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Gähnen ...


05.05.2009 23:05 - Gestartet von dcf77
... mehr als das entlockt mir dieser Artikel nicht mehr!

Dabei war ich einst glühender Verfechter des ersten digitalen terrestrischen Systems für Hörrundfunk ... DAB!
Denn es liegen tatsächlich Welten von analogem UKW/RDS zu einem solchen System, ich habe das selber getestet, habe mir einen völlig überteuerten Empfänger der zweiten Generation angeschafft, habe das Problem der zusätzlichen, ebenfalls völlig überteuerten Antenne gelöst, indem ich eine Umbauanleitung ins Netz gestellt habe (unten), habe umfangreiche Netztests durchgeführt und habe jetzt in meinem neuen Wagen ... gar kein Autoradio mehr!

Denn ich bin das ständige Hickhack leid, die deutsche Flickschusterei der Landesmedienanstalten, Programmanbieter und sonstigen Verantwortlichen!
Solange die sogenannte 1.Bedeckung im Band III nicht die großen Programme simulcast abbildet, wird sich ein neues System nie durchsetzen, Mehrwertdienste (ich kanns nicht mehr hören!) sind nette Spielereien für uns Freaks, die breite Masse der Leute will einfach ihre bekannten UKW-Programme hören, mehr nicht!

Dem will ich meinen vor zwei Jahren publizierten Beitrag anfügen, der das ganze Trauerspiel nochmal verdeutlicht, leider hat sich weitere zwei Jahre absolut nichts positives getan!

Mein Artikel von 2007:

Seit fünf (jetzt sieben) Jahren betreibe ich einen Blaupunkt-Woodstock-DAB-52, das damals erste Autoradio am Markt mit integriertem Chipsatz, also ohne externe Empfangsbox, der damalige Marktpreis lag bei etwa 550 Euro.

Dieses Gerät benötigt eine herkömmliche Antenne mit 50-Ohm-Anschluß für analogen UKW- und AM-Empfang sowie eine spezielle DAB-Antenne mit einem sogenannten SMB-Stecker für digitalen DAB-Empfang.

Da die von Blaupunkt angebotene Scheiben-Klebe-Antenne teuer und außerhalb der Kernversorgungszone der DAB-Sender nicht leistungsfähig ist und ich keine zweite Außenantenne installieren wollte, habe ich mir das Gerät intern so umgebaut, daß die analoge UKW-Antenne auch das DAB-Modul mitversorgt, mit besten Ergebnissen für den Empfang im Band III, sofern man eine ordentliche, sprich lange, Stabantenne verwendet, möglichst ohne Verstärker.
Wie dies genau geht, habe ich seinerzeit in diversen DAB-Foren geschildert.

Soweit zur Technik, wie gesagt, das Ganze funktioniert bis heute einwandfrei, mittlerweile bereits im Folgefahrzeug.

Meine Meinung zur DAB-Einführung in Deutschland dagegen ist mit einem Wort zu beschreiben: Trauerspiel!

Ich war seinerzeit absolut überzeugt vom System DAB und bin es noch immer, weil es erstmalig einen Empfang im fahrenden Fahrzeug bietet, der der Studioqualität entspricht, die als Modulation auf die Sender geht.
Deshalb habe ich mir das Gerät noch in der Anfangsphase des Regelbetriebs für viel Geld gekauft und ... ich würde es NICHT wieder tun!

Daß man in Deutschland ein technisch so hervorragendes System wie DAB entwickelt, beteiligt waren immerhin das IRT, Fraunhofer, die ARD usw., ist die eine Sache, traurig ist dagegen, daß durch föderales Durcheinander und mangelhafte Kompetenz vieler Entscheidungsträger DAB bis heute nicht das geworden ist, was es z.B. in GB binnen kürzester Zeit dank der BBC wurde.

Bei uns hat man von Beginn an auf sogenannte "Mehrwertdienste" und Zusatzprogramme gesetzt, meiner Meinung nach der erste Irrsinn bei der Markteinführung eines neuen Verbreitungswegs, denn:
Immer, wenn ich jemandem die Vorzüge von DAB präsentieren wollte, kam als erstes die Frage:
Kann ich damit die herkömmlichen analog über UKW gesendeten Programme empfangen, in unserem Falle also die des MDR, RadioPSR, HitradioRTL usw.?
Da konnte ich dann mit Radio Jojo & Co. zum ersten Mal nicht überzeugen, Systempräsentation durchgefallen!
Natürlich braucht es für eine gewisse Zeit die Simulcast-Abstrahlung der wichtigsten bestehenden Programme, wenn man die Hörer nicht verprellen will!
Man denke nur an die jahrelange Parallelabstrahlung der meisten deutschen Fernsehprogramme über das ASTRA-Satellitensystem: Analog und digital per DVB-S, dort geht die Parallelabstrahlung eher schon zu lange, wenn man bedenkt, daß jeder analoge Transponder die ARD immense Gebührengelder kostet und ein DVB-S-Receiver ab 30 Euro zu kaufen ist ...

