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Staatsfunk in NRW


12.01.2020 12:21 - Gestartet von iPhone
NRW ist radio-technisch nicht anders wie Nordkorea: Es gibt hier den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (WDR), und dann das "private" Lokalradio, an dem bis 2018 der WDR zu 30% beteiligt war. Folglich konnte sich in NRW keine private Radiolandschaft entwickeln, was für den größten Ballungsraum Europas schlichtweg eine Schande ist. Dass sich das DAB+ Thema in NRW nun auch schon seit Jahren zieht, ist natürlich politisch absolut so gewollt.

Glücklich können sich die "Grenzbewohner" schätzen, z.B. sind bigFM und RPR1 aus Rheinland-Pfalz auch in Köln noch zu empfangen, und dann natürlich auch die Sender aus den Niederlanden+Belgien.
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[1] voltaire antwortet auf iPhone
12.01.2020 13:05

2x geändert, zuletzt am 12.01.2020 13:14
Benutzer iPhone schrieb:
NRW ist radio-technisch nicht anders wie Nordkorea: Es gibt hier den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (WDR), und dann das "private" Lokalradio, an dem bis 2018 der WDR zu 30% beteiligt war.

In Nordkorea gibt es keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk und auch keinen Lokalfunk mit 2-Säulen-Modell. Insofern ist der Vergleich nicht angemessen.

Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen staatlichem und öffentlichem Rundfunk. In NRW bestehen ansonsten neben WDR und Lokalradios (mit 2-Säulen-Modell) zahlreiche Campusradios. Davon abgesehen sind die Programme des Deutschlandradios (davon 2 aus NRW), die Kommerz- und Religionssender des Bundesmuxx natürlich auch für alle empfangbar. Ob angesichts der schwindenden Bedeutung des Radios landesweite Kommerzsender sich wirtschaftlich tragen können, bleibt die große Frage. Im Ergebnis werden es wohl - wie woanders auch - Festplattendudler werden, die die Medienvielfalt ungemein bereichern werden.
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[1.1] iPhone antwortet auf voltaire
12.01.2020 13:57
Benutzer voltaire schrieb:

Herrlich, der Texte könnte haargenauso auf der Seite des LfM stehen. :-)
Die paar Campussender sind nichts anderes als ein Offener Kanal, wo Studenten sich austoben können. Und das Kölner Domradio? Okay, wer mag...

Einfach mal in andere Länder und Bundesländer kucken, da sieht man was ein echter Privatsender ist. Ob das Radio Zukunft hat, oder nicht, darum geht's hier nicht. Aber gerade NRW, das mehr Einwohner als die meisten EU-Länder hat, hat es in mehreren Jahrzehnten verschlafen, etwas Größeres als FFH, ffn oder Antenne Bayern auf die Beine zu stellen. Die Qualität der Programme werte ich hier nicht. Natürlich mag der WDR und gerade auch der Deutschlandfunk ein hervorragendes Programm produzieren. Aber es steckt halt immer die Politik dahinter. Und daher die Verbindung zu Nordkorea oder China, wo es nunmal auch so ist.
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[1.1.1] voltaire antwortet auf iPhone
12.01.2020 14:38

einmal geändert am 12.01.2020 14:40
Aber es steckt halt immer die Politik dahinter.
Und daher die Verbindung zu Nordkorea oder China, wo es nunmal auch so ist.

Bei der Antwort auf die Frage, welcher Anbieter die Konzession für einen Privatsender erhält bzw. erhielt, steckt IMMER auch "die Politik dahinter". Ganz analog zu Radio NRW sind außerhalb von NRW v.a. die Zeitungsverleger und Medienkonzerne (Springer, Burda, RTL bzw. Bertelsmann) zum Zuge gekommen, die kräftig Lobbyarbeit gemacht hatten und gute Freunde in den Staatskanzleien und Medienanstalten haben. (Landes)regierungskritische Berichterstattung jedenfalls ist nicht das, für das diese Sender bekannt sind. In ganz Deutschland wurde es etwa versäumt, im Bereich des Rundfunks den Verlagsmonopolisten vor Ort eine echte Konkurrenz zu bereiten. Radio Dreyeckland in Freibung &Co sind ja lediglich Nischensender.
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[1.1.1.1] iPhone antwortet auf voltaire
12.01.2020 14:49

einmal geändert am 12.01.2020 15:04
Das stimmt allerdings. So wurden die lokalen Zeitungsverlage zwar seinerzeit gestärkt, aber trotzdem stehen diese heute -wie überall auf der Welt- schlecht da; es hat somit nichts gebracht, aber für eingeschränkte Meinungs- und Pressefreiheit gesorgt. Aber dass NRW es bis heute verhindert hat und auch weiterhin hinauszögert, dass dank DAB+ neue, "fremde" Sender endlich einsteigen könnten, setzt dem Ganzen natürlich ein Krönchen auf. Und das ermöglich durch alle Parteien sämtliche Couleur. Da brauchen sich die sogenannten Volksparteien nicht wundern, dass deren Rückhalt abnimmt. Es bleibt spannend.

