Diskussionsforum
Menü

Wirecard


25.06.2020 11:44 - Gestartet von pfackelmann
Was sollen eigentlich diese ganzen Huckepack-Services?
Ich habe - wie viele andere - eine Kreditkarte. Warum soll ich noch eine zusätzliche Provision an jemand zahlen, der sich auch noch die Finger darin wäscht?
Menü
[1] Kuch antwortet auf pfackelmann
25.06.2020 12:42
Hallo,

Benutzer pfackelmann schrieb:
Was sollen eigentlich diese ganzen Huckepack-Services? Ich habe - wie viele andere - eine Kreditkarte.

die ganzen "Huckepack-Services" sind meistens technisch sehr innovativ und die Dienstleister wie Wirecard bekommen in kurzer Zeit das auf die Reihe, was alte und träge Banken nach Jahren immer noch nicht hinbekommen. Stichwort Echtzeitüberweisung (SEPA Instant Payment) oder direkte Auszahlung des Betrags an einen Händler: Gäbe es alles, nur die Banken brauchen oft Jahre, bis sie es praktisch umsetzen. Den Banken (und sogar den etablierten Kreditkartenanbietern) reicht der übliche eine Bankarbeitstag (24 Stunden), einem (Online-)Händler aber möglicherweise nicht. Da gehen Handelsverbände eben zu einem jungen coolen Internet-Dienstleister, der Gutschriften in Sekunden anbietet.

Alexander Kuch
Menü
[1.1] Boob14 antwortet auf Kuch
25.06.2020 16:03
Da gehen Handelsverbände eben zu einem jungen coolen Internet-Dienstleister, der Gutschriften in Sekunden anbietet.

Der Junge Coole Internet Dienstleister muss bei Gutschriften in Sekunden in der Regel für den Betrag gegenüber den Händler in Vorleistung gehen. Dafür wird der Dienstleister höhere Gebühren nehmen müssen. Problem bei vielen Innovationen dürfte sein, dass die etwas kosten, was viele Kunden oder Händler nicht zahlen wollen.

Wenn der Innovator Wirecard in der jetzigen Form nicht überlebt, könnte das Giro System oder die trägen Sparkassen profitieren. Apple oder Google Pay dürften intensiver mit den Systemen sprechen. Sparkassen wollten ihre Karten mehr mit Mastercard Co Badging anbieten. Von der Innovation könnten einige wieder Abstand nehmen.
Menü
[1.1.1] Bündelfunk antwortet auf Boob14
25.06.2020 16:19
Benutzer Boob14 schrieb:
Da gehen Handelsverbände eben zu einem jungen coolen Internet-Dienstleister, der Gutschriften in Sekunden anbietet.

Wenn der Innovator Wirecard in der jetzigen Form nicht überlebt, könnte das Giro System oder die trägen Sparkassen profitieren. Apple oder Google Pay dürften intensiver mit den Systemen sprechen. Sparkassen wollten ihre Karten mehr mit Mastercard Co Badging anbieten. Von der Innovation könnten einige wieder Abstand nehmen.

Das wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Denn Wirecard macht nichts neues, sondern wäre nur eine dt. Variante gewesen zu der Konkurrenz aus dem Ausland. Deswegen hat Wirecard ja auch gerade größere Kunden in DE finden können.

Diie klassischen Banken (insbesondere Genossenschaften und Sparkassen) sind als Zahlungsdienstleister für Unternehmen (sowohl old economy als auch new economy) einfach mittlerweile uninteressant, da zu teuer und zu unflexibel.

Zzudem besteht für größere Unternehmen in der klassischen Bank kein Mehrwert. Die Zeiten, dass die klassische Bank als derjenige auftreten kann, der die Hoheit über den Geldfluss hat, sind vorbei. Die Unternehmen entscheiden, wie ihr Geldfluss aussehen soll und die Banken sind Dienstleister für den Zahlungsfluss - also ein Infrastrukturanbieter. Das ist mit dem Selbstverständnis der klassciehn Banken derzeit noch nicht in Einklang zu bringen.

Ganz handfest hat der Sachverhalt "Wirecard" einfach dem dt. Finanzplatz geschadet. Für Aldi oder ANA oder Mizuho ist es kein Prroblem, einen anderen Banking-Infrastrukturdienstleister auszuwählen, wenn man das will. Die klassichen Banken sind für sowas aber nicht geeignet, so dass eben nun ein Vakuum entsteht, das von ausländischen Banken gefüllt wird.
Menü
[1.1.1.1] Boob14 antwortet auf Bündelfunk
25.06.2020 22:28
Ganz handfest hat der Sachverhalt "Wirecard" einfach dem dt. Finanzplatz geschadet. Für Aldi oder ANA oder Mizuho ist es kein Prroblem, einen anderen Banking-Infrastrukturdienstleister auszuwählen, wenn man das will. Die klassichen Banken sind für sowas aber nicht geeignet, so dass eben nun ein Vakuum entsteht, das von ausländischen Banken gefüllt wird.

