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Wenn ich Bürgermeister wäre...


17.04.2013 07:50 - Gestartet von mikiscom
... würde ich in meiner Stadt ein Stadt-eigenes Netz legen lassen. Entweder mit Leerrohren oder Glasfaser. Hier würde ich dann darauf warten dass ich irgendein Anbieter meldet. Tut das keiner, würde ich ein Stadt-eigenen Provider gründen, der meinen Bürgern ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet.

Zur Sicherheit aber vorher noch ne Bürgerbefragung über das Interesse der Bürger wie schnell sie es wollen und wieviel sie bereit sind zu zahlen.
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[1] skycab antwortet auf mikiscom
17.04.2013 07:58
Benutzer mikiscom schrieb:
... würde ich in meiner Stadt ein Stadt-eigenes Netz legen lassen. Entweder mit Leerrohren oder Glasfaser. Hier würde ich dann darauf warten dass ich irgendein Anbieter meldet. Tut das keiner, würde ich ein Stadt-eigenen Provider gründen, der meinen Bürgern ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet.

So, oder so ähnlich lief das wohl auch mit dem Flughafen Berlin Brandenburg... Von wegen jemanden fragen, der sich mit sowas auskennt. Das machen wir selbst schneller und billiger. ;)
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[1.1] mikiscom antwortet auf skycab
17.04.2013 10:32
Benutzer skycab schrieb:
So, oder so ähnlich lief das wohl auch mit dem Flughafen Berlin Brandenburg... Von wegen jemanden fragen, der sich mit sowas auskennt. Das machen wir selbst schneller und billiger. ;)

Bei Mnet (München) und Netcologne (Köln) hat das schon geklappt.
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[2] Kai Petzke antwortet auf mikiscom
17.04.2013 08:55
Benutzer mikiscom schrieb:
... würde ich in meiner Stadt ein Stadt-eigenes Netz legen lassen. Entweder mit Leerrohren oder Glasfaser. [...] Zur Sicherheit aber vorher noch ne Bürgerbefragung

Das Ergebnis der Bürgerbefragung kann ich Dir jetzt schon mitteilen: Jedes der folgenden Infrastrukturprojekte wird von etwa 10 bis 20 Prozent der Leute lautstark befürwortet. Weitere 40 bis 60 rozent sagen: "Schadet nichts, darf aber auch nichts kosten".
* Schnelle Tk-Netze
* Sanierung der Straßen im Ort
* Bau einer Umgehungsstraße
* Bessere Schulen und Kitas
* Ein Pflegeheim
* Mehr Krankenhausplätze
* Endlich wieder ein Schwimmbad, zumindest ein Freibad, besser ein Hallenbad
* Eine Mehrzweckhalle für Veranstaltungen, vom Tanzabend über Kinovorführungen bis hin zu Bürgerversammlungen
* Das Rathaus sollte auch mal wieder saniert werden
* Ach ja, die Abwasserkanäle lecken, ebenso, wie das Wasserversorgungsnetz. Zudem steigen die Pestizidrückstände im Trinkwasser laufend an. In 5 Jahren werden wahrscheinlich erstmalig an einzelnen Tagen die Grenzwerte überschritten. Falls letztere weiter abgesenkt werden, passiert das auch schon früher.
* Ein Gewerbepark könnte die Arbeitslosenquote deutlich senken und die Abwanderung der Jungen stoppen. Dazu müsste aber erstmal mit dem Bund über eine eigene Autobahnabfahrt verhandelt werden.
* Es gibt im Ort noch einen Bahnhof, an dem einmal in der Stunde in jeder Richtung auch eine Regionalbahn hält. Die Bahn würde die defizitäre Strecke gerne stilllegen. Ein lokaler Interessensverein fordert stattdessen Millioneninvestitionen für die Steigerung der Geschwindigkeit und Sanierung der Bahnhöfe, um mehr Fahrgäste anzulocken.

Wenn da nicht dieser doofe Kämmerer wäre, der dauernd etwas von pro-Kopf-Verschuldung, zunehmend schwierigerer Refinanzierung für kleine Kommunen und überhöhten Preisen der beiden lokalen Bauunternehmen schwafelt.


