Diskussionsforum
  • 02.11.2011 01:46
    base station schreibt

    Schade, daß der Fortschritt ausgebremst wird

    DAB+ hat eine wesentlich bessere spektrale Effizienz als Stereo UKW Rundfunk. Um bei Stereo FM noch ein halbwegs rauschfreies Signal zu hören braucht man schon erhebliche Feldstärken und dann ist die Stereo Kanaltrennung nur etwas über 20 dB.

    Der Nachteil für DAB+ ist, daß die Geräte immer noch einen hohen Stromverbrauch haben und es daher portable Geräte mit langer Batterielebensdauer nicht gibt.

    Der analoge UKW Stereo-Rundfunk mit dem 19-kHz-Pilottonverfahren gehört endlich abgelöst und durch ein wesentlich besseres digitales Verfahren ersetzt. Sonst hat der Rundfunk im VHF Bereich die Zukunft wie der AM Mittelwellenrundfunk.

    Wozu braucht man in Zeiten von mp3 Playern dann noch Dudelfunk?
  • 03.11.2011 23:03
    noplease antwortet auf base station
    Benutzer base station schrieb:
    > [...]
    >
    > Der Nachteil für DAB+ ist, daß die Geräte immer noch einen
    >
    hohen Stromverbrauch haben und es daher portable Geräte mit
    >
    langer Batterielebensdauer nicht gibt.
    > [...]
    Das liegt nicht allein an DAB bzw. DAB+, sondern eher daran, dass die DAB+-Geräte wegen der geringeren Absatzmengen weiter auf der Basis schon existierender Plattformen entwickelt (sehr preiswert und maximale Wertschöpfung) werden. Etwas überspitzt ausgedrückt: hier wird leider noch immer Schrott mit angepasster Firmware flottgemacht. Diese Universalgenies, die mit Multinorm-Empfängern und in Firmware realisierten Dekodern daherkommen, sind nicht unbedingt auch energiesparend.
    Um die höhere Rechenleistung, die DAB+ für die Dekodierung benötigt, bei gleichzeitig geringerem Energiebedarf zu realisieren, müsste man in neue spezialisierte Bausteine investieren.
    Das wird aber vorerst nichts, denn die Anbieter sehen sich einem mittleren Kaufpreis von 50 Euro gegenüber, den der Markt entsprechenden Untersuchungen nach derzeit als akzeptabel für ein "Ausprobieren von Digitalradio' empfindet. Deshalb kommt der überwiegende Teil der Geräte als Bad- und Küchenradio mit leichten Büro-Ambitionen daher... also in genau dem Preisbereich und eher nicht auf portable Nutzung ausgelegt.

    Benutzer base station schrieb:
    > [...]
    > Der analoge UKW Stereo-Rundfunk mit dem
    >
    19-kHz-Pilottonverfahren gehört endlich abgelöst und
    >
    durch ein wesentlich besseres digitales Verfahren ersetzt.
    >
    Sonst hat der Rundfunk im VHF Bereich die Zukunft wie
    >
    der AM Mittelwellenrundfunk.
    >
    > Wozu braucht man in Zeiten von mp3 Playern dann noch Dudelfunk?

    Die Antwort auf Deine am Ende gestellte Frage mal zuerst:
    Dazu muss man sich mit den grauen Zellen einmal in die Physiologie des Radiokonsums einwuseln...
    In Deutschland hören täglich weit über 50 Mio Leute Radio, es ist nach wie vor das absolute 'Nebenbei-Medium Nr. 1'.
    Radiohören wird als sehr viel freiwilliger und unaufdringlicher empfunden als andere Medien, was die ungebrochen hohe Akzeptanz erklärt. Interessanterweise genau deshalb, weil es eben nicht 'perfekt' ist. Kein Bild und vor allem bei mobiler Nutzung ab und zu Störungen und etwas Rauschen sorgen dafür, dass sich das Gehirn sehr viel aktiver am Hör- und Wahrnehmungsprozess beteiligt als bei anderen Medien. Vorstellungskraft und Phantasie werden häufiger bemüht, die aufgenommene Information erhält (hallo Evolution) eine höhere Wichtigkeit, wird intensiver wahrgenommen und bleibt länger in Erinnerung.

