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Am Ende ein Nachteil für die Verbraucher


26.08.2020 22:42 - Gestartet von jos
Es kann nur ein Anbieter Vectoring auf der letzten Meile betreiben (meist die Telekom, manchmal ein anderer Anbieter). Dazu wird ein DSLam am Kabelverzweiger errichtet.

Wenn Wettbewerber dort nun per Layer 3 keinen Zugriff mehr bekommen, dann können sie dort entweder keine Leistung mehr anbieten (=keine Konkurrenz mehr) oder müssen eine eigene Leitung bis zum DSLam legen oder mieten.
Da aber eine Leitung locker reicht um ein DSLam zu versorgen, kostet die zweite Leitung erst einmal zusätzliches Geld, ohne irgendeinen Mehrwert zu bringen. D.h. unterm Strich steigen die Kosten für die Bereitstellung der Leistung und damit letztendlich für die Endkunden.

Das zeigt mal wieder sehr deutlich, dass eben nicht alle Leistungen im Wettbewerb funktionieren. Es ist einfach volkswirtschaftlicher Unsinn, mehrere Hausanschluss-Leitungsnetze parallel und in Konkurrenz zueinander zu betreiben (sei es nun Telekommunikation oder aber auch Strom, Gas, Wasser etc.).

Genauso ist es fatal, wenn der eine Anschlussbetreiber keinen diskriminierungsfreien Zugang zum Netz gewähren muss (jedenfalls, wenn es ein privatwirtschaftlicher Anbieter ist).
Das ist bei Telekommunikation insbesondere im Hinblick darauf schlecht, wie die Telekom schon heute ihre Marktmarkt ausnutzt in Bezug auf Peering und Netzzusammenschaltungen.

Andersrum kann es übrigens auch laufen: Am neuen Standort meiner Firma gibt es nur einen Glasfaseranschluss von den Stadtwerken. Klingt erstmal toll. Betrieben werden die Anschlüsse aber nur und ausschließlich von net services aus Flensburg.
Ergebnis: Maximal 100 MBit/s (reicht mir einstweilen) und die kosten dann 10 EUR mehr als bisher am alten Standort über VDSL (per Easybell).

Das ist jetzt kein Riesendrama für mich, zeigt aber, wie man dasteht, wenn es keinen Wettbewerb auf dem Anschluss gibt.

Deshalb sollten die Anschlüsse immer von einem Netzbetreiber betrieben werden, der selber aber kein Angebot für Endkunden macht. Der Netzbetreiber bietet die Leitung dann diskriminierungsfrei allen Anbietern an - zu regulierten Preisen, die dem Netzbetreiber eine Rendite ermöglichen aber keine riesigen Monopolgewinne.
Also genau so, wie es bei Stromanschlüssen schon lange läuft.

Wieso das bei Telekommunikationsanschlüssen nicht möglich sein soll, ist mir einfach ein Rätsel.

Bei Stromanschlüssen haben die Anbieter ja wenig Unterscheidungsmöglichkeit als den Preis, vielleicht noch Ökostrom oder konventionell.

Bei Telekommunikation sind dagegen vielfältige Wettbewerbsangebote mit verschiedenen Inklusivleistungen zu verschiedenen Preisen möglich, mit denen sich die Anbieter voneinander abgrenzen können und die den Verbrauchern eine echte Wahl ermöglichen.
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[1] Boob14 antwortet auf jos
27.08.2020 13:30
Deshalb sollten die Anschlüsse immer von einem Netzbetreiber betrieben werden, der selber aber kein Angebot für Endkunden macht. Der Netzbetreiber bietet die Leitung dann diskriminierungsfrei allen Anbietern an - zu regulierten Preisen, die dem Netzbetreiber eine Rendite ermöglichen aber keine riesigen Monopolgewinne.

Beim geförderten Glasfaser Ausbau wird erst mit dem Glasfaser Ausbau begonnen, wenn genügend Endkunden einen Glasfaser Anschluss beim Ausbauenden Unternehmen bestellen und sich an einen teuren Glasfaser Tarif gebunden haben. Anders wird sich der Glasfaser Ausbau wohl nicht Wirtschaftlich sicher rechnen. Die Netzbetreiber bauen nur da aus, wo die keine Verluste machen. Ein reine Netzgesellschaft ohne Endkunden Geschäft, müsste immer auf gut Glück viel investieren.

Vermutlich will die Politik, dass Firmen mit viel Infrastruktur besser gestellt werden und Firmen ohne Infrastruktur aus den Markt verschwinden. Am Ende hofft man, dass mehr Firmen sich an den Ausbau beteiligen.