Kai
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[2.1] Supaka antwortet auf Kai Petzke
17.04.2013 11:31
In Norderstedt betreibt die Stadt seit ende der 90er
mit Wilhelm.tel ein eigenes Glasfasertelefonnetz, dass jetzt sogar z.T. auch bis nach Hamburg reinverlegt wurde.
Nun gehört die Gemeinde im Hamburger Speckgürtel sicher zu den reicheren Gemeinden, aber denke, dass das Projekt auch trotzdem gut Gewinne abwürft. (Zahlen auf Wikipedia sprechen von 2,8 Mio Gewinn in 2006-neuere Zahlen werden nicht genannt), sonst wäre
man sicher nicht so fleissig am ausbauen.
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[2.1.1] Robert Redford antwortet auf Supaka
07.05.2013 19:42
Was aber auch an dem nahezu perfekten Zeitpunkt gelegen hatte. In den 1990er Jahren ging der Aufbau schon los. Wäre interessant wieviel hunderte Millionen denn alleine für die Innenhausverkabelung investiert werden mussten. In Mietshäusern wurden in jeder Wohnung neue Kabel durch Decken verlegt...
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[2.1.1.1] horstchen antwortet auf Robert Redford
05.06.2014 13:57
Benutzer Robert Redford schrieb:
Was aber auch an dem nahezu perfekten Zeitpunkt gelegen hatte. In den 1990er Jahren ging der Aufbau schon los.

Erstaunlich zukunftsweisende Investitionen ins Glasfasernetz als Breitband noch ein Nischenprodukt war. Da muss jmd. die wirtschaftliche Bedeutung auch für die Wirtschaftsansiedlung geahnt haben. Aktuell setzt Norderstedt noch ein öffentliches WLAN-Netz drauf. Ziel flächendeckend, gestartet an öffentlichen Plätzen und an Gewerbestandorten. Nutzung kostenlos unverschlüsselt und für die eigenen Kunden verschlüsselt. SO geht das!
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[2.2] SpaceRat antwortet auf Kai Petzke
09.05.2013 05:06
Benutzer Kai Petzke schrieb:

* Es gibt im Ort noch einen Bahnhof, an dem einmal in der Stunde in jeder Richtung auch eine Regionalbahn hält. Die Bahn würde die defizitäre Strecke gerne stilllegen. Ein lokaler Interessensverein fordert stattdessen Millioneninvestitionen für die Steigerung der Geschwindigkeit und Sanierung der Bahnhöfe, um mehr Fahrgäste anzulocken.

Ich geh mal nur auf diesen einen Punkt ein:

In den Nachkriegsjahren teilte die Strecke, ..., das Schicksal vieler anderer Eisenbahnstrecken: Das zweite Gleis wurde auf immer mehr Abschnitten entfernt, der Fahrplan wurde „nachfragegerecht“ immer weiter ausgedünnt, die Fahrgastzahlen sanken. Ende der 1970er-Jahre wurde die Voreifelbahn noch von täglich 3000 Fahrgästen genutzt.
...
Die Stadt Bonn nutzte 1994 die durch die Bahnreform entstandene Möglichkeit, Verkehrsleistungen zu bestellen und bestellte auf eigene Kosten eine Taktverdichtung. Ab 1994 wurde zwischen Bonn und Witterschlick zu den Hauptverkehrszeiten ein Viertelstundentakt angeboten, 1995 wurde das Angebot bis Rheinbach ausgedehnt. In der Folge stiegen die Fahrgastzahlen sprunghaft.

http://de.wikipedia.org/wiki/Voreifelbahn

Derzeit hat die Voreifelbahn täglich 12000 Fahrgäste, weitere Erweiterungen sollen diese Zahl auf 15000 Fahrgäste erhöhen.
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[2.2.1] mikiscom antwortet auf SpaceRat
10.05.2013 10:38
Sowas lohnt sich häufig. Macht man's ordentlich und bietet einen guten Takt mit modernen Zügen an, steigen auch die Fahrgastzahlen.

