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Nokia wird subventioniert?


19.01.2008 10:15 - Gestartet von tsuitsui
Lese ich das richtig? Der Standort Bochum des weltgrößen Mobilfunkherstellers und -ausrüsters wird mit Steuergeldern subventioniert?

Wo leben wir eigentlich? Letztes Jahr hat Nokia weltweit einen Reingewinn von rund 2 Milliarden Euro (evtl. sogar mehr + Tochtergesellschaften) eingefahren, aber im Land NRW wird das Unternehmen subventioniert?!

Das ist etwa so als würde ich einen Millionär zusätzlich HARTZ 4 berechtigen.

Die 40 Mio. Subventionen hätten daher durchaus sinnvoller investiert werden können. Eine solche Subventionspolitik ist verfehlt und diente wahrscheinlich sowieso nur zur Erkaufung von Arbeitsplätzen: Lieber Subventionen als Arbeitslosengeld zahlen.

Angesichts des weltweiten Erfolgs von Nokia ist die Androhung, sich die 40 Mio. zurückzuholen, zudem geradezu lächerlich.

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[1] Handybär antwortet auf tsuitsui
19.01.2008 19:41
Benutzer tsuitsui schrieb:
Lese ich das richtig? Der Standort Bochum des weltgrößen Mobilfunkherstellers und -ausrüsters wird mit Steuergeldern subventioniert?

Wo leben wir eigentlich? Letztes Jahr hat Nokia weltweit einen Reingewinn von rund 2 Milliarden Euro (evtl. sogar mehr + Tochtergesellschaften) eingefahren, aber im Land NRW wird das Unternehmen subventioniert?!

Das ist etwa so als würde ich einen Millionär zusätzlich HARTZ 4 berechtigen.

Die 40 Mio. Subventionen hätten daher durchaus sinnvoller investiert werden können. Eine solche Subventionspolitik ist verfehlt und diente wahrscheinlich sowieso nur zur Erkaufung von Arbeitsplätzen: Lieber Subventionen als Arbeitslosengeld zahlen.

Angesichts des weltweiten Erfolgs von Nokia ist die Androhung, sich die 40 Mio. zurückzuholen, zudem geradezu lächerlich.



Dem kann ich nur zurstimmen. Die größte Sauerei ist aber, daß Nokia auch noch eine ganze Menge Zeitarbeiter beschäftigt hat. Die sind doch schon billig.
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[1.1] dancer antwortet auf Handybär
19.01.2008 23:19
Hi Bär!

Wie schon mal erwähnt. Die Personalkosten an einem in Bochum erstellten Handy betragen 5%. Was Nokia durch den Umzug sparen will, bleibt fraglich.

Guido
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[2] Real Emu antwortet auf tsuitsui
19.01.2008 21:31
Das ist gängige Praxis. Manchmal hat man schon den Eindruck, je prosperierender ein Unternehmen, desto größer sein Lobbyeinfluss, desto höher die Subventionen ;-) ...von unser aller Geld.
Dabei ist Nokia noch nicht mal ein Großabnehmer von Staatsknete. Zum Beispiel haben die Chiphersteller Intel und AMD in Sachsen richtig abgesahnt; denen hat der Freistaat Sachsen die Grundstücke geschenkt und sich sogar an einer Bau- und Betriebsgesellschaft beteiligt, damit die armen Leute den Neubau ihrer Werkshallen nicht auch noch selbst bezahlen müssen. Zusätzlich gab es ingesamt große dreistellige Millionenbeträge als Sahnehäubchen obendrauf. Ganz legal.
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[2.1] Müller2 antwortet auf Real Emu
20.01.2008 11:38
Benutzer Real Emu schrieb:
Das ist gängige Praxis. Manchmal hat man schon den Eindruck, je prosperierender ein Unternehmen, desto größer sein Lobbyeinfluss, desto höher die Subventionen ;-) ...von unser
aller Geld.
Dabei ist Nokia noch nicht mal ein Großabnehmer von Staatsknete. Zum Beispiel haben die Chiphersteller Intel und AMD in Sachsen richtig abgesahnt; denen hat der Freistaat Sachsen die Grundstücke geschenkt und sich sogar an einer Bau- und Betriebsgesellschaft beteiligt, damit die armen Leute den Neubau ihrer Werkshallen nicht auch noch selbst bezahlen müssen. Zusätzlich gab es ingesamt große dreistellige Millionenbeträge als Sahnehäubchen obendrauf. Ganz legal.


Hallo,

daß solche Subventionen nichts anderes darstellen als eine Umverteilungsmaßnahme weg von den Steuerzahlern hin zu den Unternehmen zeigt das Beispiel AMD recht gut. Die werden ihr neues Werk nämlich voraussichtlich nicht wie erhofft wieder in Sachsen errichten, sondern in New York. Dort erhalten sie bei geschätzten Baukosten von 3,2 Mrd. US-$ immerhin eine Subvention von 650 Mio. US-$. In Sachsen waren ihnen "lediglich" 250 Mio. € angeboten worden. In New York sollen dadurch 2000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Das entspricht immerhin einer Subventionierung von 325000$ pro Arbeitsplatz.
Die Frage wird sein, wie lange AMD dort bleibt, wenn es in ein paar Jahren genügend qualifizierte Arbeitskräfte zu deutlich niedrigeren Löhnen vielleicht in Mexiko gibt. Der "natürliche" Lauf der Dinge läßt sich durch solche Subventionen nicht aufhalten, sondern allenfalls verlangsamen. Ob es das wert ist darf bezweifelt werden. Steuergelder in dieser Größenordnung wären an anderer Stelle sicher besser angelegt.

Gruß Müller2
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[3] alexochs antwortet auf tsuitsui
23.01.2008 20:55
Die 40 Mio. Subventionen hätten daher durchaus sinnvoller investiert werden können. Eine solche Subventionspolitik ist verfehlt und diente wahrscheinlich sowieso nur zur Erkaufung von Arbeitsplätzen: Lieber Subventionen als Arbeitslosengeld zahlen.

Die gezahlten 40 Mio. waren für das Land NRW und die Stadt Bochum auf die Zeit, in der Nokia in Bochum produziert hat, wahrscheinlich sogar günstiger, als die Ausgaben für ALG und Hartz IV (bzw. vorher Sozialhilfe). Ohne diese Zahlungen hätte sich Nokia wahrscheinlich niemals dort angesiedelt und ein Großteil der jetzt betroffenen Arbeitnehmer wäre vermutlich schon etliche Jahre länger arbeitslos.

Gerade im Zusammenhang mit der Region Ruhrgebiet muss man sich auch immer vor Augen halten welche Unsummen an Subventionen in den vergangenen 30 Jahren dort in die Förderung (oder sollte man sage der künstlichen Lebenserhaltung) der Steinkohlezechen geflossen ist. Sofern diese Subventionen eingestellt würden, wird auch die RAG seine letzten Zechen sofort dichtmachen - ins EU-Ausland können sie natürlich nicht umziehen, da man die Steinkohle natürlich schlecht mitnehmen kann.

Statt unsere Steuergelder in immer neue Unternehmenssubvetionen zu stecken, sollten unsere Damen und Herren Politiker lieber dafür sorgen, dass der einzige "Rohstoff" den Deutschland hat richtig genutzt wird - Bildung!!! Mit reinen Produktionsarbeitsplätzen wird in Zukunft kein Blumentopf mehr zu gewinnen sein.

alexochs