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DAB+ heist mehr Konkurrenz, deshalb sind private Sender dagegen


21.09.2017 11:06 - Gestartet von Ole42
Die Meinung privater Sender ist von vorneherein davon geprägt, dass DAB+ ihnen letztlich aufgrund der höheren Zahl an Kanälen gegenüber der analogen Technik mehr Konkurrenz bringt. Damit verteilen sich die Werbebudgets auf mehr Sender, sprich: Bei mehr Sendern hat jeder weniger Werbeeinnahmen.
Es gilt daher, dass jedes Argument gegen DAB+ recht ist, damit so lange wie möglich die Zahl der Sender klein bleibt.

Technisch ist das momentane Mobilfunknetz auch nur eine "Brückentechnologie". Wie es in 15 Jahren aussehen wird, kann man kaum voraussagen.

Die eigentliche Frage ist nicht die Technologie, sondern der gewünschte Content. Entscheidungen zu treffen, ist anstrengend. "Die Qual der Wahl" - Qual ist durchaus ernst zu nehmen. Der große Vorteil von Radiosendern ist, dass man nicht nachdenken muss, was man als nächstes hört - es wird einem vorgegeben. Das macht einen Großteil der Entspannung aus. Gleichzeitig hat man das Gefühl, nichts wichtiges zu verpassen - es werden ja Nachrichten gebracht.

Ein solches Format per Mobilfunk zu verbreiten, ist relativ sinnfrei. Egal wie sich der Mobilfunk entwickelt - Bandbreite wird immer ein knappes Gut sein. Sobald mehrere Empfänger das Gleiche hören wollen, ist es sinvoller, eine unidirektionale Verbindung von einem Sender zu einer Vielzahl Empfänger aufzubauen, anstatt dass jeder Empfänger eine eigene Mobilverbindung zu einem Sendemadt aufbaut.

Die eigentliche Frage ist: Handelt es sich bei dem klassischen Radioprogramm um ein "Brückenformat"? Werden diese aufgrund der technischen Fortentwicklung irgendwann obloent? Es ist jetzt schon angenehm und fordert (im Gegensatz zum Zusammenstellen eigener Playlisten) wenig Aufwand, zu sagen "Alexa, siele 80er" - und wenn einem ein Titel nicht gefällt, diesen einfach mit "Alexa, weiter" zu überspringen. Zwischendurch Nachrichten aufrufen ist auch kein Ding. Navis mit Internetanbindung liefern Verkehrsstörungen besser als jedes Radioprogramm - das ja keine Rücksicht darauf nehmen kann, wo ich bin und wo ich hin will.

Ich erwarte nicht, dass die klassischen Radioformate in völliger Bedeutungslosigkeit versinken. Ihre Bedeutung wird allerdings nachlassen, wenn die Mobilfunktechnik besser wird (vor allem Abdeckung). Mit dem Bedeutungsverlust dieser Formate ist es aber nicht hinnehmbar, dass diese derart große Bandbreite wie beim analogen Senden benötigen. Die Bedeutung ist aber immer noch zu groß, als dass man es nicht als Bandbrenverschwendung sehen müsste, wenn mehr als durchschnittlich 2 Hörer je Funkzelle über Mobilfunk Radio hören müssten statt über zentrale Sender. Erst wenn die Hörerzahl so weit sinkt, wäre Mobilfunk ein Ersatz für ein Sendernetz. Bei derart niedrigen Hörerzahlen wäre der private (geschäftliche) Radiobetrieb aber eh tot.

Natürlich ist DAB+ nur eine Brückentechnologie. Von jetzt bis zum Ende des kommerziellen privaten Rundfunks. Dieser wird einerseits durch Streaming bedrängt (gibt es überhaupt noch jüngere Leute, die außer ggf. im Badezimmer noch klassisches Radio zu hause nutzen?) andererseits durch die Ausweitung der zur Verfügung stehenden Kanäle bei DAB+.
Bei jedem Statement eines privaten Radiosenders zu DAB+ ist das im Hinterkopf zu behalten - deren Geschaftsmodell (Werbefinanzierung) steht durch die exponentiell wachsende Konkurrenz vor dem Aus.
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[1] uwest antwortet auf Ole42
21.09.2017 17:35
Benutzer Ole42 schrieb:
Die Meinung privater Sender ist von vorneherein davon geprägt, dass DAB+ ihnen letztlich aufgrund der höheren Zahl an Kanälen gegenüber der analogen Technik mehr Konkurrenz bringt.

Das ist Unfug. Durch das Angebot im Netz sind *alle* anderen Kanäle Konkurrenten. Duch DAB+ kann daher die Anzahl der Mitbewerber nicht mehr wachsen. Ich höre seit langer Zeit zu Hause per Internet - auch, weil ich Kanäle hören möchte, die hierzulande nicht verbreitet werden. Das Angebot im DAB+ mag an den Stellen, wo man es empfangen kann, größer sein als das UKW-Angebot. Es ist aber nur ein Bruchteil dessen, was man per Internet empfangen kann.

Mittlerweile haben wir nur noch einen analogen Empfänger im Haus. Der empfängt UKW über Kabel. Der komplette Rest läuft über WLAN.
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[1.1] Ole42 antwortet auf uwest
21.09.2017 22:25
Naja, wer sinnentstellend verkürzt, wird's nicht kappieren.
Ich schreibe doch bereits, dass zu hause kaum noch jemand klassisches Radio nutzt und der Markt dort aufgrund der Konkurrenz durch Streamingdienste (Netflix, Amazon Prime...) rückläufig ist.

Bisher "alternativlos" ist Radio nur unterwegs - wegen Netzabdeckung und Volumenkontigenten. Hier bedeuten mehr Kanäle mehr Kampf um Werbung und schwindende Einnahmen.

Ganz abgesehen von regionaler Werbung, die mit zunehmender Entfernung verpufft - oder meinst Du, dass der Hörgerätespezialist im Harz glaubt Leute aus München würden ihn besuchen, nur weil dort jemand Radio SAW per Internet hört? Hörer per Internet haben für weite Bereiche der Werbung schlicht weniger Zielgruppenrelevanz (wobei die Zielgruppe dieser Werbung eh nicht unter den Internetnutzern zu finden sein dürfte...)

DAB+ bringt Konkurrenz in das Radioangebot fürs Auto - den Markt, der bisher nicht ernsthaft durchs Internet bedroht ist. Wo auch regionale Werbung funktionieren kann. Das Standbein, in dem Radio kommerziell überhaupt einen Sinn macht.

Benutzer uwest schrieb:
Benutzer Ole42 schrieb:
Die Meinung privater Sender ist von vorneherein davon geprägt, dass DAB+ ihnen letztlich aufgrund der höheren Zahl an Kanälen gegenüber der analogen Technik mehr Konkurrenz bringt.

Das ist Unfug.