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Brauchen wir hier nicht .... oder?


27.08.2020 06:45 - Gestartet von justii
Wie ich sehe, machen hier viele die Not zur Tugend und tun so als ob wir das, was wir nicht haben, eh nicht bräuchten. Was für ein Witz ...

Klar kann man ganz egoistisch nur auf sein eigenes Handy schauen (ist ja in Mode) und mit dem eigenen oft nur allzu mageren mobilen Internet stoisch behaupten, Wlan am Bahnhof nicht zu brauchen. Manch einer versucht sogar auf den anderen mit einem vermeintlich schlechteren Netz mit dem Finger zu zeigen nach dem Motto: "Ellerlätsch, hättest Du Dir mal ein besseres Netz geholt. Ich hab das beste Netz (obwohl der DACH-Vergleich allein schon beweist, dass es "ein bestes Netz" in Deutschland gar nicht gibt) und dafür zahl ich echt richtig Kohle". Bei uns kostet nämlich selbst der T-Mangel richtig Geld und wer behauptet, dass das Telekom-Mobilfunknetz nicht mangelhaft wäre, der kommt offensichtlich nicht weit herum und schon gar nicht ins Ausland. Will sagen, der hat halt keine wirkliche Ahnung.

In Wahrheit aber sind Bahnhöfe keine "Ich bin der Nabel der Welt" Orte sondern Orte internationale Begegnung. Rund 2,6 Milliarden Reisende in ihrem Schienenpersonenverkehr zählte die Deutsche Bahn AG im Jahr 2019. Immerhin rund 200 Millionen davon sind international Reisende, mindestens doppelt so viele sind laut Bahn ausländische Gäste, die in unserem Land mit nationalen Zügen unterwegs sind (Touristen und Geschäftsreisende). Wir sprechen also über mehr als 600 Millionen Menschen, die auf deutschen Bahnhöfen nach Zugverbindungen, Geschäftszeiten am Zielort, Telefon- oder Faxnummern von Hotels, Geschäftsparnern oder Privatpersonen, nach Anschlussverkehrsverbindungen oder nach Anschlussflügen usw. suchen. Informationen, die an kaum einem Bahnhof in Deutschland seitens der Bahn angeboten werden. "Wenn ich der Nabel der Welt bin, was interessieren mich 600 Millionen andere Menschen", denkt sich da der schlichte Egomane. Ja, genau der, der Dir wenn Du Dich mit dem Auto verfahren hast sagt: "Pecht gehabt, musst Du Dir halt ne gescheite Karte kaufen", anstatt Dir den Weg zu erklären, wie Du wieder auf den richtigen Weg kommst.

Aber wollen wir solchen Egos überlassen, wie deutsche und internationale Unternehmen Kundenservice leben? Wollen wir diesen überlassen, wie uns die Welt wahnimmt? Vermutlich sind es eh die selben, die nur allzu gern das Märchen vom Technologie-Wunderland Deutschland, von der deutschen Technologie-Zugmaschine erzählen, während wir in Wirklichkeit jetzt schon in vielen Bereichen international weit abgehängt sind.

Reden wir über die Zukunft: Reden wir darüber, dass umweltbelastende Kurzstreckenflüge weniger werden sollen und diese Reisenden möglichst auf die Bahn umsteigen sollen. Dies wird nicht klappen, wenn wir ihnen als Alternative eine Dampflock zur Verfügung stellen, die erst viele Stunden später ankommt während der Flug eine Halbe- bis Dreivierteltunde benötigt. Dies wird aber auch nicht klappen, wenn die Reisenden nicht ein Mindestmaß an Service vorfinden, das sie auch von Flughäfen gewöhnt sind und der, seien wir uns ehrlich, auch selbstverständlich sein sollte. Ein wenig über den eigenen Tellerrand hinaus schauen hilft manchmal, auch wenn das vielleicht schwer fällt. Und auch wenn man sich selbst als der Nabel der Welt fühlt, und es dort gerade noch keinen Klimawandel gibt ist es nicht verboten, ein wenig auch an die Zukunft zu denken entsprechend zu handeln.

Natürlich sollte an einer Drehscheibe für international und national Reisende, und das ist für mich jeder Bahnhof, öffentliches, kostenloses Wlan ganz selbstverständlich zur Verfügung stehen. Dass es darüber eine Diskussion geben muss, ist eigentlich unfassbar. Zumal sich die Kosten für so ein Wlan, auch wenn das die ewig Gestrigen auch in Zukunft nicht zugeben werden, stark in Grenzen halten und die daraus erwachsenden Vorteile auch für die Bahn, diese Kosten bei Weitem aufwiegen. Denn Service, der von der Bahn nicht via Internet angeboten wird, muss meist sehr viel teurer vor Ort angeboten werden. Eigentlich logisch.
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[1] Kirche im Dorf lassen!
helmut-wk antwortet auf justii
28.08.2020 14:04
Benutzer justii schrieb:
In Wahrheit aber sind Bahnhöfe keine "Ich bin der Nabel der Welt" Orte sondern Orte internationale Begegnung.


Natürlich sollte an einer Drehscheibe für international und national Reisende, und das ist für mich jeder Bahnhof,

Fragt sich allerdings, für wie viele Bahnhöfe das gilt. Wendisch-Riez in Brandenburg ist wohl kaum eine "Drehscheibe für international und national Reisende". Und es ist ja wohl kein Zufall, dass gerade die Großstadt HH gut abschneidet, was WLAN am Bahnhof angeht, und Brandenburg, dessen fast einzige Großstadt (Berlin) "exterritorial" ist, am schlechtesten.

Das "international"-Argument ist also nur halb so viel wert. Aber eben nicht völlig unwichtig. Grundsätzlich hast du ja irgendwie recht ;) Die Bahn vernachlässigt die Infrastruktur, insbesondere in der "Provinz". Aber bitte nicht übertreiben.