Diskussionsforum
  • 18.05.2014 20:45
    blumenwiese schreibt

    Widerspruch @teltarif

    Ich kann dem Editorial nur absolut und mit aller Vehemenz widersprechen.

    Bislang galt der Grundsatz, dass Google nicht verantwortlich gemacht werden kann für den Inhalt von externen Seiten und nicht gezwungen werden kann, Indexeinträge zu löschen. Dies schützte Google aber noch sehr viel mehr schränkte es die Möglichkeit des Staates auf Zensur ein.

    Damit ist es nun vorbei. Der Staat wird sehr bald kommen und ebenfalls wie Privatleute Löschungen einfordern, weil vielleicht unliebsame oder "falsche" Meinungen im Internet auftauchen und er nicht möchte, dass die Bürger diese lesen. Schon heute ist Deutschland eines der aktivsten Länder, was Löschanforderungen und Datenauskünfte an Google betrifft.

    Bisher konnte Google die Manipulationen des Indexes noch auf die deutsche Landesdomain google.de beschränken. Wer so naiv war und statt auf google.com auf google.de suchte, bekam nur zensierte Suchergebnisse. Ob das nach diesem Urteil immer noch so ist, ist stark zu bezweifeln.

    Dann bleibt nur noch der Wechsel zu Suchmaschinen außerhalb der EU, die vor dieser Art der Zensur glücklicherweise geschützt sind. Vielleicht entschließt sich ja auch Google, seine EU-Niederlassungen zu schließen. Meines Wissens besteht für den Suchmaschinenteil von Google eh nur eine in Spanien.
  • 19.05.2014 10:27
    Kai Petzke antwortet auf blumenwiese
    Benutzer blumenwiese schrieb:

    > Bislang galt der Grundsatz, dass Google nicht verantwortlich
    >
    gemacht werden kann für den Inhalt von externen Seiten

    Das stimmt, aber nur so lange Google von rechtswidrigen Inhalten keine Kenntnis hat. Das Telemediengesetz (früher Teledienstegesetz) ist auch gegen Google sinngemäß anwendbar.

    > und nicht gezwungen werden kann, Indexeinträge zu löschen.

    Das hat nie gestimmt. Wie im Artikel selbst steht, bearbeitet Google en masse Löschanfragen wegen Copyright-Verletzung. Auch Gewaltverherrlichung nimmt Google nach entsprechenden Richterbeschlüssen aus dem Index. Wie oft im Jahr das passiert, veröffentlicht Google schon heute. Bei Kinderporno filtert Google auch proaktiv selber.

    > Damit ist es nun vorbei. Der Staat wird sehr bald kommen und
    >
    ebenfalls wie Privatleute Löschungen einfordern, weil
    >
    vielleicht unliebsame oder "falsche" Meinungen im Internet
    >
    auftauchen und er nicht möchte, dass die Bürger diese lesen.
    >
    Schon heute ist Deutschland eines der aktivsten Länder, was
    >
    Löschanforderungen und Datenauskünfte an Google betrifft.

    Sie schreiben es sogar selber: Es gibt bereits staatliche Löschanforderungen. Somit bleibt nur die Frage, ob das zusätzliche "Recht auf Vergessen" vom Staat missbraucht werden kann. Insbesondere radikale Gruppen fordern ja oft genug, dass man sich an bestimmte Ereignisse nicht oder zumindest nicht richtig erinnert. Dass war aber auch vor dem Internet und Google immer eine brandgefährliche Entwicklung. Damit der Holocaust nie vergessen oder umgedeutet wird, steht beispielsweise die Ausschwitz-Lüge in Deutschland unter Strafe.

    Ein "Recht auf Vergessen" kann es für den Staat selber nicht geben, und damit auch nicht für seine Repräsentanten. Das wird derzeit auch von der Mehrheit getragen. Würde die Mehrheit hingegen bereits wieder damit beschäftigt sein, die Geschichte umzuschreiben, dann besteht allerhöchste Gefahr! Die kann aber ein ausländischer Konzern nicht beseitigen, denn der ist der allererste, der großräumig ausgesperrt wird, wenn er nicht dem neuen offiziellen Leitbild folgt.

