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Gähn


04.10.2020 15:10 - Gestartet von dirknb
einmal geändert am 04.10.2020 15:11
Wenn man mitten in einem der großen weißen Flecken wohnt (formely know as größter Landkreis Deutschlands) interessiert einen das Thema wenig; vor allem auch, wenn das anfängliche Bouquet nur zur Hälfte aus Radioprogrammen und zur anderen Hälfte aus Musikstreams besteht.
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[1] industrieclub antwortet auf dirknb
04.10.2020 21:14
Benutzer dirknb schrieb:
>...... vor allem auch, wenn das anfängliche
Bouquet nur zur Hälfte aus Radioprogrammen und zur anderen Hälfte aus Musikstreams besteht.

Tja, zum Programm kann man wirklich nur "GÄHN" sagen...Es ist ja u.a. von einer Art "Baumarkt-Radio", Trucker-Radio, Driver-<Taxifahrer?!>-Radio die Rede, und als sogenannte "Oldies" wollen sie uns die 70er und 80er Jahre verkaufen (die es schon auf sehr vielen Sendern in DE gibt, während man unter Oldies auch eigentlich 50er und 60er Jahre versteht...)
Ich darf nur mal kurz daran erinnern, dass bereits vor dem ERSTEN (!) Bundesmux, also vor ca 10 (!) Jahren Programme wie z.B. ein Literaturprogramm (der deutschsprachigen Verlage), ein Talk-Radio (mit Sachthemen, nach US-Vorbild), ein
Info-Radio und die Pflege der bisher im dt. Radio-Äther unterbelichteten Musik-Genres (z.B. Jazz, Musical, Filmmusik, Chanson etc....) in der Diskussion bzw. durchaus geplant waren... -- NICHTS, aber auch gar nichts ist bis zum heutigen Tage davon Realität geworden !!! Wenn ich hier jetzt von den "neuen" Programmen des Bund.mux 2 lese, dann mach' ich nicht mal mehr 'n Suchlauf...Sorry, aber wieder mal wurde ein ganzes neues Medium (inhaltlich!) in den Graben gefahren !
Hello - Goodbye, Bundesmux 2 !!
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[1.1] lucky2029 antwortet auf industrieclub
04.10.2020 22:48
Benutzer industrieclub schrieb:
... und als sogenannte "Oldies" wollen sie uns die 70er und 80er Jahre verkaufen (die es schon auf sehr vielen Sendern in DE gibt, während man unter Oldies auch eigentlich 50er und 60er Jahre versteht...)
Das ist alles eine Frage der Sichtweise. Für mich sind die 70er und 80er die Oldies &#128514;
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[1.1.1] industrieclub antwortet auf lucky2029
06.10.2020 00:44
Benutzer lucky2029 schrieb:
Das ist alles eine Frage der Sichtweise. Für mich sind die 70er und 80er die Oldies &#128514;

Klar, weil das in erster Linie eine Frage des Alters ist...
Ich erinnere aber noch mal an zwei meiner Punkte:
1) 70er- und 80er-Jahre Musik spielen sehr viele Stationen in D'land; 50er und 60er fast keine.
2) Die 50er- und 60er-Jahre Musik war wesentlich frecher, frischer, kreativer und innovativer als die spätere. Speziell die Sixties (das dürftest auch du wohl wissen)
waren ja sozusagen die "Explosion" der Pop-Kultur / bzw. "Kultur-Revolution". So nimmt es auch nicht Wunder, dass so ziemlich alles, was wir in der Jetzt-Zeit als 'Retro-Welle' erleben (und der allergrößte Teil des heutigen Pop-Betriebes ist RETRO) letztlich bei den Sixties "klaut", also Anleihen / Inspirationen aufnimmt...Das heißt ja nicht, dass es keine Top-Songs mehr in den 70er- und 80er-Jahren gab, aber da waren das dann schon mehr so 'vereinzelte Perlen', der Mainstream war da doch schon ziemlich "abgewetzt" (=industrialisiert, kommerzialisiert, abgeschliffen, o8/15). So war das gemeint.
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[1.2] dirknb antwortet auf industrieclub
04.10.2020 23:53
Benutzer industrieclub schrieb:
Ich darf nur mal kurz daran erinnern, dass bereits vor dem ERSTEN (!) Bundesmux, also vor ca 10 (!) Jahren Programme wie z.B. ein Literaturprogramm (der deutschsprachigen Verlage), ein Talk-Radio (mit Sachthemen, nach US-Vorbild), ein Info-Radio und die Pflege der bisher im dt. Radio-Äther unterbelichteten Musik-Genres (z.B. Jazz, Musical, Filmmusik, Chanson etc....) in der Diskussion bzw. durchaus geplant waren...

