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Ist immer die Frage, wer über High Res spricht


08.06.2017 08:32 - Gestartet von DL7FOS
Wenn ein Radioinstitut von hochauflösender Musik spricht, wird diese nie besser sein. Man will ja das tot komprimierte DAB+ vermarkten, also genau das Gegenteil. Die Aussage, es kommt auf die Abhörlautsprecher und Kopfhörer an, ist absolut essenziell. Wer kein geschultes/absolutes Gehör hat und nicht viel in Abhöranlagen investiert, braucht High Res ebenso wenig, wie Nutzer von gewöhnlichen Netzwerklautsprechern, die mit Wohlfühl-Klang optimiert und auch massenkompatibel sind. Auch ist richtig, dass die Musik und auch das Mastering richtig erfolgt, so dass sich besonders der hohe Dynamikumfang bei einer Wortbreite von 24 Bit bemerkbar macht. Vergleichen kann man dies mit der Bittiefe bei Grafikkarten: 16 Bit = 65536 Farben, 24 Bit = 16,7 Millionen. Bei der Musik sind die Dynamikstufen die Abstände zwischen Laut und Leise, die bei 24 Bit deutlich größer ausfallen und sich besonders in leisen Bereichen bemerkbar machen. Also dann, wenn das Signal nicht künstlich verdichtet ist, um es massenkompatibel zu gestalten. Beispiel: Das Weihnachts-Album von Helene Fischer klingt auf einer analytischen Anlage schrecklich, während eine sehr gute Klassik- oder Jazz-Aufnahme in High Res einen förmlich ins Geschehen mitreißen kann. Hier empfehle ich binaurale Aufnahmen von Dr. Chesky, der sich intensiv damit auseinander gesetzt hat und hdtracks.com gegründet hat. Hier sind auch kostenlose Beispiel-Sampler ladbar, mit denen man selbst experimentieren kann.

Wer mal eine Schallplatte mit hochwertigen Wandlern digitalisiert und dies in MP3, LPCM (CD-Format) und hochauflösendem High Res Format macht, wird Unterschiede hören können, so dass man schon die technisch beschnittene Schallplatte als ersetzt betrachten kann. Die hohe Abtastfrequenz liefert ein durchgezeichnetes und analog wirkendes Klangbild, dass die analytische Kälte, die man oft der CD nachsagt, nicht mehr vorhanden ist. Nicht richtig ist, dass man hohe Auflösungen im Studio nicht nur wegen möglichen Artefakten einsetzt, diese entstehen auch nicht bei 16 Bit bei 44,1 KHz. Viel mehr erhöht sich der Rauschabstand drastisch und so bleibt das Grundrauschen in Grenzen, wenn man viele 24-Bit-Kanäle subsummiert.

Mein Fazit: Wem High Res nutzt ist nicht derjenige, der zig tausend Euro in die technisch viel zu überteuerten Player und Kopfhörer investiert. Der Preis ist längst keine Größe mehr für Qualität oder Fortschritt, hier ist auch die Psychologie oft ein Faktor für ein vermeintlich besseres HÖrerlebnis. Wer aber aktiv hören kann, sein geschultes Gehör auch stets für Musik einsetzt und eine gewisse Erfahrung mitbringt, kann extrem von High Resolution Audio profitieren. Aber auch hier muss man aufpassen, nicht jeder Download ist wirklich eine High Rees Aufnahme, nicht selten kommen Sample-Konvertierungen (SRC) zum Einsatz, die ein CD-Album nur hochrechnen. Das bringt so gut wie gar nichts, wie ich mit einem Hardware-SRC schon ausprobiert habe. Einzig das Display beruhigt dann nämlich mit der imposanten Anzeige von 192 KHz.

Eine weitere Erfahrung zum Schluss, alles jenseits von 96 KHz kann ich akustisch nicht unterscheiden. Sehr wohl ist es ein Quantensprung von der CD zur SACD (DSD). Warum sich übrigens DVD-Audio und die SACD nicht durchgesetzt haben, ist marktstrategisch einfach begründbar: Hohe Lizenzkosten und schlechtes Marketing. In dieser Zeit war Napster und MP3 vorherrschend und man musste erst einmal die Marketing-Lüge aufdecken, dass die MiniDisc und MP3 eben nicht klingt wie die CD. Sony hat alles vermarktet und sich - wie heute bei High Res übrigens auch - selbst widersprochen. Die Kunden sind im Internet-Zeitalter nicht mehr so blöd, dass man Marketing-Schwurbeleien unreflektiert glaubt.