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Antennen-Platzierung


25.10.2009 12:08 - Gestartet von koelli
"Für besseren Empfang ist die Antenne ausziehbar."

Ist denn die Antennentechnik heute wirklich soviel besser geworden, dass es reicht, die Antenne intern zu verbauen? Oder hat die Sende-/Empfangsqualität nachgelassen, seit die Hersteller aus Designgründen Antennen nur noch intern anbringen? Gerade beim iPhone liest man doch, dass die Empfangsleistung in schwächer versorgten Gebieten aufgrund des Designs eher mäßig sei.
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[1] m_maier antwortet auf koelli
25.10.2009 14:31
Benutzer koelli schrieb:
Ist denn die Antennentechnik heute wirklich soviel besser geworden, dass es reicht, die Antenne intern zu verbauen? Oder hat die Sende-/Empfangsqualität nachgelassen, seit die Hersteller aus Designgründen Antennen nur noch intern anbringen?

Kritisch ist beim Handy vor allem die "Sendequalität". Unter Funkern heißt es: "Eine gute Antenne ist der beste Verstärker." Eine integrierte Antenne ist im Allgemeinen nicht so gut wie eine Antenne, die "heraussteht". Außerdem sollte eine Antenne, damit sie gut funktioniert, mindestens 1/10 Wellenlänge lang sein, das wären bei GSM900 ca. 3 cm. Eine Stummel-Antenne ist daher im Allgemeinen nicht so gut wie eine ausziehbare Antenne.

Aus folgenden Gründen funktioniert es in der Praxis inzwischen auch mit integrierten Antennen:

- Die Netze sind dichter geworden. (Dazu gehört nicht nur, dass die mittlere Entfernung zur nächsten Basisstation kleiner geworden ist, sondern auch, dass das Handy oft mehrere Basisstationen in unterschiedlichen Richtungen zur Verfügung hat.)

- Die Empfangstechnik an den Basisstationen ist besser geworden (z.B. durch rauscharme Vorverstärker).

Neben Designgründen haben integrierte Antennen gegenüber Ausziehantennen noch folgende Vorteile:

- Es lassen sich leichter Multiband-Antennen realisieren als mit Ausziehantennen. (Integrierte Antennen sind nicht langgestreckt, sondern flächig; dadurch lassen sich Strukturen (z.B. Schlitze) einbauen, damit sie in verschiedenen Frequenzbereichen funktionieren.)

- Der SAR-Wert lässt sich verringern. (Das mag zwar für den Benutzer keinen Vorteil haben, aber es ist einerseits ein Verkaufsargument für Leute, die Sorge vor Elektrosmog haben, und andererseits politisch gewünscht.)

Marcus
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[1.1] koelli antwortet auf m_maier
25.10.2009 15:41
Benutzer m_maier schrieb:
- Der SAR-Wert lässt sich verringern.

Tatsächlich? Ich hätte gedacht, dass es eher umgekehrt ist: Da die internen Antennen näher am Kopf sind als ausgezogene, würde ich die Funkbelastung bei den internen Antennen als höher ansehen.
Hinzu kommt noch, dass die überwiegende Mehrheit der Handynutzer zu faul ist, die Anleitung zu lesen. Da steht nämlich ausdrücklich drin, dass man seine Hand nicht komplett ums Handygehäuse halten soll, da dadurch die Antenne verdeckt wird. Das führt wiederum zur erhöhten Sendeleistung und mehr Funkbelastung.

Das mag zwar für den Benutzer keinen Vorteil haben...

Keinen Vorteil? Jede Reduzierung von Funkwellen stellt einen Schutz dar.
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[1.1.1] m_maier antwortet auf koelli
25.10.2009 21:16
Benutzer koelli schrieb:
Ich hätte gedacht, dass es eher umgekehrt ist: Da die internen Antennen näher am Kopf sind als ausgezogene, würde ich die Funkbelastung bei den internen Antennen als höher ansehen.

Die Ausziehantennen sind praktisch rundstrahlend und der Kopf "versperrt" einem nennenswerten Anteil der Strahlungsleistung "den Weg".

Die integrierten Antennen kann man so designen, dass in Kopfrichtung weniger abgestrahlt wird als in entgegengesetzter Richtung. Man kann versuchen, eine Nullstelle des Strahlungsdiagramms dorthin zu legen, wo sich der Kopf befindet. Ganz verhindern lässt sich eine Befeldung des Kopfes nicht; aber der SAR-Wert lässt sich (bei gleicher in den Raum abgestrahlter Leistung) deutlich reduzieren.

Das Problem kann natürlich sein, dass sich die Basisstation genau in derjenigen Richtung befindet, in die das Handy nun --- dank des SAR-optimierten Strahlungsdiagramms --- kaum sendet. Das führt dann dazu, dass das Handy seine Sendeleistung erhöhen muss, was sich kontraproduktiv auf das Ausmaß der Befeldung des Benutzer-Kopfes auswirken würde. Andererseits gibt es ja in der Hauptstrahlrichtung des Handys vielleicht auch eine Basisstation, die dann benutzt werden kann, wodurch sich das Problem relativiert.

