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0190- sehr verbraucherfreundlich...


21.12.2001 10:50 - Gestartet von maetsch
Nun, auch einer Verbraucherzentrale muß von irgend etwas leben. Aber es ist kaum nachvollziehbar, daß 145 Mark Kosten pro Stunde für ein Telefonat angemessen ist.
Für dieses Geld kann ich auch einen Anwalt beauftragen (und kein Call-Center), der auch wirklich für mich tätig wird. Die Verbraucherzentrale berät doch nur, das hilft alleine wohl kaum. Und am Telefon ist´s eh unverbindlich.

Ich würde so verfahren:

- Minusbeträge unter etwa 80 Mark:
Mahnungen ignorieren, die Telekom kann bei solchen Summen kaum klagen und wird es höchstens mit einem Mahnbescheid versuchen. Dem Mahnbescheid würde ich fristgerecht widersprechen, dann kann die Telekom kaum etwas unternehmen.

- Minusbeträge über etwa 80 Mark:
Zum Rechtsanwalt gehen. Wer einkommensschwach ist, erhält Prozeßkostenhilfe oder Beratungsbeihilfe. Damit kostet der Anwalt max. 20 Mark, auch wenn es vor Gericht geht.

- Falls genug Geld da ist und/oder man keine Lust auf juristische Auseinandersetzungen hat:
Einfach zahlen, immerhin hat man die Leistungen der Telekom ja auch in Anspruch genommen. Die Preise waren vorher bekannt und die Telekom hat korrekt abgerechnet. Das Geld steht denen also auch zu, auch wenn deren Panne sehr verbraucherunfreundlich und ggf. fahrlässig war. Vielleicht lassen die sich ja auch auf einen Vergleich ein.
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[1] first_bourbon antwortet auf maetsch
21.12.2001 11:32
Ich kann da nur zustimmen was die 0190-er Nummer betrifft. Bei anderen 0190-er Nummern warnen die Verbraucherschutz-Zentralen und hier kassieren sie selbst ab. Gebühren zur Kostendeckung ja, aber doch keine Abzocke.
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[2] Kai Petzke antwortet auf maetsch
24.12.2001 11:05
Benutzer maetsch schrieb:
Nun, auch einer Verbraucherzentrale muß von irgend etwas leben. Aber es ist kaum nachvollziehbar, daß 145 Mark Kosten pro Stunde für ein Telefonat angemessen ist.
Für dieses Geld kann ich auch einen Anwalt beauftragen (und kein Call-Center), der auch wirklich für mich tätig wird.

Ich habe noch keinen kompetenten Anwalt erlebt, der für 145 Mark die Stunde arbeitet. Zwar habe ich Anwälte erlebt, die für dieses Geld arbeiten, doch die Erfahrung war eher niederschmetternd.

Auch die Verbraucherzentralen müssen ihre Mitarbeiter bezahlen. Da kommen für Bruttogehalt einer guten Beraterin, Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung, anteiliges Gehalt der Vorgesetzten, Arbeitsplatzkosten, Mehrwertsteuer usw. 50 bis 60 Mark pro Stunde zusammen. Rechnet man noch Gesprächsvor- und Nachbereitung ein, ist man schnell bei effektiven Kosten von 70 bis 90 Mark pro Stunde. T2 (1,21 Mark pro Minute) reicht also nicht.

Die Verbraucherzentrale berät doch nur, das hilft alleine wohl kaum. Und am Telefon ist´s eh unverbindlich.

Die Verbraucherzentralen führen zum Beispiel auch Musterklagen, oder verschicken Informationen, welche Briefe man schreiben soll. So eine Hilfe kann schon sehr konkret sein.


Kai
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[2.1] Was kann eine Verbraucherzentrale leisten?
mhnews antwortet auf Kai Petzke
24.12.2001 11:34
Schade ist, dass die Bundesregierung Verbraucherschutz
"auf höchster Ebene" fördert, die Basis aber - u.a. die
Verbraucherzentralen - mangels finanzieller Ausstattung
verkümmern lässt.

Allerdings werden Verbraucher für dumm verkauft, wenn sie
für möglicherweise hilfreiche "Hinweise" nahezu das bezahlen
müssen, was als Forderung ansteht bzw. im Streitfall
kompetente (möglicherweise Anwalt-)hilfe benötigen.

Da wäre es wohl besser, die Verbraucherzentrale würden im
Sinne von Gruppenklagen mitdenken (und keinen solchen 0190-
Unsinn vom Stapel lassen!), die Fälle bündeln und via
zweckgebundemen Fond (für Klagen) oder Mitgliedsbeitrag
über die ihr verbundenen Anwälte abwickeln.

Kein Wunder, dass an allen Ecken VerbraucherKritik-Foren
entstehen, wenn die Verbraucherorganisationen kaum etwas
bewirken (können).

Benutzer Kai Petzke schrieb:
Benutzer maetsch schrieb:
Nun, auch einer Verbraucherzentrale muß von irgend etwas leben. Aber es ist kaum nachvollziehbar, daß 145 Mark Kosten pro Stunde für ein Telefonat angemessen ist. Für dieses Geld kann ich auch einen Anwalt beauftragen (und kein Call-Center), der auch wirklich für mich tätig wird.