    > Bisher konnte Google die Manipulationen des Indexes noch auf
    >
    die deutsche Landesdomain google.de beschränken.

    DMCA-Löschungen gelten immer schon für ALLE google-Indexes.

    Viel wichtiger als die "Löschfrage" ist zudem der Ranking-Algorithmus. Per Gerichtsbeschluss kann man vielleicht eine Million Dokumente über Nacht entfernen, per Ranking-Änderung in derselben Zeit aber eine Billion Dokumente faktisch unauffindbar machen. Am Ende sitzt Google also am längeren Hebel. Damit dieser nicht zu lang wird, brauchen wir dringend starke Alternativen zu Google!


    Kai
  • 19.05.2014 17:23
    blumenwiese antwortet auf Kai Petzke
    Benutzer Kai Petzke schrieb:
    > Das hat nie gestimmt. Wie im Artikel selbst steht, bearbeitet
    >
    Google en masse Löschanfragen wegen Copyright-Verletzung.

    Sicher, das macht dann Google zumeist aufgrund eines richterlichen Beschlusses bzw. DMCA, was ja dort quasi einem solchen ebenbürtig ist.

    Auch
    > Gewaltverherrlichung nimmt Google nach entsprechenden
    >
    Richterbeschlüssen aus dem Index.

    Eben, richterlicher Beschluss.

    > Bei Kinderporno filtert
    >
    Google auch proaktiv selber.

    Google kann als privates Unternehmen auch entscheiden, keine Wetterseiten mehr zu verlinken. Das wird freiwillig gemacht.

    > Insbesondere radikale Gruppen fordern ja oft genug, dass
    >
    man sich an bestimmte Ereignisse nicht oder zumindest nicht
    >
    richtig erinnert.

    Gruppen können fordern, was sie wollen. Sie können Google nicht zwingen. Der Staat schon. Das ist halt der ganz entscheidende Unterschied.

    > Dass war aber auch vor dem Internet und
    >
    Google immer eine brandgefährliche Entwicklung. Damit der
    >
    Holocaust nie vergessen oder umgedeutet wird, steht
    >
    beispielsweise die Ausschwitz-Lüge in Deutschland unter Strafe.

    Die Mondlandung wird also vergessen, weil es Menschen gibt, die darüber kritisch forschen oder sie gar anzweifeln oder als Lüge bezeichnen? Ah ja. Is klar.

    > Die kann aber
    >
    ein ausländischer Konzern nicht beseitigen, denn der ist der
    >
    allererste, der großräumig ausgesperrt wird, wenn er nicht dem
    >
    neuen offiziellen Leitbild folgt.

    Was heißt denn bitte ausgesperrt? Selbst in Diktaturen wie dem Iran sind unerlaubte Seiten problemlos mit entsprechenden technischen Umgehungshilfen erreichbar. Aber OK, ein Diktator kann natürlich letztlich alles befehlen.

    > DMCA-Löschungen gelten immer schon für ALLE google-Indexes.

    Ja, aber da tröstet es mich, das dort wenigstens keine "bösen" Meinungen von betroffen sind, sondern "nur" Copyright-Geschichten.

    > Viel wichtiger als die "Löschfrage" ist zudem der
    >
    Ranking-Algorithmus. Per Gerichtsbeschluss kann man vielleicht
    >
    eine Million Dokumente über Nacht entfernen, per
    >
    Ranking-Änderung in derselben Zeit aber eine Billion Dokumente
    >
    faktisch unauffindbar machen.

    Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass ein Gericht/Staat direkt in das Ranking von Google eingreifen kann.

    > Am Ende sitzt Google also am
    >
    längeren Hebel. Damit dieser nicht zu lang wird, brauchen wir
    >
    dringend starke Alternativen zu Google!

    Google ist ein privates Unternehmen und kann mit seinem Index tun und lassen, was es will. Aber das wird Google nicht tun. Denn es ist auf Kunden angewiesen. Werbebuchungen sind direkt abhängig von den Seitenaufrufen. Enttäuscht Google die Menschen - wodurch auch immer - werden sie sich anderen Suchmaschinen zuwenden (ja, die gibt es). Also diesbezüglich mache ich mir gar keine Sorgen.