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Der Artikel geht völlig an der Realität vorbei


23.06.2020 03:33 - Gestartet von wolfbln
9x geändert, zuletzt am 23.06.2020 05:04
Leider verschleiert der Artikel eher die Probleme in der Uckermark, als sie zu benennen.

Es wird wieder diffus von der Strahlenangst gesprochen, unterschwellig gegen eine dumme Landbevölkerung gewettert, aber nicht ein konkretes Beispiel vor Ort genannt, wo ein Funkmast letztendlich an der Bevölkerung scheiterte. Manche wünschen sich zunächst lieber einer geteerte Straße vor der Tür, bevor sie einen Großmasten in die Nachbarschaft bekommen. Da viele Masten dort in der Pampa stehen, anstatt in den Dörfern, weil diese so winzig sind und immer gleich mehrere davon abgedeckt werden sollen, wünschen sich halt manche Bewohner die Station lieber weiter weg vom Wohnbereich. Der Kreis ist eher ein Sinnbild für das ziemliche Versagen der Telkos, aber das soll ja nicht herausgestellt werden als Ursache, sondern die da seien daran ja selbst schuld.

Der Landkreis Uckermark ist mit über 3000 km2 einer der größten in Deutschland und mit unter 40 Einw./km2 einer der am dünnsten besiedelten und strukturschwach. Über 1/3 der Bevölkerung ist seit der Wende abgewandert. Dabei ist er gar nicht so zersiedelt, sondern 2/3 der Einwohner leben in den 4 größten Städten, wären also ganz gut abdeckbar.

Warum ist nun die Versorgung in der Uckermark auf der Fläche so schlecht? Das hat einige Gründe und die Dorfbewohner sind am wenigsten Schuld. Zunächst kann ein Betreiber mit der Abdeckung dort wenig Geld verdienen. Aber dort wohnt auch kaum jemand außerhalb der Städte und es gibt zudem viele große Naturschutzgebiete, wo Mastbau fast völlig verboten ist. Es sind nicht also nur die Aluhüte, sondern auch Naturschützer. In Großschutzgebieten geht kaum was, das weiß jeder, der mal z.B. durch die Schorfheide gewandert ist. Die Betreiber führen aber lieber die angeblich rückständige Landbevölkerung vor als sich mit Naturschützern, die in den Schutzgebieten Masten verhindern, zu streiten, da sie eine größere Lobby haben.

Dann gibt's eine lange Grenze nach Polen. Dort gibt es weiter große Löcher und eben auch Abstimmungsprobleme mit den polnischen Betreibern. Die senden ganz gut rüber, wir aber nicht zurück. Ich kenne eine deutsche Grenzstadt dort, die hat auch 2020 kein 3G und kein 4G von keinem deutschen Betreiber, etwas weht aus Polen die Oder rüber. Eine deutsche Stadt 2020 nur versorgt durch polnische Betreiber! Das muss man sich mal reinziehen. Vor Ort liegt es nicht am Mastmangel. Am Rande der Stadt steht seit 10 Jahren ein Großmast für BOS (Behördenfunk) mit einer einzelnen Antenne drauf, aber 1km von der Grenze will kein Mobilfunker drauf gehen. (Vodafone hat jetzt neue LTE-Antennen aufgehängt, aber im Mai waren sie noch nicht angeschaltet. Ich schaue die Tage mal wieder vorbei.)

Die Anbieter sind in der Uckermark unterschiedlich gut aufgestellt. Das stimmt. Aber Vodafone steht etwa gleich gut wie Telekom, was im Bundesgebiet wahrlich nicht immer so ist. Bei beiden habe ich Anfang des Jahres genau 51 Standorte im Kreis mit LTE gezählt. Leider haben sie oft gemeinsame Masten und dadurch halt auch gemeinsame Funklöcher. Vodafone ist im Kreis Marktführer nach Kunden, das sind sie in Deutschland sonst ganz selten, außer vielleicht bei Autos.

