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die Netzbetreiber und die Aktionäre


26.08.2018 19:21 - Gestartet von machtdochnichts
einmal geändert am 26.08.2018 20:33
Dem Kartellamt ist definitiv beizupflichten, dass der Staat alles in seiner Macht stehende unternehmen sollte, um zu bewirken, dass der 5G-Netzausbau in den kommenden Jahren nicht genauso schnarchlangsam und unvollständig erfolgt wie der 4G-Netzausbau.

Ohne dieses "Bewirken" würde 5G nur an strategisch profitablen Orten ausgebaut. Und auch nur wenige Kunden (vom Netzbetreiber direkt) würden Zugang bekommen.

Die Provider und ihre Kunden, welche den wirklichen Wettbewerb darstellen, würden wieder leer ausgehen. Wir sehen es beim 4G, mit Telefonica als rühmliche Ausnahme.

Durch das Beschneiden der "Weiterverkäufer" wird der Wettbewerb verhindert/blockiert. Wie viele Mobilfunkkunden sind bei Providern und wie viele direkt beim Netzbetreiber? Ich denke, ohne die Zahlen zu kennen, dass die übergroße Mehrzahl der Mobilfunkkunden keine direkten Kunden der Netzbetreiber sind.


dann sinkt der durchschnittliche Umsatz pro Netzbetreiber, und damit sinkt im Zweifelsfall auch das Investitionsvolumen pro Netzbetreiber.

Hier sehe ich einen Trugschluss!

Das Investitionsvolumen pro Netzbetreiber ist nur indirekt abhängig vom Umsatz.
Natürlich - ohne Geld kein Netzausbau. Aber:

Ziel der Netzbetreiber ist *nicht* die Bereitstellung eines möglichst flächendeckenden Netzes! Und auch nicht die Befriedigung der Kunden mit bezahlbaren und nutzbaren Tarifen!

Bei den Netzbetreibern handelt es sich ausnahmslos um Aktiengesellschaften.

Das ist nicht schlimm, aber das Ziel einer Aktiengesellschaft ist es, möglichst viel Profit für die Aktionäre und die eigenen Bonzen (Manager+Angehörige+deren nächststehende Personen) zu generieren.

Wenn die Kunden auch vollkommen ohne Netz ihre Beträge zahlen würden, würden die Netzbetreiber nicht einen einzigen Sendeturm betreiben und sich mit dem Versenden der Rechnungen begnügen.

Daraus folgt:

Zwang und Kontrolle durch eine übergeordnete Stelle. Und Gesetze, die einen "jahrelange(n) Gutachterstreit durch die Instanzen" verhindern.

Ob unsere derzeitigen "Ewiggestrigen" den Willen und die Fähigkeit haben, wage ich nicht zu beurteilen.

Den Ansatz,
die Lizenzinhaber zu verpflichten, dass sie in den Regionen, in denen sie bis zu einem Stichtag keine ausreichende Versorgung aufgebaut haben, die Frequenzen kostenlos (!) und dauerhaft (!!) an andere Anbieter untervermieten müssen, wenn diese anschließend die jeweilige Region versorgen.

halte ich für genial. Es scheint mir auch, wie sagt man heute?, alternativlos zu sein.

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[1] 388 antwortet auf machtdochnichts
26.08.2018 22:23
Den Ansatz,
die Lizenzinhaber zu verpflichten, dass sie in den Regionen, in denen sie bis zu einem Stichtag keine ausreichende Versorgung aufgebaut haben, die Frequenzen kostenlos (!) und dauerhaft (!!) an andere Anbieter untervermieten müssen, wenn diese anschließend die jeweilige Region versorgen.

halte ich für genial. Es scheint mir auch, wie sagt man heute?, alternativlos zu sein.

Gedankenspiel... Die Monatsgebühr irgendwie an die tatsächliche Nutzung koppeln? Früher, bei den alten Volumentarifen, galt: kein Netz = keine Nutzung = kein Geld. Jetzt, bei den Flatrates ist es sogar ein Vorteil für den Anbieter, wenn ich keinen Empfang habe... ich verursache keine Kosten, zahle aber trotzdem brav meine Grundgebühr! Ein waschechter Fehlanreiz für den Betreiber... auch die Alternative, nach den zwei Jahren Vertragslaufzeit den Betreiber wechseln zu können, ist von einem zielgerichteten Anreiz weit entfernt!
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[1.1] hrgajek antwortet auf 388
27.08.2018 08:58
Hallo,

Benutzer 388 schrieb:
Den Ansatz,
die Lizenzinhaber zu verpflichten, dass sie in den Regionen, in denen sie bis zu einem Stichtag keine ausreichende Versorgung aufgebaut haben, die Frequenzen kostenlos (!) und dauerhaft (!!) an andere Anbieter untervermieten müssen, wenn diese anschließend die jeweilige Region versorgen.

halte ich für genial. Es scheint mir auch, wie sagt man heute?, alternativlos zu sein.