Ich habe noch keinen kompetenten Anwalt erlebt, der für 145 Mark die Stunde arbeitet. Zwar habe ich Anwälte erlebt, die für dieses Geld arbeiten, doch die Erfahrung war eher niederschmetternd.
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[2.1.1] Kai Petzke antwortet auf mhnews
24.12.2001 15:25
Benutzer mhnews schrieb:
Schade ist, dass die Bundesregierung Verbraucherschutz "auf höchster Ebene" fördert, die Basis aber - u.a. die Verbraucherzentralen - mangels finanzieller Ausstattung verkümmern lässt.

100% Zustimmung.

Da wäre es wohl besser, die Verbraucherzentrale würden im Sinne von Gruppenklagen

Gruppenklagen klappen in D nur in Ausnahmefällen. Liegt am Rechtssystem.

mitdenken (und keinen solchen 0190- Unsinn vom Stapel lassen!), die Fälle bündeln und via zweckgebundemen Fond (für Klagen) oder Mitgliedsbeitrag über die ihr verbundenen Anwälte abwickeln.

Genau dieses machen die Verbraucherzentralen auch: Sie führen Prozesse in Präzedenzfällen, und sie unterstützen und vertreten ihre Mitglieder gegebenenfalls bei Klagen. Mitglieder haben auch günstigere Telefonnummern als 0190-X.


Kai
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[2.1.1.1] 'Gruppenklagen' in D
mhnews antwortet auf Kai Petzke
24.12.2001 15:54
Benutzer Kai Petzke schrieb:
Benutzer mhnews schrieb:
[Cut]

Da wäre es wohl besser, die Verbraucherzentrale würden im Sinne von Gruppenklagen ....

Gruppenklagen klappen in D nur in Ausnahmefällen. Liegt am Rechtssystem.

Hierzu siehe

http://www.agv.de/politik/verbraucherrecht/statementstadler.htm

... mal sehen, ob sich dies mittelfristig umsetzen lässt

weiter auch

A)
Detlef Haß
Die Gruppenklage. Wege zur prozessualen Bewältigung von
Massenschäden
1996, Band 513, 377 S., Mdr., Pb., Euro 40,80, ISBN 3-89481-199-4

B)
http://www.europakonsument.at/info/sammel.shtml

C)
http://europa.eu.int/scadplus/leg/de/lvb/l32040.htm
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[2.2] upss antwortet auf Kai Petzke
29.12.2001 18:18
Benutzer Kai Petzke schrieb:
Benutzer maetsch schrieb:
Nun, auch einer Verbraucherzentrale muß von irgend etwas leben. Aber es ist kaum nachvollziehbar, daß 145 Mark Kosten pro Stunde für ein Telefonat angemessen ist. Für dieses Geld kann ich auch einen Anwalt beauftragen (und
kein Call-Center), der auch wirklich für mich tätig wird.

Ich habe noch keinen kompetenten Anwalt erlebt, der für 145 Mark die Stunde arbeitet. Zwar habe ich Anwälte erlebt, die für dieses Geld arbeiten, doch die Erfahrung war eher niederschmetternd.

Auch die Verbraucherzentralen müssen ihre Mitarbeiter bezahlen. Da kommen für Bruttogehalt einer guten Beraterin, Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung, anteiliges Gehalt der Vorgesetzten, Arbeitsplatzkosten, Mehrwertsteuer usw. 50 bis 60 Mark pro Stunde zusammen. Rechnet man noch Gesprächsvor- und Nachbereitung ein, ist man schnell bei effektiven Kosten von 70 bis 90 Mark pro Stunde. T2 (1,21 Mark pro Minute) reicht also nicht.

Die Verbraucherzentrale berät doch nur, das hilft alleine wohl kaum. Und am Telefon ist´s eh unverbindlich.

Die Verbraucherzentralen führen zum Beispiel auch Musterklagen, oder verschicken Informationen, welche Briefe man schreiben soll. So eine Hilfe kann schon sehr konkret sein.


Kai

Finde ich gut Kai, finde ich wirklich gut.
Alle wollen Service, aber bezahlen wollen sie nicht, aber Service kostet nun mal Geld und wie sollen die Verbraucherzentralen sich sonst finanzieren? Bund/Länder/Kommunen sind diesbezüglich so gebefreudig, das es einem grausen möchte. Die 0190/0900 macht ja irgendwie Sinn, die Alternative wäre doch direkt bei der Zentrale vorbeischauen: Wer zahlt das Benzin? Das Parkhaus? Und...und....und....
Wer eine für sich wichtige Information haben möchte, muß auch bereit sein, für den angebotenen Service etwas zu zahlen. Oder was wäre hier los, wenn die Zentralen unter 0800 zu erreichen wären? Massig Beschwerden, denn da würde ja niemand mehr durchkommen, würde doch jeder wegen jedem Sch... anrufen und die wichtigen Anliegen würden ewig dauern. Mal abgesehen davon, wäre es für niemanden finanzierbar. Die 0190/0900 Nummern machen hier schon Sinn und von Abzocke zu reden ist in diesem Zusammenhang absoluter Unfug.