    Nun sollte man meinen, bessere Qualität käme auch besser an, doch ausgerechnet beim Radio kann der Effekt ins genaue Gegenteil umkippen.
    Wird Radio 'zu gut', wird es auch unmittelbarer, aufdringlicher und rückt an die 'perfekteren' Medien wie TV und Internet weiter heran, denen die Nutzer schon lange aus Gewohnheit mit mehr Vorbehalten, Misstrauen und ein wenig Verdacht der Massenmanipulation gegenübertreten. Ein solcher Vertrauensverlust, ein negativeres Image wäre für die Radiosender überaus schädlich, denn sie würden damit einen wesentlichen Teil ihrer Einzigartigkeit in der Medienlandschaft einbüßen.

    Radio geht am besten unter die Haut, wenn es nebenbei genossen wird... und genau deshalb, weil 'Dudeln' zum Erfolgsrezept des Radios gehört, wird 'Dudelfunk' gebraucht!

    Nicht umsonst ist das Radio trotz Musiksendern, Videoportalen und sonstigen Vermarktungswegen im Internet nach wie vor der effektivste Weg für Neuvorstellungen und Präsentation neuer Künstler und/oder neuer Songs.

    Genau das kann ein MP3-Player nicht.
    Ich habe jedenfalls noch keinen erlebt, der plötzlich und von sich aus neue Songs auf Lager hatte, ein neues Album besprochen hat, Künstler interviewen konnte, zu einem aktuellen Charthit das Original von vor 30 Jahren ausgraben konnte, etc..
    Das kann Radio viel besser!
    Und auch wenn der Flash-Speicher im Player noch so groß ist: irgendwann freut man sich auf Unerwartetes, Neues oder ewig nicht mehr Gehörtes, das man nicht selbst besitzt. Und das kann der 'EmmPee ThreePee' nun mal nicht.



    Zurück zum eigentlichen Thema Analog-Ablösung...:

    DAB+ ist ebenso 'Rundfunk im VHF Bereich' wie das gute alte analoge UKW.
    UKW-Radio liegt bei uns im VHF Band II von 87,5 - 108 MHz,
    DAB+ in Deutschland nutzt bislang VHF Band III von 174 - 230MHz.
    Aus bekannten physikalischen Gründen sinkt die Abdeckung bzw. Reichweite mit steigender Frequenz und kann nur bedingt durch die digitale Kodierung ausgeglichen werden. Wenn nichts an Signal ankommt, ist die Signalform eindeutig Nebensache!
    Topografische Gegebenheiten wirken sich auf DAB wegen der höheren Frequenzen auch stärker aus, so dass für eine dem analogen UKW gleichwertige Versorgung unzählige Füllsender mehr notwendig würden als bisher. Das schmälert dann natürlich wieder die Energieeinsparung, wenn die Hauptsender zwar nur ein Siebtel bis Zehntel der Energie brauchen, ich aber mit viel mehr und weitaus unwirtschaftlicheren Füllsendern ausgleichen muss.
    Einen Vorteil hätte DAB dann allerdings: als Gleichwellennetz beanspruchen diese zusätzlichen Sender keinen weiteren Frequenzraum.

    Apropos Energieverbrauch:
    Weniger Hauptsender und um den Faktor 7-10 geringere ERP bei einem kompletten Wechsel zu DAB+, das spart zwar zunächst. Die erforderlich werdenden 'Hilfsbeleuchter' für Berg und Tal dürften den Nutzen am Ende aber leider deutlich schmälern.
    Im Gegenzug müssen die Hörer nun auch noch Geräte verwenden, die nicht nur empfangen und demodulieren, sondern auch noch einen komplexen Datenstrom dekodieren müssen. Und genau deshalb genehmigen diese sich (s.o.) mehr Strom.
    Gehen wir also mal davon aus, dass ein paar der täglich über 50 Millionen Radiohörer zusammen hören und nur 25 Millionen Geräte laufen, die jeweils nur zwei Watt pro Stunde mehr Leistungsaufnahme haben, dann sind das 50 Megawattstunden pro Radiostunde. Zur Orientierung: das wären knapp 4% der Leistung eines der noch im Betrieb befindlichen Kernkraftwerke in Deutschland. Würden alle dann im Durchschnitt vier Stunden täglich hören, wären wir bei 200 Megawattstunden, die mit DAB+ bei den Empfängern Tag für Tag für Tag mehr verbraucht würden als vorher... und das ist nur ganz vorsichtig geschätzt.
    Stellt sich also die Frage, ob DAB+ unter Umweltschutz-Aspekten am Ende nicht sogar fast schon schlechter zu bewerten ist als analoges UKW-Radio.