Die zweite freudige Erkenntnis kam dann immer bei der Probefahrt von Chemnitz (gut versorgt über Sendestandort Totenstein) nach Marienberg (Sendestandort Drei-Brüder-Höhe) durch das Zschopautal.
Denn dort müßte z.B. ein Repeater für die Stadt Zschopau eingesetzt werden, die SLM sieht es aber für wichtiger an, Zschopau mittels analogem UKW-Sender auf 99,5 MHz mit MDR-Info zu versorgen, man baut also das alte System, das abgelöst werden soll, mit neuen Sendern aus, während der geneigte Hörer auf DAB ... die Rüge "No Ensemble" seines Empfängers erhält!
Systempräsentation zum zweiten Mal durchgefallen, toll!

Und wenn nun schon der potentielle DAB-Kunde vom Kauf des Geräts abgehalten wurde ... jetzt macht man denen, die zu Beginn die teuren Empfänger aus Überzeugung gekauft haben, noch eine besondere Freude:
Man plant, die Norm derart zu modifizieren (MPEG4), daß wir unsere Blaupunkt-Woodstocks & Co. wegschmeißen können, denn die sind nicht zum Decodieren des neuen Datenstroms in der Lage, und man ist noch nicht mal so ehrlich, das den Leuten zu sagen!
Nein, es wird sogar noch die Abwärtskompatibilität angepriesen, die sich aber nur darauf bezieht, daß neue Geräte nach alter Norm abgestrahlte DAB-Ensembles wiedergeben können, nicht aber ein "alter" Blaupunkt-Woodstock ein neues MPEG4-Ensemble!

Und so werden die Käufer wieder mal verunsichert, denn welcher "Verkaufsberater" weiß schon (wenn er denn mit "DAB" überhaupt was anfangen kann ...), ob das entprechende Gerät nach alter oder neuer Norm decodieren kann bzw. updatefähig ist ...

Und die Katze beißt sich weiter in den Schwanz, indem die Programmveranstalter nicht (mehr) über DAB senden, weil die technische Reichweite zum Hörer fehlt, der Hörer die Reichweite durch Kauf von Geräten aber nicht steigert, weil er ein attraktives Programmangebot vermißt!

Mein Fazit:
Nie wieder werde ich ein Gerät kaufen, bevor das alte durch Abschaltung der alten Norm nicht mehr funktioniert!
Die Industrie wirds freun ...
(Ja mein lieber Kollege, Du wirst jetzt lachen ...)

Mein Artikel von 2003:

Antennen für BLAUPUNKT Woodstock DAB 52

Vor einiger Zeit gab ich den Tip, an Stelle einer zweiten teuren und oft schlechten DAB-Antenne eine "normale" lange Stab-Außenantenne anzuschließen.
Und zwar mittels selbstgebautem Adapter aus 10 cm Koax RG 174 mit angespritztem SMB-Stecker (im Handel für 5 Euro), sauber verlötet mit herkömmlicher 150-Ohm-Autoantennen-Kupplung (von einer Verlängerung).

Mit dieser Anordnung erreiche ich beste Ergebnisse, sogar im L-Band!

Der Nachteil war die nach wie vor erforderliche zweite Antenne.

Deshalb nun mein neuer Tip, genauso leistungsfähig, allerdings mit kleinem Eingriff ins Gerät.
Auch hier sollte man löten können und wissen, daß die Garantie erlischt, aber man braucht wirklich nur noch eine lange Stabaußenantenne für alle Bänder!

Das kurze 2,6 mm RG 174 Koax bleibt am SMB-Eingang angesteckt, wird jedoch an der Unterseite in das Gerät hineingeführt, direkt an der Gehäuseecke beim 50 Ohm-Antennenanschluß durch eine kleine Lücke an der Gehäuseecke.
Dazu wird der Unterdeckel abgenommen, zwei Minitorx-Schrauben sind zu lösen.
Mit feinem Lötkolben wird nun der 3 Millimeter abisolierte Innenleiter am Kontaktpunkt der Antennenbuchse auf der Platine verlötet, die Abschirmung wird nicht verbunden, sollte aber soweit wie möglich stehenbleiben.

Nach Anschluß der "normalen" Antenne, die wie gesagt am besten eine passive, lange Stabaußenantenne sein sollte, kann man nun auch die DAB-Bänder bestens empfangen.