Das Versagen von o2/Telefonica ist im Kreis aber derart eklatant, dass sie aktuell nur 3 (ja genau drei) Stationen mit LTE ausgebaut haben (zwei bei Prenzlau und eine in der Nähe von Angermünde). Echt: 3 LTE-Sender für 3000 km2. Das liegt nicht an einem Sendermangel, denn sie haben ja ganz gutes 2G, sondern daran, dass dort kein Geld zu verdienen ist. Telekom und Vodafone haben je etwa 51, o2 gerade mal 3. Das sagt doch alles. Keine A11-Abdeckung, die den Kreis durchschneidet und Schwedt wird auch nur in 3G abgedeckt als größten Industriestandort der Region. Ich würde ihnen die LTE-Lizenz dort entziehen, denn das grenzt schon an Arbeitsverweigerung. Nirgendwo in Deutschland stehen o2 schlechter.

Und dann noch der Hype mit 5G. Was soll das bitte? Auch in den Kommentaren hier drunter wird darüber spekuliert, was das bringt. Ich sage Euch: in der Uckermark gar nichts. Ihr ver*scht die Leute und ich in Berlin kann mich freuen. Die MOZ hat vielleicht keine Fachredakteure, aber Teltarif könnte das schon klar sagen. Also ganz langsam: Die Telekom baut gerade 5G auf 2100 MHz (n1) und refarmed (d.h. umwidmet) ihre ehem. 3G Frequenzen. An fast allen ihrer Masten auf dem Land ist aber schon 4G auf 800 MHz (B20) drauf. 2100 MHz schafft nur einen Bruchteil der Abdeckung von 800 MHz, ist also für Flächen völlig ungeeignet, wie wir ja von 3G wissen. Es schafft also nur zusätzliche Kapazität im Nahbereich des Senders und nicht ein Funkloch wird dadurch gefüllt. Die Uckermark hat mit ihrer dünnen Besiedlung eben kein Kapazitäts-, sondern ein Abdeckungsproblem auf der Fläche. Ist das denn so schwer zu verstehen? Bei 5G auf 700 MHz von Vodafone könnte es etwas besser aussehen. Das braucht aber LTE auf 800 MHz als Ankerfrequenz und reicht auch nur ca. 10% weiter, denn die Frequenzen 700 bzw. 800 sind bei Vodafone sehr nahe zusammen. Es bringt also auch kaum was an Fläche.

Also wieder einmal ein Artikel, der vom eigentlichen Versagen der Anbieter ablenken soll. Die Landbevölkerung sei dagegen schuld. Dabei haben die Betreiber die längst abgeschrieben, weil man mit ihr eben kein Geld verdient. Mit 5G würde jetzt angeblich alles besser werden. Leute, geht's noch, wie zynisch kann man denn noch sein? Und dann wundert man sich, warum dort vermehrt undemokratische Parteien gewählt werden. Vielleicht fühlen sie sich irgendwie abgehängt oder von den "Experten" verladen, die die Schuld für ihre Rückständigkeit wie etwa dieser Artikel im Endeffekt ihnen selbst gibt. Sehr wahrscheinlich ist nicht jeder Bauer wirklich an 1 Gbit/s interessiert und Industrie gibt es praktisch nicht, aber telefonieren würde mancher vielleicht schon ganz gerne 2020 ohne Abbrüche.
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[1] SchnittenGott antwortet auf wolfbln
23.06.2020 08:04

2x geändert, zuletzt am 23.06.2020 08:06
Benutzer wolfbln schrieb:
[...]
Also wieder einmal ein Artikel, der vom eigentlichen Versagen der Anbieter ablenken soll. Die Landbevölkerung sei dagegen schuld. Dabei haben die Betreiber die längst abgeschrieben, weil man mit ihr eben kein Geld verdient. Mit 5G würde jetzt angeblich alles besser werden. Leute, geht's noch, wie zynisch kann man denn noch sein? Und dann wundert man sich, warum dort vermehrt undemokratische Parteien gewählt werden. Vielleicht fühlen sie sich irgendwie abgehängt oder von den "Experten" verladen, die die Schuld für ihre Rückständigkeit wie etwa dieser Artikel im Endeffekt ihnen selbst gibt. Sehr wahrscheinlich ist nicht jeder Bauer wirklich an 1 Gbit/s interessiert und Industrie gibt es praktisch nicht, aber telefonieren würde mancher vielleicht schon ganz gerne 2020 ohne Abbrüche.