    Ein Großteil des 'Radiokonsums' passiert wohl allgemein dort, wo eben nicht alle Sinne dem Radioprogramm gewidmet werden. Ob nun auf der Baustelle, im Auto, Büro oder der Küche: selbst dann, wenn also die Übertragungstechnik echtes Konzertsaal-Feeling ermöglichen würde, würde es in den allermeisten Fällen gar nicht genutzt. Noch dazu außerhalb von Fahrzeugen fast immer Mono... kein Vorteil für DAB+.
    Wer sich bewusst und exklusiv dem störungsfreien Musikgenuss eines Radiosenders hingeben will, kann das fast immer auch per Breitband-Internet (und braucht nicht schon wieder einen weiteren Empfänger dafür).

    Auch bei Verkehrsdurchsagen (bei Kraftfahrern trotz TMC nach wie vor beliebt) muss ich die Sprecher nicht exakt im Raum orten können. Kein Vorteil für DAB+.

    In 95% aller Fahrzeuge ist mangels akustischer Aufrüstung sowieso unterhalb von 150Hz und oberhalb von 12kHz absolut tote Hose und eine halbwegs erfolgreiche Kanaltrennung bleibt abseits des mittleren Platzes auf der Rückbank für die meisten ein ewiger Wunschtraum, von den Fahr- und Windgeräuschen ohnehin ganz abgesehen... kein Vorteil für DAB+

    Einen Vorteil durch das Gleichwellennetz von DAB+ hätten primär die beweglichen Empfänger. Allerdings ist das RDS-System mit seinen Diensten wie AF, PI, TA, TP, TMC, ODA, etc. bewährt und sehr ausgereift. Gerade bei höherwertigen UKW-Empfängern mit Dual-Tuner bzw. Diversity-Empfang erfolgen Frequenzwechsel auf Basis der AF-Tabellen kaum hörbar. Bis genug Füllsender die Lücken von DAB+ ausbügeln, ist hier n.m.E. sogar UKW im Vorteil.

    Für das menschliche Gehör ist das für zu schwachen digitalen Empfang typische, immer wieder abrupte Verstummen des Empfängers oder regelrechtes Stakkato von Tonfetzen oder Wortbrocken schlimmer als ein zeitweilig stark rauschender Empfang. Gerade im Fahrzeug kann das sogar stark ablenken.
    Nicht umsonst schalten UKW-Autoradios im Grenzbereich bei mangelnder Stereoqualität zunächst auf Mono um und senken selbst bei nicht mehr erkennbarem Signal nur die Lautstärke, ohne völlig stummzuschalten. UKW ist damit weitaus freundlicher zum menschlichen Gehör und Gehirn.
    Das Gehirn kann nämlich bei UKW das Rauschen ausblenden, aber bei DAB+ keine fehlenden Daten einblenden.

    Denke ich dann noch darüber nach, wie viele Geräte beim Abschalten des UKW-Rundfunks schlagartig zu Elektroschrott werden und wie viele davon vermutlich auch wieder auf irgendwelchen Kanälen zum 'fachgerechten Entsorgen' in die Dritte Welt geschickt werden (siehe http://heise.de/-1368803 ), ... dann kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch seeeehr gut auf DAB+ als Standard verzichten.

    Für die heute typische Nutzung von Radio-Rundfunk bietet ein kompletter Plattformwechsel von UKW zu DAB+ nicht genug praktische Vorteile, so dass sich der massenhafte Umstieg weder individuell, noch umweltbezogen oder volkswirtschaftlich lohnt.
    Ein deutlich übersichtlicherer Frequenzverteilungsplan ist kein praktischer Nutzen für mich.
    Die einzigen, die davon wirklich profitieren würden, wären die (mutmaßlich im fernen Osten), bei denen die Geräte gefertigt werden. Das können wir zugunsten unserer Außenhandelsbilanz getrost überspringen und die weiteren Entwicklungen zur Medienkonvergenz abwarten.

    Überall, wo Breitbandverbindungen verfügbar sind, wird DAB+ auf absehbare Zeit nur eine ergänzende Rolle haben oder sogar überflüssig sein. Stehen möglichst bald mehr Nutzungsmöglichkeiten zur Verfügung (Multicast Downstreams mit IP over DAB, TPEG, ...), könnte das gerade im mobilen Bereich einen wirklichen Nutzen bieten. Zu vermuten ist allerdings, dass mobile Breitbandverbindungen dank LTE und Konsorten schneller vorankommen als DAB+ erfolgreich um diese Dienste erweitert werden kann. Gerade das Fehlen eines Rückkanals kann für DAB+ zum Stolperstein werden. Bei DSL via Sat war es auch so, dass es sich erst als Zweiwege-Lösung wirklich etablieren konnte.