Privates Inforadio hat's ja mal gegeben. Das habe ich in seinen Anfangszeiten mal gern gehört. Als nur noch Agenturmeldungen vorgelesen wurden, wurde es unattraktiv. Leider hat es den Start von DAB+ nicht mehr erlebt. Auch ein Talkradio gab's schon mal. Auch DAB+ nicht erlebt. Die waren wohl zu früh dran. Immerhin gibts jetzt JokeFM. Billig zu produzieren, gut zum Hörervergraulen.
Aber was im Klassik-Bereich möglich ist, sollte doch auch in anderen Musikrichtungen möglich sein. Die Mischung machts, man muss nur die richtigen Genres mischen und zu spezielle Richtungen dann doch eher den Streamingdiensten überlassen. Radio braucht eben doch eine gewisse Massentauglichkeit.
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[1.2.1] industrieclub antwortet auf dirknb
06.10.2020 00:27
Benutzer dirknb schrieb:
Benutzer industrieclub schrieb:
Ich darf nur mal kurz daran erinnern, dass bereits vor dem ERSTEN (!) Bundesmux, also vor ca 10 (!) Jahren Programme wie z.B. ein Literaturprogramm (der deutschsprachigen Verlage), ein Talk-Radio (mit Sachthemen, nach US-Vorbild), ein Info-Radio und die Pflege der bisher im dt. Radio-Äther unterbelichteten Musik-Genres (z.B. Jazz, Musical, Filmmusik, Chanson etc....) in der Diskussion bzw. durchaus geplant waren...

Privates Inforadio hat's ja mal gegeben. Das habe ich in seinen Anfangszeiten mal gern gehört. Als nur noch Agenturmeldungen vorgelesen wurden, wurde es unattraktiv. Leider hat es den Start von DAB+ nicht mehr erlebt. Auch ein Talkradio gab's schon mal. Auch DAB+ nicht erlebt. Die waren wohl zu früh dran. Immerhin gibts jetzt JokeFM. Billig zu produzieren, gut zum Hörervergraulen.

Tja, das waren wohl (typischerweise) die Leute der RADIOROPA-Gruppe ! Die wollten in den 90ern privates (bundesweites!!!) Info-Radio machen. Die Politiker haben sie aber leider verhungern lassen. Die einzige terrestrische Frequenz, die man ihnen zugestand, war eine LANGWELLE in Burg (bei Magdeburg). Die war zwar in ganz Norddeutschland ganz gut zu hören, kostete aber immensen Strom, und das Langwellen-Hören hatte in der dt. Bevölkerung leider keine Tradition / Ge-
wohnheit (außer in der zahlenmäßig überschaubaren Gruppe der Deutschland-
funk-Langwellenhörer, wozu auch ich -- "gezwungenermaßen" -- etliche Jahre in (West-) Berlin (VOR der Wende, versteht sich, gehörte...). Das Programm (auf Langwelle, Satellit und Kabel) war top, aber der Sender musste praktisch aufgrund der Blockade der dt. Medienpolitiker aufgeben...Denen war der "Schutz" der Öffent
lich-Rechtlichen und der privaten "Bundesland-Sender" wichtiger als die Hörerinteressen und die Qualität des Marktes als solcher....Ein bundesweiter, pri-
vater Qualitäts-Informationssender stellte offenbar für die deutschen Medienpolitiker die maximale Provokation dar ! Ich habe niemals sonst erlebt, dass ein Sender von der Politik derart eiskalt und arrogant "fertig gemacht" wurde.
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[1.2.1.1] dirknb antwortet auf industrieclub
06.10.2020 01:00
Tja, das waren wohl (typischerweise) die Leute der RADIOROPA-Gruppe ! Die wollten in den 90ern privates (bundesweites!!!) Info-Radio machen. Die Politiker haben sie aber leider verhungern lassen. Die einzige terrestrische Frequenz, die man ihnen zugestand, war eine LANGWELLE in Burg (bei Magdeburg). Die war zwar in ganz Norddeutschland ganz gut
...

