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Tibet


29.03.2008 20:22 - Gestartet von J.Malberg
Ich tippe mal die Tibeter haben da ganz andere Probleme!

Man sollte den Genozid an der tibetischen Bevölkerung nicht vergessen!

FREE TIBET NOW!!!
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[1] rainbow antwortet auf J.Malberg
29.03.2008 22:23
Benutzer J.Malberg schrieb:
Ich tippe mal die Tibeter haben da ganz andere Probleme!

Man sollte den Genozid an der tibetischen Bevölkerung nicht vergessen!

FREE TIBET NOW!!!

Stimmt - sie haben andere Probleme. Aber ungeachtet dessen bedeutet der Ausbau der Mobilfunknetze für Millionen Chinesen - gerade auch für jene, die das Geschehen in Tibet ebenso verurteilen wie wir in Europa - einen spürbaren Fortschritt.
Mehr Kommunikation ist auch ein kleines Stück mehr Freiheit.
mfg
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[1.1] Dragen antwortet auf rainbow
29.03.2008 23:57
Genau, darauf eine Havanna!
http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Kuba-Raul-Castro;art123,2502425
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[2] RE: Tibet (wollen wir mal nicht übertreiben)
gpsglobetrotter antwortet auf J.Malberg
24.06.2008 15:28

14x geändert, zuletzt am 24.06.2008 17:54
Benutzer J.Malberg schrieb:
[...] Man sollte den Genozid an der tibetischen Bevölkerung nicht vergessen!
[...]

Nun plapper nicht einfach nach, was Du irgendwo nur halb gelesen hast. Entschuldige wenn das jetzt etwas harsch klingt, aber Dein Genozid Vergleich hinkt gewaltig.

Der (aktuelle) Dalai Lama spricht gerade mal von einem "kulturellem Genozid". Siehe z.B. dort:
http://www.tagesspiegel.de/politik/international/;art123,2495769

Es ist offensichtlich, dass viele ethnische Tibeter gegenüber den zugezogenen Han-Chinesen finanziell benachteiligt sind. Es ist offensichtlich, dass viele ethnische Tibeter auf dem Arbeitsmarkt gegenüber zugezogenen Han-Chinesen benachteiligt sind. Die Tibeter werden diskriminiert - keine Frage. Nach meiner Einschätzung geht ein Großteil der Diskiminierungen direkt von den dort lebenden Han-Chinesen im normalen Alltag aus - nicht aus der direkten Politik der chinesischen Regierung. Die hinzugezogenen Han-Chinesen werden von vielen Tibetern als eine Art Kolonial-Herren empfunden. Selbst wenn Tibet bereits seit vielen hundert Jahren zu China gehört, es waren niemals so viele Han-Chinesen (oder sonst irgendwelche Nicht-Tibeter) in Tibet ansässig. Es ist offensichtlich, dass viele ethnische Tibeter glauben, dass ein souveräner Staat Tibet äußerst Vorteilhaft für die Tibeter wäre. Tibet ist von den Ressource her nicht wirklich arm. Wunderschöne Naturlandschaften die touristisch höchst attraktiv sind, riesenhafte Vorkommen von sauberem Trinkwasser (das Gold/Öl des 21sten Jahrhunderts) und immer mehr entdeckte Lagerstätten von Bodenschätzen, die nur darauf warten ausgebeutet zu werden. Riesige Waldgebiete wurden für den Rohstoff Holz bereits gerodet, die Nutzung der anderen Rohstoffe fängt gerade erst an.

Siehe z.B. auf dieser Seite:
http://www.china-botschaft.de/det/zt/sjwj/t94308.htm

(Nach dem Zitat geht mein Text weiter)

---===============­================---
Zitat (chinesichen Botschaft in Deutschland):