    So, genug 'filosofiert'.
  • 06.11.2011 22:55
    base station antwortet auf noplease
    Benutzer noplease schrieb:
    > Benutzer base station schrieb:
    > > [...]
    > >
    > > Der Nachteil für DAB+ ist, daß die Geräte immer noch einen
    > >
    hohen Stromverbrauch haben und es daher portable Geräte mit
    > >
    langer Batterielebensdauer nicht gibt.
    > > [...]
    > Das liegt nicht allein an DAB bzw. DAB+, sondern eher daran,
    >
    dass die DAB+-Geräte wegen der geringeren Absatzmengen weiter
    >
    auf der Basis schon existierender Plattformen entwickelt (sehr
    >
    preiswert und maximale Wertschöpfung) werden.

    Das ist eben das Problem: wegen mangelnder Verbreitung, geringe Stückzahl, wegen geringer Stückzahl höhere Entwicklungskosten pro Gerät, wegen höherer Kosten mangelnde Verbreitung.


    > Um die höhere Rechenleistung, die DAB+ für die Dekodierung
    >
    benötigt, bei gleichzeitig geringerem Energiebedarf zu
    >
    realisieren, müsste man in neue spezialisierte Bausteine
    >
    investieren.

    Digitale Bausteine werden immer einen höheren Stromverbrauch haben als analoge ICs. Zudem haben analoge ICs für mixer, IF amplifier, demodulator einen Entwicklungsvorsprung von 30 Jahren.


    > der überwiegende Teil der Geräte als Bad- und Küchenradio mit
    >
    leichten Büro-Ambitionen daher... also in genau dem
    >
    Preisbereich und eher nicht auf portable Nutzung ausgelegt.

    Interessant wird es wenn es gelänge DAB+ in Mobiltelefone zu integrieren wo heute FM radios verbaut werden. Dazu müsste aber DAB+ globale Verbreitung haben um die Entwicklungskosten für die speziellen ICs zu rechtfertigen.


    > Benutzer base station schrieb:
    > > [...]
    > > Der analoge UKW Stereo-Rundfunk mit dem
    > >
    19-kHz-Pilottonverfahren gehört endlich abgelöst und
    > >
    durch ein wesentlich besseres digitales Verfahren ersetzt.
    > >
    Sonst hat der Rundfunk im VHF Bereich die Zukunft wie
    > >
    der AM Mittelwellenrundfunk.
    > >
    > > Wozu braucht man in Zeiten von mp3 Playern dann noch Dudelfunk?
    >
    > Die Antwort auf Deine am Ende gestellte Frage mal zuerst:
    >
    Dazu muss man sich mit den grauen Zellen einmal in die
    >
    Physiologie des Radiokonsums einwuseln...
    > In Deutschland hören täglich weit über 50 Mio Leute Radio, es
    >
    ist nach wie vor das absolute 'Nebenbei-Medium Nr. 1'.

    Deshalb ist Aufwand und Qualität des UKW Rundfunks zu hoch.

    Nur die _gefühlte_ Reichweite von DAB und UKW ist gleich. Wenn man aber UKW mit hohen SNR, große Stereokanaltrennung und ohne multipath Verzerrungen mit einfacher Rundempfangsantenne hören will dann bricht die Reichweite von UKW Rundfunk schnell zusammen. Hier werden eben Apfel mit Birnen verglichen.

    Wenn UKW sowieso meist nur mono gehört wird mit Geräten die keinen HiFi Frequenzbereich haben und wenn es im Auto noch erhebliches Hintergrundrauschen gibt so könnte auf den hohen Aufwand bei FM Rundfunk verzichtet werden. Zumal auf das UKW Signal noch RDS und sonstwas draufgepackt wird. Die Audiofrequenz bei 7 kHz begrenzen, dann kann man das UKW Rundfunkfunkband bei einer Kanalbandbreite von ca. 150 kHz mit Dudelfunk vollpacken, eine Verdoppelung der jetzigen Senderanzahl. Für talk radio oder zur Musikberieselung langt das immer noch.

    Ein Problem von DAB ist das bei schwachem Signal es zu vielen drop outs kommt, bei FM verschlechtert sich dann das SNR aber der Sender ist immer noch zu hören. Das ist hat ein typischer Nachteil digitaler Modulation.



    > und rückt an die 'perfekteren' Medien wie TV und Internet

    TV wird bei manchen Leuten die ich kenne auch nur zur Berieselung eingeschaltet.

