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Markus, hier liegst du mal komplett daneben


06.01.2018 13:18 - Gestartet von wolfbln
4x geändert, zuletzt am 06.01.2018 15:26
Markus hat festgestellt, dass Roaming bei O2 UK in London fast komplett unbrauchbar ist. Das deckt sich mit anderen Berichten aus England.

Er schiebt das aufs Roaming von O2 DE und suggeriert eine Drosselung. Da liegt er aber möglicherweise falsch. Für eine saubere Recherche hätte er mal schnell in einen O2-Laden dort oder einen Handyshop gehen müssen und sich eine O2 UK SIM holen müssen.

Nach vielen Berichten ist O2 UK einfach in London ziemlich unbrauchbar geworden. Die Gründe liegen auch in der mangelnden Frequenzausstattung von O2 UK. Damit kann man kein vernünftiges Netz aufbauen, insbesondere nicht in Ballungszentren.

https://www.ofcom.org.uk/__data/assets/pdf_file/0023/84470/cellular_frequency_chart_jan_2016.pdf

Markus müsste als Experte hier sofort sehen, dass O2 praktisch kaum Spektrum über 1 GHz hat, was in den Städten essentiell ist. Wir haben ja auch das Problem in Berlin mit L800, dass alleine nicht ausreicht, die Stadt vernünftig schnell zu versorgen. In Deutschland können sie nachlegen, in England fehlen ihnen (bisher) die Frequenzen dazu.

Also ist es irreführend, nahe zu legen, dass O2 DE das Roaming bei seinem Partner in den UK drosselt. Ein Roamingnetz kann nicht besser als das lokale Netz sein in dem es roamt. Warum sollte auch Telefónica ausgerechnet bei Eigennetzen das tun, in den anderen EU-Ländern, wo es kein Eigennetz hat, aber nicht?

Die wesentliche "Drosselung" besteht bei Prepaid bisher darin, dass im EU-Ausland kein 4G/LTE verfügbar ist, im Gegensatz zu den 4G/LTE Prepaid SIMs von Telekom oder Vodafone. Hier soll sich bald was ändern - mehr darf ich dazu hier nicht schreiben. Aber Markus hat ja eine Vertrags-SIM von O2 und damit theoretisch LTE in England.

EDIT: Nochmal gecheckt. O2 DE drosselt auf 21,6 Mbit/s beim Roaming maximal. Und eben kein LTE für Prepaid. Wir sprechen hier aber von "unbrauchbar" und wesentlich niedrigeren Speeds.

EDIT2: Ich habe jetzt gehört, dass Markus seinen Beitrag eher als mögliche Drosselung von Seiten durch O2 UK statt O2 DE verstanden sehen will. Also O2 UK drossele eingehendes Roaming, nicht O2 DE ausgehendes.

Dazu müsste man erst mal feststellen, ob überhaupt gedrosselt wird oder das Netz nicht etwa so schlecht ist. Dann wäre es immerhin noch die wahrscheinlichere Variante. Zumindest hat O2 UK das im Sommer für seine eigenen Kunden in der EU bestätigt als "temporäre Maßnahme":
http://www.independent.co.uk/life-style/gadgets-and-tech/news/o2-roaming-charges-europe-pay-as-you-go-contract-mobile-internet-speeds-a7861101.html

Könnte also auch andersherum sein.
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[1] markusweidner antwortet auf wolfbln
06.01.2018 16:28
Benutzer wolfbln schrieb:
Markus hat festgestellt, dass Roaming bei O2 UK in London fast komplett unbrauchbar ist. Das deckt sich mit anderen Berichten aus England.

Er schiebt das aufs Roaming von O2 DE

Hm, das ist vielleicht falsch rübergekommen. Ich sehe das Problem auf Seiten der Engländer. Daher ja schon in der Einleitung der Satz "Dabei haben die Mobilfunk-Netzbetreiber allerdings keinen Einfluss darauf, welche Leistungen der Roaming-Partner im Reiseland tatsächlich anbietet."
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[2] Peterdoo antwortet auf wolfbln
06.01.2018 20:16
Benutzer wolfbln schrieb:
Dazu müsste man erst mal feststellen, ob überhaupt gedrosselt wird oder das Netz nicht etwa so schlecht ist. Dann wäre es immerhin noch die wahrscheinlichere Variante. Zumindest hat O2 UK das im Sommer für seine eigenen Kunden in der EU bestätigt als "temporäre Maßnahme":
http://www.independent.co.uk/life-style/gadgets-and-tech/news/o2-roaming-charges-europe-pay-as-you-go-contract-mobile-internet-speeds-a7861101.html

Die dritte Möglichkeit wäre noch, dass die Roamingkunden (zumindest die von o2-de) mit einer niedrigeren Priorität im o2-uk Netz unterwegs sind. Also nicht eine direkte Drosselung. Bei einigen Anbietern werden so die Kunden virtueller Netzbetreiber behandelt. Wie genau die Priorität gesteuert wird, ist nicht bekannt. U.U. dürfen solche Kunden max. x% der Kapazität einer Zelle benutzen o.Ä. Könnte eine neue Vorgehensweise sein, um die Roamingkosten der Netzanbieter niedrig zu halten.
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[2.1] wolfbln antwortet auf Peterdoo
06.01.2018 23:37

2x geändert, zuletzt am 06.01.2018 23:44
Benutzer Peterdoo schrieb:
Benutzer wolfbln schrieb:
Dazu müsste man erst mal feststellen, ob überhaupt gedrosselt wird oder das Netz nicht etwa so schlecht ist. Dann wäre es immerhin noch die wahrscheinlichere Variante. Zumindest hat O2 UK das im Sommer für seine eigenen Kunden in der EU bestätigt als "temporäre Maßnahme":
http://www.independent.co.uk/life-style/gadgets-and-tech/news/o2-roaming-charges-europe-pay-as-you-go-contract-mobile-internet-speeds-a7861101.html

Die dritte Möglichkeit wäre noch, dass die Roamingkunden (zumindest die von o2-de) mit einer niedrigeren Priorität im o2-uk Netz unterwegs sind. Also nicht eine direkte Drosselung. Bei einigen Anbietern werden so die Kunden virtueller Netzbetreiber behandelt. Wie genau die Priorität gesteuert wird, ist nicht bekannt. U.U. dürfen solche Kunden max. x% der Kapazität einer Zelle benutzen o.Ä. Könnte eine neue Vorgehensweise sein, um die Roamingkosten der Netzanbieter niedrig zu halten.