@voltaire:
Schon seit 12 Jahren diskuttieren wir hier darüber ;-)
https://www.teltarif.de/forum/s23679/wie-...
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[1.1.1.1.1] voltaire antwortet auf iPhone
12.01.2020 18:19
So wurden die lokalen Zeitungsverlage zwar seinerzeit gestärkt, aber trotzdem stehen diese heute -wie überall auf der Welt- schlecht da; es hat somit nichts gebracht, aber für eingeschränkte Meinungs- und Pressefreiheit gesorgt. Aber dass NRW es bis heute verhindert hat und auch weiterhin hinauszögert, dass dank DAB+ neue, "fremde" Sender endlich einsteigen könnten, setzt dem Ganzen natürlich ein Krönchen auf.

@voltaire:
Schon seit 12 Jahren diskuttieren wir hier darüber ;-)
https://www.teltarif.de/forum/s23679/wie-...

Ja, das Thema bleibt spannend ;-) Über DAB bzw. DAB+ gab es in NRW neben Domradio ja durchaus landesweiten Privatfunk, das ehemalige Powerradio (von Radio NRW), das mangels Hörer und Wirtschaftlichkeit wieder eingestellt wurde sowie das putintreue Radio Impala, das sich offensichtlich selbst versenkt hat. Das macht nicht so viel Hoffnung für einen neuen Anlauf.. (ok, es gibt heute mehr DAB+-Empfänger als vor 12 oder 5 Jahren, dafür aber auch mehr Konkurrenzprogramme, zudem die Streamingdienste). Wenn sich Radio heute kommerziell nicht lohnt, d.h. wenn qualitative Programme sich nicht (mehr) über Werbung finanzieren lassen, hat der "Privatfunk" ein Problem. Ich zweifle daher, ob NRW über diesen Weg heute zu einer größeren Vielfalt kommen kann, selbst wenn im großen Stil tatsächlich Frequenzen und Muxxplätzchen ausgeschrieben würden.
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[1.2] industrieclub antwortet auf voltaire
12.01.2020 21:35
Benutzer voltaire schrieb:
Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen staatlichem und öffentlichem Rundfunk. In NRW bestehen ansonsten neben WDR und Lokalradios (mit 2-Säulen-Modell) zahlreiche Campusradios. Davon abgesehen sind die Programme des Deutschlandradios (davon 2 aus NRW), die Kommerz- und Religionssender des Bundesmuxx natürlich auch für alle empfangbar. Ob angesichts der schwindenden Bedeutung des Radios landesweite Kommerzsender sich wirtschaftlich tragen können, bleibt die große Frage. Im Ergebnis werden es wohl - wie woanders auch - Festplattendudler werden, die die Medienvielfalt ungemein bereichern werden.

