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Subjektiv ein Strauß voller Wahrheiten


27.06.2019 09:09 - Gestartet von DL7FOS
Das Thema DAB+ treibt mich nunmehr auch einige Zeit um, nachdem ich schon DSR-, ADR- und DAB-Geräte rechtzeitig vor der Einstellung abgestoßen habe. Einziger Wermutstropfen bis auf ADR, alle Geräte ließen sich wegen eines UKW-Tuners weiter nutzen. Das Tückische bei DAB+ ist, dass auch dieser Standard endlich sein wird und man gemessen an Klimagesichtspunkten billigend in Kauf nimmt, dass Radioempfänger vor ihrem technischen Ausfalll möglicherweise unbrauchbar werden. Gleiches Schicksal ereilte auch DVB-T, viele tragbare Geräte mit Digitaltuner können entsorgt werden, weil sie keine Versorgung mehr erhalten. Man stelle sich vor, was passiert wäre, wenn man zu Gunsten von UMTS einfach den GSM-Standard abgeschaltet und bei LTE auf UMTS direkt verzichtet hätte. So ist UKW rückblickend betrachtet ein Segen und rettet die Existenz ansonsten unbrauchbarer Geräte.

Bezogen auf den Artikel seien hier mal einige Aussagen kommentiert:

"So hieß es, DAB+ habe sich "auch nach 20 Jahren nicht durchgesetzt"

Kann man als falsch betrachten, wenn man vernachlässigt, dass die Unterschiede zu DAB+ einzig in neuen Codecs und mehr Frequenzen liegt. Fakt ist aber, dass schon genügend Nutzer auf neue Technik gesetzt hatten und froh sein können, wenn UKW als Fallback-Lösung integriert ist. Man hat dieselben Fehler bei DAB+ gemacht mit dem Unterschied, dass die Hersteller von Endgeräten und Chips eine Lobby gestartet haben und somit ihre Endgeräte in den Markt drücken konnten. Pure vorne weg, bei Sangean und anderen bin ich mir nicht sicher. Die Autoindustrie hat hingegen Aufpreise von 300 Euro und mehr eingefordert, was ein Irrsinn. Heute kommt man mit Verpflichtungen, die schon vor 10 Jahren hätten sinnvoll sein können. Aber jetzt, da jeder ohnehin ein Smartphone hat, wird 5G als Versorgungsnetz thematisiert.

"Der Anteil von Personen in Haushalten mit Zugang zu mindestens einem DAB+-Gerät stieg von 15,7 Prozent 2017 auf 18,1 Prozent im Jahr 2018. Inzwischen dürfte der 20 Prozent-Marke deutlich passiert sein."

Selbst wenn, wäre das lediglich ein Fünftel der bundesdeutschen Bevölkerung. Weiterhin ist unklar, ob es um Käufer oder tatsächliche Dauernutzer geht. Wir könnten ja mal thematisieren, wie viele Amazon Echo-Geräte in deutschen Haushalten stehen und Mittels TuneIn zum Radio "zweckentfremdet" werden. Jeder, der eine Kompaktanlage mit DAB+-Empfänger kauft, jedoch das integrierte Internet-Radio oder Spotify nutzt, ist der nun mit in der Statistik oder nicht? Radios werden heute als System-on-Chip-Lösung angeboten, die ohnehin alles empfangen. Ich habe auch zwei Internet-Radios mit DAB+-Chip, die ich aber, dazu komme ich gleich, nicht nutzen kann. Ich habe hier noch ein Albrecht DR-70, einfach nur zum Prüfen, ob und wie sich DAB+ entwickelt. Fakt ist, bei UKW ist ein besserer Empfang in Mittelhessen abseits der Kleinstädte möglich.

Was ÖR und Privatfunk angeht, habe ich hier ein ganz spezielles Problem. Weder Hitradio FFH, noch hr3 bringen erträgliches Radio ins Haus, das mich in Puncto Informationsgehalt überzeugen kann. Der über UKW empfangbaren WDR 2 allerdings, bei einer etwaigen Entfernung von 40 km zur NRW-Landesgrenze, bleibt mir im DAB+ leider verwehrt. Dafür bekomme ich Schwarzwaldradio und andere für mich vollkommen uninteressante Sender, die mich auch zu UKW-Zeiten nicht interessiert haben. Hinzu kommt, dass Klangqualität, einschließlich Empfangsqualität und Senderauswahl, dem Internet-Radio unterlegen sind, das ich viel unkomplizierter zuhause nutze. Im Gegenteil, damit ist mir dann sogar der Empfang von Radio Hannover oder NDR 2 möglich, was kümmert mich dann noch DAB+? Abgesehen von einigen Negativbeispielen wie TerraTec (NOXON), die ihre Geräte durch Abschaltung von Datenbanken unbrauchbar machten, könnte ein über 15 Jahre altes Internet-Radio heute noch funktionieren, hingegen beschränkt sich ein 15 Jahre altes DAB-Radio auf den UKW-Empfang.

Dass die Zukunft nicht in DAB+ liegen wird, ist gewiss. Dass das Internet eine übergreifende Verbreitung garantiert, ist heute bereits klar. Dass man zur Informationsversorgungspflicht die Mittelwelle abgeschaltet hat, war hingegen ein großer Fehler. So bleibt als einziges, übergreifendes und unabhängig vom Internet bestehendes Übertragungssystem UKW übrig. Warum man nicht DVB-T bzw. DVB-T2 nicht für den Radioempfang nutzt, was technisch kein Problem ist und im Standard implementiert wurde, verstehe ich ebenso wenig. So könnte man alles auf weniger Sendeanlagen abstrahlen und hätte sogar noch Energie eingespart. Warum Privatsender so gegen DAB+ wettern, verstehe ich in Teilen. Sie fürchten vermutlich die Konkurrenz aus dem Bundes-Mux, die sich wiederum über deutlichere Mehrverbreitung freuen könnten.

Die Quintessenz für mich ist, Radio ist nicht mehr Radio, wie wir es früher hatten. Heute geht es um Marktanteile, dafür bietet man auch gerne massenkompatible Formate mit fortwährend gleicher Musik, Flachwitze und mangelhafter Moderation.