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Das ist doch ganz normal !


28.05.2010 23:35 - Gestartet von Reziprozität
Die Statistik für Deutschland sieht doch nicht besser aus !

Rund 11-12 Selbsttötungen je 100.000 Einwohner in D pro Jahr,
mit einer hohen Dunkelziffer und noch sehr viel mehr
Selbsttötungsversuchen. (Bei Ärzten sogar rund die vierfache
Quote, also über 46 von 100.000!)
Pro 800.000* Menschen Deutschland, sind das also über 90 Tote
pro Jahr, ohne daß sich hier jemand groß darüber aufregt.
(Foxconn hat rund 800.000 Mitarbeiter.)

Fast doppelt so vielen, über 9400, erfolgreichen Selbstmorden
in D 2007 und eine vielfach höhere Dunkelziffer stehen zum
Vergleich "lediglich" 4950 Verkehrstoten gegenüber.
Unsere Verkehrstoten werden allerdings allabendlich reißerisch
durch fast alle Fernsehprogramme geschliffen und immer noch
neue und absurde Beschränkungen gefordert.
Das viele Selbstmorde mit dem Auto fälschlicherweise als "Unfall"
in die Vehrkehrtoten-Statisik einbezogen werden, wird dabei
sogar noch außer Acht gelassen.

Bessere Arbeitsbedingungen bei Foxconn könnte die verhältnis-
mäßig niedrige Selbsttötungsrate dort wohl noch weiter senken.
Die Chinesen stecken offenbar deutlich mehr,
viel besser weg als wir.


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[1] dormilon antwortet auf Reziprozität
31.05.2010 17:08

einmal geändert am 31.05.2010 17:09
Benutzer Reziprozität schrieb:


Die Statistik für Deutschland sieht doch nicht besser aus !

Rund 11-12 Selbsttötungen je 100.000 Einwohner in D pro Jahr, mit einer hohen Dunkelziffer und noch sehr viel mehr Selbsttötungsversuchen. [...]

Wenn man nur die reinen Zahlen betrachtet, könnte man versucht sein, so zu argumentieren. Bei Foxconn waren es bisher in einem halben Jahr in einem Werk mit 300.000 Mitarbeitern in der Tat "nur" 11 Selbsttötungen und bekannt gewordene 3 "gescheiterte" Versuche.

Ich würde allerdings ein Detail nicht außer Acht lassen: Die Gründe.

Für die Selbsttötungen in Deutschland kommen verschiedenste Gründe in Frage und es ist daher entsprechend schwer oder sogar unmöglich, geeignete Maßnahmen zur Vermeidung zu finden (Beziehungsprobleme; Probleme in der Familie oder im familiären Umfeld; Probleme mit schweren Krankheiten wie Krebs, AIDS oder hormonell verursachten Depressionen; Probleme im Beruf wie Mobbing durch Kollegen und Vorgesetzte; etc.)

Im Gegensatz dazu deutet bei dem Werk von Foxconn alles auf eine einzige Ursache hin, die man vermutlich relativ leicht abstellen könnte.

Sowohl aus einigen Abschiedsbriefen der Toten, als auch aus den (teilweise "unter der Hand") durchgeführten Befragungen der Arbeiter vor Ort ergibt sich ein eindeutiges Bild. Die Arbeits- und Lebensbedingungen im und rund ums Werk sind so wenig "lebenswert", dass es selbst einige der relativ "hart gesottenen" und wenig anspruchsvollen chinesischen Wanderarbeiter vorgezogen haben, ihrem Leben ein Ende zu setzen, als so weiter zu vegetieren.

Die Leute arbeiten teilweise 12 Stunden am Tag an 6 Tagen in der Woche wie die Roboter für 110 Euro/Monat und riskieren dabei Schläge vom Wachschutz, wenn sie sich bei der Arbeit auch nur mit ihren Kollegen unterhalten. Nach der Arbeit sind sie dann so "kaputt", dass ihre Freizeit praktisch nur aus Schlafen, Essen und eventuell ein bisschen Internet-Surfen besteht. Freizeitmöglichkeiten gibt es in den dortigen Wohnghettos ohnehin kaum.

Es würde mich nicht wundern, wenn die Wohngebäude Foxconn gehören und die Mitarbeiter einen großen Teil ihrer Entgelte in Form von Miete gleich wieder an ihren Arbeitgeber zurück geben müssen.


[...] Bessere Arbeitsbedingungen bei Foxconn könnte die verhältnis- mäßig niedrige Selbsttötungsrate dort wohl noch weiter senken.
Die Chinesen stecken offenbar deutlich mehr, viel besser weg als wir.

Ich denke, menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen könnten die Rate in dem besagten Werk sogar auf Null senken.
Aber diese Maßnahmen zur Verbesserung der Bedingungen kosten Geld und Foxconn weigert sich bisher, seine schönen Gewinnmargen wegen "einiger weniger" Selbstmorde zu schmälern. Da zitieren sie lieber aus allgemeinen Statistiken, um von ihrem selbst erzeugten Problem abzulenken.


Gruß,

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