingdienste, die zunächst ja mit Kampfpreisen auf den Markt gedrückt werden, würden den Einnahmeausfall wohl kaum ausgleichen können, zumal bei kostspieligsten Blockbusterproduktionen. Die US-Erfahrungen scheinen jedenfalls zu zeigen, dass neue Angebote zwar durchaus Zuschauer finden, dies aber nicht massiv zu Lasen bestehender Dienste geht.

Also: warten wir einfach ab, was passieren wird.
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[1] Bjoern_Koenig antwortet auf voltaire
15.02.2021 10:14
Hallo,

ich kann und will aus Zeitgründen nicht auf jeden einzelnen Aspekt der Antwort tiefer eingehen, nur soviel:

Unternehmen wie Paramount oder WarnerMedia sind keine Konzerne, sondern Tochtergesellschaften von Konzernen wie ViacomCBS und AT&T. Diese Unternehmen verdienen (wie auch Disney) ihr Geld nicht nur mit Streaming. Zu den Geschäftsfeldern zählen wie bereits gesagt Fernsehsender, Lizenzgeschäfte, Merchandising, Telekommunikations- und Kabelnetze usw. Alleine durch diese diversifizierten Geschäftsmodelle sind die Unternehmen in ihren Möglichkeiten Netflix weit überlegen.

Weiterhin hat es einen guten Grund, warum Studios Streaming-Dienste betreiben. Es geht einzig darum, vollständige Kontrolle über die Verwertungskette zu bekommen. Netflix hat aber überhaupt keine Verwertungskette. Die Filme und Serien dort werden ausschließlich produziert, damit sie bei Netflix laufen. Disney produziert aber fürs Kino, DVD, Video on Demand/Pay per View, Fernsehen, Streaming. Von daher kann man sich leicht ausrechnen, was Disney an einem Film verdient und was Netflix daran verdient.

Und natürlich hängt der Erfolg eines Streaming-Dienstes letztendlich am Katalog. Netflix produziert einige teure Serien und Filme. Wer aber am Ende Star Wars sehen will, wer Marvel sehen will, wer Disney sehen will, der muss zu Disney+, denn all das wird es bei Netflix in Zukunft nicht mehr geben. Genau das will aber die breite Masse an Zuschauern sehen, was sich auch an der Abonnentenentwicklung abzeichnet.

Viele Grüße
Björn König (teltarif.de)

Benutzer voltaire schrieb:
zumal wenn sie die Zukunft betreffen. Mir scheint, der Beitrag ist aus Ärger über Preiserhöhungen eines Anbieters entstanden, vernachlässigt jedoch ein wenig
folgende Aspekte
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[1.1] voltaire antwortet auf Bjoern_Koenig
15.02.2021 14:58
Benutzer Bjoern_Koenig schrieb:


Und natürlich hängt der Erfolg eines Streaming-Dienstes letztendlich am Katalog. Netflix produziert einige teure Serien und Filme. Wer aber am Ende Star Wars sehen will, wer Marvel sehen will, wer Disney sehen will, der muss zu Disney+, denn all das wird es bei Netflix in Zukunft nicht mehr geben. Genau das will aber die breite Masse an Zuschauern sehen, was sich auch an der Abonnentenentwicklung abzeichnet.


Ist das nicht eine kreative Interpretation der aktuellen Zahlen? Erst im Januar wurde von einer Steigerung um 37 Millionen Abos auf weltweit nunmehr über 200 Millionen berichtet. Das ist schon einmal eine kritische Masse, die ein Verschwinden vom Markt als wenig plausibel erscheinen lässt. Es ist ja vielleicht nicht ausgeschlossen, dass die "breite Masse" im Verlangen nach Star Wars und Marvel massenhaft Disneyabos abschließt [persönlich wäre ich mir da nicht ganz so sicher], aber von einer Netflix-Kündigungswelle kann dennoch keine Rede sein.
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[1.1.1] Bjoern_Koenig antwortet auf voltaire
15.02.2021 15:18
Hallo,

wo genau haben Sie im Artikel von einer "Netflix-Kündigungswelle" gelesen?

Zu den aktuellen Zahlen: Sie müssen sich vor Augen führen, wie lange Netflix schon am Markt ist. Alleine hier in Deutschland seit 2014. In den USA haben sie ihr Streaming-Angebot 2007 angekündigt. Netflix hat also gegenüber Disney+ 13 Jahre Vorsprung.

Auf der anderen Seite ist Disney+ erst im vergangenen Jahr gestartet und hat schon jetzt knapp 90 Millionen Abonnenten, das entspricht fast der Hälfte von Netflix mit knapp 200 Millionen Abonnenten. Das Wachstumstempo von Disney ist hier der entscheidende Aspekt und ziemlich beeindruckend, wie Netflix-CEO Reed Hastings selbst bereits eingestanden hat:

https://www.teltarif.de/streaming-netflix-...

Viele Grüße
Björn König (teltarif.de)

Benutzer voltaire schrieb:
Ist das nicht eine kreative Interpretation der aktuellen Zahlen? Erst im Januar wurde von einer Steigerung um 37 Millionen Abos auf weltweit nunmehr über 200 Millionen berichtet. Das ist schon einmal eine kritische Masse, die ein Verschwinden vom Markt als wenig plausibel erscheinen lässt. Es ist ja vielleicht nicht ausgeschlossen, dass die "breite Masse" im Verlangen nach Star Wars und Marvel massenhaft Disneyabos abschließt [persönlich wäre ich mir da nicht ganz so sicher], aber von einer Netflix-Kündigungswelle kann dennoch keine Rede
sein.
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[1.1.1.1] voltaire antwortet auf Bjoern_Koenig
15.02.2021 15:41
Benutzer Bjoern_Koenig schrieb:
Hallo,

wo genau haben Sie im Artikel von einer
"Netflix-Kündigungswelle" gelesen?


Naja, Sie schreiben "Langfristig dürften sich Disney+, HBO Max, Joyn und Sky Ticket auf dem deutschen Markt behaupten.", was bedeuten würde, dass Netflix vom Markt verschwindet. Das Szenario der Kündigungswelle müsste dem ja wohl vorausgehen. Wenn Sie es anders gemeint haben, sollten Sie entsprechend umformulieren.

Herzliche Grüße
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[1.1.1.1.1] Bjoern_Koenig antwortet auf voltaire
15.02.2021 15:45
Hallo,

wie gesagt, im Artikel steht nichts von einer "Netflix-Kündigungswelle".

Viele Grüße
Björn König (teltarif.de)

Benutzer voltaire schrieb:
Naja, Sie schreiben "Langfristig dürften sich Disney+, HBO Max, Joyn und Sky Ticket auf dem deutschen Markt behaupten.", was bedeuten würde, dass Netflix vom Markt verschwindet. Das Szenario der Kündigungswelle müsste dem ja wohl vorausgehen. Wenn Sie es anders gemeint haben, sollten Sie entsprechend umformulieren.

Herzliche Grüße