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Broadcast ist tot


24.12.2019 00:16 - Gestartet von jos
Mit jeder neuen Mobilfunkgeneration spukt auch das Gespenst "Broadcast" mal wieder durch's Dorf.
Broadcast ist tot. Es gibt genau eine Anwendung, für die Broadcast denkbar wäre: Sportübertragung. Nun ist aber Fußball auf dem Handy auch eher gruselig, weil man kaum den Ball sieht. Da helfen auch keine höheren Datenraten und auch höher auflösende Handydisplays helfen nur begrenzt.

Ansonsten ist ja aber gerade der Witz an Streaming, dass man eben starten und stoppen kann, wann man möchte. Und das ist nunmal Unicast.
Ob man dafür nun mehr Server nah an den Basisstaionen braucht, wie eingangs im Artikel behauptet, sei mal angezweifelt. Die Glasfasernetze zur Anbindung der Basisstationen haben praktisch unbegrenzt Kapazität; da scheint es logischer und wirtschaftlicher die Server zentral zu betreiben; allein schon aus Wartungsgründen.
(Macht auch etwa Netflix so: Die stellen je ein Serverrack mit Cache-Servern bei jedem relevanten AccessProvider sowie an Netzaustauschpunkten hin und damit hat sich das. Noch näher an die Kunden dran zu gehen wäre viel zu kleinteilig und auch technisch unnötig.)
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[1] dirkberlin antwortet auf jos
25.12.2019 08:09
Broadcast wird nie tot sein. Es ist einfach das Mittel der Wahl, wenn Netze begrenzt sind. Selbst ein Netflix wird Stoßzeiten haben, wo zig Menschen den Selben kram um die selbe Zeit schauen. So individuell wirds dann auch wieder im Schnitt nicht laufen.
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[1.1] jos antwortet auf dirkberlin
25.12.2019 08:19
Benutzer dirkberlin schrieb:
Broadcast wird nie tot sein. Es ist einfach das Mittel der Wahl, wenn Netze begrenzt sind. Selbst ein Netflix wird Stoßzeiten haben, wo zig Menschen den Selben kram um die selbe Zeit schauen. So individuell wirds dann auch wieder im Schnitt nicht laufen.

Doch, genau so individuell läuft es.

Netflix hat zehntausende Filme/Serienfolgen, die ich zu jeder Zeit sofort starten kann (und dann gibt es natürlich auch noch andere Anbieter als Netflix.)
Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand anderes in derselben Mobilfunkzelle dieselbe Sendung an derselben Stelle schaut, geht gegen 0. Und wenn dann noch Zellwechsel dazu kommen, geht's erst recht nicht mehr.

Abgesehen davon müsste bei so einem Modell der Mobilfunknetzbetreiber auch der Inhalteanbieter sein oder zumindest sehr eng technisch mit diesem kooperieren.

Erfahrungsgemäß kommt aber nichts Gutes dabei raus, wenn Zugangsanbieter sich auch als Inhaltsanbieter versuchen.
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[1.1.1] dirkberlin antwortet auf jos
25.12.2019 08:32
ich hatte es eher auf allgemein bezogen. Mobilfunk ist sicher richtig, dass eine Spezielle Zelle zu kleinteilig ist. Aber wenn es um den Konsum von Content geht, wird sicher eine gewisse Schnittmenge der Kunden so gleichartig unterwegs sein, dass man die via Breitband (und geeigneter Technik) sehr viel Ressourcensparender abfrühstücken kann. Sieht man ja im Musikstreaming. Die Katalogen sind so gewaltig, dass viele schon wieder überfordert sind und kuratierte Streams nehmen. Zum Radio fehlt da nicht mehr viel, ist halt nur anderes Geschäftsmodell.

Vielleicht wird das im Seriengenre bald auch so sein, das einzelne Serien nur noch aus der Masse herausstechen können und eher verleiten einzuschalten. Vielleicht nur eine Frage der Kanalanzahl. Vielleicht kommt jetzt mit der Segmentierung der ganzen Streaminganbieten auch doch das lineare wieder, weil die mit anderem Geschäftsmodell vielleicht doch den Markt anders bedienen können. Ich würde Broadcast zumindest noch nicht abschreiben.
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[1.1.1.1] jos antwortet auf dirkberlin
26.12.2019 08:27
Benutzer dirkberlin schrieb:

Ich würde Broadcast zumindest noch nicht abschreiben.

Fernsehen wird sicherlich noch eine lange Weile linear wie bisher erhalten bleiben. Für diejenigen, die zu Hause "irgendwas" nebenher laufen lassen, ohne wirklich zu zu schauen, funktioniert es gut.
Für Live-Übertragung (also im wesentlichen Sport) bleibt es auch das Mittel der Wahl. Zumal die Versprechungen, dass bei Sportübertragungen der Zuschauer in Zukunft selber die Kameraperspektive wählen würde usw. wie vor 15-20 Jahren angekündigt, sich erwartbar als Unsinn erwiesen haben.

Gerade bei mobiler Nutzung ist lineares Fernsehen aber überhaupt nicht zeitgemäß. Es setzt sich jemand in die Straßenbahn und möchte dann einen Clip sehen. Der soll auf Klick sofort beginnen und nicht früher oder später. Und gerade bei dieser Nutzung sind weniger Netflix u.ä. relevant sondern eher Youtube usw. Und da reden wir nicht von zehntausenden Filmen zur Auswähl sondern von Milliarden an Videoclips. Keine Chance für Broadcast.

Da kommt also der Content nicht näher zum Nutzer sondern wird im Gegenteil in wenigen zentralen Rechenzentren weltweit gehostet. Anders würden sich diese Datenmengen nicht handhaben lassen und anders ist es auch nicht nötig, denn die Glasfasernetze sind nicht der Flaschenhals. Da wird bei bereits verlegten Leitungen schon heute oft nur ein Bruchteil der möglichen Kapazit genutzt.