Ich denke hier prallen zwei grundsätzliche Einstellungen aufeinander, die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen.
Die Einstellung, die Du vertrittst: Die Netzbetreiber bauen nur dort aus, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist.
Ist natürlich im Kern richtig, ein Unternehmen muß wirtschaftlich denken, um langsfristig erfolgreich am Markt zu sein (und damit auch implizit Arbeitsplätze zu sichern!)
Allerdings gibt es am Beispiel der Telekom auch durchaus Bestrebungen, dieses allgemeine Negativ-Image aufzubrechen.
Zeigt sich z.B. an der aktuellen Aktion, wo Funklöcher von der Bevölkerung gemeldet werden und dort gezielt ausgebaut wird.
Und hier sieht man genau das Gegenteil (erst vor kurzem gab es einen Artikel über einen Ort in Sachsen): Die Telekom WILL ausbauen, die Bevölkerung bzw. Ortsvertreter machen einen Rückzieher und sagen "Och nööööööö lieber doch nicht".
Und das ist beileibe kein Einzelfall, deutschlandweit gibt es im dreistelligen Bereich Ausbaupläne, die ins Stocken geraten, weil es Widerstand bzw. Verzögerungen bei den Genehmigungen gibt (nur bei der Telekom!)
Also Dein Ansatz, den schwarzen Peter nur den "bösen" Netzbetreibern zuzuschieben, greift hier m.E. zu kurz...
Wo wir uns vollkommen einig sind, ist hier wieder (wie im Artikel) 5G ins Spiel zu bringen.
Zum momentanen Zeitpunkt ist 5G ausschließlich für die Wirtschaft von Nutzen (Hersteller, Netzwerktechnik, Netzbetreiber...) und nicht für den Endverbraucher.
Erst einmal 4G in der Fläche ausbauen, später kann man evtl. punktuell voll ausgelastete Zonen mit 5G "entlasten"!
Als "Zukunftshoffnung" für die breite Flächenabdeckung ist 5G komplett ungeeignet!
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[1.1] hrgajek antwortet auf SchnittenGott
23.06.2020 08:34
Hallo,

Benutzer SchnittenGott schrieb:
Benutzer wolfbln schrieb: [...]
Also wieder einmal ein Artikel, der vom eigentlichen Versagen der Anbieter ablenken soll.

Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte.

Ich kann ja verstehen, dass ein 40m Mast in der freien Ebene optisch nicht so "attraktiv" erscheint.

Und hier sieht man genau das Gegenteil (erst vor kurzem gab es einen Artikel über einen Ort in Sachsen): Die Telekom WILL ausbauen, die Bevölkerung bzw. Ortsvertreter machen einen Rückzieher und sagen "Och nööööööö lieber doch nicht".

Das gibt es leider allzuoft.

Zum momentanen Zeitpunkt ist 5G ausschließlich für die Wirtschaft von Nutzen (Hersteller, Netzwerktechnik, Netzbetreiber...) und nicht für den Endverbraucher.

Jein. Der Netzausbau von 4G bringt 5G quasi im Gepäck mit.
5G ist im Moment ein 4G++ und wird mit dem Start von 5G SA auch eigenständig laufen können.

Erst einmal 4G in der Fläche ausbauen, später kann man evtl. punktuell voll ausgelastete Zonen mit 5G "entlasten"!

Wo 4G aufgebaut wird, ist 5G quasi mit wenigen Handgriffen mit drin oder nachrüstbar.

Als "Zukunftshoffnung" für die breite Flächenabdeckung ist 5G komplett ungeeignet!