Ausländische Banken brauchen auch eine Deutsche Banklizenz, wenn die hier Banking Leistungen wie Wirecard anbieten wollen. Die Insolvenz von Wirecard kam recht schnell. Sehr Profitabel scheint das Geschäft nicht zu sein. Die Wirecard Bank soll auch Forderungen gegenüber der Insolventen Wirecard AG haben. Zu viel verbrannte Erde wird schlecht für Innovationen sein. Wer da zuviel Geld verliert, hat weniger Lust auf Innovationen. Die Frage ist auch, ob Wirecard seinen Geschäftsbetrieb lange aufrecht erhalten kann. Vor allem das Internationale Geschäft dürfte gefährdet sein.
Menü
[1.1.1.1.1] Bündelfunk antwortet auf Boob14
26.06.2020 08:24

einmal geändert am 26.06.2020 08:28
Benutzer Boob14 schrieb:

Ausländische Banken brauchen auch eine Deutsche Banklizenz, wenn die hier Banking Leistungen wie Wirecard anbieten wollen.

Das ist nicht so. Ausländische Banken brauchen die Lizenz in einem EU-Staat, also bspw. Malta, Zypern, Niederlande, Litauen oder Luxemburg.

Und interessanterweise haben mögliche Konkurrenten aus diesen Ländern ihre Banklizenz.
Menü
[1.1.1.1.1.1] Boob14 antwortet auf Bündelfunk
26.06.2020 10:32
Ausländische Banken brauchen auch eine Deutsche Banklizenz, wenn die hier Banking Leistungen wie Wirecard anbieten wollen.

Das ist nicht so. Ausländische Banken brauchen die Lizenz in einem EU-Staat, also bspw. Malta, Zypern, Niederlande, Litauen oder Luxemburg.

Und interessanterweise haben mögliche Konkurrenten aus diesen Ländern ihre Banklizenz.

Mag sein, bloß die Zahlungen dürften dann auch über deren nicht Deutsche Zentralbanken laufen. Vermute mal, die Deutschen Behörden werden so etwas verhindern. Damit könnten die Zahlungsströme und die Banken nicht mehr kontrolliert werden. Bei Wirecard hat die Kontrolle wohl versagt. Da muss sicher jetzt so getan werden, dass strenger kontrolliert wird und keine Konstrukte ohne Kontrolle zugelassen werden. Da geht es auch um Deutsche Einlagen.
Menü
[1.1.1.1.1.1.1] Bündelfunk antwortet auf Boob14
26.06.2020 10:58
Benutzer Boob14 schrieb:

Mag sein, bloß die Zahlungen dürften dann auch über deren nicht Deutsche Zentralbanken laufen. Vermute mal, die Deutschen Behörden werden so etwas verhindern. Damit könnten die Zahlungsströme und die Banken nicht mehr kontrolliert werden. Bei Wirecard hat die Kontrolle wohl versagt. Da muss sicher jetzt so getan werden, dass strenger kontrolliert wird und keine Konstrukte ohne Kontrolle zugelassen werden. Da geht es auch um Deutsche Einlagen.

Die dt. Behörden können da gar nichts verhindern, da es sich um EU-Recht handelt. Es handelt sich hier um SEPA. Revolut bspw. bietet für Privatnutzer Konten per App an und hat in GB und LT eine Banklizenz.

Die Einlagensicherheit basiert ebenfalls auf EU-Recht. Es handelt sich um DGSD.
Menü
[1.1.1.1.1.1.1.1] WWW-Schizo antwortet auf Bündelfunk
26.06.2020 12:03
Benutzer Bündelfunk schrieb:
Die dt. Behörden können da gar nichts verhindern, da es sich um EU-Recht handelt. Es handelt sich hier um SEPA. Revolut bspw. bietet für Privatnutzer Konten per App an und hat in GB und LT eine Banklizenz.

Die Einlagensicherheit basiert ebenfalls auf EU-Recht. Es handelt sich um DGSD.

99% der Deutschen - inkl. mir - möchten jedoch ein Girokonto das mit der IBAN-Nummer DE beginnt, alles andere sind exotische Fälle, und Revolut oder Transferwise bieten dies nicht an.
Menü
[1.1.1.1.1.1.1.1.1] Bündelfunk antwortet auf WWW-Schizo
26.06.2020 12:08
Benutzer WWW-Schizo schrieb:

99% der Deutschen - inkl. mir - möchten jedoch ein Girokonto das mit der IBAN-Nummer DE beginnt, alles andere sind exotische Fälle, und Revolut oder Transferwise bieten dies nicht an.

