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Richtige Bestandsaufnahme, falsche Folgerung


04.03.2019 09:01 - Gestartet von wolfbln
2x geändert, zuletzt am 04.03.2019 09:11
Kai hat diesmal kein Blatt vor dem Mund genommen. Die Fusion gescheitert. Konsolidierung dauert an, obwohl sie offiziell beendet ist.
In Deutschland schlechte Netze zu hohen Preisen. Kein Ausweg in Sicht: 5G kann es nicht bringen, Roaming kommt erstmal nicht und die Funklöcher bleiben. Die Hoffnung von 3 guten Netzen kann man abschreiben.

Aber die Konsequenz: bei festgestellten Verstößen gegen die Auflagen keine Strafen aussprechen, weil der Konzern so notleidend ist. Habt ihr sie noch alle?

Die Fusion ist gegen das Kartellamt von der EU durchgewunken worden mit bestimmten Auflagen. Gerade darin hat sich die Hoffnung auf niedrigere Preise nicht erfüllt. Die Kommission hat auch in allen späteren Fusionen erheblich drastischere Auflagen gemacht und wie in Italien ein 4. Netz erzwungen, nicht etwas Kapazität für Drillisch, der bisher von Telefonica abhängig bleibt. Wollen wir mal die Preise in Italien mit Deutschland vergleichen?

Die "Moral" der Branche ist völlig verkommen. Telekom ignoriert die Auflagen zu StreamOn, Vodafone den Routerzwang und Telefonica die Roamingverordnung. Aber bitte keine Strafen! Sie könnten ja den Betreibern was kosten.

Die Bilanzen von Telekom und Vodafone waren prächtig. Nirgendwo sprudelts so gut wie in Deutschland (und T-Mob USA), obwohl beide ein vergleichsweises schlechtes Netz hier haben. Telefonica drückt eine hohe Schuldenlast. England steht zum Verkauf, will keiner, vielleicht nach dem Brexit. Mittelamerika ist schon verkauft an Claro. Wenn sie in Deutschland keine Zukunft sehen, sollen sie ihr Netz doch loswerden.

Haas der CEO von Telefonica hat vor ein paar Tagen ein bemerkenswertes Interview gegeben. Darin hat er verkürzt gesagt, die Zukunft des Landes ist uns im Grunde egal. Wir sind mit 4G noch nicht soweit, sodass 5G ruhig ein paar Jahre später kommen kann. Hauptsache die Bilanz stimmt. In ein paar Wochen werden die Ossis in den unterversorgten Gebieten mehrheitlich eine Partei wählen, die die Zwangsverstaatlichung der Mobilfunkkonzerne in ihr Programm geschrieben hat (was kein Problem löst, aber gut ankommt).

In den nächsten Jahren müssen Millionen, vielleicht Milliarden € Steuergelder aufgewendet werden, um die unterversorgten Gebiete abzudecken. Die notleidenden Konzerne sind nicht bereit ihre Gewinne dahin umzuschichten. Kai, wie willst du das rechtfertigen, wenn diese nicht einmal die Strafen für ihre Verstöße zahlen sollen? Für dieses Geld können wir auch Pflege finanzieren oder andere sinnvolle Sachen.

Das I-Tüpfelchen ist dann der Vorschlag, auf Strafen zu verzichten und stattdessen Netzausbau zu betreiben. Das illustriert ja die ganze Lachnummer. Die bestehenden Ausbauauflagen, die bis Ende des Jahres erfüllt sein müssen, wird Telefonica mit Sicherheit nicht erfüllen und Vodafone wahrscheinlich nicht. Dann kommt Kai mit dem Vorschlag: keine Strafen, stattdessen neue Auflagen. Nur nach der gleichen Logik dürfte es es auch 2020 dann auch keine Strafen geben. Gegen neue Auflagen klagen ja gerade die Konzerne. Aber alles nicht so schlimm, bleibt ja ohne Konsequenzen.

Wie kann man nur so naiv sein? Ihr habt nicht kapiert, dass gerade der Zug in die Zukunft abfährt und Deutschland nicht dabei ist. Das liegt auch an der Haltung: schlechtes Netz? Hohe Preise? Macht doch nichts! Nur keine Strafen, Auflagen, usw. Den Konzernen geht's ja so schlecht. Ihr habt's nicht besser verdient mit dieser Einstellung, echt!