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kostenloses EU-Roaming wird nicht kommen


04.04.2014 21:32 - Gestartet von wolfbln
7x geändert, zuletzt am 04.04.2014 22:18
Also mal ehrlich, was da wieder das EU-Parlament verzapft, geht an der europäischen Realität völlig vorbei.

Die Caps für Daten, Gespräche und SMS sind wirksam und senken die Exzesse der Telkos. Allerdings sind 20 Cents ab 1.6.14 (plus Steuer) pro MB noch viel zu hoch, wenn man in der EU national prepaid so durchschnittlich 10 EUR pro GB bezahlt, also mehr als 1/50.

Aber an Daten lässt sich schön zeigen, dass das nicht klappen kann, mit der Abschaffung des Roaming.
Folge wäre: Ich könnte mir irgendeine nationale Prepaid-Datenkarte aus der EU ins (vorzugsweise Dual-SIM) Handy legen, denn es kostet ja hier auch nur den nationalen Datentarif der SIM. In Österreich waren und in EU-Osteuropa sind Daten fast 50% günstiger als hier.

Daraus entsteht die Folge, dass sich Daten EU-weit preismäßig angleichen. Das ist gut für die teuren Länder und schlecht für die billigen. Deutschland liegt da ziemlich in der Mitte.

Mit einer Abschaffung des Roamings kann keine nationale Preispolitik der Telkos mehr betrieben werden. Aber genau diese Politik der Staaten ist rechtlich weitgehend noch national. Da haben sie ein gewichtiges Argument.

- Warum sollen denn Griechen oder Portugiesen die horrenden deutschen Lizenzkosten mitzahlen?
- Warum soll sich ein "schlechteres Netz" national nicht durch niedrigere Tarife am Markt positionieren können?
- Warum dürfen Telkos nicht in Ländern mit niedrigen Einkommensniveau auch niedriger Tarife ziehen dürfen, damit sie die gleiche Marktpräsenz haben?
- Wie kann ich in einem Land noch Sonderangebote rausbringen, wenn ich dabei Gefahr laufe, dass mir das Angebot durch "Ausländer" aufgekauft wird und im Roaming ge- oder missbraucht wird?

Sollte es wirklich zu Abschaffung des Roamings kommen, werden wir wesentlich weniger "Roamingpartner" des heimischen Anbieters im Ausland sehen, wahrscheinlich nur die eigene Konzerngruppe, soweit dies geht. Vielleicht auch "nicht-roamingfähige" Tarife, denn das soll ja nicht vorgeschrieben werden, dass es ermöglicht werden muss, sondern nur kann und nicht mit wem.

Besonders perfide ist dabei, dass Roaming und die Anzahl der Partner oder Länder kein Vertragsbestandteil ist, sondern als Zusatzleistung verkauft wird (außer man bucht spezielle Roaming-Pakete) und dann sogar ohne weiteres in laufenden Verträgen geändert werden kann.

Oder man schützt sich mit den üblichen Tricks gegen "Fremdnutzung" der Karte. Eine britische pay-as-you-go SIM geht schon heute natürlich nur mit britischen Kreditkarten aufzuladen oder mit Vouchers, die es nur in GB gibt (oder gegen Aufpreis im Internet durch Dienstleister).
Oder es wird die maximale Geschwindigkeit im Roaming einfach abgesenkt, solange es keiner anders vorschreibt.
Sicher werden die Anbieter dann solche Hintertüren finden...
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[1] blumenwiese antwortet auf wolfbln
05.04.2014 05:26
Du glaubst also, dass wenn die EU Preise vorschreibt - wie das in jeder Diktatur schließlich gang und gäbe ist - dass dann plötzlich die Preise sinken? Glaubst du das?

Na gut, dann erübrigt sich wohl jede weitere Diskussion. Babys bringt übrigens ab Montag wieder der Storch.
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[1.1] wolfbln antwortet auf blumenwiese
05.04.2014 18:47

5x geändert, zuletzt am 06.04.2014 01:05
Benutzer blumenwiese schrieb:
Du glaubst also, dass wenn die EU Preise vorschreibt - wie das in jeder Diktatur schließlich gang und gäbe ist - dass dann plötzlich die Preise sinken? Glaubst du das?

Na gut, dann erübrigt sich wohl jede weitere Diskussion. Babys bringt übrigens ab Montag wieder der Storch.

Du hast meinen Text nicht gelesen!!!
Die Aussage, wenn die EU die Preise vorschreibt, dann fallen sie, habe ich bestimmt nicht getroffen und kann man auch nirgends aus meinem Beitrag rauslesen. Preise gleichen sich an, heißt nicht, dass sie fallen.

Bisher schreibt die EU Obergrenzen = Caps für Roaming vor. Hier ist tatsächlich die Konsequenz ziemlich direkt -> die Preise im Roaming fallen in der Tat seit Jahren, werden aber auch durch bestimmte Optionen unterlaufen.

Bei dem geplanten generellen Verbot von Aufpreisen für EU-Auslandsnutzung, wie sie nun vorgeschlagen wurde, sind die Konsequenzen nun komplexer. Dies wollte ich aufzeigen, nicht mehr oder weniger. Denn auch dieses Verbot könnte unterlaufen werden, wie aufgezeigt.

Ob Preisobergenzen oder das geplante Verbot nun einer Demokratie oder Diktatur ähneln, dazu möchte ich mich abschließend nicht festlegen. Hierbei ist es entscheidend davon abhängig, ob man von einem "freien Markt" oder ein "Oligopol" = Monopol bzw. Kartell mehrerer Unternehmen ausgeht. Sind die Preise wirklich Eingriffe in den "freien Markt", sind sie sicher bedenklich und abzulehnen. Zielen sie aber darauf ab den "Marktmissbrauch" durch ein Oligopol zu verhindern, sind sie auch in einer Marktwirtschaft sinnvoll und sogar notwendig. Beide Sichtweisen halte ich für durchaus berechtigt.

Wenn ich mir die allerdings Preisentwicklung und Gewinnspannen für Roaming anschauen, tendiere ich doch zur letzteren Sichtweise, wonach der Markt bisher nicht funktioniert hat. Trotzdem sollte man eine Regulierung nicht übertreiben, was in der EU bekanntlich leicht geschehen kann.