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irreführende Aneinanderreihung von Teilwahrheiten


10.01.2020 21:10 - Gestartet von IMHO
3x geändert, zuletzt am 11.01.2020 05:52
Telefonica, bzw. der von Teletarif zitierte Pressesprecher, geben der späten Freigabe der Frequenzen bei 700 MHz die Schuld, dass Telefonica die Ausbauverpflichtungen nicht fristgerecht erfüllt:
Die "neuen" Frequenzen im Bereich 700 MHz, die bisher vom TV-Rundfunk genutzt wurden und erst einmal koordiniert zu räumen waren, stehen erst seit Mitte 2019 vollständig zur Verfügung. Seitdem haben die Unternehmen das Ausbautempo spürbar erhöht, stellte die Netzagentur fest.
Ehrlich, da bleibt mir zunächst die Spucke weg!
1) Hier wird nicht im entferntesten erklärt, warum die dt. Telekom (DT) ihr Ausbauziel erreicht, allenfalls nur ganz knapp verfehlt. Es wird auch nicht erklärt, warum selbst Vodafone (VF) mehr Fläche mit 4G abdeckt als Telefonica (TEF). Schließlich haben diese Firmen die 700MHz-Lizenz zum selben Zeitpunkt erhalten wie Telefonica.
2) Wer sich Mal die Mühe macht auf Cellmapper.net nachzuschlagen, wie viele LTE700-Standorte Telefonica seit Mitte 2019 aktiviert hat, fällt nach zwei Minuten vom Hocker. Telefonica hat im März 2019 im Rahmen eines Pilotversuchs 4(!) LTE700-Standorte bei Husum in Betrieb genommen (Teletarif berichtete). Seither hat Telefonica 3(!) - in Worten null null drei - weitere LTE Standorte in Betrieb genommen. Einen Standort in Ansbach im September 2019 und dann im Oktober nichts, im November nichts und schließlich im Dezember 2919 noch einen Masten bei Ansbach und einen bei Rothenburg ob der Tauber.
Das heißt inklusive aller Verwaltungsverzögerungen ist Telefonica schon seit September in der Lage LTE700 in Betrieb zu nehmen. Und TEF nutzt es mit maximal zwei Masten pro Monat. Weil die böse BNetzA die Frequenzen nicht schon vor fünf Jahren freigegeben hat, fehlen der Telefonica als maximal 60 LTE700-Standorte. Zum Vergleich:
Telefónica plane aber, durch weitere 7.600 Standorte die Versorgungsauflagen noch in diesem Jahr [2020] zu erfüllen.
Angesichts der Größe der LTE-freien Flecken bei TEF braucht man über 60 oder 100 Standorte mehr oder weniger eigentlich nicht zu diskutieren. - Es sei denn, man ist Pressesprecher und will von dem eigenen Verschulden ablenken.
3) Die Aussage ~seit Mitte 2019 baut TEF auf 700MHz aus~ und die Aussage "... Mitte 2019 ... Seitdem haben die Unternehmen [also DT,VF,TEF] das Ausbautempo spürbar erhöht, stellte die Netzagentur fest." haben zumindest auf Telefonica bezogen nichts miteinander zu tun, stehen im Text aber in selben Absatz. Telefonica baut auf LTE800 aus, die sieben 700er Standorte der TEF sind dabei der Rede nicht wert.
Ich verstehe nicht, warum der Artikel so irreführende Formulierungen aneinanderreiht.
Telefonica ist nicht in der Lage die Auslagen zu erfüllen, weil sie nicht rechtzeitig nicht genug Geld in die Infrastruktur investiert hat und ist selbst jetzt nicht Willens, die für den 31.12.2019 geltenden Verpflichtungen auch nur bis zum 1.7.2020 zu erfüllen.
Man sollte Telefonica verbieten, neue Anlagen auf 1800, 2100 und 2600 MHz zu aktivieren, bis sie ihre Verpflichtung, ein ordentlich flächendeckendes Netz zu errichten, erreicht hat. Telefonica verzettelt sich offensichtlich mit dem Anspruch, in Großstädten mit DT mithalten zu können und vergisst dabei den Ausbau in der Fläche. Telefonica sollte keine Geldstrafe bekommen, sondern wirksam verpflichtet werden, auf 700, 800 und/oder 900 MHz auszubauen, bis die Leistungen, die bereits für den 31.12.2019 zugesagt wurden, auch wirklich erbracht werden. Erst danach sollte es der Telefonica wieder erlaubt werden, die städtischen "Nachverdichtungen" auf 1800, 2100 und 2600 MHz aufzubauen. - Sie alle würden sich wundern, wie schnell ein Mobilfunker dann so ein Ausbauziel erfüllen kann! Aber Telefonica rechnet ja schon damit, dass die Strafe für mangelhaften Netzausbau noch niedriger ausfällt als die Strafe für Diesel-Abgas-Betrug.
Lang lebe die BNetzA, lang lebe der Minister!
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[1] wolfbln antwortet auf IMHO
11.01.2020 10:40

