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Wasser und Nahrungsmittel wäre besser!


17.11.2008 11:45 - Gestartet von efteris
Ich denke, die Kinder in Afrika brauchen noch wichtigere Dinge, wie z.B. sauberes Wasser, Nahrung, Schulsachen, Bücher, Kleider usw.!

Ein Laptop braucht nicht einmal ein Kind in Deutschland!

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[1] grafkrolock antwortet auf efteris
17.11.2008 12:17
Benutzer efteris schrieb:
Ich denke, die Kinder in Afrika brauchen noch wichtigere Dinge, wie z.B. sauberes Wasser, Nahrung, Schulsachen, Bücher, Kleider usw.!
Das ist ein Irrtum! Viele in der westlichen Welt glauben, in den Entwicklungsländern herrsche blanke Not und man müsse die Leute vor dem Verhungern retten. Dem ist nicht so. Im Gegenteil: Insbesondere Nahrungsmittellieferungen richten den örtlichen Lebensmittelmarkt zugrunde und "erziehen" die Leute zu Almosenempfängern.
Von Natur- oder Kriegskatastrophen abgesehen ist erstmal jedes afrikanische Land in der Lage, seine Bewohner hinreichend zu ernähren. Hungersnöte finden sich nur in Kriegsgebieten oder wo Ausnahmedürren herrschen. Aber in letzterem Fall ist es grundsätzlich möglich, den Getreidebedarf durch reguläre Importe oder aus Vorräten zu decken.

Ein Positivbeispiel sind hingegen die Kleiderspenden: Diese werden NICHT kostenlos an die Bevölkerung verteilt (wie viele hierzulande glauben), sondern zu erschwinglichen Preisen verkauft. Damit hat sich in der Vergagenheit ein florierender Markt mit Wertschöpfungskette entwickelt.

Ein Problem hingegen, das unter Abteilung Investition laufen muß, ist die mangelhafte Bildung und die fehlende Möglichkeit, Akademiker heranzubilden. Wo Südostasien es bei vergleichbarer Ausgangslage geschafft hat, High-Tech-Standort zu werden, fehlt derlei Infrastruktur in Afrika fast völlig. Leute, die in Lehmhütten als Bauern leben, sind für zukunftsfähige Projekte kaum geeignet ausgebildet. Daher ist das Laptop-Projekt nur zu begrüßen. Zusätzlich muß die Internet-Infrastruktur ausgebaut werden, aber auch dabei gibt es bemerkenswerte Fortschritte in Afrika auf Mobilfunkbasis.
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[1.1] tba antwortet auf grafkrolock
17.11.2008 12:48


Ein Positivbeispiel sind hingegen die Kleiderspenden: Diese werden NICHT kostenlos an die Bevölkerung verteilt (wie viele hierzulande glauben), sondern zu erschwinglichen Preisen verkauft. Damit hat sich in der Vergagenheit ein florierender Markt mit Wertschöpfungskette entwickelt.


Dein Positivbeispiel ist eher ein Negativbeispiel. Durch die Kleiderspenden wird die komplette Textilindustrie in diesen Ländern komplett kaputt gemacht bzw. daran gehinder überhaupt zu entstehen. Die einzigen, bei denen es floriert sind die europäischen Firmen welche der größte Teil der Wertschöpfungskette sind.
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[1.1.1] grafkrolock antwortet auf tba
17.11.2008 12:56
Benutzer tba schrieb:
Dein Positivbeispiel ist eher ein Negativbeispiel. Durch die Kleiderspenden wird die komplette Textilindustrie in diesen Ländern komplett kaputt gemacht bzw. daran gehinder überhaupt zu entstehen.
Nein, weil dort so oder so keine Bekleidungsindustrie entstehen wird. Der Gebrauchtmarkt bedient das Segment unterhalb der Preislage für Neuware und ist daher keine wirkliche Konkurrenz.
Die Bekleidungsherstellung findet ohnehin ich China statt. NOCH billiger könnten die Afrikaner gar nicht selbst produzieren.
Wurde im Fernsehen bereits hinreichend beleuchtet.

