Diskussionsforum
Menü

Warum wird nicht ernsthaft diskutiert den Deal komplett zu untersagen?


19.05.2014 22:07 - Gestartet von fabian4711
einmal geändert am 19.05.2014 22:16
Der deutsche Mobilfunkmarkt funktioniert meines Erachtens gut und die Konkurrenz beschert uns einen knallharten Preiskampf, von dem der Verbraucher profitiert.

Es ist die gängige Meinung, die ich teile, dass sich die Wettbewerbssituation nach einer Fusion zu Ungunsten der Verbraucher verschlechtern würde.

Wieso wird nicht ernsthaft darüber nachgedacht die Übernahme komplett zu untersagen, statt mit irgendwelchen komischen Konstrukten daher zu kommen? Es kann für den Verbraucher nur schlechter werden als es derzeit ist. Denn härter als derzeit kann ein Preiskampf ja kaum sein, oder?
Menü
[1] IMHO antwortet auf fabian4711
20.05.2014 09:54
Benutzer fabian4711 schrieb:

Wieso wird nicht ernsthaft darüber nachgedacht die Übernahme komplett zu untersagen, statt mit irgendwelchen komischen Konstrukten daher zu kommen? Es kann für den Verbraucher nur schlechter werden als es derzeit ist. Denn härter als derzeit kann ein Preiskampf ja kaum sein, oder?

Preis ist EIN Kriterium, Qualität ein Anderes. Mit der Zunahme der Netzqualität steigt die Zahlungsbereitschaft vieler Kunden. Im Moment scheint nur T-Mobile seinen Netzausbau aus den Umsätzen gut refinanzieren zu können. Die Verkaufsbereitschaft von KPN hat durchaus damit zu tun, dass Fonic und Aldi-Talk sich gegenseitig die Kunden weggeschnappt haben, ohne die Einnahmen (pro kBit) zu steigern.
Wirklich zwingen kann man KPN zum Weitermachen nicht. Man kann KPN "Erpressen" dass alle Funklizenzen eingezogen werden, wenn sie sich aufkaufen lassen. Hinschmeissen kann KPN trotzdem.
Vielleicht war es in historischen Zeiten der Dominanz der Sprachminuten halt einfacher, die Kunden im Netz zuhalten, als in Zeiten von IP-Traffic und Dual-SIM-Smartphones.
Ein Kunde mit Dual-SIM-Phone kann gegenwärtig im Inland problemlos ausprobieren, welches Netz ihm zu seiner Lieblingsnutzungszeit gute Bandbreite anbieten kann.
Letztlich war die Einschätzung der BNetzA "nur" 6-Frequenzpakete [nutzbar als 3x2Pakete] für die LTE800-Versteigerung bereitzustellen eine Weichenstellung. Es wurde schon damals begründet, dass drei Flächennetzbetreiber reichen, während E+ sowas wie einen Großstadt-Discounter, "mit abweichendem" Konkurrenzmodell darstellen könne. Letztlich scheint aber nicht genug Umsatz da zu sein für zwei Supermarktdiscounter, die 5GB für 14,99€ verschenken und das All-in-300Paket für 7,99 hergeben.
Zum Strom-Bezahlen langen solche Preise immer, aber es geht darum, ob man mit solchen Preisen die PLMN-Kapazitätserweiterungen refinanzieren kann.
Die heutigen LTE-Investitionen müssen sich geschätzt innerhalb von 3 Jahren zu >70% refinanzieren, denn dann kommt schon die Erweiterung auf LTEadvanced usw. Noch ist es nicht absehbar, dass die Mobilfunkentwicklung zum Stillstand kommt. In einigen Jahren müssen die UMTS-Investitionen gegen LTE-advanced ausgetauscht werden, obwohl die Antennen noch funktionieren könnten. Das Umrüsten auf Single-RAN z.B. bei VDF ist ja auch schon sowas, wo intakte Infrastruktur eingestampft wird, damit für die neuen Nutzungsmodalitäten Platz wird. (Selbst wenn dann vorläufig GSM und UMTS weiterbetrieben wird)

Dieses ständige Rumschrauben am Netz kostet und KPN hat die Reissleine gezogen. Freilich könnte man sich hinsichtlich der Frequenzlizenzen jetzt auf den Wortlaut zurückziehen und die Lizenzen einkassieren. Zum Weitermachen kann man KPN -wie gesagt- dennoch nicht zwingen. Man kann nur schlechte Laune produzieren. Gerade weil es die nächsten Fusionen sicherlich woanders innerhalb der EU geben wird, ist es schon ganz sinnig, dass das jetzt auf EU-Ebene reguliert wird und nicht als nationale Angelegenheit betrachtet wird.

