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Bullshit ohne Ende - Mann-o-Mann


24.11.2013 15:51 - Gestartet von IMHO
Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll:
Erstmal die Situation möglicher Anwendungsorte:
1) Alter Mann hat dring.V.a. Schlaganfall. Dann erfolgt der Anruf per Telefon an den Notarzt, egal ob per GSM oder per Festnetz. (Orientierte, gefäßkranke Menschen -mit erhöhtem Schlaganfallrisiko- gehen selten soweit alleine vom Altenheim weg, dass sie sich außerhalb der Funkversorgung befinden.
2) Der Enkel bringt den potentiellen Patienten ins Heim zurück. Natürlich gibt es weder in Privatwohnungen noch in Altenheimen vorsorglich betriebsbereit gehaltene CT-Geräte oder Kernspingeräte. Also werden keine Daten erhoben, die ein schnelles stationäres Internet benötigen.
3)[Traummodus] Der hypermodern ausgestatete Notfallneurologe kommt mit einem getunten 42-Tonnen-Sattelschlepper vorbei und hat auf der Ladefläche Kernspin und Stroke-Unit dabei???? Meint das jemand ernsthaft???? Aber selbst der braucht dann kein DSL-Anschluss. Der braucht einen Telefonanruf, wo ein Intensivbett in der Nähe frei ist, dass den alten Patienten annimmt, denn tatsächlich wird an der Anzahl der vorsorglich freigehaltenen Intensivbetten in Deutschland (genauso wie sonstwo auf der Welt)gespart.
3)[Realitätsmodus] Der Notarzt kommt vorbei und sieht auf Grund der deutlichen Symptome bereits ohne Diagnostik, dass der Patient dringend einen schnellen Transport zu einer Stroke-Unit braucht - und wieder geht der Kampf um ein leeres Bett los.
3)[Albtraummodus] Ein ausreichend ausgebildeter, erfahrener Hausarzt kommt Stunden später vorbei, nachdem er mit den Worten "Wir wissen nicht ob Opa krank ist, der ist ein bisschen anders als sonst, können Sie bei Gelegenheit vorbeikommen?" benachrichtigt wurde. In diesem Fall macht nicht einmal ein Hubschrauberflug noch einen Unterschied, der Arm bleibt schlapp.
2+3)[VDSL-Marketing-Modus]
Damit sowas nicht vorkommt wird jedes Altenheim mit einem CT ausgestattet und drei Altenpflegerinnen zu RTA (Radiologisch-Technische-Assistentinnen) weitergebildet, und die Berufsordnung wer wie ein CT veranlassen darf vorsorglich geändert. (Die zwei übrigen RTA-Altenpflegerinnen müssen immer dann, wenn die dritte in den Urlaub fährt 12h-Bereitschaftsdienste machen.)
Also der Opa bekommt ein CT und das wird dann per 40MBit/s-Upload in 2Minuten hochauflösend ans Neurologiezentrum gemailt. - Super !!
Darauf hin kommt zur Antwort:
Ja wir wissen jetzt, dass der Opa dringend eine Behandlung bräuchte, leider hat die Ausstattung der Altenheime mit CT-Geräten unser chronische unterfinanziertes Gesundheitssystem gezwungen die Bettenanzahl auf der Strokeunit zu halbieren. Wir haben zur Zeit zwei Flurbetten schon besetzt, wir können Ihnen nicht helfen, ohne die Flucht- und Evakuierungswege auf der Intensivstation zu blockieren. Das können wir wirklich nicht riskieren tut uns leid.

Oder geordnet nach Durchführenden:
Sollte ein Notarzt feststellen, dass er umbedingt LTE225 vor Ort bräuchte, wird er es uns schon mitteilen und vor allem wird er uns sagen, dass er das Ding im Rettungswagen braucht, da die technischen Diagnosegeräte, die diese Datenmengen entstehen lassen könnten, ja erst mit dem Fahrzeug zum Patienten kommen.

Sollte ein Hausarzt feststellen, dass er die Röntgenbilder nicht so schnell in seine Praxis bekommt, lässt er sich halt das Bild vom Radiologen gleich befunden (der kann das auch tatsächlich besser) und mit einer der letzten tausend Gesundheitsreformen ist der Gerätepark in Praxen so dezimiert worden, dass man CT-Geräte wirklich in keiner Hausarztpraxis finden kann.

Bleibt noch der kleine Assistenzarzt der im abgelegenen Krankenhaus am Wochenende einen Notfall hat und Expertise braucht, da er tatsächlich Spezialgeräte und RTAs im Haus hat. Also für diesen Fall kann sich ein Krankenhaus drei K-Sat-Antennen auf das Krankenhausdach stellen und mit 3*6MBit/s die Daten Uploaden, das reicht auch. Im übrigen werden die kleinen Krankenhäuser j.w.d. nach vieler Politiker Meinungen eh bald platt gemacht. Die übrigen Krankenhäuser haben ausreichende Breitband-Anschlüsse.