    Die Nutzung von herkömmlichen Rundfunk und Fernsehen wird abnehmen. Im Heimbereich nimmt Internetradio zu. Für die werbetreibende Industrie, an die die Zuhörer verkauft werden, ist das auch günstiger, weil die dann wissen wieviele hören und vielleicht auch noch wer hört. Da lassen sich zusätzlich Werbebotschaften gezielt übermitteln. Wenn in den nächsten Jahren echte flatrates bei einem gut ausgebauten HSDPA oder LTE Netz kommen gibts auch Internetradio aufs Handy. Allerdings brauchen dann die Gerät eine wesentlich größere Akkukapazität.



    > wesentlichen Teil ihrer Einzigartigkeit in der
    >
    Medienlandschaft einbüßen.

    Einzigartig im positiven Sinne?

    Auf die öffentlich rechtlichen kann ich gut verzichten. Die Infobeiträge werden auf DLF, den ganzen info Radios und sogar auf DW recycled. Zeitversetzt hört man überall das gleiche. Das könnte man sich genauso gut auch als podcast reinziehen.

    Was in Deutschland fehlt sind _private_ talk radios. Aus politischen Gründen sind die wohl unerwünscht.


    > Nicht umsonst ist das Radio trotz Musiksendern, Videoportalen
    >
    und sonstigen Vermarktungswegen im Internet nach wie vor der
    >
    effektivste Weg für Neuvorstellungen und Präsentation neuer
    >
    Künstler und/oder neuer Songs.

    Noch.

    Internet wird das ändern. Dudelfunk ist wenig geeignet um neue Interpreten vorzustellen. Ein Video bei YouTube bringt da wesentlich mehr. Denn damit wird auch die Zensur der Musikredaktion umgangen.


    > Zurück zum eigentlichen Thema Analog-Ablösung...:

    Meine Argumentation für DAB+ war auch technisch und nicht mit dem Programminhalt begründet.

    > DAB+ ist ebenso 'Rundfunk im VHF Bereich' wie das gute alte
    >
    analoge UKW.
    > UKW-Radio liegt bei uns im VHF Band II von 87,5 - 108 MHz,
    >
    DAB+ in Deutschland nutzt bislang VHF Band III von 174 -
    >
    230MHz.

    Eben.

    Daher, wegen der vielen noch im Markt befindlichen Geräte den Dudelfunk im UKW Rundfunkbereich belassen _aber_ die Kanalbandbreite verringern damit dieses Spektrum besser genutzt werden kann. Für die vielen portabelen, Küchen- oder Badradios bedeutet das sowieso keine Veränderung. Gleichzeitig gibt es aber einen Anreiz DAB+ Geräte zu betreiben, denn DAB+ ist wesentlich effizienter als UKW Stereo + Pilotton + L-R Signal + RDS und und und.

    > Aus bekannten physikalischen Gründen sinkt die Abdeckung bzw.
    >
    Reichweite mit steigender Frequenz und kann nur bedingt durch
    >
    die digitale Kodierung ausgeglichen werden. Wenn nichts an
    >
    Signal ankommt, ist die Signalform eindeutig Nebensache!

    Aber bei schwachen Signalen kann FEC noch einiges rausholen während es mit einem UKW _Stereo_ signal nicht mehr geht.

    Bei der von mir beschriebenen Optimierung im UKW Bereich durch Halbierung der Bandbreite, hätte man dort auch Frequenzen für DAB+ frei, wenn man es so wollte.

    Der Nachteil der geringeren Reichweite der höheren Frequenz bei DAB kann aber auch ein Vorteil sein. Wegen kleinerer Funkzellen kann man mehr Sender aufstellen. Bei DAB lässt sich die geliche Frequenz öfters wiederverwenden als bei UKW Rundfunk.


    > Einen Vorteil hätte DAB dann allerdings: als Gleichwellennetz
    >
    beanspruchen diese zusätzlichen Sender keinen weiteren
    >
    Frequenzraum.

    Eben!

    > Apropos Energieverbrauch:
    >
    Weniger Hauptsender und um den Faktor 7-10 geringere ERP bei
    >
    einem kompletten Wechsel zu DAB+, das spart zwar zunächst. Die
    >
    erforderlich werdenden 'Hilfsbeleuchter' für Berg und Tal
    >
    dürften den Nutzen am Ende aber leider deutlich schmälern.
    >
    Im Gegenzug müssen die Hörer nun auch noch Geräte verwenden,
    >
    die nicht nur empfangen und demodulieren, sondern auch noch
    >
    einen komplexen Datenstrom dekodieren müssen. Und genau
    >
    deshalb genehmigen diese sich (s.o.) mehr Strom.