P.S.: Mir wäre es auch lieber wir würden uns nicht auf 3-5 EU-weite Netzbetreiber hinentwickeln. Würde - hätte - Fahrradkette interessiert aber keinen.
Vielleicht steigt der Mexikaner jetzt noch ein. Aber selbst wenn er das macht, dann nur um einen anderen Mobilfunker vom Markt zu kicken. Aus echter Kundenfreundlichkeit handelt da niemand, das müsste dann schon eine Mobilfunk-Genossenschaft sein :), aber dann wäre es den Jugendlichen zu teuer Anteile zu kaufen.

P.P.S:
Das Wettbewerbsmodell: zwei Netzbetreiber kämpfen darum, für Geschäftskunden sehr gute Leistung zu bezahlbaren Preisen anzubieten, während ein dritter Anbieter streng auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achtet und dadurch für Privatkunden und Großstadtbewohner attraktiv ist, kann ich auch sprachlich darstellen.
(Auch wenn man VDF gegenwärtig nur als verschlafenen Herausforderer bezeichnen kann, der gerade mal wieder aufwacht)

Wie willst Du vier Mobilfunker hinsichtlich ihrer Marktpositionierung charakterisieren?
D1+D2 für Geschäftskunden und E1+E2 als Discounter die um den niedrigsten Preis konkurrieren? Obwohl E+ mehr Kunden als O2 hat, ist es für E+ nicht gut gegangen.
Menü
[2] Leiter Kundenverarsche³ antwortet auf fabian4711
20.05.2014 20:41
Benutzer fabian4711 schrieb:
Der deutsche Mobilfunkmarkt funktioniert meines Erachtens gut und die Konkurrenz beschert uns einen knallharten Preiskampf, von dem der Verbraucher profitiert.

Dann denk mal darüber nach, was wirklich die Ursache für das Funktionieren ist. Mich kotzt dieser E+-Mythos als Preisbrecher und Entwicklungstreiber an. Das mag ja sicherlich zu einem gewissen Grad für die Originalnetzbetr­eibergeschichten untereinander gelten, aber das gilt MITNICHTEN für den deutschen Mobilfunkmarkt insgesamt. Die wahren Preisbrecher und Treiber sind die Discountermarken-Joint-Ventures und MVNO. Sie sind höchst erfolgreich und preisorientiert in diesem hart umkämpften Markt tätig. United Internet, diese "Infrastrukturzecke" im Fest- und Mobilfunknetz ist der lebende Beweis, dass funktionierender Wettbewerb in Deutschland überhaupt keiner eigenen Infrastruktur bedarf. Und sind wir mal ehrlich - weder Vodafone und noch viel weniger die Telekom haben sich von dem tendenziell ruinösen Preisduell zwischen E+ und o2 groß treiben lassen. Die haben immer ihre eigene Schiene gefahren und sind, wenn überhaupt, nur mit erheblicher Verspätung nachgezogen. Alles andere ist Legendenbildung.
Menü
[2.1] hrgajek antwortet auf Leiter Kundenverarsche³
21.05.2014 09:22
Hallo,

Benutzer Leiter Kundenverarsche³ schrieb:

Mich k... dieser E+-Mythos als Preisbrecher
und Entwicklungstreiber an.

Sie haben einiges bewegt.
Man kann gut damit fahren, wenn man möglichst emotionslos an die Geschichte herangeht und ein "Reservenetz" in der Tasche hat.

Wenn man sich aber auf Gedeih und Verderb auf einen einzigen Netzbetreiber einlassen möchte, sollte man sich immer bewusst sein, was schief gehen kann.

E-Plus hat seine Prozesse ziemlich durchoptimiert und Kosten reduziert wo es geht. Das geht weitgehend gut, aber gerade bei Netzausbau (Fläche und Bandbreite) wissen wir, wo es knirscht.

Sie haben in Sachen Netzausbau schwer nachgeholt und dafür viel Beifall bekommen, aber das kostet richtig Geld und hält nicht lange, die Technik entwickelt sich weiter, die Ansprüche der Kunden auch.

Von daher ist eine reine Netzfusion sicher sinnvoll.

Geht irgendetwas schief (Vertragsfragen) und der Kunde hat eine irgendwie ungewöhnliche Frage, wird's schnell komisch. Logisch, weil für Sonderfälle keine Kostenstelle da ist.