[...] Tibet verfügt über 90 Arten von Bodenschätzen. Von den 26 Arten bekannter Bodenschatzreserven nehmen 11 Arten den 1 bis 5. Platz des Landes ein. Chromeisenerz kommt auf einer Fläche von 2500 qkm vor, konzentriert im Gebiet von Bagon-See in Nordtibet bis zum Fluß Nujiang und zum Yarlung Zangbo. Der festgestellte Vorrat nimmt den ersten Platz des Landes ein. Das Grubenfeld Norbusa im Bezirk Lhoka ist eine wichtige Basis für die Gewinnung von Chromeisenerz. Der geschätzte Vorrat an Lithium ist einer der größten der Welt. Der geschätzte Vorrat an Kupfer nimmt den zweiten Platz des Landes ein. Die festgestellten Reserven von Borax, Magnesit, Schwerspat und Arsen belegen den dritten Platz des Landes, die Reserven von Kaliglimmer und Torf den vierten Platz und die Reserven von Gips und Porzellanerde den zweiten bzw. den fünften Platz. Weitere wichtige Bodenschätze sind Speisesalz, Soda, Glaubersalz, Schwefel, Phosphor, Kalium, Kieselgur, Doppelspat, Korund, Kristalle und Achat.
Energie Tibet verfügt über wenig Kohle, Erdöl und Erdgas, doch über viel Wasser-, Erdwärme-, Sonnen- und Windenergie. Statistischen Angaben zufolge beträgt die natürliche Wasserenergie 200 Mio. kW pro Jahr, das entspricht etwa 30% jener des Landes. Die Ressourcen an Oberflächenwasser betragen 35,48 Mrd. Kubikmeter, das macht 13,5% der Gesamtmenge des Landes aus. Und die Gletscherwasserressourcen betragen über 330 Mrd. Kubikmeter. Die Wasserenergiereserven im Südosttibet machen 70% der von ganz Tibet aus. Allein die Wasserenergieressourcen des Yarlung Zangbo betragen 80 Mio. kW, und die seiner fünf großen Nebenflüsse Dogxung Yangbo, Nyang Qu, Lhasa, Nyang und Parlung Zangbo ergeben zusammen weitere 10 Mio. kW.
Die erschließbare Wasserenergie Tibets wird auf 56,59 Mio. kW beziffert, das macht 15% der Gesamtmenge des Landes aus. Die erschließbare Wasserenergie des Yarlung Zangbo beläuft sich auf 47,37 Mio. kW. Nach Untersuchungen kann man an mehr als zehn Stellen des Yarlung Zangbo Wasserkraftwerke bauen. Die 200 km lange Flußbiegung von Paidi im Kreis Minling bis zur Lidong-Brücke im Kreis Medog hat ein Gefälle von 2190 m. Würde man einen 36 km langen Tunnel bauen und das Wasser des Yarlung Zangbo direkt von Paidi nach Lidong-Brücke abstürzen lassen, könnte man ein riesiges Wasserkraftwerk mit einer installierten Leistung von 40 Mio. kW errichten. [...]

(Zitat Ende)
---===============­================---

Und hier sind noch nicht einmal die neusten Öl-Funde mit angegeben. Alles das umgerechnet auf die nicht einmal 5 Millionen Tibeter, die es in Großtibet gibt (also alle Tibeter in der Region, nicht nur die Tibeter in der Provinz Tibet) macht aus jedem Tibeter einen "potentiellen Millionär". Das da die Anhänger der Souveränitätsbewegung/Separatismusbewegung wieder kräftigst moralischen und personellen Zulauf haben (damit meine ich nicht den Dalai Lama, sondern den Tibetan Youth Congress), ist da kein Wunder.

Es ist offensichtlich, dass die chinesische Regierung viele gewachsene Strukturen in Tibet während der "Kulturrevolution" und danach zerschlagen hat und dabei alles andere als zimperlich vorgegangen ist. Aber von einem "Genozid an der tibetischen Bevölkerung" kann man wohl eher nicht sprechen - vor allem heute nicht. Die alten kulturellen Strukturen werden mehr und mehr auch heute noch verdrängt und eine (verordnete) "kulturelle Gleichmacherei" in allen Lebensbereichen geht seinen Lauf, dass es einem schon mal schlecht werden kann. Aber das ist noch lange kein "Genozid an der tibetischen Bevölkerung". Eine Bevormundung und Entrechtung ja, aber kein Genozid.

Dass die chinesiche Regierung große Angst vor einem durch separatistische Bestrebungen ausgelösten Zerfall der Volksrepubik hat, dürfte wohl offensichtlich sein. Wenn es eine Volksgruppe in China schaffen sollte, sich vom Rest des Landes zu trennen, dann dürfte die nächste nach Unabhängigkeit strebene Volksgruppe nicht fern sein. Noch stärker dürfte der Effekt sein, wenn es dem neuen souveränen Staat (oder sagen wir erstmal lieber nur der "abtrünnige Provinz") dann womöglich gelingen sollte, finanzielle Vorteile von dieser Abspaltung schlagen zu können. Die nächste Volksgruppe wird um so mehr nach Souveränität verlangen. Wenn nötig auch mit (immer mehr) Gewalt.