Im Übrigen: Die Europäer verdienen nichts daran, weil es von hier aus tatsächlich als Spende nach Afrika geht. Der Verkauf ab Lager und Sortierung über die Händler, Verteiler und Zwischenhändler beginnt erst dort.
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[1.1.1.1] tba antwortet auf grafkrolock
17.11.2008 13:06
Benutzer grafkrolock schrieb:

Nein, weil dort so oder so keine Bekleidungsindustrie entstehen wird. Der Gebrauchtmarkt bedient das Segment unterhalb der Preislage für Neuware und ist daher keine wirkliche Konkurrenz. Die Bekleidungsherstellung findet ohnehin ich China statt. NOCH billiger könnten die Afrikaner gar nicht selbst produzieren. Wurde im Fernsehen bereits hinreichend beleuchtet.

Im Übrigen: Die Europäer verdienen nichts daran, weil es von hier aus tatsächlich als Spende nach Afrika geht. Der Verkauf ab Lager und Sortierung über die Händler, Verteiler und Zwischenhändler beginnt erst dort.

Tut mir leid aber das ist größtenteils falsch.
Sortierung erfolgt in Europa auch wenn es vielleicht auch einige dort machen.
Auf jeder Kleiderbox klebt ein Logo drauf. Diese verkaufen Lizenzen an andere Unternehmen, welche dann die Klamotten einsammeln und so weiter.
Kannst ja mal Dein zitiertes Fernsehen fragen.
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[1.1.1.1.1] grafkrolock antwortet auf tba
17.11.2008 13:29

einmal geändert am 17.11.2008 13:30
Benutzer tba schrieb:
Tut mir leid aber das ist größtenteils falsch. Sortierung erfolgt in Europa auch wenn es vielleicht auch einige dort machen.
OK, von mir aus. Ändert das was an meiner grundsätzlichen Aussage?
Ihr könnt ja auch alle zu Attac gehen und gegen die ach so böse Globalisierung kämpfen. Dann fragt aber auch nicht, was mich arme Leute in Afrika jucken.

Aber der Kern war doch ohnehin, daß die Bevölkerung in der Dritten Welt auf eigenen Beinen stehen muß. Und dazu reicht es auf Dauer nicht aus, wenn sie ihre Klamotten selber stricken und Subsistenzwirtschaft betreiben. Sie sind vom globalen Fortschritt abgeschnitten, solange es nicht vor Ort genügend kluge Köpfe gibt, die über den eigenen Tellerand hinausgucken können. Solange ohne Zweifel kluge Menschen bestenfalls in der Lage sind, zu lesen und die Grundrechenarten zu beherrschen und darüberhinaus ohne Strom und Telekommunikation von der Hand in den Mund leben, wird es mit den betreffenden Ländern niemals aufwärts gehen. All die zarten Pflänzchen der Art "Wirtschaftskreislauf auf einfachem Niveau" (Nahrungsmittel und meinetwegen Bekleidung) werden nicht dazu beitragen können, eine nennenswerte Steigerung des Lebensstandards zu erreichen. In Indien ging es auch erst aufwärts, als man begann, gezielt die Ausbildung der Jugend zu fördern und High-Tech-Wirtschaftszweige zu etablieren. Mit ihren nach Gandhis Tradition selbstgewebten Saris hätten die Inder keinen Blumentopf gewinnen können. Und genauso ist es in Afrika. Dort muß etwas passieren. Etwas ganz Entscheidendes. Sonst bleibt alles beim alten.
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[1.1.1.1.1.1] efteris antwortet auf grafkrolock
17.11.2008 22:07
Zu glauben, dass man mit Laptops Menschen besser bilden und dadurch Armut und die andere Probleme besiegen kann, ist sehr naiv!

Tatsache ist, dass in Afrika mehrere Zehn! Millionen Menschen unter Hungersnot leiden, mehrere Zehn! Millionen Menschen mit HIV angesteckt sind , mehrere Zehn! Millionen Menschen kein sauberes Trinkwasser haben, auch nicht in Regionen, in der es keine Kriege gibt.

