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Wieso Neuvergabe bei 900 MHz?


04.07.2014 16:18 - Gestartet von Mobilfunk-Experte
Auf welcher Grundlage und nach welchen Kriterien wird über eine Neuvergabe eigentlich entschieden?

Dass o2 und E-Plus (als traditionelle "E-Netze") reichlich Spektrum im 1800-MHz-Bereich haben, ist irgendwie klar. Im 900-MHz-Bereich haben aber selbst o2 und E-Plus zusammen weniger Spektrum als jeder der beiden Konkurrenten Telekom und Vodafone alleine.
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[1] IMHO antwortet auf Mobilfunk-Experte
05.07.2014 14:53
Benutzer Mobilfunk-Experte schrieb:
Auf welcher Grundlage und nach welchen Kriterien wird über eine Neuvergabe eigentlich entschieden?

Dass o2 und E-Plus (als traditionelle "E-Netze") reichlich Spektrum im 1800-MHz-Bereich haben, ist irgendwie klar. Im 900-MHz-Bereich haben aber selbst o2 und E-Plus zusammen weniger Spektrum als jeder der beiden Konkurrenten Telekom und Vodafone alleine.

Das macht mir auch Kopfzerbrechen. Rein formal können bei einer Fusion die Frequenzlizenzen des "kleineren" Partners vollständig eingezogen werden, da eine Weitergabe der Lizenzen an eine andere Firma bei der Versteigerung ja ausgeschlossen wurde. ("nicht übertragbar")
Das Problem ist aber, dass die fusionierte Telefonica mit 5MHz Bandbreite im 900er Band sicherlich nicht klar kommt.
O2 kann es sich nicht leisten, die GSM-Versorgungskapazität in der Fläche nach der Fusion für die Jahre 2015 und 2016 auf 5 MHz schrumpfen zu lassen und erst ab 1.1.2007 wieder über 10MHz oder mehr im Bereich 700-900MHz für GSM nutzen zu können.
Ein kurzfristiger Rückbau der LTE800-Frequenzen zu Gunsten der GSM-Sprachtelefonie ist ja auch nicht möglich, wenn die Endgeräte der Kunden kein GSM800 oder GSM700 können. Und LTE-Voicefähige Endgeräte? Fehlanzeige! Selbst wenn O2 auf diese Karte setzt, wird es massenhaft Kompatibilitätsprobleme geben.

Wenn Telefonica sich bei der vorgezogenen Frequenzversteigerung aber genau das von E+plus zwangsweise zurückgegebene 900MHz-Paket zurückersteigern muss (müsste), können D1 und D2 den Preis für dieses 5MHz-breite 900er-Paket, dass dann bereits 2015 genutzt werden darf, nahezu beliebig in die Höhe treiben. Sie wissen, dass Telefonica es braucht. Und Telefonica nützt es nichts ein anderes Paket zu ersteigern, dass erst ab 2017 verwendet werden darf.

Von daher stellt der formal korrekte Einzug aller E+Frequenzlizenzen IMHO einen massiv parteiischen Eingriff in den Mobilfunkmakt dar.
Ich kenne die Lösung nicht, bin aber total gespannt.

Bei der historischen UMTS-Versteigerung 2000 wurden die einzelnen Lizenzblöcke a 10MHz auf beinahe 8,5Mrd€ hochgesteigert, in der Hoffnung Mobilcom und Quam vom Mobilfunkmarkt fernzuhalten. Das hat D1 und D2 zwar zusammen 16,8Mrd€ gekostet, hat aber letztlich funktioniert, da nicht mehr genügend Kapital für einen Netzaufbau übrig war.
Jetzt würde es genügen, wenn einer von beiden (D1/D2) gerade mal solange steigert, bis er für z.B. 4Mrd€ den Frequenzblock der Telefonica wegschnappt oder z.B. mit 3,9Mrd€ als vorletztes Gebot O2 zwingt 4Mrd. für den Status Quo auszugeben, damit 2015 und 2016 nichts schlechter wird!
Also bei einer erzwungen vorzeitigen Versteigerung der 900er Lizenzen wäre Telefonica erpressbar.

Gleichzeitig können dann D1 und D2 in Ruhe (=preisgünstig) die 700er Frequenzen ersteigern, die erst zum 1.1.2017 nutzbar sind. Denn O2 wäre durch die Rückersteigerung des 900er-Blocks faktisch durch die Lizenzversteigerung final geschwächt.

Also dieses Szenarion ist doch nur Horror! Aber ich sehe nirgends am Horizont eine intelligente Äußerung, dass Hr. Hohman etwas entscheidet, das diese Entwicklung aufhält. Hoffentlich kommt da noch was nach.

Fast genausowenig wird O2 genügend Geld übrig haben, sich die zwangsweise zurückgegebene 1800er-Lizenzen vor der (begreiflichen) Gier von Vodafone durch Gegengebote zurückerobern zu können. Auch hierbei wird das Machtwort einer BNetzA die Marktentwicklung tiefgreifend bestimmen.
So es denn ein Machtwort geben wird.