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Prepaid-Rückgang liegt am schlechten Angebot


27.05.2020 14:32 - Gestartet von wolfbln
2x geändert, zuletzt am 27.05.2020 14:41
Der Prepaid-Anteil geht zurück und beträgt nur noch etwa 1/3, doch das hat andere Gründe. Die Telkos starren auf den APRU (durchschnittlichen Erlös pro Kunden) und die ist bei Postpaid einfach durchschnittlich wesentlich höher. Daraus folgern sie, möglichst viele Kunden zu Postpaid migrieren zu müssen, um höhere Umsätze zu erzielen. Dazu kamen dann noch neue Regularien wie die aufwendige Prepaid-Registrierung, die den Anbietern kostet oder auch neue Formen zwischen Pre- und Postpaid wie FUNK oder Fraenk.

Eigentlich müsste der Ausfall bei Postpaid ja die Kosten des Betreibers bei Prepaid drücken. Bei Prepaid kann der Anbieter ja praktisch kein Geld verlieren, denn er kriegt es ja bevor man es nutzt. Bei Postpaid lockt aber für die Betreiber die Bindung oder eher Knebelung auf bis zu 2 Jahre. Die Churn-Rate kann deshalb im Postpaid nicht so hoch sein. Ferner sind die Vertriebskosten bei Postpaid niedriger.

Die Anbieter sehen nur Kosten, ARPU und Churn, aber nicht die Chancen von Prepaid. Das ist in Europa höchst unterschiedlich:
-> in Frankreich ist prepayée unter 5% Anteil gefallen, weil alle Verträge monatlich kündbar sein müssen.
-> in Italien liegt dagegen ricaricabile bei fast 80%, weil viele Verträge vorausbezahlt werden, darüber der Wettbewerb läuft und die Betreiber sicher gehen wollen, ihr Geld zu bekommen. Daher drängen sie die Kunden lieber in "unechtes" Prepaid (mit Bindung an Konto oder Kreditkarte), mit der Gefahr, dass sie sich dann kurzfristig anders entscheiden und wechseln. Die Angst später gar kein Geld bei Postpaid zu sehen, sitzt aber offenbar tiefer.

Das wäre auch der Weg für uns:
Wenn man als Betreiber wirklich Prepaid überflüssig machen möchte:
-> flexiblere Verträge mit monatlicher Kündigung könnte den Prepaid-Markt weiter austrocknen, wie Drillisch zeigt - das wäre der Weg, wenn man prepaid wirklich überflüssig werden lassen will. Der wird aber nicht konsequent gegangen.

Wenn man als Betreiber auf Prepaid setzen würde:
-> bessere Angebote im Prepaid-Segment könnte auch viele Kunden zurückholen und einen offenen Wettbewerb ermöglichen, wie Österreich mit Wertkarte zeigt. Dort ist der Prepaid-Anteil seit Jahren ansteigend. Aber so lange alle Prepaid-Anbieter bei uns mehr oder weniger das Gleiche nehmen, wird das nichts.

Hier wird schmerzlich eplus vermisst, die die Prepaid-Pioniere bei uns waren. Aber weil es i.d.R. günstiger ist, sich einen Postpaid-Vertrag zu holen; viele davon aber nicht die Flexibilität von Prepaid haben, wird uns Prepaid noch lange als solides Segment zwischen 20% und 33% erhalten bleiben.
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[1] Thunder115 antwortet auf wolfbln
27.05.2020 15:04
Was sich die Betreiber wünschen, ist dem Kunden meist egal. Meist wird der Kunde bei Postpaid an der Nase rumgeführt. Die Erträge steigern sich, indem man dem Kunden immer mehr Leistungen aufdrückt, die er seltenst auch braucht.
2GB 4GB 10 GB usw. Solange ich nicht Videos streame, kommt man mit den 2 GB eines Prepaid in 30 Tagen locker hin. Meist verfallen bei mir 1 GB an Datenvolumen.

Der Trend zu Postpaid ist wohl den Drillisch/Telefonica Angeboten zu verdanken, wo man unter 10€ schon ausreichende Verträge erhält. Bei den beiden Großen Telekom und Vodafone geht es erst so richtig ab 30€ (z.B. Red XS 4GB 29,99 zzgl. Anschlußpreis oder Magenta Mobil S 6 GB 39,99) los und genau da ist Prepaid noch einiges günstiger. Günstigere Tarife wie MagentaMobil XS verschwinden aus den Produktlisten.

Für mich entscheidend war dann aber das mangelhafte Netz von O2/Drillisch. Teilnehmer nicht erreichbar, Autobahnen teilweise Kilometer lang kein Empfang, schlechtes bis kein Handover von LTE auf 3G (Anrufer landen auf der Mailbox, obwohl man das Handy mit 3 Balken LTE in der Hand hält). Da helfen keine 7,99 für Allnetflat mit 4 GB.
Bleiben noch die Providerverträge(Otelo, Congstar und Co.), die bei VF und T etwas günstiger als die Originalbetreiber sind - da aber Kastration der LTE-Datenraten.
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[1.1] Boob14 antwortet auf Thunder115
27.05.2020 16:34
Der Trend zu Postpaid ist wohl den Drillisch/Telefonica Angeboten zu verdanken, wo man unter 10€ schon ausreichende Verträge erhält.

Zu einem 2 Jahres Vertrag für um die 10€ mit 3-5GB Datenvolumen, bekommt man bei einigen Anbietern ein Einsteiger Smartphone mit dazu. So welche Angebote dürften für viele auch interessant sein.
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[2] Kuch antwortet auf wolfbln
27.05.2020 15:08
Hallo,

ja, zutreffende Analyse. Und was die deutschen Kunden den Prepaid-Anbietern auch nicht verziehen haben, ist die gemeinschaftliche Verkürzung des Abrechnungszeitraums auf 4 Wochen/28 Tage statt 1 Kalendermonat.

Denn das hat zur Folge, dass tatsächlich eine Option nicht nur 13, sondern in manchen Jahren sogar 14 Mal gebucht werden muss, was den rechnerischen Preis pro Monat verglichen mit der Leistung gegenüber Postpaid weiterhin verschlechtert hat. Und wenn die Leute dann sehen, dass es weiterhin sowas wie FCB Mobil Prepaid Max (Allnet- und SMS-Flat mit 3 GB für 24,95 Euro pro 28 Tage) in der aktiven Vermarktung gibt, fragen sie sich schon zurecht, was das soll.

Alexander Kuch