In Indien gibt es sehr viele Computer auch sehr viele Informatiker, aber auch dort gibt es Armut, die sogar mit Afrika vergleichbar ist.

Die Aussagen, gespendete Kleider oder Gelder werden nicht weitergegeben oder in eigenen Taschen gesteckt, sind nur Ausreden der "Besserlebenden".

In Deutschland hat fast jedes Kind ein Computer, was machen die damit, außer Chatten, Ballern, Spielen, Einkaufen bei Ebay usw..? Lernen? Nein!

Weder ein Kind in Deutschland noch in Afrika braucht ein Computer um besser zu leben!

Schon jetzt werden hier kaum Bücher und Zeitungen gelesen und die nächsten Generationen werden nicht intelligenter, glaubt mir. Die werden dümmer, die werden verdorbener, nichts weiter!
Rumsurfen im Web, Britney und Co. hören bei MTV ist viel schlechter für ein Kind als ohne PC zu aufwachsen. Die Kinder werden hier mit Multimedia (PC, Internet, Konsolen, Handys etc.) vergiftet, die kennen kaum irgendwelche Werte und haben Respekt vor Irgendwas.

Die afrikanische Kinder wären viel Glücklicher, wenn die warmes Essen zu Hause hätten, Eltern die noch Leben, Kleider die sie tragen, Medikamente die sie brauchen..
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[1.1.1.1.1.1.1] grafkrolock antwortet auf efteris
17.11.2008 22:43

einmal geändert am 17.11.2008 22:45
Benutzer efteris schrieb:
Tatsache ist, dass in Afrika mehrere Zehn! Millionen Menschen unter Hungersnot leiden, mehrere Zehn! Millionen Menschen mit HIV angesteckt sind , mehrere Zehn! Millionen Menschen kein sauberes Trinkwasser haben, auch nicht in Regionen, in der es keine Kriege gibt.
Aber gleichzeitig gibt es viel mehr Menschen dort, die nicht in allerbitterster Armut leben. Es so darzustellen, ist ein unverantwortbares Zerrbild. In Sambia, Tansania, auch in Kenia oder dem Senegal verhungert niemand, Mosambik ist wirtschaftlich auf gutem Wege, vom Lebensstandard in Botswana infolge des Diamantenbooms gar nicht zu reden. Wir können Afrika nicht immer nur auf die Notstandsgebiete im Sahel oder im Kongobecken reduzieren und auf die Mitleidstränendrüse drücken. Das bringt den Kontinent kein Stück weiter.
So traurig verhungernde Menschen sind, aber sie spielen im kontinentalen Zusammenhang Afrikas eher eine untergeordnete Rolle.
Wichtig wird in Zukunft sein, dem Gros der Bevölkerung, die zwar arm ist, aber über die Runden kommt, Chancen zu eröffnen weiterzukommen als ihre Großeltern.

Du hast insofern recht, daß AIDS zu bekämpfen ist, was letztlich auch einen gewissen Menthalitätswechsel vor Ort erfordert. Aber wie kommt es denn, daß Männer dort ohne Gummi poppen, weil sie überzeugt sind, daß HIV nur ein böser Zauber ist, den man zudem mittels Sex mit einer Jungfrau bekämpfen kann? Mit Bildung muß man dem begegnen, aber nicht durch solche, die sich über Buschtrommeln verbreitet.

In Indien gibt es sehr viele Computer auch sehr viele Informatiker, aber auch dort gibt es Armut, die sogar mit Afrika vergleichbar ist.
Genau das war meine Aussage. Trotzdem hat man mit Erfolg in Technologie und entsprechendes Know How investiert, was sich heute auszahlt. Oder will ernsthaft jemand behaupten, daß es Schwellenländern heute besser ginge, wenn sie auf dem Stand von vor 40 Jahren stehengeblieben wären?

