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Warum will der Bund die Telekom ganz verkaufen?


26.09.2000 15:18 - Gestartet von Telefonexperte
Ich hätte da wirklich mal eine Frage an euch: Warum verkauft der Staat immer mehr Telekom- oder Post-Anteile? Die Telekom/Post macht doch tolle Gewinne. Davon würde doch auch der Staat provitieren. Warum verkauft der Staat dann diese Anteile?

Bitte beantwortet mir die Frage. Danke
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[1] Timo antwortet auf Telefonexperte
26.09.2000 15:56
Da fallen mir mehrere Gründe ein (nur Telekom):
1. Zerstört die Arbeit der RegTP die Existenzgrundlage der Telekom. Der Bund verkauft seine Anteile also bevor der wahre Einbruch kommt.
2. Sind Telekommunikationswerte an den Börsen überbewertet, oder meinst du, daß mehrere tausend Euro pro Mobilfunkkunde gerechtfertigt sind?
3. Trotz des starken Kursrückganges ist die Telekom immer noch 50mal mehr wert, als sie Gewinn erwirtschaftet (2% Rendite). Wenn der Staat jetzt diesen Wert in Cash verwandelt und damit Staatsschulden tilgt, ist die Zinsersparnis (über 5%) mehr als doppelt so hoch, wie die Gewinne, die dadurch entgehen.
4. Bricht der Widerstand der Senatoren gegen die Voicestream-Übernahme in den USA zusammen, wenn die Telekom nicht mehr als Staatsunternehmen angesehen werden kann.

Bei der Post ist das ähnlich. Da macht ein Verkauf während das Monopol besteht Sinn.


Benutzer Telefonexperte schrieb:

Ich hätte da wirklich mal eine Frage an euch: Warum verkauft der Staat immer mehr Telekom- oder Post-Anteile? Die Telekom/Post macht doch tolle Gewinne. Davon würde doch auch der Staat provitieren. Warum verkauft der Staat dann diese Anteile?

Bitte beantwortet mir die Frage. Danke
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[2] Andy1 antwortet auf Telefonexperte
26.09.2000 19:50
Warum hat der Staat die Lufthansa verkauft?
Ganz einfach: Weil es in einem funktionierenden Wettbewerb nicht nötig ist, dass der Staat sogenannte "hoheitliche" Aufgaben übernimmt, um die Komplettversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Also raus mit den Aktien!! UNd zwar fix! In den USA wäre es unvorstellbar, dass der Staat, Anteile an einer Telefongesellschaft hält. Denn wenn die Telekom und Post endlich komplett privatisiert sind, dann hört auch endlich die Protektion von Seiten des Wirtschaftminister Müllers (parteilos :-) auf. Sonst hätten wir heute schon viel günstigere Ortstarife (man denke an last mile Monatsmiete-Problematik) und das Porto würde nicht mehr 1,10 DM für einen Standardbrief betragen. Die RegTP dereguliert das schon richtig.

Andy



Benutzer Telefonexperte schrieb:

Ich hätte da wirklich mal eine Frage an euch: Warum verkauft der Staat immer mehr Telekom- oder Post-Anteile? Die Telekom/Post macht doch tolle Gewinne. Davon würde doch auch der Staat provitieren. Warum verkauft der Staat dann diese Anteile?

Bitte beantwortet mir die Frage. Danke
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[3] Fedra antwortet auf Telefonexperte
26.09.2000 23:05
Die Frage könnte eine politische Diskussion auslösen, die hier nichts zu suchen hat, aber bitte: Der sogenannte Liberalismus (und der beherscht trotz Rot/grün den Zeitgeist)ausverkauft den Staat aus Prinzip. Beim Staat bleiben nur noch die verlustreichen Geschäfte. Mit anderen Worten: Der Staat verkauft dies Dinge, weil diejenigen, die das Sagen haben, etwas anderes im Sinne haben, als die Interessen des Staates.
Meinem Vorschwärmer für die USA sei gesagt: Die Regulierung in die Wirtschaft dort ist viel hefter als hier: Ist hierzulande ein Gesetzentwurf denkbar, der ausländische Übernahmen verhindert ? Ist es hier denkbar, daß man einem Softwarekonzern vorschreibt, den Internet-Explorer aus dem Programm zu nehmen ? In den USA gilt ein 120 Jahre altes Karttelgesetz und das wird auch angewandt.
In Deutschland betreibt man auch die Privatisierungen wiedermal mit "deutscher Gründlichkeit". Und dabei kommt in diesem Falle nichts gutes heraus, denn nur die Rosinen werden verscherbelt.

Fedra
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[3.1] An Fedra
Andy1 antwortet auf Fedra
27.09.2000 00:09
Ja richtig. Die Liberalisierung des Telelkommunikationsmarktes war ein riesen Fehler und die Telekom sollte auch noch Deutsche Bundespost heissen (natürlich einschliesslich des gesamten Beamtenapparats).
Na, Mahlzeit. Realitäten scheinen dich nicht zu interessieren.
Ich möchte mal sehen, was hier los wäre, wenn ein amerikanischer Staatskonzern (und die Telekom ist ein solcher deutscher!) eine grosse deutsche Firma übernehmen würde. Insofern ist die Sorge der Amerikaner berechtigt, wenn sie zu einer schnelleren Veräusserung der BundesTelekomaktien führt-na umso besser. Kann uns nur recht sein.

>Beim Staat
bleiben nur noch die verlustreichen Geschäfte.
Der Staat ist nicht dazu da Gewinne zu erwirtschaften. In keinem Land der Welt. Wenn er es dennoch macht, so ist das falsch.

einem Softwarekonzern vorschreibt, den Internet-Explorer aus dem Programm zu nehmen ?
Schon mal was von marktmissbrauchender Vormachtstellung gehört? Ist in Deutschland im übrigen genauso. Dazu gibt's ein Kartellamt.
Dieses 120 Jahre alte amerikanische Kartellrecht hat schon sehr gute Dienste geleistet. Mehrere Großunternehmen wurden zerschlagen.
Übrigens: auch der amerikanische Telekommonopolist AT&T, schon 1984. Da wurden bei der Telekom noch Beamte eingestellt (deren horrend hohe Pensionen wir die nächsten 40 Jahre über Steuern finanzieren dürfen.)

Andy



Benutzer Fedra schrieb:

Die Frage könnte eine politische Diskussion auslösen, die hier nichts zu suchen hat, aber bitte: Der sogenannte Liberalismus (und der beherscht trotz Rot/grün den Zeitgeist)ausverkauft den Staat aus Prinzip. Beim Staat bleiben nur noch die verlustreichen Geschäfte. Mit anderen Worten: Der Staat verkauft dies Dinge, weil diejenigen, die das Sagen haben, etwas anderes im Sinne haben, als die Interessen des Staates. Meinem Vorschwärmer für die USA sei gesagt: Die Regulierung in die Wirtschaft dort ist viel hefter als hier: Ist hierzulande ein Gesetzentwurf denkbar, der ausländische Übernahmen verhindert ? Ist es hier denkbar, daß man einem Softwarekonzern vorschreibt, den Internet-Explorer aus dem Programm zu nehmen ? In den USA gilt ein 120 Jahre altes Karttelgesetz und das
wird auch angewandt. In Deutschland betreibt man auch die Privatisierungen wiedermal mit "deutscher Gründlichkeit". Und dabei kommt in diesem Falle nichts gutes heraus, denn nur die Rosinen werden verscherbelt.

Fedra