Für die Flächenabdeckung braucht es Antennenstandorte (Masten)
Das ist ganz klar.
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[1.1.1] wolfbln antwortet auf hrgajek
23.06.2020 10:45

3x geändert, zuletzt am 23.06.2020 10:59
Benutzer hrgajek schrieb:
Hallo,

Benutzer SchnittenGott schrieb:
Benutzer wolfbln schrieb: [...]
Also wieder einmal ein Artikel, der vom eigentlichen Versagen der Anbieter ablenken soll.

Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte.

Ich kann ja verstehen, dass ein 40m Mast in der freien Ebene optisch nicht so "attraktiv" erscheint.

Und hier sieht man genau das Gegenteil (erst vor kurzem gab es einen Artikel über einen Ort in Sachsen): Die Telekom WILL ausbauen, die Bevölkerung bzw. Ortsvertreter machen einen Rückzieher und sagen "Och nööööööö lieber doch nicht".

Das gibt es leider allzuoft.

Zum momentanen Zeitpunkt ist 5G ausschließlich für die Wirtschaft von Nutzen (Hersteller, Netzwerktechnik, Netzbetreiber...) und nicht für den Endverbraucher.

Jein. Der Netzausbau von 4G bringt 5G quasi im Gepäck mit. 5G ist im Moment ein 4G++ und wird mit dem Start von 5G SA auch
eigenständig laufen können.

Erst einmal 4G in der Fläche ausbauen, später kann man evtl. punktuell voll ausgelastete Zonen mit 5G "entlasten"!

Wo 4G aufgebaut wird, ist 5G quasi mit wenigen Handgriffen mit drin oder nachrüstbar.

Als "Zukunftshoffnung" für die breite Flächenabdeckung ist 5G komplett ungeeignet!

Für die Flächenabdeckung braucht es Antennenstandorte (Masten) Das ist ganz klar.


Hallo Henning.

An vielen Punkten liegen wir gar nicht weit auseinander. Es braucht mehr Standorte. Da sind wir uns einig. Es wird auch einiges gebaut momentan. Und es gibt sicher auch Genehmigungen, die sich ziehen oder lokalen Widerstand hervorrufen. Ich habe mir letzte Woche in Hessen einen Standort angeschaut, wo sogar ein Ersatzmast einen Aufruhr verursacht.

Dieser Artikel bezieht sich aber auf die Uckermark und dort hat sich seit der Wende eher wenig getan. Telekom und Vodafone haben gut 50 Standorte im Kreis mit LTE, bei o2 ist da fast völlige Fehlanzeige, was LTE betrifft. Darum muss man auch hier zwischen den Betreibern differenzieren. Zwischen 10% und 80% der Kreisfläche unter LTE-Abdeckung liegt schon ein kleiner Unterschied.

Die Telekom und vielleicht auch Vodafone haben an Standorten Widerstände gegen den Mast, wenn er das höchste Bauwerk im Dorf wird. Da sagen die Dorfbewohner, "geht lieber auf den Acker/Berg, in den Wald etc. damit". Sie sind sich dabei nicht bewusst, dass sie die Strahlung sogar erhöhen.

In der Uckermark gibt es aber keine Gemeinden, die bei dem Preisausschreiben der Telekom gewonnen haben und sie haben dann ein Wörtchen mitzureden, wo in ihrer Gemarkung das Bauwerk entstehen soll. Da die Dörfer so klein sind, sind auch die Betreiber bisher häufig aufs Feld ausgewichen, um damit gleich mehrere Flecken abzudecken. Da sagen die Bewohner, warum macht ihr das nicht bei uns auch so, anstatt einen höheren Turm als den der Kirche zu bauen? Leider sind diese Alternativstandorte dann doch häufig nicht ganz so gut.

Bei o2 - und das habe ich im Beitrag mit der Zahl der Sender, die ich sonst eher öffentlich nicht kommuniziere - geht es aber weiter erstmal darum, an bestehende Anlagen 4G zu hängen, denn die fehlen da zu 98% und dagegen gibt es 0 Widerstand. Die Leute haben nix dagegen, ob das jetzt eine 2G, 3G, 4G oder MultiG-Antenne ist. Das ist auch kaum optisch ein Unterschied. Der schleppende 4G-Ausbau geht einzig aufs Konto dieses Anbieters. Viele Kunden würden dort gerne etwas weniger als bei der Telekom zahlen.

