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Fragmentierung des legalen Angebots macht es unattraktiv


09.12.2019 22:53 - Gestartet von daniel85berlin
einmal geändert am 09.12.2019 23:11
Es gab Zeiten vor Prime und Netflix, da hatten Tauschbörsen und illegale Streams neuester Filme Hochkonjunktur und jeder konnte kostenlos auf alles zugreifen. Daran haben sich manche Nutzer gewöhnt.
Erst durch diese beiden großen Anbieter wurde bezahlen für Filme und Serien wieder "normal". Zu Beginn brauchte man dann auch nur Netflix oder Prime oder wenns hoch kommt beide, um nahezu alles legal sehen zu können. Dieses Modell konnte sich etablieren. Die Branche wird inzwischen aber schleichend immer gieriger und alle wollen ihr eigenes Süppchen kochen oder die Preise erhöhen.
Dadurch werden die legalen Angebote zunehmend unattraktiv, weil sich kaum ein normalverdienender Mensch leisten kann Abos bei allen Anbietern abzuschließen, die sich mittlerweile auf dem Markt tummeln.
Was so einfach mit zwei Anbietern begann, ist inzwischen leider sehr unübersichtlich geworden und die Attraktivität der etablierten Anbieter lässt auch nach, wenn Inhalte, die bisher im Preis mit drin waren, plötzlich exklusiv nur noch gegen Extrakosten über das neue Disney+ gezeigt werden o.ä.

Man muss also als Endkunde inzwischen deutlich mehr Geld in die Hand nehmen als vorher und bekommt dafür kein echtes Plus an Leistung. Viele der Eigenproduktionen interessieren mich vielleicht auch gar nicht, ich muss sie aber trotzdem mitbezahlen, auch wenn ich nur wegen einer bestimmten Serie Kunde des Anbieters bin.

Ich kann daher insgesamt nachvollziehen, dass sich allmählich manche Verbraucher an die Zeit vor Netflix und Prime zurückerinnern und sich wieder "günstigeren" Alternativen zuwenden.

Zum All you can eat Vergleich:
Hier stelle ich mir zum Beispiel vor ich gehe einmal im Monat zum All you can eat Buffet bei Pizza Hut, zahle immer denselben Preis für alle Pizzastücke. Plötzlich gibt es meine Lieblingspizza dort nicht mehr. Wenn ich die weiterhin essen möchte, muss ich in das neue Fastfood Restaurant nebenan gehen und auch da nochmal den vollen All you can eat Preis für deren gesamtes Sortiment zahlen, obwohl ich nur wie gewohnt ein Stück meiner Lieblingspizza essen möchte, mich aber vorher bei Pizza Hut schon sattgegessen habe. Würde ja auch keiner machen.

Dann ändere ich als Kunde also lieber meine Essgewohnheiten und koche künftig zuhause mein eigenes Süppchen. Daran verdienen dann weder Pizza Hut noch die neue Fast Food Kette was.
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[1] Bjoern_Koenig antwortet auf daniel85berlin
27.12.2019 16:14

2x geändert, zuletzt am 27.12.2019 16:23
Lieber daniel85berlin,

das Problem ist leider die Erwartungshaltung vieler Zuschauer, die schlecht mit der Marktrealität in Einklang zu bringen ist. Es ist aus Kundensicht nachvollziehbar, dass man alle Serien und Filme bei einem Anbieter sehen will. Am besten noch in Ultra HD, auf fünf Geräten gleichzeitig und für unter 10 Euro.

Es bestimmen aber nicht Amazon oder Netflix, welche Inhalte wo gezeigt werden. Es bestimmen diejenigen, denen die Inhalte gehören. Und das sind in erster Linie die großen US-Studios.

Versetzen Sie sich doch einfach mal in folgende Situation: Sie produzieren als Studio für viele Milliarden US-Dollar Blockbuster. Nur um sie dann später an Netflix zu lizenzieren, damit andere damit Geld verdienen? Ich vermute mal eher, Sie würden versuchen, selbst das Maximum aus ihrer Produktion in der Wertschöpfungskette herauszuholen. Sprich: Kinoveröffentlichung, DVD/Blu ray und dann per VoD oder SVoD im eigenen Streaming-Dienst.

Filme und Serien werden leider nicht produziert, um die Zuschauer möglichst günstig zu unterhalten und ihnen einen Gefallen zu tun, sondern um damit Geld zu verdienen. Das ist aber ein marktwirtschaftliches Grundprinzip und in jeder Branche so.

Viele Grüße

Björn König (teltarif.de)



Benutzer daniel85berlin schrieb:
Es gab Zeiten vor Prime und Netflix, da hatten Tauschbörsen und illegale Streams neuester Filme Hochkonjunktur und jeder konnte kostenlos auf alles zugreifen. Daran haben sich manche Nutzer
gewöhnt.