Keinen Vorteil? Jede Reduzierung von Funkwellen stellt einen Schutz dar.

Ich gebe zu, mit meiner Aussage war ich etwas von meiner Meinung getrieben, dass Funkwellen unschädlich sind.

Aber nehmen wir mal an, Funkwellen seien nicht unschädlich. Dann hätte der SAR-Wert dennoch nur eine begrenzte Aussagekraft über die Schädlichkeit des Gebrauchs des betreffenden Handys.

Ein SAR-Wert kann aus drei Gründen klein sein:

a) Die Antenne wandelt nur einen kleinen Teil der Hochfrequenz-Energie in Funkwellen um (der Rest wird in der Antenne oder der Hochfrequenz-Schaltung in Wärme umgesetzt). D.h. die Antenne hat einen schlechten Wirkungsgrad.

b) Die Sendeleistung des Handys kann gedrosselt sein.

c) Die Antenne ist so entwickelt worden, dass ein möglichst hoher prozentualer Anteil der Sendeleistung in den "Freiraum" abgestrahlt und nur ein geringer Anteil im Benutzerkopf verbraten wird.

Wenn ein Benutzer beim Telefonieren möglichst wenig Strahlung abbekommen möchte, ist Fall c) natürlich vorteilhaft.

Fall a) und Fall b) ist nur dahingegend vorteilhaft, was die maximal mögliche, aber nicht, was die durchschnittliche Befeldung angeht. (Weil das Handy --- soweit möglich --- mit einer Erhöhung der Sendeleistung reagiert.)

Das Problem: Man sieht dem SAR-Wert nicht an, ob er wegen a), b) oder c) niedrig ist.

Hersteller könnten versucht sein, SAR-Werte mittels a) und b) klein zu halten, was dem Benutzer aber im Durchschnitt nichts bringt. Dann würde der "blaue Umweltengel" eigentlich zu Unrecht auf der Verpackung kleben.

Der SAR-Wert ist wie, wenn man beim Auto angeben würde, wieviel Sprit pro 100 km bei Vollgas im höchsten Gang verbraucht wird, so eine Art "Worst-Case-Verbrauch" auf der Autobahn.
(Das wäre eine Idee für eine CO2-Steuer...)

Dieser Wert könnte hoch sein, weil der Motor ineffizient ist, oder er könnte hoch sein, weil der Motor (bei hoher Effizienz) viel Leistung hat und die Höchstgeschwindigkeit entsprechend groß ist.

Bei "normalen" Geschwindigkeiten braucht der große, effiziente Motor aber vielleicht weniger Sprit als der ineffiziente.

Beispielsweise könnte der Hersteller eines Autos mit einem schlechten Worst-Case-Verbrauchswert einfach eine Drossel in die Spritzufuhr einbauen (beim Handy wäre das eine Reduzierung der Sendeleistung). Der Worst-Case-Verbrauch wäre sofort gesenkt. Der Durchschnittsverbrauch bei normalen Geschwindigkeiten wäre aber unverändert.

Was wir also bräuchten, wäre die Angabe einer "Durchschnittsbefeldung" und nicht einer "Spitzenwertbefeldung" des Benutzerkopfes beim Gebrauch von Handys. Aber dazu müsste man erst mal eine Mess-Norm entwickeln, die auf Akzeptanz stößt. Der SAR-Wert recht einfach zu messen und ist daher zum Maß aller Dinge geworden.

Marcus
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[1.1.1.1] koelli antwortet auf m_maier
26.10.2009 18:04
Danke für den ausführlichen Beitrag.
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[2] niveaulos antwortet auf koelli
25.10.2009 17:57
Benutzer koelli schrieb:
"Für besseren Empfang ist die Antenne ausziehbar."

Ist denn die Antennentechnik heute wirklich soviel besser geworden, dass es reicht, die Antenne intern zu verbauen? Oder hat die Sende-/Empfangsqualität nachgelassen, seit die Hersteller aus Designgründen Antennen nur noch intern anbringen? Gerade beim iPhone liest man doch, dass die Empfangsleistung in schwächer versorgten Gebieten aufgrund des Designs eher mäßig sei.

Die Empfangsqualität bzw. Stärke in der Netzerreichbarkeit die ich mit meinem Sony CMDX1000 mit ausziehbarer Antenne habe ich nie wieder mit irgendeinem anderen Gerät erreicht.
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[2.1] Beschder antwortet auf niveaulos
25.10.2009 18:37

Die Empfangsqualität bzw. Stärke in der Netzerreichbarkeit die ich mit meinem Sony CMDX1000 mit ausziehbarer Antenne habe ich nie wieder mit irgendeinem anderen Gerät erreicht.

so ähnlich wars mit meinem nokia 2110. in südfrankreich am campingplatz hatte ich teilweise mein nokia 2110 an andere leute verliehen damit die (mit ihrer sim) mal telefonieren konnten. erst belächelt mit meinem totschläger und später gelobt ;-)
es gab allerdings auch nur wenige stellen an denen man telefonieren konnte und ich empfahl immer den "telefonbaum", an dem man recht gute verbindungen hatte.

heute ist dort super empfang in allen netzen und ich habe mein telefon wieder für mich alleine, hihi.