Naja, die Langwellenausstrahlung war doch nur zum Ende hin eine Art Notlösung (das Programm klang inhaltlich genauso). Als es noch gut war, gab es meiner Erinnerung die LW-Ausstrahlung noch gar nicht, da wurde nur über Satellit und darauf aufbauend im Kabel gesendet. Jedenfalls hatte "mein" Kabelnetzbetreiber sie drin und da heb ich sie gehört. Aber nur von Technisat-Werbung allein kann man auch nicht leben. Das war ganz lustig im Nachhinein: Ich hörte ab liebsten die beiden Technisat-Sender (Radioropa info und Star*Sat Radio), hatte aber kein einziges Gerät von denen im Hause. Zu der Zeit nannte ich noch ein Röhrenradio Erfurt 4 mein eigen, mit dem ich die Programm via Kabelanschluss hörte. Dann, als aus Radioropa Info Radioropa 261 wurde und nicht mehr in Daun/Eifel, sondern in Magdeburg produziert wurde, gings schon berg ab. Bzw. es war der Ausdruck der Talsohle. Bei allem anerkannten Engagement der Macher, aber 10 Minuten Agenturmeldungen vorlesen, ein Musikstück spielen und dann 10 Minuten weitere Agenturmeldungen vorlesen mit anschließendem Musikstück, da warb selbst Technisat nicht mehr im Programm. ;-)
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[1.2.1.1.1] industrieclub antwortet auf dirknb
06.10.2020 20:11
Benutzer dirknb schrieb:
Naja, die Langwellenausstrahlung war doch nur zum Ende hin eine Art Notlösung (das Programm klang inhaltlich genau so....

Klar, wenn du keine Knete mehr hast, bleiben dir nur noch Agenturmeldungen...
Ich fand das Programm aber eine ganz schön lange Zeit sehr interessant. Klar auch,
dass die LW eine Art "Verzweifelungstat" war, weil man ihnen eben keine (über-
regionalen) UKW_Frequenzen geben wollte...Sie braucht nur leider auch sehr viel Strom... Und (Nachkriegs-) D'land ist nicht an Langwellen-Hören gewöhnt , z.B. ganz im Gegensatz zu Frankreich. Das britische Wort- / Info-Programm BBC R.4 läuft
übrigens bis zum heutigen Tage auf LW 198 kHz., in ganz Nord- und Nordwest-Eu-
ropa (inkl. Nordwest-D'land). Obwohl GB DAB+-Vorreiter ist ! (Aber damit können sie auch schön ihren überflüssigen Atomstrom "verbraten"...)
Aber klar: Radioropa hatte zu wenig Hörer und damit zu wenig Werbe-Interessenten,
wobei sich ja selbst heute ein Großteil der DAB+-Stationen noch mit Werbekunden schwer tut...Das Internet hat eben alle Rahmenbedingungen verändert, und wer sich nicht (zeitlich) VOR dem Internet etablieren konnte, der hat es mittlerweile schwer...
Übrigens: In D, DK, N, NL und FIN ist inzwischen privater Rundfunk auf KURZ-
WELLE erlaubt (siehe: Funkamateur 10-2020)
Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre zumindest der Deutschlandfunk auf Lang
welle geblieben; ich war es (aus West-Berlin) 13 Jahre lang gewohnt, ihn "nur" auf
Mittel- und Langwelle zu haben, und EINE einzige Frequenz für ganz Mitteleuropa
das war (aus Hörersicht) schon sehr komfortabel...
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[1.2.1.1.1.1] dirknb antwortet auf industrieclub
06.10.2020 21:26
Benutzer industrieclub schrieb:
Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre zumindest der Deutschlandfunk auf Lang welle geblieben; ich war es (aus West-Berlin) 13 Jahre lang gewohnt, ihn "nur" auf
Mittel- und Langwelle zu haben, und EINE einzige Frequenz für ganz Mitteleuropa das war (aus Hörersicht) schon sehr komfortabel...