Es könnte aber auch eine komplette Anbieter/Markenfusion hinaus laufen und die doppelte Umstellung könnte Kunden verunsichern oder verärgern, weil dabei garantiert irgendwas anders läuft, als gedacht oder halt nicht läuft.

Die große Frage lautet:

Wieviele Kunden nutzen diesen Anlass, zu einem (gefühlt oder tatsächlich) qualitativ hochwertigeren Anbieter (sprich teurer) zu wechseln?
Wie springen auf ein mögliches neues Angebot von "Alemana Movil" (mein "Arbeitstitel" für eine neue Gesellschaft von Carlos Slim, wenn sie denn wirklich kommt) ?

Wieviele Wechsler springen permanent zwischen 2 oder 3 Netzen, und "optimieren" so ihre persönliche Netzversorgung und ihr Tarifprofil?

Welcher Anbieter gibt als nächstes auf?

Ich sage bei den Tiefstpreisdiscountern eine Bereinigung voraus.
Menü
[2.1.1] huso antwortet auf hrgajek
21.05.2014 10:00

einmal geändert am 21.05.2014 10:02
Benutzer hrgajek schrieb:

Ich sage bei den Tiefstpreisdiscountern eine Bereinigung voraus.

Ich hingegen habe den Eindruck, dass es diese Anbieter, ich nehme an es geht um ALDITALK und Konsorten, so gar nicht gibt.
Also, man kann zwar bei ALDI so eine Karte kaufen und im Internet kann ich etwa eine Karte von yourfone bestelllen.
Aber letztendlich ist das alles ein Anbieter, dass heißt alle Anfragen beim Kundenservice laufen beim selben Call Center ein, alle Anträge Kündigungen werden von der selben Abteilung bearbeitet, etc.
Eigentlich stellt sich doch nur die Frage, wann die zusätzlichen Aufwendungen für die Vermarktung mehrerer Marken nicht mehr durch Zusatzeinnahmen zu rechtfertigen sind. Die Vertriebskanäle sind es sicher. Es ist schon sehr praktisch immer und überall eine SIM-Karte erwerben zu können. Zusatznutzen durch die Nutzung einer bestimmten Marke gibt es kaum noch, zumal man mit Dingen wie Communityflats auch heute kaum noch einem hinter dem Ofen hervorlockt.
Menü
[2.1.2] Leiter Kundenverarsche³ antwortet auf hrgajek
22.05.2014 00:54
Benutzer hrgajek schrieb:
Sie haben einiges bewegt. Man kann gut damit fahren, wenn man möglichst emotionslos an die Geschichte herangeht und ein "Reservenetz" in der Tasche hat.

Das steht völlig außer Frage. "Einiges" ist aber eben doch nicht alles. Ich bin in der Sache übrigens völlig emotionslos und stimme unumwunden zu, dass ein vierter Netzbetreiber wünschenswert wäre. Rational muss man aber sagen, dass das angesichts der Umstände und Rahmenbedingungen, die zur Fusionsabsicht geführt haben, höchst unwahrscheinlich ist. Und selbst wenn es anders kommen sollte als von mir erwartet, d. h. Regulierer mit aller Gewalt den Einstand eines vierten Betreibers erzwingen, dann ist eines auch klar - der von den Untergangshyterikern herbeigesehnte Entrepreneur wird kaum in der Lage sein auf absehbare Zeit das höchstanspruchsvolle Publikum zu befriedigen. Auch ein "Alemana Movil" kann schnell enden wie einst Quam. Und dann werde ich eben doch ein wenig emotional... wenn die Hysteriker um mich herum in den großen Abgesang einstimmen. Unerträglich!

Wenn man sich aber auf Gedeih und Verderb auf einen einzigen Netzbetreiber einlassen möchte, sollte man sich immer bewusst sein, was schief gehen kann.

Es kann immer etwas schief gehen. Egal in welcher Konstellation. Außerdem geht es hier überhaupt nicht um das blauäugige Einlassen auf einen einzigen Betreiber, sondern lediglich um die Tatsache der Inkaufnahme, dass es in Zukunft nur noch 3 statt 4 technische Mobilfunkinfras­trukturbetreiber geben wird. Unter den richtigen regulatorischen Vorzeichen ist das alles kein Problem. Ich dachte auch erst anders hinsichtlich des Zurückstutzens des Fusionierten Unternehmens. Inzwischen werde ich immer fester in der Überzeugung, dass man das fusionierte Unternehmen weder bei technischer Infrastruktur, noch bei der ohnehin befristeten Frequenznutzung beschneiden darf. Dynamik ist für den Mobilfunkmarkt und den funktionierenden Wettbewerb darin essentiell. Stutzt man die Fusionierte Telefonica auf Telekom/Vodafone zurück um "Chancengleichheit" zu schaffen, wird man am Ende nur eines erreichen - dass keine der drei Diven eine gesteigerte Motivation entwickelt irgendwelche Chancen zu ergreifen. Dann wir das zu selbsterfüllenden Prophezeiung und die Hysteriker hätten recht. Allerdings aus anderen Gründen, die die Fusionswilligen Unternehmen nicht zu vertreten haben, sondern deren Wächter.

