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Entscheidungen der BNetzA, Entscheidungen der Politik


19.05.2014 11:34 - Gestartet von IMHO
einmal geändert am 19.05.2014 11:36
Eine Kristallkugel, wie viel an diesem Gerücht dran ist, dass Carlos Slim sich für den dt. Mobilfunkmarkt interessiert, habe ich auch nicht.
Aber die BNetzA wird damit überfordert sein, ein Preisniveau festzulegen, mit dem ein viertes Mobilfunknetz in seiner Aufbauphase roamen darf. Da muss dann die Politik ran: Wie attraktiv gestaltet man den Markteintritt eines (neuen) vierten Mobilfunkbetreibers. Wie billig muss z.B. T-Mobile einen Konkurrenten unterstürzen, damit er am Markt Fuß fassen kann.
Dann muss die Politik Farbe bekennen, denn auch der T-Mobile wäre es lieber, wenn kein neuer Marktteilnehmer hinzukäme.
Wieviel Konkurrenz wollen die Politiker wirklich unterstützen?
(Eine Volksabstimmung wird es dazu nicht geben, das werden die in ihrem Elfenbeinturm "repräsentativ" über unsere Köpfe hinwegentscheiden)

Und ohne bundesweites Roaming kann kein in Aufbau befindliches Mobilfunknetz gegen drei ausgebaute Netze TMO, VDF, E+O antreten. An dieser Stelle gibt es keine Selbstregulation des Marktes.
Vielzuviele Kunden beiben fern, wenn man als Markteinsteiger nicht von Anfang an bundesweite telefonische Erreichbarkeit >>80% anbieten kann. So billig kann ein "All-in-Tarif" gar nicht sein, dass die Menschen in ein Netz mit 20% Bevölkerungsabdeckung wechseln, wenn es kein Roaming anbieten kann. Und ohne regulierende Schützenhilfe werden alle drei PLMNs mauern.

Da muss die Politik ran, der BNetzA klare Vorgaben zu geben.

Die BNetzA ist "nur" der Herr der Frequenzen. O2 vorzuschreiben, dass sie die E+ Masten verkaufen müssen, wäre etwas weit abseits der Kernaufgabe. Nach welchem Preismodell sollte dann der Kaufpreis auch festgelegt werden?
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[1] Kai Petzke antwortet auf IMHO
19.05.2014 12:03
Benutzer IMHO schrieb:
Eine Kristallkugel, wie viel an diesem Gerücht dran ist, dass Carlos Slim sich für den dt. Mobilfunkmarkt interessiert, habe ich auch nicht.

Ich auch nicht. Ganz unwahrscheinlich ist es aber nicht.

Aber die BNetzA wird damit überfordert sein, ein Preisniveau festzulegen, mit dem ein viertes Mobilfunknetz in seiner Aufbauphase roamen darf.

Teurer als EU-Roaming wird nationales Roaming aber auf keinen Fall sein, und das ist von den Einkaufskonditionen her inzwischen so niedrig, dass immer mehr Anbieter auf Roaming-Zuschläge verzichten. Von daher sollte ein nationales Roaming-Abkommen schon klappen können.

Und ohne bundesweites Roaming kann kein in Aufbau befindliches Mobilfunknetz gegen drei ausgebaute Netze TMO, VDF, E+O antreten.

In der Tat.

Die BNetzA ist "nur" der Herr der Frequenzen. O2 vorzuschreiben, dass sie die E+ Masten verkaufen müssen, wäre etwas weit abseits der Kernaufgabe.

Das müsste das EU-Kartellamt verfügen, das auch die eigentliche Prüfung durchführt. Das Problem: Wenn o2 gleich wieder große Teile der Netztechnik abstoßen und Frequenzen zurückgeben muss, dann hätten sie zwar die Kunden erhalten, aber sofort wieder einen Billigkonkurrenten, den sie ja eigentlich mit der E-Plus-Übernahme loswerden wollten. Damit stellt sich neben den Fragen, ob das Interesse Slims echt ist, und ob es auch erhalten bleibt, sobald die genauen Konditionen vorliegen, auch die Frage, ob o2 dem Deal mit der Auflage: "Verkauf von Teilen des Netzen an einen neuen Konkurrenten zum Sonderpreis" überhaupt zustimmt.


Kai
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[1.1] Telly antwortet auf Kai Petzke
19.05.2014 12:26
Damit stellt sich neben den Fragen, ob das Interesse Slims echt ist, und ob es auch erhalten bleibt, sobald die genauen Konditionen vorliegen, auch die Frage, ob o2 dem Deal mit der Auflage: "Verkauf von Teilen des Netzen an einen neuen Konkurrenten zum Sonderpreis" überhaupt zustimmt.