2x geändert, zuletzt am 11.01.2020 10:42
Benutzer IMHO schrieb:

Man sollte Telefonica verbieten, neue Anlagen auf 1800, 2100 und 2600 MHz zu aktivieren, bis sie ihre Verpflichtung, ein ordentlich flächendeckendes Netz zu errichten, erreicht hat. Telefonica verzettelt sich offensichtlich mit dem Anspruch, in Großstädten mit DT mithalten zu können und vergisst dabei den Ausbau in der Fläche. Telefonica sollte keine Geldstrafe bekommen, sondern wirksam verpflichtet werden, auf 700, 800 und/oder 900 MHz auszubauen, bis die Leistungen, die bereits für den 31.12.2019 zugesagt wurden, auch wirklich erbracht werden. Erst danach sollte es der Telefonica wieder erlaubt werden, die städtischen "Nachverdichtungen" auf 1800, 2100 und 2600 MHz aufzubauen. - Sie alle würden sich wundern, wie schnell ein Mobilfunker dann so ein Ausbauziel erfüllen kann! Aber Telefonica rechnet ja schon damit, dass die Strafe für mangelhaften Netzausbau noch niedriger ausfällt als die Strafe für Diesel-Abgas-Betrug.
Lang lebe die BNetzA, lang lebe der Minister!

Deinen Ausführungen und Analysen der Situation ist nichts zuzufügen. Die sind 100% korrekt. Das erst später verfügbare 700 MHz Band ist eine reine Schutzbehauptung.

Allerdings sollte man bedenken, dass das Juristen vielleicht anders sehen. Telefonica blätterte wie die anderen beiden Anbieter Milliarden auf den Tisch bei der Auktion 2015. Dafür sind sie Verpflichtungen eingegangen, die sie jetzt nicht erfüllen. Es könnte schon sein, dass Juristen auch die Verfügbarkeit des ersteigerten Gegenstands in der vollen Zeitperiode fordern. Jedenfalls wird sich Telefonica juristisch gegen etwaige Strafen wehren und hätte damit gar nicht so schlechte Karte, eben aus formal-juristischen Gründen.

Was deine Forderung nach einen Stopp der Nachverdichtungen in Städten angeht. Das ist auch sehr problematisch. Wenn das nicht geschieht, bricht ihnen das Netz in den Städten zusammen. Mit Datenzuwächsen um 50% im Jahr wird bald da gar nichts mehr gehen. Damit hälst du im Endeffekt die Stadtbewohner (und meisten ihrer Kunden) als Geiseln, damit auf dem Land mehr passiert. Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist.

Wenn sie diese 7600 Stationen wirklich 2020 bauen, dann wären wir schon weiter. Bisher war aber das Ausbautempo etwa nur ½ so hoch mit 3500 neuen pro Jahr. Mit 7600 zusätzlich hätten sie mehr als aktuell VF, die ja angeblich so eine tolle Abdeckung haben. Aber das ist ja ein anderes Thema.