Diskussionsforum
  • 07.10.2013 12:13
    Peterdoo schreibt

    Gibt es heute noch "Zukunftssicher"?

    Bei den heutigen schnellebigen Märkten und negativen Erfahrungen bin ich immer seltener bereit, die Mehrausgaben wegen der angeblichen Zukunftssicherheit zu befürworten.

    Es wird im Artikel zu DVB-T2 geraten. Heute gibt es jedoch nur Geräte mit DVB-T2, die H.264 unterstützen. Es wurde aber ganz klar gesagt, dass in Deutschland mit großer Wahrscheinlichkeit DVB-T2 mit H.265 und nicht mit H.264 kommen wird. Wozu jetzt mehr Geld für DVB-T2 Empfang ausgeben, wenn damit später nichts zu sehen sein wird?

    Die Standards halten heutzutage leider keine 10 Jahre durch. Vom nicht mal gut eingeführtem hbbTV gibt es schon einige Versionen, die nicht miteinander kompatibel sind. Es kann sich kein Sender auf die Dauer leisten, die Angebote für 5 unterschiedliche Versionen zu unterstützen. Die TV Hersteller machen die Updates höchstens in den ersten 2 Jahren nach dem Kauf, jedoch ohne damit die neuen Versionen der Standards zu unterstützen. Spätestens dann hat man schon ein "Altgerät".
  • 07.10.2013 13:15
    fanlog antwortet auf Peterdoo
    Benutzer Peterdoo schrieb:
    > Bei den heutigen schnellebigen Märkten und negativen
    >
    Erfahrungen bin ich immer seltener bereit, die Mehrausgaben
    >
    wegen der angeblichen Zukunftssicherheit zu befürworten.
    >
    Meine Stereoanlage aus dem Jahr 1989 geht heute noch prima. Kostete auch 10.000,-- DM. War somit trotz des hohen Anschaffungspreises preiswert. Bis auf den CD-Player musste nichts ausgetauscht werden. Nur der DSR-Tuner war ein kurzes Vergnügen...
    Genau aus dem von Dir genannten Gründen habe ich keinen Loewe-TV mehr gekauft sondern einen billigen Sony. Der 2,5-fache Preis war es mir nicht wert. Macht keinen Sinn.

    Wir leben halt im Aldi-Zeitalter und Loewe und Co. sind tot. Schuld ist da aber nicht der Verbraucher, sondern Industrie und Politik.


  • 18.10.2013 23:32
    michaelmess antwortet auf fanlog
    Benutzer fanlog schrieb:
    > Benutzer Peterdoo schrieb:
    > > Bei den heutigen schnellebigen Märkten und negativen
    > >
    Erfahrungen bin ich immer seltener bereit, die Mehrausgaben
    > >
    wegen der angeblichen Zukunftssicherheit zu befürworten.
    > >
    > Meine Stereoanlage aus dem Jahr 1989 geht heute noch prima.
    >
    Kostete auch 10.000,-- DM. War somit trotz des hohen
    >
    Anschaffungspreises preiswert. Bis auf den CD-Player musste
    >
    nichts ausgetauscht werden. Nur der DSR-Tuner war ein kurzes
    >
    Vergnügen...
    > Genau aus dem von Dir genannten Gründen habe ich keinen
    >
    Loewe-TV mehr gekauft sondern einen billigen Sony. Der
    >
    2,5-fache Preis war es mir nicht wert. Macht keinen Sinn.

    Schon damals gab es bei Sony die Trinitron-Bildröhren, die einen besonders guten Kontrast bot.
    Und Sony war immer auf dem Stand der Technik und für jede Preisklasse war etwas dabei.
    Loewe hat auch versucht, innovativ zu sein:
    So konnte man schon früher mit einem Loewe-Fernseher auch im Internet surfen, doch das Gerät konnte aber mit der Weiterentwicklung von PCs nicht mithalten. Auch war es aufgrund des hohen Preises kein Massengerät und es gab dementsprechend wenige Kunden, die sich an den Kosten für Support und Updates für das Gerät beteiligten.
    Loewe hat exklusive und langlebige Technik entwickelt, aber im höheren Preissegment und hat damit die Masse der Verbraucher nicht erreicht.

    Dadurch sind die nicht mit dem Markt gewachsen.