    Wenn man so argumentiert. Nur einen Langwellensender mit 1MW Leistung aufstellen und alle hören dann mit dem Detektorempfänger. Das wäre dann der optimale "carbon footprint".

    > Gehen wir also mal davon aus, dass ein paar der täglich über > 50
    >
    Millionen Radiohörer zusammen hören und nur 25 Millionen
    >
    Geräte
    >
    laufen, die jeweils nur zwei Watt pro Stunde mehr
    >
    Leistungsaufnahme haben, dann sind das 50 Megawattstunden pro
    >
    Radiostunde. Zur Orientierung: das wären knapp 4% der Leistung
    >
    eines der noch im Betrieb befindlichen Kernkraftwerke in
    >
    Deutschland. Würden alle dann im Durchschnitt vier Stunden
    >
    täglich hören, wären wir bei 200 Megawattstunden, die mit DAB+
    >
    bei den Empfängern Tag für Tag für Tag mehr verbraucht würden
    >
    als vorher... und das ist nur ganz vorsichtig geschätzt.
    >
    Stellt sich also die Frage, ob DAB+ unter Umweltschutz-
    >
    Aspekten
    >
    am Ende nicht sogar fast schon schlechter zu bewerten ist als
    >
    analoges UKW-Radio.




    > dann, wenn also die Übertragungstechnik echtes
    >
    Konzertsaal-Feeling ermöglichen würde, würde es in den
    >
    allermeisten Fällen gar nicht genutzt.

    Die öffentlich-rechtlichen strahlen so ein Zeug aber trotzdem aus. Daher die öffentlich-rechtlichen abschalten, da kann man nicht nur jede Menge Energie sondern auch noch die GEZ sparen.


    > Noch dazu außerhalb von
    >
    Fahrzeugen fast immer Mono... kein Vorteil für DAB+.
    >
    Wer sich bewusst und exklusiv dem störungsfreien Musikgenuss
    >
    eines Radiosenders hingeben will, kann das fast immer auch per
    >
    Breitband-Internet (und braucht nicht schon wieder einen
    >
    weiteren Empfänger dafür).

    Siehe meine Argumentation weiter oben.

    > Auch bei Verkehrsdurchsagen (bei Kraftfahrern trotz TMC nach
    >
    wie vor beliebt) muss ich die Sprecher nicht exakt im Raum
    >
    orten können. Kein Vorteil für DAB+.
    >
    > In 95% aller Fahrzeuge ist mangels akustischer Aufrüstung
    >
    sowieso unterhalb von 150Hz und oberhalb von 12kHz absolut
    >
    tote
    >
    Hose und eine halbwegs erfolgreiche Kanaltrennung bleibt
    >
    abseits des mittleren Platzes auf der Rückbank für die meisten
    >
    ein ewiger Wunschtraum, von den Fahr- und Windgeräuschen
    >
    ohnehin ganz abgesehen... kein Vorteil für DAB+
    >
    > Einen Vorteil durch das Gleichwellennetz von DAB+ hätten
    >
    primär die beweglichen Empfänger.

    Gerade dafür ist DAB ja da. Wer hört denn noch mit der Stereoanlage und UKW Richtantenne Konzerte.

    > Allerdings ist das RDS-System mit
    >
    seinen Diensten wie AF, PI, TA, TP, TMC, ODA, etc. bewährt und
    >
    sehr ausgereift. Gerade bei höherwertigen UKW-Empfängern mit
    >
    Dual-Tuner bzw. Diversity-Empfang erfolgen Frequenzwechsel auf
    >
    Basis der AF-Tabellen kaum hörbar. Bis genug Füllsender die

    Das sind dann aber auch nicht mehr die Geräte mit dem niedrigen Energieverbrauch. Gerade bei den zusätzlichen Datendiensten ist das limit des analogen Rundfunks erreicht.

    > Lücken von DAB+ ausbügeln, ist hier n.m.E. sogar UKW im
    >
    Vorteil.

    Das sehe ich nicht so. Der automatische Frequenzwechsel bei UKW, funktioniert zumindestens bei meinen Geräten, nicht optimal.


    > Dritte Welt geschickt werden (siehe http://heise.de/-1368803 ),

    Die sogenannte 3te Welt hat noch UKW Rundfunk und wird ihn noch lange haben. Die haben noch nicht mal digital TV, jedenfalls in den Ländern die ich kenne.

    > ... dann kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch seeeehr gut auf
    >
    DAB+ als Standard verzichten.