Die Telekom dagegen ist bundesweit sicher führend und auch zu loben, dass sie gerade auch Standorte ausbaut, die sich auf dem ersten Blick nicht rentieren. Trotzdem solltet Ihr da auch genauer hinschauen. Bei dem Preisausschreiben übernimmt die Gemeinde praktisch das Genehmigungsverfahren, gibt eine Filetfläche auf der Gemarkung zum Nulltarif heraus, womit andere Kommunen Einnahmen erwirtschaften. Das ist eine Win-Win-Situation für die Telekom: sie ist sicher, dass die Genehmigung i.d.R. glatt läuft, muss weniger für den Standort zahlen und hat die Werbewirkung. Jetzt ging es an einer Stelle mal schief in Sachsen-Anhalt und die Telekom macht ein Riesen Fass auf. Die Telekom ist selbst schon an "gewonnenen" Standorten abgesprungen. Darüber redet keiner. Es ist ja auch ein vergifteter "Gewinn". Der Konzern schaut sich das Angebot genau an, ob es in sein Netz so passt oder nicht und entscheidet danach.

Bei 5G hast du mich immer noch nicht überzeugt. Ich bin kein Strahlungsgegner und stehe 5G offen gegenüber. Es wird kommen und 2-3G ablösen und mehr Kapazität erzeugen. Dort braucht es aber Fläche statt Kapa. Das geht nur durch mehr Standorte. Nenne mir bitte einen Standort, der irgendwo neu errichtet wurde für 5G, der mehr Fläche gebracht hat. Das ist bisher nicht bei n78 passiert, wo es viele neue Standorte braucht. Die hängen bisher an den alten Masten. Die neuen, die 5G bekommen, müssen auch 4G kriegen und n1 bei Telekom oder n28 bei Vodafone ergeben eben nicht mehr Fläche. Das Argument ist also ein verdrehtes: Wir nutzen den Hype um 5G, um 4G zu bauen, dort, wo es noch fehlt. Das meinst du wohl mit dem 4G-Baufortschritt, den es für 5G NSA braucht. Da muss man halt weiter sagen, dass dort eben eigentlich zunächst 4G und nicht 5G fehlt. Der Artikel der MOZ scheint auch an Stellen 5G mit 4G zu verwechseln, wie andere hier in Kommentaren schrieben. Soweit ist es schon gekommen. Die Leute haben nicht die Geräte, Tarife, den Bedarf, das Geld für oder das Interesse an 5G, wie es vielleicht ansatzweise in Expertengruppen anzutreffen ist. Ich bin mit Dir in einer solchen Telegram-Gruppe. Mal ehrlich, ihr "Experten" kriegt nicht mal n1 der Telekom auf Euren niegelnagelneuen "5G"-Handys für >500€ zu laufen. Ist es dann vielleicht nicht etwas viel vom Bauern in der Uckermark verlangt? Die wollen da einfach nur störungsfrei telefonieren und vielleicht was im Netz checken und ihr Handy ist i.d.R nicht so neu.

Wir haben leider immer noch keine geeigneten Instrumente gefunden, in einer Marktwirtschaft eine vernünftige Abdeckung hinzubekommen. Der "Wettbewerb" oder "Markt" scheint es nicht zu richten. Auflagen werden einfach folgenlos gerissen. Der "Staat" versucht jetzt durch viel Geld oder neue Behörden das anzutreiben. Beides kann man skeptisch oder hoffnungsvoll sehen. Für mich gilt am Ende das Resultat, egal ob über Markt oder Staat, und da haben wir noch erheblichen Nachholbedarf. Den hatten wir bei 3G. Das ist jetzt Geschichte durch 4G. Den haben wir aktuell bei 4G und das darf durch 5G eben nicht wieder Geschichte sein, weil man dann die Region wirklich vergessen kann.
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[2] Cartouche antwortet auf wolfbln
24.06.2020 12:08

2x geändert, zuletzt am 24.06.2020 12:21
Benutzer wolfbln schrieb:

Lieber Wolf, danke für deine ausführliche Wortmeldung hierzu.