    > Wir leben halt im Aldi-Zeitalter und Loewe und Co. sind tot.
    >
    Schuld ist da aber nicht der Verbraucher, sondern Industrie und
    >
    Politik.
    >

    Schuld ist die Industrie:
    Dort werden falsche Versprechen gemacht: HD+ zum Beispiel.
    Im Fernsehen der Privaten wird dem Verbraucher vorgegaukelt, er bräuchte unbedingt einen HD+-Receiver, um HD zu empfangen. Unter dem Namen HD+ wird dem Verbraucher DRM (Digital Rights Management) untergejubelt, und ihm so die Freiheit genommen, mit dem Gerät alles zu machen. Wenn der Verbraucher dann merkt, daß sich das Gerät weigert, das zu machen, was er will (z. B. aufnehmen oder Werbung überspringen), dann ist er verärgert. So etwas läßt die Konsumbereitschaft sinken.

    Mit billigen Massengeräten wird um Kundschaft gerungen. Qualität spielt dabei immer weniger eine Rolle.
    So wächst man natürlich mit dem Markt, aber das geht auf Kosten von Umwelt und Kundenzufriedenheit.


    Schuld ist die Politik:
    Daß mit HD+ so ein Monopol entstehen konnte, so daß sich einige Receiver-Hersteller genötigt fühlen, da mitzumachen, ist schon ein Unding.
    Die Politik sollte wieder mehr für Informationsfreiheit eintreten. Das heißt, der Nutzer darf mit empfangenen und aufgezeichneten Sendungen alles machen, solange er es nur für private Zwecke tut. DRM gehört im Rundfunk verboten. Verschlüsselung (Pay-TV, wie z. B. Sky) ist aber OK, solange man es aufzeichnen kann und die Aufzeichnung ohne technische Hindernisse frei nutzbar ist. Beim Geschäftsmodell Sky bezahlt man für werbefreies Programm.
    Es sollten neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nur 2 Geschäftsmodelle existieren: Werbefinanziert und unverschlüsselt oder verschlüsselt und dafür werbefrei.
    Auch sollte es verboten sein, den Sendern Lizenzen zu verkaufen, die sich auf ein konkretes Empfangsgebiet beziehen.
    Sender in der Schweiz oder Österreich oder in den Niederlanden verschlüsseln nämlich derzeit aus Lizenzgründen.
    In einem grenzenlosen Europa sollte auch der Fernsehempfang aus den Nachbarländern nicht an der Verschlüsselung scheitern.

    Aber immer mehr Verbraucher kaufen einfach nur das Billigste, weil bei ihnen das Geld nicht mehr so locker sitzt.
    Schuld sind daran aber auf der einen Seite Dumpinglöhne und auf der anderen Seite durch die wachsende Staatsverschuldung immer mehr Einsparungen bei den Sozialleistungen und immer höhere Belastungen für die abeitende Bevölkerung, was dazu führt, daß sich immer mehr Menschen nur noch diesen Billig-Ramsch leisten können.
    Dementsprechend führen die großen Handelsketten vorzüglich auch nur die Geräte, bei denen sie große Stückzahlen umsetzen können und die besseren, teureren und nachhaltigeren Geräte verschwinden so langsam aus den Regalen.

    Schuld ist aber auch der Verbraucher:
    Viele Verbraucher kaufen aber trotz ausreichenden finanziellen Mitteln einfach nur das Billigste, oft auch ohne sich vorher genau zu informieren.
    Billighersteller unterbieten sich gerne im Preis, auch auf Kosten der Qualität.
    Wenn dann noch so ein Monopol namens HD+ subventioniert, dann bekommt man die Billig-Receiver schon fast nachgeschmissen.
    Wenn man das dann kauft, dann darf man sich aber auch nicht beklagen, wenn da kein Geld mehr für Support und Updates übrig bleibt und das Gerät dann nach wenigen Jahren auf dem Müll landet, weil es keine Zukunft hat.

    Wer aber auf technische Daten achtet und sich im Internet über die Qualität von Gerät und Support informiert und bereit ist, etwas mehr zu bezahlen, der bekommt auch etwas, womit er nachhaltig über einen längeren Zeitraum zufrieden sein wird.
    Das ist auch eine Möglichkeit, um unnötigen Elektronischrott zu vermeiden und die Umwelt zu schonen.
    Der höhere Preis relativiert sich dann mit der Zeit.