Daran habe ich auch schon gedacht, aber Depriorisierung ist sehr problematisch:
denn es verstößt gegen die Netzneutralität und darf nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden.

Welches Interesse sollte auch O2 UK haben, eingehenden Roamingverkehr abzustufen? Sie nehmen ja dafür ein, je mehr Daten, desto mehr €. Die Verträge können nicht so schlecht sein, dass sie beim eingehenden Roaming noch draufzahlen. Anders sieht es beim Anbieter aus, der abgehendes Roaming hat, insbesondere, wenn er sehr niedrige Inlandspreise nimmt und nun Roam Like at Home rausgeben muss. Das mit den niedrigen Inlandspreisen trifft ja auf deutsche Anbieter nicht zu.

Eine Depriorisierung im Roaming ist allerdings praktisch nicht nachweisbar. Denn durch das Routing übers Heimatland über das Roaming läuft, entsteht immer eine höhere Latenzzeit und die Leitung "erscheint" oft langsamer als sie nach Speedtests ist. Roaming wirkt da wie ein VPN.
Ich habe heute O2-Kunden im Ausland mal testen lassen. Die max. 21,6 Mbit/s Upload werden erreicht, wenn es das Gastnetz hergibt.

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[2.1.1] Peterdoo antwortet auf wolfbln
08.01.2018 10:56
Benutzer wolfbln schrieb:
Daran habe ich auch schon gedacht, aber Depriorisierung ist sehr problematisch:
denn es verstößt gegen die Netzneutralität und darf nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden.

Welches Interesse sollte auch O2 UK haben, eingehenden Roamingverkehr abzustufen? Sie nehmen ja dafür ein, je mehr Daten, desto mehr €. Die Verträge können nicht so schlecht sein, dass sie beim eingehenden Roaming noch draufzahlen. Anders sieht es beim Anbieter aus, der abgehendes Roaming hat, insbesondere, wenn er sehr niedrige Inlandspreise nimmt und nun Roam Like at Home rausgeben muss. Das mit den niedrigen Inlandspreisen trifft ja auf deutsche Anbieter nicht zu.

Eine Depriorisierung im Roaming ist allerdings praktisch nicht nachweisbar. Denn durch das Routing übers Heimatland über das Roaming läuft, entsteht immer eine höhere Latenzzeit und die Leitung "erscheint" oft langsamer als sie nach Speedtests ist.
Roaming wirkt da wie ein VPN.
Ich habe heute O2-Kunden im Ausland mal testen lassen. Die max. 21,6 Mbit/s Upload werden erreicht, wenn es das Gastnetz hergibt.

Aus der Sicht der Netzneutralität sollte eine Depriorisierung einer Kundengruppe eigentlich unproblematisch sein. Bei der Netzneutralität geht es hauptsächlich um die technische Gleichbehandlung der unterschiedlichen Dienste. Beim Preis ist anscheinend solche Gleichbehandlung nicht notwendig. Es ist jedoch üblich, dass der Kunde die Qualitätsstufe seines gesamten Internet-Zugangs wählen kann und dafür auch die Preise unterschiedlich sind. Z.B. Kabelzugang mit 10, 50, 100, 200, 400 usw. Mbit/s. Oder Lidl ohne LTE und max. 32 Mbit/s und CallYa mit LTE ohne Geschwindigkeitsbegrenzung.

Die RTR schrieb mal dazu: "In der Netzneutralitätsdiskussion wird eine differenzierte Behandlung des Verkehrs im Sinne des ersten Falls für bestimmte Kunden bzw. Kundengruppen als eher unproblematisch erachtet, solange der Endkunde die freie Wahl hat. ... sollte aber transparent und klar verständlich kommuniziert werden, wie sich die unterschiedliche Behandlung auf die Qualität seines Internetzugangs auswirkt."

Die Freie Wahl zwischen O2 und den Anderen hat man ja. An der Transparenz mangelt es aber anscheinend.

Ich kann mir schon vorstellen, dass o2-uk den anderen Netzbetreibern mehrere Qualitätsstufen fürs Roaming anbietet. o2-de bucht dann bei o2-uk eine niedrigere Stufe, damit sich die Kosten in Grenzen halten. Gerade bei o2-de gibt es schon manche Kunden, die ordentliche Datensnacks von mehreren 10 GB zu sehr günstigem Preis bekamen. Die Netze finanzieren sich hauptsächlich aus den Einnahmen von eigenen Kunden und nicht von den roamenden Kunden. Wenn o2-uk schon sehr ausgelastet ist, wäre es verständlich wenn man die eigenen Kunden bevorzugen würde, um nicht noch zusätzlich den Ruf eines überlasteten Netzes zu stärken. Wie du schon sagtest, Wolf, ist es beim Roaming sehr schwierig herauszufinden, ob und wo wirklich gedrosselt oder depriorisiert wird.