Das sind ja nicht die einzigen Vorteile (wenn auch nicht ganz so groß, wie man manchmal denkt). Die Deutschlandfunk-Langwellen kamen hier in Nordostdeutschland nicht mehr wirklich gut an. Und bei der legendären Mittelwelle von Radio Luxemburg hatte man nur abends den Eindruck, der Sender steht direkt hinterm Empfänger, dreiviertel des Tages war hier nix auf 1440 kHz. Und deren Kurzwelle, die man tagsüber besser hören konnte, lag zu dicht neben der vom BR, die störten sich immer gegenseitig. Zumindest auf normalen Consumer-Empfängern.
Aber der Klang, wirklich Musik hören macht da auch keinen Spaß, vor allem, wenn man besser klingende Alternativen hat. Wenn man wirklich Inhalte anbietet, dass der Klang zeitrangig wird, hatten die AM-Übertragungswege noch eine Chance. Besser wäre es gewesen, DRM hätte sich durchgesetzt. Die digitale Übertragung verbindet die großen Reichweiten mit halbwegs vernünftigem Klang. Ist aber auch nix geworden.
Aber auch damit, wie allgemein mit den digitalen Übertragungswegen, hat der Rundfunk seine Katastrophenfähigkeit verloren. Bei den AM-Sendern braucht man nur Kupferdraht, eine Diode und Kopfhörer, um was hören zu können. Bei allen anderen Wegen ist schon etwas mehr elektronik nötig.
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[1.2.1.1.1.1.1] industrieclub antwortet auf dirknb
07.10.2020 21:23

einmal geändert am 07.10.2020 22:22
Benutzer dirknb schrieb:
>... Besser wäre es
gewesen, DRM hätte sich durchgesetzt. Die digitale Übertragung verbindet die großen Reichweiten mit halbwegs vernünftigem Klang. Ist aber auch nix geworden.
Aber auch damit, wie allgemein mit den digitalen Übertragungswegen, hat der Rundfunk seine Katastrophenfähigkeit verloren. Bei den AM-Sendern braucht man nur Kupferdraht, eine Diode und Kopfhörer, um was hören zu können. Bei allen anderen Wegen ist schon etwas mehr Elektronik nötig.

Richtig! -- Ansonsten: Ja, alles, was "Selbstermächtigung" (Detektor) fördert oder einfach Sinn macht (DRM), hat keine gut organisierte und schlagkräftige Lobby in der Politik und wird somit "platt gemacht", so scheint die Welt zu sein...
<Zum DLF: Die 207 kHz war sowieso nur für Bayern, AT, HU, ROU gedacht. Die 153 kHz war in Berlin eigentlich o.k., ich gebe aber zu, dass man (vor allem unterwegs) doch meist eher auf die 756 kHz (Königslutter bei Braunschweig) ging.
Die hatte einen einen Tick niedrigeren Rauschpegel, außerdem hatte nicht jedes
mobile. portable) Radio die Langwelle...>
Luxemburg -- tja, das war in Bonn noch ganz gut auf MW zu empfangen, in Westfalen dann aber schon eher auf KW. Neben dem "BR-Problem" hatte es dabei dann auch oft noch heftiges Fading. -- Klar, dass das alles nur für 'WORT'
wirklich Sinn macht, nicht für Musik. (Obwohl: man denke an die britischen Nordsee-Piraten! Rock / Pop geht also noch. Auch RTL hatte 1994 in Berlin eine
(echte !, d.h. Sixties !) Oldies-Welle auf einer Mittelwelle...Bevor dann später auf UKW mit Mainstream-Pop <man nennt das, glaub' ich, "Adult Contemporary"> alles "den Bach runter ging" (more of the same...)). Grüße!