    Sinnvoll sind z. B. Linux-Satelliten-Receiver auf Enigma2-Basis.
    Hier kann der Hersteller Software-Entwicklungskosten sparen und braucht nur seine eigenen Hardware-Treiber in Enigma2 einpflegen.
    Enigma2 wird herstellerübergreifend als Open-Source-Projekt weiterentwickelt und es stehen dadurch laufend Updates zur Verfügung.
    Die Ersparnis kann der Hersteller in die Qualität der Hardware investieren.
    Auch falls der Hersteller nicht mehr existieren sollte, kann es für einen solchen Receiver noch Updates geben.
  • 18.10.2013 21:51
    einmal geändert am 18.10.2013 21:55
    michaelmess antwortet auf Peterdoo
    Benutzer Peterdoo schrieb:
    > Bei den heutigen schnellebigen Märkten und negativen
    >
    Erfahrungen bin ich immer seltener bereit, die Mehrausgaben
    >
    wegen der angeblichen Zukunftssicherheit zu befürworten.
    >
    Finger weg von HD+-Receivern. HD+ ist kein richtiger Standard, sondern nur eine Spezialität von den beteiligten Sendern.
    HD+ wird wohl irgendwann wieder vom Markt verschwinden.
    Aber wenn man es gekauft hat, dann hat man einen Receiver, bei dem man
    * während der Werbung nicht vorspulen kann,
    * die Aufnahmen nicht auf den PC oder das Smartphone laden kann und dort benutzen kann, weil die auf der Festplatte verschlüsselt wurden.
    * Aufnahmen nur begrenzt lange oder oft ansehen kann, wenn der Sender es so will
    * vom Sender bevormundet wird.

    > Es wird im Artikel zu DVB-T2 geraten. Heute gibt es jedoch nur
    >
    Geräte mit DVB-T2, die H.264 unterstützen. Es wurde aber ganz
    >
    klar gesagt, dass in Deutschland mit großer Wahrscheinlichkeit
    >
    DVB-T2 mit H.265 und nicht mit H.264 kommen wird. Wozu jetzt
    >
    mehr Geld für DVB-T2 Empfang ausgeben, wenn damit später nichts
    >
    zu sehen sein wird?
    >
    Soweit die Hardware in der Lage ist, kann ein Softwareupgrade helfen.
    Aus diesem Grunde empfehle ich, grundsätzlich nur quelloffene Systeme zu kaufen. Das sind zur Zeit nur Linux-Receiver auf Enigma2 Basis.

    Dies sind z. B.: vu+, abcom, Dreambox

    Alle diese Receiver haben eins gemeinsam: Sie tragen KEIN HD+ Logo.
    Wer aber unbedingt HD+ haben will, kann dies auf den genannten Receivern aber mit etwas Installationsarbeit trotzdem zum Laufen bringen.

    > Die Standards halten heutzutage leider keine 10 Jahre durch.
    >
    Vom nicht mal gut eingeführtem hbbTV gibt es schon einige
    >
    Versionen, die nicht miteinander kompatibel sind. Es kann sich
    >
    kein Sender auf die Dauer leisten, die Angebote für 5
    >
    unterschiedliche Versionen zu unterstützen. Die TV Hersteller
    >
    machen die Updates höchstens in den ersten 2 Jahren nach dem
    >
    Kauf, jedoch ohne damit die neuen Versionen der Standards zu
    >
    unterstützen. Spätestens dann hat man schon ein "Altgerät".

    Bei einem Linux-Receiver werden die Updates nicht mehr vom Hersteller entwickelt, sondern es gibt ein Open-Source-Projekt.
    Alles ist dokumentiert und jeder, der programmieren kann, kann etwas weiterentwickeln.
    Wenn jemand etwas neues entwickelt, profitieren alle davon, herstellerunabhängig.
    Für die Hersteller ist das natürlich eine Kostenersparnis und diesen Vorteil kann er natürlich in Qualität der Hardware oder Zukunftssicherheit investieren.
    Es gibt zahlreiche Plugins, die man nach Belieben installieren kann.
    Desweiteren hat man die volle Kontrolle über den Receiver.

    Und Hbbtv ist unter Linux kein Problem, auch wenn ich bei Hbbtv derzeit nicht an den großen Durchbruch glaube.
    Aber wenn es etwas Neues gibt, wird das mit einem neuen Plugin höchstwahrscheinlich auch funktionieren.
    Ohne Neukauf.