Der Bericht neulich über den Ärzteverbund im Kinzigtal(ich finde den Link nicht mehr), beklagte sich auch hauptsächlich über mangelnde Softwarekompatibilität, Schwierigkeiten Datenschutz und Funktionalität zu vereinigen und nicht über mangelnde Bandbreite.
Sollen jetzt "Roboterpraxen" entstehen, in denen Geräte betriebsbereit gehalten werden und deren Untersuchungsergebnisse bei Bedarf aus der Ferne ausgewertet werden?
Und selbst wenn man dafür einen unerfahrenen Studienabsolventen frisch von der Uni findet: Der akute Schlaganfall-Patient muss sofort ins Interventionszentrum und für den nachbetreuten Patienten der im Wartezimmer eh schon 60-90Min wartet, reicht auch ein DSL-6000-Anschluss mit 512kBit/s Upload.
Mit zunehmendem Arztschwund wird es gar keine Praxen mehr in Gemeinden ohne DSL geben, so brutal wird es wohl ablaufen.
Und in jeder Wohnung eine DSL-fähgiges EKG nachrüsten? Hör mir auf. Telemedizin ist nichts zum Lebenretten, das ist was um komplexe Fälle in Ruhe zu erörtern. Dort wo man datenmengenintensive Befunde (Rö-Bilder in allen Fortschrittsstufen: Durchleuchtungsfilme, 3D-Kernspin) erstellt gibt es auch Ärzte die das befunden können, andernfalls wird so ein Zentrum dicht gemacht.
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[1] RE: Bullshit ohne Ende - Mann-o-Mann II
IMHO antwortet auf IMHO
24.11.2013 16:09
So unglaublich das für einen Europäer klingt:
In den USA werden alle Arten von Patienten ohne Arztbegleitung möglichst schnell zum Krankenhaus gefahren und erst dort von einem Arzt gesehen.
Die in Deutschland und vielen Nachbaländern verbreitete Mentalität den Patient erst vor Ort anzubehandeln um ihn "transportfähig zu machen" klingt plausibel.
Aber diese Methode ist **nicht** besser als die Amerikanische! (wohl auch nicht viel schlechter). Wenn wir deutlicheren Ärztemangel kriegen, werden die Patienten ohne Arztbegleitung zum stationären Notarzt gebracht werden müssen, denn wir werden es uns nicht mehr leisten können dass der Notarzt während der Hinfahrt nicht produktiv arbeitet.
Der Fall dass der "schlaue" Arzt im Notfall das Ruder rumreißt, während es der unerfahrene Arzt nicht schnell genug schafft ist ein Märchen. Der ganz unerfahrenen Arzt teilt seinem erfahrenem Telemedizinaufseher gar nichts mit, weil es ihm gar nicht als mitteilungswichtig auffällt. Und der noch etwas unerfahrene Arzt macht es bereits gut genug, sofern das restliche Team nicht nur aus Anfängern besteht.
Wir brauchen funktionierende Krankenhäuser mit Erfahrung auf allen Ebenen über das was sie tun. Diese Qualitätskriterien, dass ein Behandlungszentrum z.B. mindesten 10 ähnliche Behandlungen pro Monat braucht, damit die Abläufe routiniert ablaufen sind leider tatsächlich viel wichtiger.
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[1.1] skycab antwortet auf IMHO
25.11.2013 10:15
Benutzer IMHO schrieb:
Die in Deutschland und vielen Nachbaländern verbreitete Mentalität den Patient erst vor Ort anzubehandeln um ihn "transportfähig zu machen" klingt plausibel.
Aber diese Methode ist **nicht** besser als die Amerikanische!

Quelle? Die Amis behaupten ihre Vorgehensweise wäre gleich gut, aber ist sie das auch?

Die geographischen Anforderunge in Deutschland (relativ wenig Fläche, dicht besiedelt, Bevölkerung großflächig verteilt) und USA (relativ viel Fläche, weite Teile eher dünn besiedelt, Bevölkerung konzentriert sich auf Großstädte) dürften den Vergleich der Qualität der medizinischen Notfallversorgung schwer machen.

Das amerikaniscche Gesundheitssystem wird sehr gelobt. Wie passen dazu die Berichte über Menshen die in der Notaufnahme eines Krankenhauses solange warten gelassen werden bis sie sterben?



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[1.1.1] IMHO antwortet auf skycab
25.11.2013 16:15
Benutzer skycab schrieb:
Benutzer IMHO schrieb:
Die in Deutschland und vielen Nachbaländern verbreitete Mentalität den Patient erst vor Ort anzubehandeln um ihn "transportfähig zu machen" klingt plausibel. Aber diese Methode ist **nicht** besser als die Amerikanische!

Quelle? Die Amis behaupten ihre Vorgehensweise wäre gleich gut, aber ist sie das auch?

Sorry, es war ein ausführlicher Bericht auf ZDF_neo, der die Rettungseinsätze einer us-amerikanischen Großstadt darstellte. Es wurde gezeigt wie medizinisch niedrig qualifiziert die "Ambulance"-Besatzungen sind, während aus dem "OFF" zeitgleich Statistiken und Vergleiche mit dem deutschen System runtergebetet wurden.
Sorry, ich werde eine exakte Quellenangabe schuldig bleiben.
Und dass es in ländlicher Struktur US-Amerikas anders oder gar nicht funktioniert ist mir auch plausibel.


Das amerikaniscche Gesundheitssystem wird sehr gelobt. Wie passen dazu die Berichte über Menshen die in der Notaufnahme eines Krankenhauses solange warten gelassen werden bis sie sterben?

Will ich gar nicht erst versuchen zu kommentieren.
Und ich will das US-System nicht verteidigen.

Mir erscheinen die US-Mediziner noch als richtige "Götter", die in einer anderen sozialen Klasse geboren, gelegentlich auch freiwillige Hilfsaktionen betreiben, für die dann US-amerikanische Unterklassenmitglieder schon mal halbe Tage lang anstehen.
Aber das war natürlich auch wieder nur ein Interview auf Phönix, arte oder ZDF_info.
Ich finde es nur immer erstaunlich, wie die US-Amerikanischen Guidlines erheblich von europäischen Behandlungsempfehlungen abweichen, ohne dass man den US-Ärzten Mord und Totschlag nachweisen könnte.