Zustimmung :-) Da könnte z.B. 1&1 schnell zeigen, was sie bauen können oder möchten.

den Betreiber... auch die Alternative, nach den zwei Jahren Vertragslaufzeit den Betreiber wechseln zu können, ist von einem zielgerichteten Anreiz weit entfernt!

Es sollte möglich sein, jeden Mobilfunkvertrag jederzeit (maximal 1 Monat Frist) kündigen zu können, falls ein subventioniertes Handy oder eine "Auszahlung" dabei war, muss die natürlich ersetzt werden (notfalls durch Weiterzahlung der monatlichen Beiträge oder einer einmaligen Schlußrate, die die Summe der restlichen Monatsraten nicht übersteigen darf.)

Wenn ein Netz A nicht gescheit versorgt, kann das Kunde kurzfristig in Netz B wechseln. Wenn das nur genügend viele Kunden machen würden, brächte es Schwung in die Geschichte.

Es muss aber auch ein Ruck durch die Gemeinden vor Ort gehen, endlich die Genehmigungen für Sendemasten sofort zu erteilen und nicht ewig lang herumzudiskutieren, bis Firmen diese Orte verlassen und woanders hingehen, weil das Netz im Ort zu schlecht war. (In einem konkreten mir bekannten Fall ist die Firma fort, das Netz jetzt endlich nach Jahren besser geworden, aber immer noch nicht ideal.)

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[1.1.1] machtdochnichts antwortet auf hrgajek
27.08.2018 12:47

einmal geändert am 27.08.2018 12:49
Benutzer hrgajek schrieb:

Da könnte z.B. 1&1 schnell zeigen, was sie bauen können oder möchten.

;-) Das sehe ich jeden Tag beim Festnetz.
Ich kenne viele Leute mit einem Festnetzanschluß bei unterschiedlichsten Anbietern. Aber **alle** mieten den Anschluß von der Telekom. **Gebaut** hat nicht ein einziger (alternativer) Anbieter!

Mit einer einzigen Ausnahme: Dort, wo es schon vorher ein Kabelnetz gegeben hat, kann man spezielle Kabelangebote mit Telefon nutzen. Wer aber kein Kabel möchte -> Telekom!

Auch sind die Kabelnetze ja fast zu 99% nur in größeren (Groß-) Städten zu finden. Es mag sein, dass dort geringfügig neu gebaut (nicht ausgebaut!) wird. Wirklich nennenswert ist das aber nicht.

In meinem Umfeld wurden viele Neubaugebiete erschlossen. Wer verlegt neue Leitungen/Lehrrohre/Anschlüsse? Richtig - die Telekom - ausnahmslos!

Es sollte möglich sein, jeden Mobilfunkvertrag jederzeit (maximal 1 Monat Frist) kündigen zu können......

Ich kenne die Zahlen nicht. Aber sind denn heute die 24-Monatsverträge mit automatischer Vertragsverlängerung um ein Jahr wirklich noch so sehr im Vordergrund?

Meine Erfahrung ist eher, dass viele Prepaidverträge nutzen. Kennst Du/Kennen Sie das aktuelle Verhältnis Prepaid/Postpaid? (PS: Was Henning Gajek im Mobilfunk nicht weiß, weiß niemand. ;-))

Gut, Geschäftsleute, die eine Rechnung für die Steuer brauchen. Denen ist die Höhe der monatlichen Belastung aber meist egal, sie mindert die Steuerlast.
Und Personen, die sich ein neues Smartphone "subventionieren" lassen und am Ende mehr bezahlt haben, als wenn sie monatlich einen kleinen Betrag ansparen und sich das Gerät dann selbst kaufen würden.

So einen Prepaidvertrag muss man strenggenommen ja nicht einmal kündigen, ich würde es aber trotzdem immer tun. Den kann man einfach in eine Schublade packen, neue Karte für 10€ mit 10€ Guthaben kaufen und gut.

Ich sehe wirklich nur die Zwangsanmietung von "unrentablen" aber zur Flächendeckung notwendigen Sendestationen als Alternative.

Freiwillig wird kein Netzbetreiber diese errichten oder anmieten.
Auch ein 4., 5. oder gar 6. neuer Netzbetreiber wird wieder nur die Gebiete ausbauen, die jetzt schon versorgt sind.

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Irgendwo hier im Forum habe ich einen Beitrag gelesen, dass es sehr schwierig wäre, die Funklöcher zu finden. Man müsste mit Meßfahrzeugen kreuz und quer durchs Ländle fahren und suchen....
Einfach eine kostenlose App verteilen und die Ergebnisse automatisch auswerten. Ich denke, tausende Mobilfunkkunden würden an dieser Statistik freiwillig und kostenlos mitwirken.
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Es muss aber auch ein Ruck durch die Gemeinden vor Ort gehen, endlich die Genehmigungen für Sendemasten sofort zu erteilen und nicht ewig lang herumzudiskutieren, bis Firmen diese Orte verlassen und woanders hingehen, weil das Netz im Ort zu schlecht war.