E-Plus hat seine Prozesse ziemlich durchoptimiert und Kosten reduziert wo es geht. Das geht weitgehend gut, aber gerade bei Netzausbau (Fläche und Bandbreite) wissen wir, wo es knirscht.

Eben. Es führte direkt in die Sackgasse, da man nicht rechtzeitig die Reißleine gezogen hat. Ist aber auch so ein Punkt, den einige ja partout nicht wahrhaben wollen... Dass sich E+ nicht aus Lust und Laune prostituiert, liegt außerhalb der Wahrnehmung.

Sie haben in Sachen Netzausbau schwer nachgeholt und dafür viel Beifall bekommen, aber das kostet richtig Geld und hält nicht lange, die Technik entwickelt sich weiter, die Ansprüche der Kunden auch.

Das gilt derzeit für alle Provider. Einzig der Telekom kann man hier attestieren, dass sie weitestgehend alles richtig macht.

Von daher ist eine reine Netzfusion sicher sinnvoll.

Eben. Alternativlos auf mittlere Sicht. Lange wäre es mit e+ nicht gutgegangen. Mit dem durch e+ erstarkten o2 wird auch Vodafone ein großes Problem bekommen...

Geht irgendetwas schief (Vertragsfragen) und der Kunde hat eine irgendwie ungewöhnliche Frage, wird's schnell komisch. Logisch, weil für Sonderfälle keine Kostenstelle da ist.

Klar, aber auch unter diesem Aspekt wird sich die Fusion zunächst positiv auswirken. Es wird zunächst mehr Servicepunkte und mehr Servicepersonal insgesamt geben.

Es könnte aber auch eine komplette Anbieter/Markenfusion hinaus laufen und die doppelte Umstellung könnte Kunden verunsichern oder verärgern, weil dabei garantiert irgendwas anders läuft, als gedacht oder halt nicht läuft.

Eher unwahrscheinlich. Hängt aber auch entscheidend von der Regulierung ab. Lässt man o2+ die Angelegenheit in Ruhe und weitgehender Eigenregie regeln, dann hat das Unternehmen mit den 2 Netzen alle Zeit der Welt alles sauber unter Dach und Fach zu bekommen. Das perfide ist ja auch, dass man sich bis zur Spruchreife oft auch überhaupt nicht auf die nahe Zukunft vorbereiten darf.

Die große Frage lautet:

Wieviele Kunden nutzen diesen Anlass, zu einem (gefühlt oder tatsächlich) qualitativ hochwertigeren Anbieter (sprich teurer) zu wechseln?

So ist es. Wir können nur spekulieren...

Wie springen auf ein mögliches neues Angebot von "Alemana Movil" (mein "Arbeitstitel" für eine neue Gesellschaft von Carlos Slim, wenn sie denn wirklich kommt) ?

... doch im Allgemeinen wissen wir durchaus, dass der Deutsche Durchschnittsmobilfunker recht reaktionsträge ist.

Wieviele Wechsler springen permanent zwischen 2 oder 3 Netzen, und "optimieren" so ihre persönliche Netzversorgung und ihr Tarifprofil?

Das tun ja nicht mal alle Teltarifleser! ;)

Welcher Anbieter gibt als nächstes auf?

Von den drei Netzbetreibern sicher keiner. Die Telekom strotzt vor Kraft und die anderen beiden brauchen den deutschen Markt als ihren wichtigsten Anker. Sollten Sie diesen zur Zeit aufgeben müssen, sind beide endgültig Geschichte. Bei anderen Anbietern sehe ich das allerdings auch nicht kommen.

Ich sage bei den Tiefstpreisdiscountern eine Bereinigung voraus.

Warum das? Verstehe ich nicht. Und selbst wenn - es wäre nicht unbedingt ein Verlust. Die aktuelle Zersplitterung ist schon sehr unübersichtlich für die Kunden.