Dass die chinesische Regierung befürchtet, dass so eine Situation zu einem verheerenden und blutigen Bürgerkrieg führen könnte, dürfte für jeden logisch sein. Man könnte auch von einer China-internen Domino-Theorie sprechen (unter komplett anderem politischen Vorzeichen): Wenn es einem Teil des Landes gelingen sollte sich abzuspalten (egal ob Taiwan, Tibet, Xinjiang, oder welcher Teil auch immer), zerfällt auch der Rest in immer kleinere Teile. Bürgerkrieg und Chaos wären nicht mehr aufzuhalten. So die Befürchtung bzw. so eine der VIELEN Befürchtungen.

Ob das rigorose Festklammern am Status-quo nicht am Ende gar gefährlicher ist, als eine Zugeständnis von zumindest mehr Autonomie, vermag ich nicht zu beurteilen. Ein damit ggf. einhergehender zumindest teilweiser Ressourcen-Verlust für den Rest der VR China dürfte auch einer der vielen Mosaike sein, die die aktuelle chinesische Politik in der Region mitbeeinflusst. Ob ca. 1,2 Milliarden Han-Chinesen es verstehen würden, dass man einen Großteil der chinesischen Landmasse und der chinesischen Ressourcen an gerade mal 5 Millionen Tibeter "verschenkt", wäre zu bezweifeln. Man darf auch nicht vergessen, dass bereits die Provinz Tibet mehr als 12% des chineschen Festlandes umfasst. Der ursprüngliche tibetische Kulturraum umfasst sogar mehr als 25%! Nehmen wir jetzt noch die gesamten Gebiete der Uiguren (ein Turkvolk in China) hinzu, bleibt "nicht mehr viel übrig" von der Volksrepublik China. Da ist so richtig sozialer Sprengstoff drin! Und wenn dieser Sprengstoff explodiert, rüttelt das auch noch in Europa.

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[2.1] J.Malberg antwortet auf gpsglobetrotter
24.06.2008 21:03

Es ist offensichtlich, dass viele ethnische Tibeter gegenüber den zugezogenen Han-Chinesen finanziell benachteiligt sind. Es ist offensichtlich, dass viele ethnische Tibeter auf dem Arbeitsmarkt gegenüber zugezogenen Han-Chinesen benachteiligt sind.

Das beantwortet nicht die Frage, mit welchen Recht die Chinesen Tibet besetzen?

Tibet hat wie jedes andere Land auch das Recht auf Souveränität.
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[2.1.1] gpsglobetrotter antwortet auf J.Malberg
24.06.2008 23:06

einmal geändert am 24.06.2008 23:19
Sei mal dahingestellt, ob man Tibet als zuvor eigenständiges Land ansieht oder nicht. Bevor wir nun anfangen über Völkerrechtssubjekte und Staatstheorie zu schwafeln, lass mich nur eine Frage stellen. Du schreibst:

Benutzer J.Malberg schrieb:
Tibet hat wie jedes andere Land auch das Recht auf Souveränität.

Aber zu welchem Preis?

Noch einmal die selbe Frage:

Aber zu welchem Preis?

Ein kurzer Auszug aus meinem vorherigen Posting:
https://www.teltarif.de/forum/s29428/1-4.html

[...]
"Und hier sind noch nicht einmal die neusten Öl-Funde [in Tibet] mit angegeben. Alles das umgerechnet auf die nicht einmal 5 Millionen Tibeter, die es in Großtibet gibt (also alle Tibeter in der Region, nicht nur die Tibeter in der Provinz Tibet) macht aus jedem Tibeter einen "potentiellen Millionär"."
[...]
"Ob ca. 1,2 Milliarden Han-Chinesen es verstehen würden, dass man einen Großteil der chinesischen Landmasse und der chinesischen Ressourcen an gerade mal 5 Millionen Tibeter "verschenkt", wäre zu bezweifeln. Man darf auch nicht vergessen, dass bereits die Provinz Tibet mehr als 12% des chineschen Festlandes umfasst. Der ursprüngliche tibetische Kulturraum umfasst sogar mehr als 25%! Nehmen wir jetzt noch die gesamten Gebiete der Uiguren (ein Turkvolk in China) hinzu, bleibt "nicht mehr viel übrig" von der Volksrepublik China. Da ist so richtig sozialer Sprengstoff drin! Und wenn dieser Sprengstoff explodiert, rüttelt das bis nach Europa."