Man kann nur hoffen, dass dieser Prozess schnell vorangeht. Gerade die Unsicherheit wird auf lange Sicht eher zu Kundenschwund bei den E-Netzen führen. Ich befürchte bei Frequenzabgaben neue Funklöcher oder zumindest neue zusätzliche Überlastungen der E-Netze.

Ich teste selbst gerade das LTE-Netz der Telekom und bei der Qualität, gerade wenn man als Beifahrer mobil unterwegs ist, zahle ich mitlerweile gerne mehr und habe dafür das Zuverlässigste, was der deutsche "Flächenmarkt" zu bieten hat.

Telly
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[1.2] IMHO antwortet auf Kai Petzke
19.05.2014 12:28
Benutzer Kai Petzke schrieb:
Benutzer IMHO schrieb:

Aber die BNetzA wird damit überfordert sein, ein Preisniveau festzulegen, mit dem ein viertes Mobilfunknetz in seiner Aufbauphase roamen darf.

Teurer als EU-Roaming wird nationales Roaming aber auf keinen Fall sein, und das ist von den Einkaufskonditionen her inzwischen so niedrig, dass immer mehr Anbieter auf Roaming-Zuschläge verzichten. Von daher sollte ein nationales Roaming-Abkommen schon klappen können.

Mit Verlaub sehe ich das grundlegend anders. Die Mobilfunkpreise waren noch nie aufwandsorientiert. Z.B. hat blau.de (wie andere auch) das Preisniveau für Verbindungen Inland zu ausl. Mobilfunk auf 29ctpm hochgezogen. Das ist vor allem ein Schutz davor, dass niemand auf die Idee kommt dauerhaft eine ausländische Telefonnummer in Dtld. zu nutzen und so berechnungsfrei in vier Netzen zu roamen.

Das es "unter Partnern" für geschätzt 0,1ctpm geht, sagt nichts über die BWL-Mechanismen aus mit denen ein neuer Konkurrent vom Markt abgehalten werden kann. Warum sollten die vier, dann drei, Mobilfunknetze einen Konkurrenten unterstützen? Als VIAG über die Swisscom roamte gab es auch ganz schnell Druck auf die Swisscom. Und danach wollte Keiner VIAG national roamen lassen, bis oh Wunder das Tochterunternehmen des Staates einsprang. - Das war kein Zufall! Auch wenn wir es nie Erfahren werden.

National Roaming in den USA (und den fünf anderen Staaten) ist was anderes. Dort sind die Lizenzgebiete kleiner als die Staatsgebiete. Für National Roaming im Lizenzgebiet gibt es auch in den USA keinen vernünftigen BWL-Grund.

Man unterstützt bei einem Produkt mit niedrigen Grenzkosten auf keinen Fall den Konkurrenten der im selben Gebiet ebenfalls eine abschreibungspflichtige Investition betreibt, aber weniger investiert hat und so nur die "Rosineneflecke" mit besserem Umsatz-Gewinn-Verhältnis" betreibt.
In den Region der eigenen Investition muss jeder Mobilfunkbetreiber darauf achten, dass er die Kunden ganz für sein Netz gewinnt, inkl. HLR-Verwaltung und Simkartenausstellung.
Nur außerhalb des eigenen Lizenzgebietes (allg. im Ausland) ist es sinnvoll, dann wenn man als roamingnehmendes Netz sein eigenes Geschäftsmodell nicht beschädigt, und wenn man als roaminggebendes Netz sein Geschäftsmodell nicht beschädigt.
Lieber enttäuschte E+Kunden aus dem D1-Netz aussperren und Werbung machen "wechselt doch ganz zu uns, wir zahlen Euch die Portierung", als den Lückenfüller machen und den E+Kunden die Motivation verringern ins D1-Netz zu wechseln.

Bei Auslandsroaming ist es ein ganz anderes BWL-Modell. Und ein anderes Rechtsmodell ist es auch, sonst könnten jetzt nicht die nationalen SMS-Preise und Minutenpreise im Inland höher liegen als im EU-Regulierungsraum. (Gespräch D->Griechenland-Mobil 29ctpm, Roaminggespräch Portugal->Griechenland-Mobil 9ctpm !) Auch wenn es dafür keine zwingenden vorschriften gibt, die vorhandenen Vorschriften haben diese Preisfestlegung (indirekt) bereits verursacht. SMS D->GR 13ct P->GR7ct ist sogar eine direkte Regulierungsauswirkung.