Da kann man nicht anderes sagen als: So ist es!
Leider besteht dieses Problem nicht nur im Mobilfunk!
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[1.1.1.1] Otomo antwortet auf machtdochnichts
27.08.2018 15:01
Es sollte möglich sein, jeden Mobilfunkvertrag jederzeit (maximal 1 Monat Frist) kündigen zu können......

im Vertrag zahlt man das subventionierte Handy für zB. 1 Euro über 24 Monate ab, wenn die Mindestlaufzeit unter 2 Jahren liegen soll, dann geht dies nur ohne subventioniertes Hany, also bei SIMOnly-Verträgen
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[1.1.1.1.1] hrgajek antwortet auf Otomo
27.08.2018 15:22
Hallo,

Benutzer Otomo schrieb:
Es sollte möglich sein, jeden Mobilfunkvertrag jederzeit (maximal 1 Monat Frist) kündigen zu können......

im Vertrag zahlt man das subventionierte Handy für zB. 1 Euro über 24 Monate ab, wenn die Mindestlaufzeit unter 2 Jahren liegen soll, dann geht dies nur ohne subventioniertes Hany, also bei SIMOnly-Verträgen

Das geht schon. Die Raten fürs Handy müssen weiter bezahlt werden, entweder wie vereinbart oder auf einen Schlag.

o2 bietet ja fürs Handy einen eigenen Kredit-Vertrag an, wo keine Karte dran hängt. Man kündigt also den Mobilfunkversorgungsvertrag und zahlt die Handyraten weiter.


Mehr als 50% der Nutzer sind wohl inzwischen bei Prepaid oder No Frills, aber es gibt noch genügend Kunden, die über den Vertrag bei Service-Providern oder Telekom/Vodafone ihr Handy "finanzieren".


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[1.2] machtdochnichts antwortet auf 388
27.08.2018 12:08
Benutzer 388 schrieb:
Die Monatsgebühr irgendwie an die tatsächliche Nutzung koppeln?

Wie soll das gehen? Es gibt immer (mindestens) zwei Seiten bei einem Vertrag.

kein Netz = keine Nutzung = kein Geld

Dann sollte aber auch möglich sein:

Netz vorhanden = Telefon/Datengerät aus = auch kein Geld. ;-)

Wie soll man herausfinden, ob ich einen Vertrag nicht nutze, weil kein Netz da ist, oder weil ich mein Smartphone/Router aus habe?

Ich glaube, wir sprechen hier über Mobilfunk. Damit kann ein Anbieter nicht wissen, ob ich mein Gerät nicht nutze, weil ich mich in einem Gebiet (z.Bsp. im Harz) ohne Netz bin, oder ob ich in einem voll versorgtem Gebiet bin, mein Handy aber ausgeschaltet habe.

Ich denke, das wird so nichts.

wenn ich keinen Empfang habe... ... ich verursache keine Kosten, zahle aber trotzdem brav meine Grundgebühr!

Dann hast du definitiv den falschen Vertrag!
Wenn du wirklich bei deinem Anbieter keinen Empfang hast, würde ich bei diesem Anbieter keinen Vertrag (sei es Postpaid oder Prepaid mit gebuchter Option) nutzen!
Dann reicht auch eine Prepaidkarte ohne Optionen.

Kein Netz = Keine Kosten für dich, aber trotzdem (geringe) Kosten für den Anbieter.
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[1.2.1] 388 antwortet auf machtdochnichts
27.08.2018 18:50
Na, es geht doch nicht um mich persönlich, sondern um Ansätze, um bessere Qualität durchzusetzen:
1. die Alternative, einfach nach Ablauf des Vertrags den Betreibe wechseln zu können, ist zu abstrakt - dazu müssten die Fristen massive verkürzt und die Abläufe zur Portabilität extrem vereinfacht werden. Heute schlechter Empfang = in zwei Jahren vielleicht Wechsel mit Hindernissen... das ist kein Druckmittel gegen den Netzbetreiber
2. Kosten: wie gesagt... bei Volumentarifen bekommt der Anbieter nur Geld, wenn das Mobilfunknetz tatsächlich genutzt wird. Es ist also in seinem Interesse, den Zugang zu erleichtern und die Nutzung zu fördern. Bei Flatrates fällt dieser Ansporn auch weg bzw. kehrt sich sogar ins Gegenteil um. Entweder man führt in künstlich wieder ein (z.B. Bundesnetzagentur zwingt den Betreiber Rabatte zu gewähren, wenn Mindeststandards nicht eingehalten werden) - oder eben man erleichtert wirksam den Wechsel zu anderen Anbietern