Die Campusradios spielen in der Medienrealität ihrer jeweiligen Städte so gut wie keine Rolle. Als Einwohner (bzw. ehemaliger Einwohner) von z.B. Bonn, Dortmund, Essen weiß ich, dass sie -- aufgrund schlechter Frequenzen und zu geringer Sende-
leistung -- in den meisten Stadtvierteln ihrer jeweiligen Städte gar nicht empfangbar sind. Tolle Medienfreiheit (=Feigenblattfreiheit). SIE sind im Übrigen (leider!) mit die
schlimmsten "Musikdudelsender"....
Den Deutschlandfunk kann sich die NRW-Medienpolitik auch nicht (stolz) ans Revers
heften. Er ist ein reiner "Bundessender " und hat mit der NRW-Medienpolitik NICHTS,
aber auch gar nichts zu tun. Die NRW-Medienpolitik hätte einen solchen Qualitäts-
sender NIEMALS hervorgebracht, ja sie hätte ihn gar nicht "erlaubt". Sie bevorzugt es, (willfährigen!) Müll hervorzubringen ! Der DLF-Standort in Köln (NRW!) ist quasi
"zufällig", er hat natürlich etwas mit der damaligen Hauptstadt (Bonn!) zu tun, aber jedenfalls nichts mit der NRW-Medienpolitik.
Du befürchtest nur weitere Dudelfunk-Sender? -- Naja, wenn wir in NRW nur schon erst mal (z.B.) ein dem Berliner Programmspektrum -- und das ist mit Sicherheit noch verbesserungswürdig! -- vergleichbares Programmspektrum hätten, wäre ich schon ganz froh (Jazzradio, Inforadio, BBC, etc...)
NRW hat mehr Einwohner als die Mehrzahl der europäischen Staaten !!! Das muss
man sich mal klar machen. Dann wird man wohl kaum darum herum kommen, zuzu-
geben, wie peinlich doch das NRW-Radioangebot ist !
Geh mal in (vergleichbare) Ballungsräume (Los Angeles, New York, London, Paris,
Barcelona etc. und hör DORT Radio. Da fällt es dir aber "wie Schuppen von den Ohren" (Programmvielfalt!! bei 40-90 Programmen). Jetzt denk wieder an NRW.....
(Übrigens: auch den DAB+ Bundesmux kann sich die NRW-Medienpolitik nicht ans
Revers heften, wenn's nach DER ginge, dürfte der hier gar nicht empfangbar sein,
denn -- so bescheiden der auch ist -- , bringt er die Leute "doch schon auf Ideen"
(Schwarzwaldradio, Energy, Bob, Klassik, DLF Nova etc.))
Du kannst dich derweil ja weiterhin mit "Domradio" "verlustieren". Viel Spaß !
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[1.2.1] voltaire antwortet auf industrieclub
13.01.2020 13:54
Geh mal in (vergleichbare) Ballungsräume (Los Angeles, New York, London, Paris, Barcelona etc. und hör DORT Radio. Da fällt es dir aber "wie Schuppen von den Ohren" (Programmvielfalt!! bei 40-90 Programmen). Jetzt denk wieder an NRW.....

Ihre Einschätzung teile ich nicht ganz. Die Radiolandschaft in Paris kenne ich ganz gut. Qualität ist fast ausschließlich bei den öffentlichen Radios, v.a. France Culture und France Inter zu finden (die eine nationale Verbreitung haben und wirklich äußerst beneidenswerte Qualität und Tiefgründigkeit liefern). Der Rest ist - mit Verlaub - zu 80% Kommerzgedudel, allerdings - das muss man zugeben - mit einem größeren Spektrum an Musikfarben als in NRW (was auch damit zu tun hat, dass die Musikauswahl der Privatsender rechtlich in Frankreich durch den CSA reguliert wird). Journalistisch bietet die von Ihnen gelobte Vielfalt dort fast nichts. Doch der Zug in Richtung Nischenprogramm für spezifische Musikrichtungen ist abgefahren, dieser Bedarf wird locker durch Spotify, Deezer und Co gedeckt. Durch die Smartphonisierung sind die Internetspartenstreams ja ohnehin immer zugänglicher.
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[1.2.1.1] industrieclub antwortet auf voltaire
14.01.2020 19:13
Benutzer voltaire schrieb:
Journalistisch bietet die von Ihnen
gelobte Vielfalt dort fast nichts. Doch der Zug in Richtung Nischenprogramm für spezifische Musikrichtungen ist abgefahren, dieser Bedarf wird locker durch Spotify, Deezer und Co gedeckt. Durch die Smartphonisierung sind die Internetspartenstreams ja ohnehin immer zugänglicher.

