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Regulierung?


17.06.2009 17:20 - Gestartet von niknuk
Üblicherweise werden die hohen Preise bei der Telekom immer mit regulatorischen Zwängen begründet. Und jetzt plötzlich soll so mir nichts dir nichts eine Preissenkung drin sein? Mit Verlaub, ich glaube kein Wort mehr von dem Geschwafel von der Regulierung und den dadurch festgelegten Preisen. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass die Telekom die ganze Zeit noch einigen Spielraum gehabt hätte, ohne gleich den erhobenen Zeigefinger der BNetzA fürchten zu müssen.

Folglich sind auch die Millionen Kunden, die die Telekom in den letzten Jahren verloren hat, nicht der Regulierung zu verdanken, sondern einer verfehlten Preis- und Produktpolitik, die allein auf dem Mist der Telekom gewachsen ist. Es ist eben für ehemalige Monopolisten immer schwer sich umzustellen, wenn sie plötzlich Konkurrenz bekommen.

Gruß

niknuk
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[1] fruli antwortet auf niknuk
17.06.2009 19:33

einmal geändert am 17.06.2009 19:35
Hi,

das einzige, was streng reguliert ist, ist der TAL-Anteil - ansonsten unterliegen die Endkundenpreise bzgl. Breitband, Entertain und Flat längst nur einer laxen Ex-Post-Missbrauchskontrolle im Nachhinein auf Verdachtsbasis.

Die Preise der Telekom sind wohl kalkuliert, um den max. Gewinn herauszuholen. Es gibt schliesslich auch faktische Monopolgebiete (ca. 35% der Haushalte) ohne Kollokations- und Kabel-Konkurrenz, wo man mit seinen hohen Preisen weitgehend konkurrenzlos zulangen kann.

Eine gewisse graduelle Kundenabwanderung ist durch den Regulierer politisch gewollt und wird von der Telekom daher sowieso hingenommen - ein Rollback des Telekom-Marktanteils würde konsequent ein engeres Regulierungskorsett bewirken, was die Telekom als allerletztes möchte.

... und dann noch die Anmerkung: hier wird plötzlich ein Tohuwabohu gemacht, wenn VDSL und ADSL2+ plötzlich auf dem gleichen Preislevel liegen - dass eine Millionenzahl von Kunden Rückfalloptionen wie DSL 384/64 oder 768/128 haben und bei gewünschter Doppelflat den Preis von DSL 6000 zahlen, hat noch nie jemand interessiert - genausowenig wie die Tatsache, dass jahrelang bei Nichtverfügbarkeit von DSL ein Paket mit Festnetz-Flat bei der Telekom in den vermarkteten Regeltarifen (Ausnahme XXL Spezial, den kaum jmd. ausserhalb der Teltarif-Leserchaft kannte und der nicht aktiv vermarktet wurde) teurer war als ein entsprechendes DSL-Paket (also DSL gabs quasi für einen Minusbetrag huckepack dazu) mit Festnetz-Flat. DSL mit Analoganschluss gab es anfangs überhaupt nicht und kostete dann in der Anfangszeit lange gleich viel wie das Bundle DSL+ISDN-Anschluss - für letzteres Bundle hatte die RegTP sogar amtlich und öffentlich eine Kostenunterdeckung=Dumping festgestellt, der Telekom dies aber zugebilligt, etc, etc.

An solchen Anomalien im Preisgefüge der Telekom kann man sehen, wie frei die Telekom in ihrer Bundle-Preisgestaltung seit Jahren ist.

... und seit ca. einem Jahr differenziert die Telekom ja auch die eigenen Paketpreise mit dem Segen des Regulierers regional nach Wettbewerbssituation - in knapp 500 von 5200 Ortsnetzen bekommt man den sog. Heimvorteil (=5€ Rabatt mtl).

So long.
fruli
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[1.1] niknuk antwortet auf fruli
17.06.2009 22:00
Benutzer fruli schrieb:

Die Preise der Telekom sind wohl kalkuliert, um den max. Gewinn herauszuholen. Es gibt schliesslich auch faktische Monopolgebiete (ca. 35% der Haushalte) ohne Kollokations- und Kabel-Konkurrenz, wo man mit seinen hohen Preisen weitgehend konkurrenzlos zulangen kann.

Das ist zwar richtig, aber es ist in den Gebieten, in denen es Konkurrenz gibt, kontraproduktiv. Die halbe Million Kunden, die die Telekom pro Quartal verliert, müssen ja irgendwo hingegangen sein. Ein Teil davon dürfte die Telekom wegen Komplettverzicht aufs Festnetz und Umstieg auf Mobilfunk verlassen haben. Ein anderer ist gegangen, weil die Telekom möglicherweise nur DSL light bietet, wo der Kabelanbieter mit 32 MBit/s auftrumpfen kann. Aber der größte Teil dürfte deshalb den Anbieter gewechselt haben, weil die Telekom schlicht zu teuer war. Und genau da hat der rosa Riese bisher immer hilflos mit der Schulter gezuckt und die hohen Preise mit der Regulierung begründet. Das scheint mir ein haltloses Argument zu sein, zumal ja auch jede Menge Geld für sinnlosen Aktionismus übrig ist, wie z. B. der mehrfache Markenwechsel Telekom -> T-Com -> T-Home oder die Aus- und Wiedereingliederung von Konzernsparten wie T-Online oder T-Mobile. Das dürfte alles ein Schweinegeld gekostet haben, ohne entsprechende Einnahmen oder wenigstens Einsparungen zu generieren. Hätte man auf diese Geldverschwendung verzichtet und stattdessen schon viel früher die Preise gesenkt, wäre der Kundenschwund sicher nicht so dramatisch ausgefallen.

Gruß

niknuk