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Von Bitraten und Beschiss auf Raten


13.05.2020 19:45 - Gestartet von little-endian
Zum etwas kruden Wortspiel sei ergänzt, dass das Ganze doch mal wieder an Realsatire grenzt.

Ich zitiere:

"Netflix scheine nun vielmehr die Bitrate in Abhängigkeit vom Content anzupassen."

Ähm ja, das sollte heutzutage Encodingalltag sein und nennt sich "variable bit rate" (VBR). Der Aberwitz liegt "schon verstandenerweise" natürlich in der dann nochmals variablen Kastration bereits variabler Bitraten.

"Während viele 4K/Dolby-Vision-Streams bereits mit 15,25 MBit/s über den Bildschirm flimmerten, liefen einige 4K/SDR-Titel noch immer mit reduzierten 7,2 MBit/s. Normalerweise sollte der Wert bei mindestens 11 MBit/s liegen."

Pfff, die sollten eher bei 50 Mbps und mehr liegen. 7,2 Mbps sind selbst für 2K und SDR ein schlechter Witz - H.265 hin oder her. Abgesehen davon, dass die ach so höhere Enkodiereffizienz maßlos überschätzt wird, kann kein Encoder Wunder vollbringen, was sich spätestens in dunklen Bereichen oder verrauschtem Ausgangsmaterial bei dem ganzen Streaminggedöns ja auch überdeutlich zeigt.

Aber Hauptsache, "vier kaaaah und hah deh err".
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[1] Felixkruemel antwortet auf little-endian
13.05.2020 21:23
Netflix liefert falls möglich mittlerweile sogar in AV1 aus. Da kannst du mit deinem uralten H264 einpacken. Mit ca. 1/3 der Bitrate bekommst du da das exakt selbe Ergebnis. Damit ist auch bereits das Problem in dunklen Szenen behoben.

16Mbit/s mit einem Mix aus VP9 und H265 was Netflix bei 4k standardmäßig nutzt ist sehr gut im Gegensatz zu dem Müll von hochskalierten "4k" Inhalten die man auf BlueRays findet. Es gibt nahezu keine echten 4k Inhalte auf BlueRays, daher sieht Netflix immer schärfer aus.
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[1.1] little-endian antwortet auf Felixkruemel
13.05.2020 23:00
Benutzer Felixkruemel schrieb:
Netflix liefert falls möglich mittlerweile sogar in AV1 aus. Da kannst du mit deinem uralten H264 einpacken. Mit ca. 1/3 der Bitrate bekommst du da das exakt selbe Ergebnis.[/quote]

Nehmen wir der Bequemlichkeit zu später Stunde halber einmal das erstbeste Ergebnis und zitieren hieraus:

"In 2018 Facebook testing that approximates real world conditions, AV1 achieved 34%, 46.2% and 50.3% higher data compression than libvpx-vp9, x264 high profile, and x264 main profile respectively."

Passt nicht so ganz zum behaupten Drittel, da dieses eher eine Steigerung von 200% voraussetzen würde, aber mit AV1 mag nun alles ganz fantastisch sein.

16Mbit/s mit einem Mix aus VP9 und H265 was Netflix bei 4k standardmäßig nutzt ist sehr gut im Gegensatz zu dem Müll von hochskalierten "4k" Inhalten die man auf BlueRays findet.

Streng genommen findet man überhaupt keine "4K" und auch keine UHD-Inhalte auf klassischen Blu-rays, da BD-Video maximal 1920x1080 unterstützt, aber sei's drum. Hochskaliertes gibt es natürlich zuhauf, wobei sich bei etlichen Quellen die Frage stellt, wie weit die das digitalisierte ~ 2 Megapixel - Äquivalent schärfemäßig überhaupt ausreizen. So gelten etliche 35mm Scans "in 4K gescannt" zwar als nativ, aber dadurch ist zunächst keinerlei Aussage zum tatsächlichen Informationsgehalt getroffen.

Es gibt nahezu keine echten 4k Inhalte auf BlueRays, daher sieht Netflix immer schärfer aus.

Das trifft faktisch nicht (mehr) zu - es gibt inzwischen durchaus etliche UHDs, die von entsprechenden Mastern erstellt wurden und nicht nur hochskaliert sind.

Um beim Thema 4K hier wiederholt etwas unglücklich gewählten Begriff "Blu-ray" zu bleiben, will ich abschließend behaupten, dass einige Blu-rays in 2K und gescheiter Bitrate klar besser aussehen als das, was bei Netflix & Co. als "4K" verkauft wird.

Ich will es dir aber auch nicht madig reden - Netflix freut sich bestimmt über einen zufriedenen und vor allem zahlenden Kunden, der die Serverlandschaft möglichst wenig belastet.
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[1.1.1] Felixkruemel antwortet auf little-endian
14.05.2020 08:18
Benutzer little-endian schrieb:
Benutzer Felixkruemel schrieb:
Netflix liefert falls möglich mittlerweile sogar in AV1 aus. Da kannst du mit deinem uralten H264 einpacken. Mit ca. 1/3 der Bitrate bekommst du da das exakt selbe Ergebnis.[/quote]

Nehmen wir der Bequemlichkeit zu später Stunde halber einmal das erstbeste Ergebnis und zitieren hieraus:

"In 2018 Facebook testing that approximates real world conditions, AV1 achieved 34%, 46.2% and 50.3% higher data compression than libvpx-vp9, x264 high profile, and x264 main profile respectively."
Das ergibt ja 0 Sinn, da VP9 ansich schon ca. 40-50% effizienter ist als x264 main. Wenn dann AV1 nochmals 34% besser ist ist man deutlich effizienter.
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[1.1.1.1] little-endian antwortet auf Felixkruemel
14.05.2020 12:51
Es bringt auch nicht viel, sich da nun um genaue Effizienzsteigerungen zu zanken, denn auch wenn es sein mag, dass da nun AV1 mit Wundermittelchen ("der weiße Riese - jetzt noch weißer") daherkommt, so ist H.265 nun nicht gerade als "veraltet" anzusehen und auch hier zeigen sich bei den Bitraten ja deutliche Unterschiede zwischen üblichen Streaminganbietern und UHD BDs, die mal eben 50-60 Mbps fürs Bild verwenden.

Für die Streaminganbieter entstehen durch höhere Datenmengen ja im Gegensatz zu physischen Medien (in gewissem Rahmen) natürlich unmittelbar höhere Kosten, also drückt man die nach dem Motto "so viel wie unbedingt nötig, aber bitte so wenig wie möglich". Etwas Sinn für Verschwörungstheorien vorausgesetzt könnte man natürlich auch unterstellen, dass Coronazeiten hier einen idealen Vorwand bieten, um das Ganze nochmal etwas runterzufahren, da es die dumpfe Masse mit in aller Regel bereits grauenhaften Einstellungen am Fernseher inklusive Nachschärfung und Maximalkontrast eh nicht merkt.