    Diese Einstellung ist eine Innovationsbremse und typisch für Deutschland. Dabei sollte Deutschland als Hochtechnologieland führend bei der Einführung des technischen Fortschritts sein.

    Mit der Einstellung hätte es auch keinen UKW Rundfunk denn AM würde es auch tun. Auf Geräte mit PLL Synthesizer müsste man ebenfalls verzichten weil die einen viel höheren Stromverbrauch als die alten mit Drehko-Abstimmung haben.

    Frequenzen, vor allem im VHF Bereich sind eine knappe Ressource und DAB+ nutzt diese viel besser.


    > individuell, noch umweltbezogen oder volkswirtschaftlich
    >
    lohnt.

    Gerade volkswirtschaftlich lohnt es sich, denn Deutschland wird sich den Luxus der Technikfeindlichkeit und der Fortschrittverhinderns in einer globalisierten Welt nicht länger leisten können.

    > Ein deutlich übersichtlicherer Frequenzverteilungsplan ist
    >
    kein
    >
    praktischer Nutzen für mich.

    Ich will Sender einstellen und keine Frequenzen eintippen.

    > Die einzigen, die davon wirklich profitieren würden, wären die
    >
    (mutmaßlich im fernen Osten), bei denen die Geräte gefertigt

    Solange die Wertschöpfung noch in Deutschland erfolgt ist es ja noch gut.

    Wenn die Ostasiaten aber erst mal die Lizenzen haben und dann auch noch weltweit _ihre_ Standards setzten können, dann gute Nacht Deutschland, gute Nacht Europa.

    > werden. Das können wir zugunsten unserer Außenhandelsbilanz
    >
    getrost überspringen und die weiteren Entwicklungen zur
    >
    Medienkonvergenz abwarten.

    Klar ist DAB+ nicht der Stein der Weisen, die Zukunft ist 4G Mobilfunk. Es braucht dann aber viel, viel mehr Base Transceiver Stations als die paar DAB Sendeanlagen, mit wesentlich höherem Energieverbrauch.

    > Überall, wo Breitbandverbindungen verfügbar sind, wird DAB+
    >
    auf
    >
    absehbare Zeit nur eine ergänzende Rolle haben oder sogar
    >
    überflüssig sein. Stehen möglichst bald mehr
    >
    Nutzungsmöglichkeiten zur Verfügung (Multicast Downstreams mit
    >
    IP over DAB, TPEG, ...), könnte das gerade im mobilen Bereich

    Es gab mal Frequenzen im L-band für DAB. Was ist mit denen? Die könnte man für mobile Datendienste nutzen. Während der VHF Bereich optimal für Rundfunk ist.


    > einen wirklichen Nutzen bieten. Zu vermuten ist allerdings,
    >
    dass mobile Breitbandverbindungen dank LTE und Konsorten
    >
    schneller vorankommen als DAB+ erfolgreich um diese Dienste
    >
    erweitert werden kann. Gerade das Fehlen eines Rückkanals kann
    >
    für DAB+ zum Stolperstein werden. Bei DSL via Sat war es auch
    >
    so, dass es sich erst als Zweiwege-Lösung wirklich etablieren
    >
    konnte.

    Siehe meine Argumention zu den Werbetreibenden weiter oben.

    Der Nachteil bei LTE und Co. ist aber das es keine effektives Medium zu Verbreitung von Rundfunk ist. Wer schon mal versucht hat am Bundestagswahlabend live die Tagesschau im Internet zu sehen kennt das limit des Rundfunks über das Internet.

    Der Nachteil von DAB ist noch, daß es kaum Mehrwert bietet, daß die Programme auch im herkömmlichen Rundfunk empfangbar sind.

    > So, genug 'filosofiert'.

