Diskussionsforum
  • 17.03.2014 07:46
    mikiscom schreibt

    Nich heizen = Schimmel

    Also ich habe schon mehrfach gehört, wer nur heizt, wenn er zu Hause ist und zwischendurch die Heizung sogar stundenlang abstellt, kann sich bald über Schimmel "freuen".
    Von daher würde ich sowas gar nicht nutzen, selbst wenn es "all inclusive" wäre.
    Zumindest so lange bis sich der Schimmel auch per Knopfdruck aus der Ferne "Entfernen" lässt. ;-)
  • 17.03.2014 12:00
    Kai Petzke antwortet auf mikiscom
    Benutzer mikiscom schrieb:
    > Also ich habe schon mehrfach gehört, wer nur heizt, wenn er zu
    >
    Hause ist und zwischendurch die Heizung sogar stundenlang
    >
    abstellt, kann sich bald über Schimmel "freuen".

    Die Zusammenhänge zwischen Heizverhalten und Schimmelbildung sind komplex, deswegen gibt es diesbezüglich auch so viele Legenden. Je nach Feuchtigkeitsquelle und Gegenmaßnahmen kann viel Heizen sogar kontraproduktiv sein, also den Schimmel noch mehren!

    Beispiel: Das Grundwasser steht hoch, die Bitumen-Schutzschicht an der Keller-Außenwand ist im Laufe der Jahre undicht geworden, es dringt Feuchtigkeit in die Kellerwände ein, die mangels Sperren auch in das Erdgeschoss hochsteigt. Dann bewirkt "mehr Heizung" nur "mehr Verdunstung", "höhere Luftfeuchtigkeit", "mehr nachsteigendes Wasser" und ein für den Schimmel günstigeres, wärmeres und feuchteres Raumklima. In Summe also in diesem Fall: "mehr Heizung" -> "mehr Schimmel". In so einem Fall hilft nur die Sanierung des Primärschadens an der Kelleraußenwand!

    Generell gefährlich ist zudem das Heizverhalten, einzelne Räume dauerhaft "kalt" zu lassen und dann auch noch deren Türen offen stehen zu lassen. Dann zieht warme, feuchte Luft in die kalten Räume und gibt dort einen Teil ihrer Feuchte ab, so dass die Wände in den kalten Räumen feucht werden -> Schimmelgefahr!

    Wer hingegen alle Räume regelmäßig kalt werden lässt, und dann wieder aufheizt, wenn sie benötigt werden, lebt nicht so gefährlich: Zwar steigt die Luftfeuchtigkeit beim Erkalten an, doch beim späteren Erwärmen sinkt sie auch wieder ab und die Wände werden wieder getrocknet.

    Fazit: Die beste Verbeugung ist, sich für 10 Euro pro Stück einige digitale Hygrometer zu kaufen, am besten mit Min/Max-Speicher, und diese in die gefährdeten Räume (Bad, Toilette, Küche, ungeheizte Räume etc. pp.) zu verteilen. Liegt man regelmäßig innerhalb des Comfort-Bereichs von 40 bis 60 % relative Luftfeuchtigkeit und nur gelegentlich außerhalb, braucht man sich keine Gedanken zu machen. Liegt man häufig außerhalb, sollte man Gegenmaßnahmen beim Heizungs- und Lüftungsverhalten ausprobieren, wobei insbesondere im Winter Probleme mit *zu wenig* Luftfeuchtigkeit aufgrund zu häufigem Lüftens oder undichter Fenster häufiger sein dürften als Probleme mit *zu viel*. Kommt man trotz der Gegenmaßnahmen nicht in den Comfortbereich zurück, sollte man sich professionelle Hilfe suchen.

    > Zumindest so lange bis sich der Schimmel auch per Knopfdruck
    >
    aus der Ferne "Entfernen" lässt. ;-)

    Das geht nicht. Aber die Schimmelgefahr lässt sich, wie gesagt, mit Hygrometern auch aus der Ferne überwachen. Eine gute Haustechnik senkt die Temperatur dann auch bei längerer Abwesenheit nur so weit ab, dass noch keine Gefahr der Kondenswasserbildung besteht.


    Kai
  • 22.07.2015 13:59
    darcduck antwortet auf Kai Petzke
    Viel Lüften = kein Schimmel
    Was Kai schreibt ist alles richtig und erklärt auch warum die Aussage "Viel Lüften = Kein Schimmel" auch nicht immer richtig ist.

    Um gar nicht erst Probleme mit Schimmel zu bekommen und die Luftfeuchtigkeit im Komfortbereich zu halten, haben wir uns eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung gegönnt.

    Weil in der Planungsphase auch irgendwer auf Radon hinwies, das sich in Kellerräumen ansammeln kann, haben wir die Lüftungsanlage auf den Keller erweitern lassen, und damit hatte die Hausbaufirma/Lüftungsinstallteur kein Problem.

    Wer Kais Ausführungen genau gelesen hat, ahnt bereits was nun passiert ist: Eine Lüftungsanlage wirkt wie eine offen stehende Tür und ein Kellerraum oder genau genommen dessen Wände sind gerade im Frühjahr um einige kühler als die normale Raumtemperatur. Zusammen mit der Restbaufeuchte ergibt sich der schöne Effekt, das die Kelleraußenwände über eine langen Zeitraum schön feucht bleiben, dann aber doch irgendwann warm genug werden, dass der Schimmel sich wohlfühlt ...

    Lösung des Problem: Die Verteilung von Abluft und Zuluft war schlecht geplant. Insgesamt sollten die (unbeheizten) Kellerräume einen Zuluftüberschuß haben, so dass keine Luft aus den warmen beheizten Räumen zu den Kellerräumen strömt, sondern von den Kellerräumen zu den beheizten Räumen. Im Nachhinein lässt sich das leider bei manchen Installationsweisen nur schwer ändern. In unserem Fall sitzt die Lüftungsanlage und die Verteiler auf dem Dachboden. Die Verteiler sind dabei so montiert, dass diese quasi genau auf der OG Decke aufliegen, sich also Zuluft und Abluft dort nicht tauschen lassen. Man kann also nur in einem Schacht die Lüftungsrohre von zwei Zimmern tauschen. Und das wurde bei uns dann gemacht.

    Bauphysik ist schon ein sehr interessantes aber leider auch umfangreiches Thema (und ist hier im TK Forum eher offtopic - sorry).