Das mag ja sein.

Das hat aber nichts mit den Zahlungsdienstleistungen, dem Risikomanagement und der Ausgabe von Kreditkarten der Wirecard zu tun, die von Händlern in Anspruch genommen werden (bspw. Aldi, ANA etc.).
Menü
[1.1.1.1.1.1.1.1.2] Hofrat antwortet auf WWW-Schizo
26.06.2020 12:36
Benutzer WWW-Schizo schrieb:

99% der Deutschen - inkl. mir - möchten jedoch ein Girokonto das mit der IBAN-Nummer DE beginnt, alles andere sind exotische Fälle, und Revolut oder Transferwise bieten dies nicht an.

Eigentlich sollte es egal sein welche IBAN das Girokonto hat, es darf keine IBAN Diskrimienierung geben.
Menü
[1.1.1.1.1.1.1.2] Boob14 antwortet auf Bündelfunk
26.06.2020 12:39
Die dt. Behörden können da gar nichts verhindern, da es sich um EU-Recht handelt. Es handelt sich hier um SEPA. Revolut bspw. bietet für Privatnutzer Konten per App an und hat in GB und LT eine Banklizenz.

Revolut soll ein Teil seiner Geschäfte über die Wirecard Bank Tochter abgewickelt haben. Wenn Buchungen 2 mal bei der Bundesbank und 1 mal bei eine anderen Zentralbank verarbeitet werden, dürften Zahlungen recht lange dauern. Glaube nicht, dass dies eine Option im Massenmarkt ist.

Die Einlagesicherung wird von allen Banken finanziert. Die etablierten Banken dürften sicher ihre Lobby einsetzen, dass die Fintechs strenger geprüft werden.

Vermutlich wurde auch bei Wirecard mehr weg gesehen, weil um München auch außerhalb von Wirecard mehr Jobs an den Wirecard Geschäften hängen.
Menü
[1.1.1.1.1.1.1.2.1] Bündelfunk antwortet auf Boob14
26.06.2020 12:46

einmal geändert am 26.06.2020 13:15
Benutzer Boob14 schrieb:

Revolut soll ein Teil seiner Geschäfte über die Wirecard Bank Tochter abgewickelt haben. Wenn Buchungen 2 mal bei der Bundesbank und 1 mal bei eine anderen Zentralbank verarbeitet werden, dürften Zahlungen recht lange dauern. Glaube nicht, dass dies eine Option im Massenmarkt ist.

Die Zahlungen über Zentralbanken sind gar nicht mehr so beliebt. Es findet viel mehr ein Intrabankenverkehr statt. Da ist die Zentralbank außen vor. Wirecard dürfte für Revolut ein Nostrokonto geführt haben, wie es häufig bei grenzüberschreitenden Zahlungen zwischen Banken vorkommt, damit Zahlungen schneller ausgeführt werden und günstiger sind.

Die Einlagesicherung wird von allen Banken finanziert. Die etablierten Banken dürften sicher ihre Lobby einsetzen, dass die Fintechs strenger geprüft werden.

Die Einlagensicherung basiert schlicht auf EU-Recht. Gerade für Fintech-Banken gibt es basierend auf EU-Recht vereinfachte Lizenzen. Das nutzen auch klassische Banken. Häufig nutzen Fintechs aber für lokale Konten dann lokale Banken, damit die Fintechs eben keine lokale Banklizenz benötigen. Dann greift die Einlagensicherung der ausführenden Bank und das Fintech muss sich um nichts kümmern. Das kostet dann etwas, lohnt sich aber in vielen Fällen für das Fintech und auch für den Kunden.

Bei den Dienstleistungen der des ePayments - wie bei Aldi etc, wo ja der größte Einnahmenwert bei der WDI bisher gesehen wurde - ist die Einlagensicherung aber kein Thema.

Vermutlich wurde auch bei Wirecard mehr weg gesehen, weil um München auch außerhalb von Wirecard mehr Jobs an den Wirecard Geschäften hängen.

Das wird sowieso noch aufzudröseln sein, wie eigentlich die Rolle der Bafin war.

Edit: Die EU-Kommission schaltet wohl die ESMA ein, damit kontrolliert wird, ob die Bafin da etwas hat schleifen lassen: https://www.heise.de/news/Wirecard-EU-Kommission-schaltet-europaeische-Finanzaufsicht-ein-4796522.html