Siehe Regiobahn zwischen Kaarster See und Mettmann Stadtwald über Neuss und Düsseldorf. Früher Klapperbahn der DB 5x am Tag. Sollte stillgelegt werden. Jetzt Privatbahn, die auf der eigenen Strecke auch meist eingleisig fährt und das Mo-Fr. 3x in der Stunde und Sa, So, Feiertags 2x in der Stunde. Die Bahnen sind zwar was kurz, aber zu den den Berufsverkehrszeiten fahren häufig 2 Bahnen zusammengekoppelt. Das ganze läuft schon seit Jahren und auf den Abschnitten wo die über die DB-Gleise fahren, ist das meiste los weil die zuverlässiger sind als die DB.

Die dürften die Investitionen schon zig mal rausgeholt haben. Es wird schon länger diskutiert, die Strecke in beide Abschnitte zu verlängern. Leider ist bisher nix draus geworden.
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[2.2.2] Leiter Kundenverarsche³ antwortet auf SpaceRat
05.06.2014 17:45
Benutzer SpaceRat schrieb:
Derzeit hat die Voreifelbahn täglich 12000 Fahrgäste, weitere Erweiterungen sollen diese Zahl auf 15000 Fahrgäste erhöhen.

Was du beschreibst ist kein außergewöhnliches Wunderphänomen, sondern ein grundlegender Punkt für das Verständnis eines nachhaltig funktionierenden ÖPNV, der hochleistungsfähig und hochfrequentiert ist. DIE NACHFRAGE FOLGT HIER STETS DEM ANGEBOT!

Allein voran die Deutsche Bahn bis hinab zu den kommunalen Verkehrsbetrieben ignorieren dieses Umstand seit Jahrzehnten geflissentlich. Wenn man ÖPNV (aber auch Fernverkehr) attraktiv und wirtschaftlich betrieben will, dann man muss man gleich richtig rangehen. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ich als Fahrgast im Fernverkehr - bei welchem Unglück auch immer - über eine Stunde warten muss oder nur eine halbe oder gar Viertelstunde. Auch im Nahverkehr macht es einen gewaltigen Unterschied, ob ich 20, 15 oder maximal zehn Minuten auf einen geeigneten Anschluss warten muss. Anhand diesem banalen Sachverhalt wird entschieden, ob jemand ins Auto steigt und die verstopften Straßen weiter verstopft oder ob er sich in Bus und Bahn begibt.
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[2.2.3] butzepapa antwortet auf SpaceRat
05.06.2014 23:37
Benutzer SpaceRat schrieb:

http://de.wikipedia.org/wiki/Voreifelbahn

Derzeit hat die Voreifelbahn täglich 12000 Fahrgäste, weitere Erweiterungen sollen diese Zahl auf 15000 Fahrgäste erhöhen.
Mittlerweile ist der Ausbau in vollem Gang, gut so
Bei der extremen Verkehrsbelastung in Bonn plus Parkplatzmangel
ein Segen für Viele.
Und jetzt noch die Megabaustelle Nordbrücke, freu mich schon auf
die weite Umfahrung, zB durchs Vorgebirge
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[2.3] mikiscom antwortet auf Kai Petzke
01.04.2014 11:11
Benutzer Kai Petzke schrieb:

Das Ergebnis der Bürgerbefragung kann ich Dir jetzt schon mitteilen: Jedes der folgenden Infrastrukturprojekte wird von etwa 10 bis 20 Prozent der Leute lautstark befürwortet. Weitere 40 bis 60 rozent sagen: "Schadet nichts, darf aber auch nichts kosten".
* Schnelle Tk-Netze
...

Dann müssten die Einwohner sich bewusst entscheiden was wichtiger ist. Und keiner könnte über mich (den Bürgermeister) lästern.
In Solingen haben die auch ne Befragung gemacht, mit dem Unterschied, dass die sich um das Ergebnis nicht wirklich gekümmert haben, sondern doch ihre Querköpfe durchgesetzt haben. Wenn teilweise auch verzögert aber trotzdem.

In Langenfeld haben die selbst ausgebaut, weil Firmen mit der Begründung weggezogen sind, dass das Netz zu langsam ist. Dann haben die die Privatleute gefragt, ob die nicht auch Bedarf hätten. Nach dem Motto, wenn wir schon mal dabei sind, können wir gleich noch ein paar Straßen weiter machen.