In Deutschland hat fast jedes Kind ein Computer, was machen die damit, außer Chatten, Ballern, Spielen, Einkaufen bei Ebay usw..? Lernen? Nein!
Das sehe ich anders. In so ziemlich jedem Beruf sind Computerkenntnisse inzwischen Pflicht. Und das wird in Zukunft noch weiter zunehmen. Supermarktkassierer werden in wenigen Jahren Geschichte sein, nicht erst in 20 oder 30, eher in 2 oder 3 Jahren. Ohne entsprechende Weiterbildung - aus eigenem Antrieb, nicht weil der Chef das so sagt - werden die Leute allesamt nach Hartz IV gehen.

Die Annahme, diese EDV-Grundkenntnisse könnten erfolgreich durch die Schule vermittelt werden, auch wenn der Schüler gar kein richtiges Interesse daran hat, ist naiv. OK, die Jungens kaufen damit bei eBay ein. Allein das reicht aber aus, um Know How aufzubauen, das meilenweit vor dem von jemandem liegt, der vor einem PC wie der Ochs vorm Berg steht. Rate mal, wer von beiden den Job zur Maschinenbedienung bekommt, an der sich eine EDV-gestützte Steuerungsanlage befindet...

Weder ein Kind in Deutschland noch in Afrika braucht ein Computer um besser zu leben!
Der Computer ist eine Schlüsseltechnologie und im Zeitaler des Internets essentiell zur Informationserlangung. Und wie ich schon schrub, das Problem Afrikas, eine funktionierende Wirtschaft aufzubauen, die im globalen Maßstab mithalten kann - und das heißt vor allem: die Werte schöpft und Güter oder Dienstleistungen exportiert statt Rohstoffe - läßt sich nicht beheben, indem man der Wissenselite eines Landes (nur) Lesen und Schreiben beibringt. Dort werden Fachleute in Technik und Wissenschaft benötigt, nicht nur Bauern.

Schon jetzt werden hier kaum Bücher und Zeitungen gelesen und die nächsten Generationen werden nicht intelligenter, glaubt mir. Die werden dümmer, die werden verdorbener, nichts weiter!
Hach, wie schön, daß sich seit biblischen Zeiten nichts geändert hat. Schon auf babylonischen Schrifttafeln wurde der Verfall der Jugend beklagt. Anatomisch gesehen sind die Leute nicht intelligenter als früher, aber auch nicht dümmer.

Rumsurfen im Web, Britney und Co. hören bei MTV ist viel schlechter für ein Kind als ohne PC zu aufwachsen. Die Kinder werden hier mit Multimedia (PC, Internet, Konsolen, Handys etc.) vergiftet, die kennen kaum irgendwelche Werte und haben Respekt vor Irgendwas.
Gibt's da irgendeinen Beleg für?
Ich erinnere mich übrigens, wie in den 50ern das Hören von "Negermusik" als verderblich angeprangert wurde. Also alles in allem: Im Westen nichts neues. Die Elterngeneration regt sich über die Jugend auf, die Jugend ignoriert das und kommt gleichwohl später bestens zurecht. Insofern lassen mich diese Umstände sehr gut schlafen.

Die afrikanische Kinder wären viel Glücklicher, wenn die warmes Essen zu Hause hätten, Eltern die noch Leben, Kleider die sie tragen, Medikamente die sie brauchen..
Wieviel Prozent der afrikanischen Kinder haben denn kein warmes Essen, sind Waisen, haben nur Lumpen an und sind von medizinischer Versorgung abgeschnitten?

Komisch, ein per Stipendium geförderter Kommilitone von mir damals kam aus Kamerun, aus einem Dorf ohne Strom im Busch, hatte 9 Geschwister, aber Not haben sie nicht gelitten, waren nicht einseitig oder unternährt, und auf den Fotos, die er zeigte (ja in der Tat! Sie wußten was ein Fotoapparat ist), sah es zwar nach einfacher Lebensweise aus, aber absolut nicht nach Armut. Und er beherrschte trotzdem zwei europäische Fremdsprachen und zivile Umgangsformen. Unterschätzt die Afrikaner nicht! Wir sollten ihnen aber die technologischen Hilfsmittel geben, um ihr Potential auch auszuschöpfen.