Mir fallen dazu verschiedene Punkte ein:

1. Im Auto -und Motorradpodcast "die Hupe" sprachen Clemens Gleich und Sebastian Bauer vor einigen Wochen über das Problem der selbst empfundenen Korruption, die durch die Nähe und "gute Betreuung" der Journalisten durch die kommerziell handelnden Unternehmen auftritt. Es scheint mir so, dass es aus allzu menschlichen Gründen auch für Journalisten im TK-Bereich schwierig sein kann, zwischen journalistischen Auftrag und der persönlichen Wohlfühlzone im Umkreis der Unternehmen zu trennen.

2. mir ist nunmehr seit Jahren bis zum heutigen Tag unklar, warum dünn besiedelte Gebiete für ein Mobilfunkunternehmen unwirtschaftlich sein könnten. Ich bitte auch gleich um eine mögliche Korrektur meiner Gedanken, denn vielleicht übersehe ich einen Faktor und drehe mich gedanklich nur im Kreis. Wenn ich also davon ausgehe, dass ein Mobilfunknetz zur Verfügung zu stehen hat und meine Kunden mir für die Nutzung des Netes Geld bezahlen, dann erscheint es mir unsinnig, das Netz nur in reduzierter Form zur Verfügung zu stellen, wenn irgendwo die Bevölkerung weniger zahlreich ist. Diese Kunden zahlen ja nun mal den gleichen monatlichen Beitrag wie die Kunden in den dichter besiedelten Gebieten und es ist mir unerklärlich, warum es sich betriebswirtschaftlich nicht rechnet, dort eine Versorgung zu gewährleisten. Die gesetzliche Vorgabe oder den Gedanken der Daseinsvorsorge lasse ich hier bewusst außen vor.
In Zeiten, in denen minutenbasiert abgerechnet wurde, kann ich ja noch ein bisschen nachvollziehen, dass weniger Airtime über den Mast geht und somit weniger abrechenbare Minuten entstehen, weswegen sich diese oder jene bestimmte Funksektor mehr oder weniger lohnt. In den heutigen Zeiten bezahlen aber doch sicherlich fast alle Kunden einen Pauschalpreis für die monatliche Nutzung und somit sollte es doch auch egal sein, in welchem Teil des Landes der örtlich Ansässige oder der mobile, reisende Kunde die Inklusivleistung abruft.
Es geht mir nicht in den Sinn, wie man auf den Gedanken käme dass sich irgendwo eine Funkzelle nicht lohnen würde. Schon sowieso nicht, wenn man einen Auftrag zum Ausbau erhalten hat.
Kann es sein, dass die Politik statt einfach einen Ausbau in 100% der Fläche festzusetzen, sich von Wirtschaftlichke­itsbetrachtungen hat einwickeln lassen obwohl sie doch nach meiner oben dargelegten Logik gar nicht existieren?

3. Was ist aus der nun erlaubten höheren Sendeleistung in Grenznähe geworden?
Ich habe entlang der niederländischen Grenze verschiedene Referenzpunkte zur Verfügung an denen seit der gesetzlichen Änderung zumindest im Telekomnetz keinerlei Veränderungen respektive Verbesserung zu verspüren ist. Der niederländische Sender ist an der Grenze immer stärker als der Deutsche. Kann mir jemand sagen, ob diese Gesetzesänderung überhaupt zu nennenswerten Aktionen bei den Netzbetreibern geführt hat?

