Diskussionsforum
  • 07.04.2018 13:03
    einmal geändert am 07.04.2018 13:06
    sushiverweigerer schreibt

    Ich verstehe das Gejammer nicht?!

    Gerade die Unternehmen müssten doch verstehen, dass die Versorgung mit Internet-Infrastruktur in Deutschland fest in der Hand von privatwirtschaftlichen Unternehmen ist und diese Unternehmen kein Interesse an bestmöglicher Versorgung, sondern primär an Rendite haben.

    Und daher gibt es schnelles Internet und gesunden Wettbewerb primär dort, wo man Geld verdienen kann, in Großstädten und Ballungsräumen und nicht dort, wo auch viele Menschen wohnen.

    Deswegen fehlen auch Millionen Wohnungen in Deutschland, denn mit bezahlbarem Wohnraum für normale Menschen kann man nicht viel verdienen.

    Eine Lösung wäre, zumindest die Daseinsvorsorge in den Bereichen, wo die Wirtschaft keine ausreichende Bedarfsbefriedigung leisten kann oder will, diese Aufgaben an den Staat zu übertragen.

    Man muss auch nicht mit allem, was lebensnotwendig ist, wie Wohnraum und Infrastruktur, immer viel Geld verdienen und sich die Taschen füllen, davon haben 99% der Menschen eh nichts.

    Wir brauchen eine nachfrageorientierte Wirtschaft, bei der die Bedürfnisse der Mehrheit im Mittelpunkt stehen und das sind keine Kapitalisten oder Reiche.
  • 07.04.2018 13:32
    3x geändert, zuletzt am 07.04.2018 13:39
    wolfbln antwortet auf sushiverweigerer
    Benutzer sushiverweigerer schrieb:
    > Gerade die Unternehmen müssten doch verstehen, dass die
    >
    Versorgung mit Internet-Infrastruktur in Deutschland fest in
    >
    der Hand von privatwirtschaftlichen Unternehmen ist und diese
    >
    Unternehmen kein Interesse an bestmöglicher Versorgung, sondern
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    primär an Rendite haben.
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    > Und daher gibt es schnelles Internet und gesunden Wettbewerb
    >
    primär dort, wo man Geld verdienen kann, in Großstädten und
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    Ballungsräumen und nicht dort, wo auch viele Menschen wohnen.
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    > Deswegen fehlen auch Millionen Wohnungen in Deutschland, denn
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    mit bezahlbarem Wohnraum für normale Menschen kann man nicht
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    viel verdienen.
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    > Eine Lösung wäre, zumindest die Daseinsvorsorge in den
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    Bereichen, wo die Wirtschaft keine ausreichende
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    Bedarfsbefriedigung leisten kann oder will, diese Aufgaben an
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    den Staat zu übertragen.
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    > Man muss auch nicht mit allem, was lebensnotwendig ist, wie
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    Wohnraum und Infrastruktur, immer viel Geld verdienen und sich
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    die Taschen füllen, davon haben 99% der Menschen eh nichts.
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    > Wir brauchen eine nachfrageorientierte Wirtschaft, bei der die
    >
    Bedürfnisse der Mehrheit im Mittelpunkt stehen und das sind
    >
    keine Kapitalisten oder Reiche.

    Du hast mit vielem recht und liegst doch daneben:
    "Wir brauchen eine nachfrageorientierte Wirtschaft, bei der die Bedürfnisse der Mehrheit im Mittelpunkt stehen und das sind keine Kapitalisten oder Reiche."

    Es hat sich aber leider gezeigt, dass ein privatwirtschaftliches System mit Gewinnen besser und flexibler auf "Nachfrage" (warum sie auch immer da ist) reagieren kann, als schwerfällig staatliche Systeme.

    Und da das Geld von jemanden kommen muss, der bereit ist zu investieren, bringt es auch nichts auf das Feindbild Reiche oder Kapitalisten einzuschlagen. Nur diese haben in Form von Aktionären der Telkos das Kapital da auch zu investieren. Der Staat kann Rahmen abstecken, Schiedsrichter sein oder auch fördern und strafen, aber wenn er selbst Akteur wird, geht es häufig daneben.

    Bei Infrastruktur haben wir das Problem der Monopole oder Oligopole. Es lohnt sich nicht die Leitung x-mal zu verlegen und andere Orte bekommen überhaupt nichts ab, weil es sich für die Anbieter dort eben nicht lohnt. Auch hier kann der Staat helfen, fördern, fordern - jetzt aber selbst bauen. Das geht dann oft schief!

    Wenn die Industrie an einer unversorgten Stelle so ein vitales Interesse an Abdeckung hat, dann muss sie und kann sie das auch bezahlen. Ähnlich sieht es mit 5G aus, was praktisch aus jeder Straßenlaterne kommen muss, soll autonomes Fahren möglich sein. Wenn das ein Anbieter machen will, soll er auch dafür aufkommen. Es über den Steuerzahler zu finanzieren, wird auf Widerstand stoßen.

    Es ist einfach nicht möglich jeden Einsiedlerhof mit Glasfaser zu versorgen. Aber man kann Techniken einsetzen, die das zumindest teilweise ausgleichen: LTE als DSL-Alternative, mini Cells usw. Da ist mehr Flexibilität nötig. So lange aber Telekom und Vodafone möglichst viele Fördermittel abgreifen wollen, werden sie nie ihr LTE als Substitutionstechnologie bereit stellen.

    Auch das Beispiel mit den Wohnungen hinkt etwas. Sicherlich braucht es mehr staatl. Wohnungsbau. Ich selbst besitze einige Wohnungen. Klar kann man mit Miete keine großen Gewinne machen. Aber den Wertzuwachs den meine Immobilien in den letzten Jahren verzeichnet haben, schlägt alle Wertpapiere und erscheint mir nachhaltiger. Den kann ich natürlich erst dann "realisieren", wenn ich sie mal verkaufe, aber das ist mit Wertpapieren auch nicht anders.
  • 07.04.2018 16:47
    whalesafer antwortet auf wolfbln
    Benutzer wolfbln schrieb:
    > Es ist einfach nicht möglich jeden Einsiedlerhof mit Glasfaser
    >
    zu versorgen.

    Wenn er Strom hat, hat man eine Leitung dorthin gelegt. Dann kann man das auch nochmal mit einer Glasfaser machen. Die ist viel einfacher zu verlegen als eine Stromleitung.

    Der Staat hat heute einfach keinen Mumm mehr. Man muss nicht gleich verstaatlichen oder alles aus der Staatskasse bezahlen, um auch solche Anschlüsse zu realisieren. Es würde reichen, wenn Netzbetreiber als Gegenleistung für die großzügige Nutzung von öffentlichem Grund und Boden zum Bau ihrer Netze eine Versorgungspflicht eingehen müssten, damit nicht nur Rosinenpickerei betrieben wird. Und wenn der Einsiedlerhof zehnmal so viel kostet wie er einbringt, dann bringt der x-te Anschluss im Mehrfamilienhaus zehnmal so viel ein wie er kostet.

    Stattdessen lässt man die Telekom, die zu mehr als einem Drittel dem Staat gehört, ausrechnen, was sie gerne verdienen möchte, und schießt die Differenz zu den Einnahmen aus Steuergeldern dazu. Aber dafür bekommt man trotzdem nur Rosinenpickerei. Mit so einer Politik kommen wir nie vom Monopolbetrieb weg, und ohne Wettbewerb wird auch immer wieder beim Staat die Hand aufgehalten werden.