Ja, Ihrer Bewertung der Pariser Radiolandschaft unter journalistischen Gesichtspunkten muss ich (leider) zustimmen. Aber ich glaube, es ist trotzdem klar geworden, worum es mir ging...Es bleibt die mahnende Frage, warum ausgerechnet ein Ballungsraum von Weltrang wie NRW (so ziemlich als einziger !!!) die Öffnung des
Radio-Programmspektrums versäumt / verweigert -- wie auch immer -- hat?!
Denn Smartphones, Streams, etc. gibt es auch überall woanders auf der Welt, dennoch hielt man es überall DORT für geboten, das Programmspektrum auch im
terrestrischen Radio erheblich auszuweiten. Schließlich kann auch nur das un-
beschränkt, unkontrolliert, sozusagen "free" und weitgehend funklochfrei gehort
werden.
Da hat auf jeden Fall eine Blamage NRW's stattgefunden, die auch zu einem (unter
vielen) Standortnachteilen geführt hat (z.B. Behinderung der regionalen Medien-
Industrie, warum kommt von den jetzigen Bewerbern wohl kaum einer aus NRW?!)
Als NRW'ler wird man vereinzelt im "NRW-Ausland" ja schon mitleidsvoll auf die hiesige Radio-Situation angesprochen; und zufrieden sind die Leute hier damit wahrlich nicht...Ich brauche mir nur anzuhören, wie viel Hörerbeteiligung aus NRW-
Städten es z.B. auf 'Schwarzwaldradio' (DAB+) gibt -- vielsagend !!!
In die gleiche Richtung gehen hier auf 'teltarif' seit Jahr und Tag 99% der diesbezüglichen Forums-Beiträge. Die Leute leiden ganz offensichtlich (trotz 'Spotify'). Und das alles nur, weil die NRW-Medienpolitik sich die "Radiopolitik"
jahrzehntelang von den regionalen Zeitungsverlegern regelrecht hat "vorschreiben"
lassen -- wie ein anderer Korrespondent von Ihnen es hier bereits ganz richtig analysierte!
Und der allergrößte Witz ist -- wie auch dieser User bereits ganz richtig bemerkte:
Was hat das alles denn den NRW-Zeitungsverlegern gebracht ?! Stehen sie heute
etwa besser da als ihre Kollegen in anderen Regionen ? -- Mitnichten! Nur WIR
ALLE haben ein schlechteres Programm-Angebot als in diesen anderen Regionen...
Noch ein (ebenfalls vielsagendes) "Schmankerl" am Schluss: Die NRW-Medien-
politik hat (das weiß ich zufällig) über JAHRZEHNTE verhindert, dass der Deutschland-.
funk hier in NRW (mit Ausnahme der -- schwachen -- sozusagen "Hauptstadt-
Frequenz" Bonn-Bad Godesberg-Heiderhof) UKW-Frequenzen bekommt, und das
TROTZ Standorts Köln !!! Die NRW-Medienpolitik geht halt "über Leichen".
Mit dieser Maßnahme wollte man übrigens den "Konkurrenten" WDR politisch gewogen stimmen. Traurig, traurig, traurig.....Provinzialität wie sie gerne den Bayern
vorgeworfen wird, die dann aber doch noch etwas cleverer, offener und moderner sind. Grüße!
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[2] iPhone antwortet auf iPhone
12.01.2020 14:58

einmal geändert am 12.01.2020 15:02
Nachtrag: im Jahr 2012 wurde berichtete Teltarif, dass nun Privatsender auf DAB+ senden werden. Schön, dass die Entwicklung um ganze 8 Jahre gestoppt werden konnte :-D Eins muss man der NRW-Politik lassen: Mit ihrer Blockadepolitik haben sie ganze Arbeit geleistet.

https://www.teltarif.de/dab-dabplus-radio-...

Und hier der Link zum Herumstöbern in alten Kommentaren seit 2007:
https://www.teltarif.de/forum/s23679/pg26.html
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[2.1] kem antwortet auf iPhone
16.01.2020 16:03
Schlimmer ist es nur noch in einem Land wie Niedersachsen, wo der NDR für jeden Sender einen eigenen DAB+-Kanal hat und so einen landesweiten Privat-Mux technisch so gut wie blockiert.
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[2.1.1] iPhone antwortet auf kem
17.01.2020 04:26
Benutzer kem schrieb:
Schlimmer ist es nur noch in einem Land wie Niedersachsen, wo der NDR für jeden Sender einen eigenen DAB+-Kanal hat und so einen landesweiten Privat-Mux technisch so gut wie blockiert.

Das stimmt, die NDR-Länder haben eine ähnliche Situation, wie in NRW. Aber immerhin habt ihr mit ffn einen Privatsender, Glückpilze :-)
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[3] helmut-wk antwortet auf iPhone
17.01.2020 11:44
Benutzer iPhone schrieb:
NRW ist radio-technisch nicht anders wie Nordkorea:

Der Vergleich mit einem Land, dass sich konsequent vom Internet abgekoppelt hat, so dass auch der klügste Hacker (falls er in Nordkorea ist) keine Chance hat, Kontakt zu einem nicht-koreanischen Rechner aufzubauen, ist doch sehr übertrieben. Die unteren Klassen der "weniger vertrauenswürdigen" Leute haben ijn NK noch nie an einem Computer mit Netzanschluss gesessen, von Streaming könnten sie nur träumen, wenn sie wüssten, was das ist.

Es gibt hier den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (WDR)

Der kein Staatsfunk ist, auch das ist ein Unterschied zu NK.

Glücklich können sich die "Grenzbewohner" schätzen, z.B. sind bigFM und RPR1 aus Rheinland-Pfalz auch in Köln noch zu empfangen

Und glücklicherweise riskiert niemand, der sie hört, von der Geheimpolizei verhaftet und gefoltert zu werden.