4. Einer dieser Landstriche entlang der deutschen Westgrenze ist der südlichwestliche Teil des Landkreises Grafschaft Bentheim. Dort gibt es eine dünne GSM-Versorgung und stellenweise 3G. Die Umwidmung von 3G Frequenzen in 4G Träger hat anscheinend noch nicht stattgefunden, den es klaffen riesige Lücken übers Land. Es gibt auch Stellen die gar nicht ausgebaut sind und bei denen das Refarming keinen Effekt zeigt, weil da jetzt auch schon keine Versorgung ist. Ich hatte mit Informationen aus meiner Lektüre bei teltarif sowohl den Wirtschaftsdezernenten der Gemeindeverwaltung als auch die Ortsvorsteherschaft auf die Möglichkeit der Telekom-Funkloch-Aktion hingewiesen, aber entweder habe ich es nicht gut genug erklärt oder der Aufwand war zu groß, initialen Kontakt mit der Telekom aufzunehmen. Jedenfalls ist nach meinem Wissen dort nichts geschehen.

6. Auch ich empfinde die Funklochjagd der Telekom als hingeworfene Brosamen. Mir fehlt hier der tatsächliche Wille der TK-Unternehmen zum Ausbau der Fläche und der Versuch nicht nur einen bestimmten Bevölkerungsanteil auszubauen. Der Markt hat es ganz offensichtlich nicht geregelt, wenn (unlogische?) Unwirtschaftlichkeitkriterien herangezogen werden und die Politik hat es auch nicht geregelt obwohl es ihre Aufgabe gewesen wäre. Bürgervertreter und Politik haben ihre hausaufgaben nicht gemacht sondern jeder hat auf den anderen gezeigt.

7. Ich rege an, dass teltarif gemeinsam mit seiner interessierten und engagierten Leserschaft eine Aktion startet, in der den Netzbetreibern der Ausbaubedarf nachgewiesen wird. Über die Form und die technischen Mittel kann gemeinsam nachgedacht werden. Ich glaube zwar dass vor allen Dingen bei den Netzbetreibern die technischen Daten über ihre punktuelle Nichtversorgung exzellent vorliegen, aber eventuell hilft dort die Arbeit des Schwarms der Interessierten bei einer Beschleunigung.
Wäre das für die Redaktion von teltarif von Interesse? Könnte die Redaktion von teltarif damit sozusagen berühmt werden, wenn in der Nachbetrachtung in einigen Jahren klar wird, dass ein Online-Magazin den Ausbau des Mobilfunks in Deutschland mit Hilfe seiner engagierten Leser befeuert hat?
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[2.1] Cartouche antwortet auf Cartouche
24.06.2020 18:03
Ich würde mich hier sehr über eine redaktionelle Stellungnahme freuen.... :-)
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[2.2] dünn, sehr dünn
helmut-wk antwortet auf Cartouche
25.06.2020 21:21
Benutzer Cartouche schrieb:
2. mir ist nunmehr seit Jahren bis zum heutigen Tag unklar, warum dünn besiedelte Gebiete für ein Mobilfunkunternehmen unwirtschaftlich sein könnten.

Ich denke, man muss zwischen "dünn" und "sehr dünn" unterscheiden.

In Ballungsgebieten lohnt sich ein Mast, wenn er Kapazitätsengpässe beseitigt und so das besser gewordene Netz mehr Kunden anzieht, die dann gewissermaßen "den Mast bezahlen". In dünn besiedelten Gebieten lohnt sich ein Mast, wenn er Funklöcher stopft, in denen Leute leben, die nun zum jetzt erreichbaren Netz wandern.

Nur wenn die Gegend sehr dünn besiedelt ist - wenn der Mast gerade mal ein paar Dutzend Haushalte versorgen kann, die ja auch nicht alle einen neuen Vertrag abschließen, dann fährt er nie die Kosten zur Errichtung und Unterhalt (Energie, Wartung) ein.

Was mich allerdings wundert: Laut Artikel sind auch eine Autobahn und einige Zugtrassen schlecht versorgt. Das betrifft ja nicht nur die da Wohnenden, sondern auch den "Durchgangsverkehr". Da sollte man schon von ausgehen, dass sich ein Ausbau lohnt, damit die Autofahrer/Fernzugreisenden kein Funkloch erleben müssen. Wieso geschieht da so wenig? Liegts nur an den Naturschützern?