    Dem ist nix hinzuzufügen.
  • 04.11.2011 00:59
    tim berndt antwortet auf base station
    Ich fürchte, Digital-Radio wird ebenso ein Reinfall für den Konsumenten wie "Überall-Fernsehen": Früher konnten wir hier, 20 Bahn-Minuten ausserhalb von Hamburg, mit einer Zimmer-Antenne alle üblichen Programme empfangen. Nun aber sind hier selbst mit Dach-Antenne und Verstärker nichtmal mehr alle öffentlich-rechtlichen Programme via DVB-T erhältlich.
    Für den Nutzer bedeutet es Entsorgung aller bisherigen Radios und Neukauf zum dreifachen Preis; Gewinner ist primär der Staat, welcher ein Vielfaches an Frequenzen vermieten kann. Achja: ohne Digitalitis funktionieren natürlich weder Schutz vor Mitschnitten noch Verbot des Weiterspulens bei Reklameblöcken...
    Und sage keiner, die Qualität bei Digital-TV wäre besser: Bei vielen Sendern ist die Datenkompression so hoch, daß schnell bewegte Bilder eher noch schlechter werden. So passen halt noch mehr Sender in ein Buquet hinein. Beim Radio wird es wohl niemand bemerken, da die Ohren weniger genau sind als die Augen.
    Wenn Digital-Radio kommt - dann werden sich vermutlich die Sender von Kurz- und Mittelwelle über viele neue Hörer freuen: da gibt es zwar nur uralte Mono-Qualität, aber das kann man mit billigsten oder sogar selbstgebastelten Geräten überall empfangen. Und ehe ich das Küchen- oder Autoradio wegwerfe, da schalte ich erstmal dorthin um.
    Fortschritt? Gerne, aber bitte nur auf freiwilliger Basis.
  • 06.11.2011 23:12
    base station antwortet auf tim berndt
    Benutzer tim berndt schrieb:
    > Ich fürchte, Digital-Radio wird ebenso ein Reinfall für den
    >
    Konsumenten wie "Überall-Fernsehen":

    Seit wann ist DVB-T ein Reinfall?

    > Zimmer-Antenne alle üblichen Programme empfangen. Nun aber
    >
    sind
    >
    hier selbst mit Dach-Antenne und Verstärker nichtmal mehr alle
    >
    öffentlich-rechtlichen Programme via DVB-T erhältlich.

    Richtige Installation?

    Auf vertikale Polarisation ausgerichtet?

    > Für den Nutzer bedeutet es Entsorgung aller bisherigen Radios
    >
    und Neukauf zum dreifachen Preis; Gewinner ist primär der

    Der Preis des technischen Fortschritts. Ich kann ja auch nicht mehr mit meinem SINCLAIR ZX-80 computer im Internet surfen.


    > Und sage keiner, die Qualität bei Digital-TV wäre besser: Bei

    Des Programmangebot ist wesentlich besser wegen midestens 3facher Anzahl der Programme. Zudem nutzt DVB-T die knappe Ressource der Kanäle im VHF / UHF Bereich besser. Ein VHF Kanal ist mit 3 und ein UHF ist mit 4 Programmen belegt. Es ermöglicht durch die "digital dividend", daß ab 790 MHz das Band für Mobilfunk wie LTE genutzt werden kann.

    > vielen Sendern ist die Datenkompression so hoch, daß schnell
    >
    bewegte Bilder eher noch schlechter werden. So passen halt
    >
    noch

    Die Auflösung ist besser, keine Farbsäume bei hoher Modulationsfrequenz, keine Geisterbilder.

    > mehr Sender in ein Buquet hinein. Beim Radio wird es wohl

    Und Digitalton.

    > niemand bemerken, da die Ohren weniger genau sind als die
    >
    Augen.
    > Wenn Digital-Radio kommt - dann werden sich vermutlich die
    >
    Sender von Kurz- und Mittelwelle über viele neue Hörer freuen:
    >
    da gibt es zwar nur uralte Mono-Qualität, aber das kann man
    >
    mit
    >
    billigsten oder sogar selbstgebastelten Geräten überall

    Schön wäre es. Aber MW ist durch PLC und Myriaden mangelhafter Schaltnetzteile gestört.


    > Fortschritt? Gerne, aber bitte nur auf freiwilliger Basis.

    Der FM Rundfunk wird in absehbarer Zeit nicht abgeschaltet werden.
  • 12.11.2011 14:13
    koelli antwortet auf base station
    Es wundert mich, dass KISS FM im bundesweiten DAB+ Modus vertreten ist, aber nur die normale Berliner Regionalversion ausstrahlt. Was bringt es dem Hörer in München, wenn er das Wetter und Ausgehtipps für Berlin angesagt bekommt?
    Da hat es ENERGY doch besser gemacht: Die haben extra für DAB+ einen überregionalen Sender am Start. Der bringt Musik pur.
  • 26.11.2011 09:40
    itt3030 antwortet auf base station
    Man sollte etwas ganz Wichtiges nicht vergessen - den gewaltigen Bestand an UKW-Empfängern - in quasi jedem Auto, mindestens ein in jeder Wohnung, in jeder Stereo-Anlage. Nicht jeder will/kann seine Geräte einfach wegwerfen, weil mal wieder was Neues kommt. Daher ist der hybride Weg aus meiner Sicht der einzig sinnvolle, wenn man irgendwann "schleichend" bei DAB landen will.